Ziegengrippe (Q-Fieber)


Aktualisiert am 25. April 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Die Ziegengrippe gehört zu den Zoonosen. Diese von Tieren auf den Menschen übertragbare Erkrankung wird ebenfalls Q-Fieber genannt. Ziegengrippe ist eine meldepflichtige Erkrankung, die ausgenommen von Neuseeland und der Antarktis weltweit vorkommt. Die Ziegengrippe sollte nicht mit der Kinderkrankheit Ziegenpeter verwechselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Ziegengrippe?

Trotz der Bezeichnung als Grippe wird Ziegengrippe nicht von Viren verursacht. Es handelt sich vielmehr um Bakterien namens Coxiella burnettii, die zur gleichen Ordnung gehören wie die Erreger der Legionärskrankheit.

Nach einer Inkubationszeit von bis zu 40 Tagen zeigen die Betroffenen bei Q-Fieber grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und allgemeiner Schwäche. Die Übertragung der Erkrankung erfolgt bei Kontakt mit befallenen Tieren, die häufig symptomlos sind. Insbesondere ein Einatmen von Heu- und Strohpartikeln, die mit den Bakterien verseucht sind, führt zu einer Infektion mit der Ziegengrippe.

Nur rund die Hälfte der Infizierten zeigen die Symptome, die nach einem bis zu zweiwöchigen Krankheitsverlauf wieder abklingen. Bei Auftreten der Symptome von Ziegengrippe ist die Entwicklung einer Lungenentzündung eines der Hauptrisiken von Q-Fieber, wobei die Sterblichkeitsrate allerdings als gering mit 1 bis 2 Prozent einzuschätzen ist.

Ursachen

Eine Ansteckung mit Ziegengrippe ist hauptsächlich durch den Kontakt mit infizierten Tieren oder mit von diesen Tieren kontaminierten Materialien möglich. Die Hauptüberträger sind Nutztiere oder von diesen verseuchte Milchprodukte.

Mögliche Ansteckungsüberträger können allerdings auch Haustiere wie Hunde oder Katzen sein, die zumeist über die Bisse infizierter Zecken zum Überträger von Q-Fieber werden. Die Bakterien verlassen den Wirtskörper oft während des Geburtsvorgangs und werden mit der Nachgeburt oder der Fruchtblase mit ausgeschieden.

Zum gefährdeten Personenkreis gehören deswegen Tierärzte, Bauern und andere Personen wie Schlachthauspersonal, die sich bei den Tieren oder im Bereich von kontaminierten Ställen aufhalten. Die langlebigen Erreger der Ziegengrippe werden über die Atmung aufgenommen.

Einmal im Körper angelangt, vermehren sie sich schnell und vorzugsweise im Bereich der Atemwege. Eine Lungenentzündung als Begleiterscheinung der Ziegengrippe ist deswegen keine Seltenheit.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Ziegengrippe wird durch die Ähnlichkeit der Symptome mit einer gewöhnlichen Grippe häufig nicht diagnostiziert. Bei Verdachtsfällen aufgrund des Arbeitsumfeldes in der Nähe von Tieren erfolgt eine serologische Untersuchung, bei der die Existenz von Antikörpern als Reaktion auf die Ziegengrippe nachgewiesen wird.

Ohne das Hinzutreten von schwerwiegenden Symptomen, wie einer Lungenentzündung oder dem Befall anderer Organe wie der Leber und dem Herz, verläuft Ziegengrippe tatsächlich ähnlich einem grippalen Infekt. Das Q-Fieber beginnt nach der Inkubationszeit mit ansteigendem Fieber, bald gefolgt von den grippetypischen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost und allgemeinem Unwohlsein einschließlich Muskelschmerzen.

Die schwere Form der Ziegengrippe mit einer hinzutretenden Lungenentzündung äußert sich bereits in den ersten Tagen. Sollte dies nicht eintreten, schwächen sich die Symptome der Ziegengrippe nach sieben bis zehn Tagen wieder ab.

Komplikationen

Die Ziegengrippe wirkt sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus und kann zu einer Reihe verschiedener Beschwerden führen. Da die Beschwerden dabei nicht besonders charakteristisch sind und nicht sofort auf die Erkrankung hindeuten, kommt es in vielen Fällen auch zu einer verspäteten Behandlung. Die Patienten selbst leiden bei der Ziegengrippe an einem hohen Fieber und auch an einer allgemeinen Schwäche.

Es kommt zu einer dauerhaften Müdigkeit und Abgeschlagenheit und die Betroffenen nehmen nicht mehr aktiv am Alltag teil. Auch starke Kopfschmerzen und Gliederschmerzen können dabei eintreten und den Alltag des Betroffenen deutlich beeinträchtigen. Die meisten Patienten erkranken an einer Lungenentzündung, welche im schlimmsten Fall tödlich verlaufen kann.

In der Regel kommt es bei der Behandlung der Ziegengrippe nicht zu besonderen Komplikationen oder zu einem anderen schwerwiegenden Verlauf. Die Beschwerden werden dabei mit Hilfe von Antibiotika gelindert und es kommt in der Regel relativ schnell zu einem positiven Krankheitsverlauf. Sollte es nicht zu einer Behandlung der Grippe kommen, so kann diese auch zu einer Entzündung des Herzbeutels führen, welche tödlich verlaufen kann. In den meisten Fällen wird die Lebenserwartung des Patienten bei dieser Erkrankung nicht negativ beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Hohes Fieber gilt als Anzeichen einer gesundheitlichen Erkrankung. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, bevor es zu schwerwiegenden Komplikationen oder Folgeerscheinungen kommt. Die Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, eine allgemeine Schwäche, eine inneren Trockenheit sowie Schüttelfrost sollten untersucht und behandelt werden. Diffuse Schmerzen im Organismus, Störungen des Muskelapparates sowie Unregelmäßigkeiten der Glieder und Gelenke sollten einem Arzt vorgestellt werden. Halten die Beschwerden an oder nehmen sie an Intensität zu, ist unverzüglich ein Arztbesuch notwendig.

Bei einer Ziegengrippe vermehren sich die Krankheitserreger binnen kurzer Zeit im menschlichen Körper. Daher kann es zu einer raschen Entwicklung von gesundheitlichen Veränderungen kommen. Handlungsbedarf besteht bei Kopfschmerzen, Störungen der Konzentration sowie einer erhöhten Müdigkeit. Klagt der Betroffene über allgemeine Funktionsstörungen, ist dies als Alarmsignal des Organismus zu betrachten. Bei Unstimmigkeiten der Atmung oder Atemgeräuschen ist unverzüglich ein Arzt zu konsultieren.

Unbehandelt kann die meldepflichtige Erkrankung einen schwerwiegenden Verlauf einnehmen. Im schlimmsten Fall droht das vorzeitige Ableben. Darüber hinaus besteht eine hohe Ansteckungsgefahr für Menschen aus dem näheren Umfeld. Aus den benannten Gründen sollte bei den ersten Anzeichen einer gesundheitlichen Veränderung ein Arzt von den Beobachtungen berichtet werden. Eine Diagnosestellung ist notwendig, damit unverzüglich eine medizinische Versorgung eingeleitet werden kann.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung von Ziegengrippe kommt es darauf an, dass die Symptome als bakterielle Infektion und nicht als Virusinfektion erkannt werden. Ist dies zutreffend diagnostiziert worden, sind Antibiotika die Mittel der Wahl. Sie bekämpfen die Bakterien und führen schnell dazu, dass die Symptome schwächer werden.

Zur Erleichterung erhalten die Patienten fiebersenkende Mittel und Schmerzmittel, da die Ziegengrippe von Muskelschmerzen und Kopfschmerzen begleitet wird. Durch das andauernde Fieber müssen die Patienten viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Kommt es zu einem schwereren Krankheitsverlauf wie einer Herzbeutelentzündung oder einer Lungenentzündung, ist eine stationäre Behandlung angeraten.

Bei chronisch verlaufender Ziegengrippe wird aus einer Kombination von Antibiotika eine langfristige Therapie durchgeführt. Als wirksame Mittel gegen Ziegengrippe wirken daneben auch Malariamittel, die zum Teil ebenso bei rheumatischen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden.

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Vorbeugung

Für Ziegengrippe gibt es einen Impfstoff, der allerdings in Deutschland keine Zulassung besitzt. Er wird in den USA nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verteidigungsministeriums bei gefährdeten Personengruppen eingesetzt, da Ziegengrippe als mögliche Biowaffe besonders beobachtet wird. Als Vorbeugung bleibt nur der umsichtige Umgang mit Nutztieren. So sollte bei Verdachtsfällen auf Q-Fieber im Tierbestand Schutzkleidung getragen werden.

Nachsorge

Die Ziegengrippe bedarf in der Regel keiner besonderen Nachsorge. Nach der Erkrankung sind Komplikationen oder eine Rückkehr des Q-Fiebers unwahrscheinlich. Die Nachsorge konzentriert sich in erster Linie darauf, den Allgemeinzustand des Patienten abzuklären und sicherzustellen, dass die Erkrankung vollständig auskuriert wurde.

Gegebenenfalls findet eine Aufklärung über die Ursachen der Ziegengrippe im Arbeitsumfeld statt. Die Auslöser müssen zeitnah behoben werden, um eine erneute Ansteckung mit dem Virus zu vermeiden. Bei einem schweren Verlauf können gesundheitliche Beschwerden wie etwa Entzündungen der Lunge oder des Herzens auftreten, die über einen längeren Zeitraum beobachtet werden müssen. Die Patienten sollten sicherstellen, dass die Erkrankung entsprechend zügig auskuriert wird.

Die Nachsorge erfolgt durch den zuständigen Facharzt. Da das Q-Fieber häufig gar nicht diagnostiziert wird, findet oft eine Behandlung und Nachsorge durch den Allgemeinmediziner statt. Die Nachsorge erfolgt unmittelbar nach der Genesung. Bei einem schwierigen Verlauf müssen weitere Nachsorgetermine in kurzen zeitlichen Abständen vereinbart werden. Bei starken Beschwerden ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus nötig. Dann müssen weitere Fachärzte in die Behandlung involviert werden, um eine Beteiligung von Lunge, Herz oder Immunsystem abzuklären.

Das können Sie selbst tun

Parallel zur Therapie mit Antibiotika können Patienten den Heilungsprozess wie bei jeder anderen grippeähnlichen Erkrankung gut mit Hausmitteln unterstützen. Besonders wichtig sind hierbei strikte Bettruhe und ausreichend Schlaf, um den durch die Infektion belasteten Stoffwechsel zu schonen und die Selbstheilung zu aktivieren.

Gegen die häufig als Begleitsymptome auftretenden Kopf- und Gliederschmerzen helfen besonders schmerzstillende Medikamente, die auch fiebersenkend wirken. Dazu gehören vor allem Präparate mit den Wirkstoffen Paracetamol oder auch Acetylsalicylsäure. Kalte Umschläge auf Waden und Stirn helfen ebenfalls dabei, die Körpertemperatur zu senken und vor allem quälende Kopfschmerzen zu lindern.

Da Betroffene bei Ziegengrippe durch das häufig hohe Fieber stark schwitzen, ist zudem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Kühles, jedoch nicht eiskaltes Wasser ohne Kohlensäure sowie verdünnte Fruchtsäfte und ungesüßte Kräutertees eignen sich dafür am besten. Tees aus Holunder- oder Lindenblüten wird eine schweißtreibende und damit infektionshemmende Wirkung zugeschrieben. Als Mahlzeit nehmen Patienten bevorzugt leichte Speisen wie etwa gegartes Gemüse und klare Suppen zu sich, um den Stoffwechsel zu entlasten und trotzdem mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Vor allem Hühnerbrühe wirkt bei einer Grippeerkrankung zusätzlich fiebersenkend und stärkt das Immunsystem.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004


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