Ziegengrippe (Q-Fieber)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Ziegengrippe gehört zu den Zoonosen. Diese von Tieren auf den Menschen übertragbare Erkrankung wird ebenfalls Q-Fieber genannt. Ziegengrippe ist eine meldepflichtige Erkrankung, die ausgenommen von Neuseeland und der Antarktis weltweit vorkommt. Die Ziegengrippe sollte nicht mit der Kinderkrankheit Ziegenpeter verwechselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Ziegengrippe?

Ziegengrippe
Zum gefährdeten Personenkreis gehören Tierärzte, Bauern und andere Personen wie Schlachthauspersonal, die sich bei den Tieren oder im Bereich von kontaminierten Ställen aufhalten.
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Trotz der Bezeichnung als Grippe wird Ziegengrippe nicht von Viren verursacht. Es handelt sich vielmehr um Bakterien namens Coxiella burnetii, die zur gleichen Ordnung gehören wie die Erreger der Legionärskrankheit.

Nach einer Inkubationszeit von bis zu 40 Tagen zeigen die Betroffenen bei Q-Fieber grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und allgemeiner Schwäche. Die Übertragung der Erkrankung erfolgt bei Kontakt mit befallenen Tieren, die häufig symptomlos sind. Insbesondere ein Einatmen von Heu- und Strohpartikeln, die mit den Bakterien verseucht sind, führt zu einer Infektion mit der Ziegengrippe.

Nur rund die Hälfte der Infizierten zeigt die Symptome, die nach einem bis zu zweiwöchigen Krankheitsverlauf wieder abklingen. Bei Auftreten der Symptome von Ziegengrippe ist die Entwicklung einer Lungenentzündung eines der Hauptrisiken von Q-Fieber, wobei die Sterblichkeitsrate allerdings als gering mit 1 bis 2 Prozent einzuschätzen ist.

Ursachen

Eine Ansteckung mit Ziegengrippe ist hauptsächlich durch den Kontakt mit infizierten Tieren oder mit von diesen Tieren kontaminierten Materialien möglich. Hauptüberträger sind Nutztiere, vor allem Schafe, Ziegen und Rinder. Eine Ansteckung über Rohmilch und Rohmilchprodukte gilt dagegen als selten.

Seltener können auch Haustiere wie Hunde oder Katzen die Erreger weitergeben, vor allem wenn sie Junge zur Welt bringen. Zecken spielen für die Ansteckung des Menschen dagegen praktisch keine Rolle; entscheidend ist das Einatmen erregerhaltigen Staubs. Die Bakterien verlassen den Wirtskörper oft während des Geburtsvorgangs und werden mit der Nachgeburt oder der Fruchtblase mit ausgeschieden.

Zum gefährdeten Personenkreis gehören deswegen Tierärzte, Bauern und andere Personen wie Schlachthauspersonal, die sich bei den Tieren oder im Bereich von kontaminierten Ställen aufhalten. Die langlebigen Erreger der Ziegengrippe werden über die Atmung aufgenommen.

Einmal im Körper angelangt, vermehren sie sich schnell und vorzugsweise im Bereich der Atemwege. Eine Lungenentzündung als Begleiterscheinung der Ziegengrippe ist deswegen keine Seltenheit.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Ziegengrippe wird durch die Ähnlichkeit der Symptome mit einer gewöhnlichen Grippe häufig nicht diagnostiziert. Bei Verdachtsfällen aufgrund des Arbeitsumfeldes in der Nähe von Tieren erfolgt eine serologische Untersuchung, bei der die Existenz von Antikörpern als Reaktion auf die Ziegengrippe nachgewiesen wird.

Ohne das Hinzutreten von schwerwiegenden Symptomen, wie einer Lungenentzündung oder dem Befall anderer Organe wie der Leber und dem Herz, verläuft Ziegengrippe tatsächlich ähnlich einem grippalen Infekt. Das Q-Fieber beginnt nach der Inkubationszeit mit ansteigendem Fieber, bald gefolgt von den grippetypischen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost und allgemeinem Unwohlsein einschließlich Muskelschmerzen.

Die schwere Form der Ziegengrippe mit einer hinzutretenden Lungenentzündung äußert sich bereits in den ersten Tagen. Sollte dies nicht eintreten, schwächen sich die Symptome der Ziegengrippe nach sieben bis zehn Tagen wieder ab.

Komplikationen

Die Ziegengrippe wirkt sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus und kann zu einer Reihe verschiedener Beschwerden führen. Da die Beschwerden dabei nicht besonders charakteristisch sind und nicht sofort auf die Erkrankung hindeuten, kommt es in vielen Fällen auch zu einer verspäteten Behandlung. Die Patienten selbst leiden bei der Ziegengrippe an einem hohen Fieber und auch an einer allgemeinen Schwäche.

Es kommt zu einer dauerhaften Müdigkeit und Abgeschlagenheit und die Betroffenen nehmen nicht mehr aktiv am Alltag teil. Auch starke Kopfschmerzen und Gliederschmerzen können dabei eintreten und den Alltag des Betroffenen deutlich beeinträchtigen. Ein Teil der Patienten erkrankt an einer Lungenentzündung, welche im schlimmsten Fall tödlich verlaufen kann. Sie ist eine von mehreren Verlaufsformen und nicht der Regelfall.

In der Regel kommt es bei der Behandlung der Ziegengrippe nicht zu besonderen Komplikationen oder zu einem anderen schwerwiegenden Verlauf. Die Beschwerden werden dabei mit Hilfe von Antibiotika gelindert und es kommt in der Regel relativ schnell zu einem positiven Krankheitsverlauf. Sollte es nicht zu einer Behandlung der Grippe kommen, so kann diese auch zu einer Entzündung des Herzbeutels führen, welche tödlich verlaufen kann. In den meisten Fällen wird die Lebenserwartung des Patienten bei dieser Erkrankung nicht negativ beeinflusst. Anders ist das beim chronischen Q-Fieber: Es tritt Monate bis Jahre nach der Infektion auf, äußert sich meist als Entzündung der Herzinnenhaut und verläuft ohne Behandlung häufig tödlich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Hohes Fieber gilt als Anzeichen einer gesundheitlichen Erkrankung. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, bevor es zu schwerwiegenden Komplikationen oder Folgeerscheinungen kommt. Die Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, eine allgemeine Schwäche, ein trockener Mund sowie Schüttelfrost sollten untersucht und behandelt werden. Diffuse Schmerzen im Organismus, Störungen des Muskelapparates sowie Unregelmäßigkeiten der Glieder und Gelenke sollten einem Arzt vorgestellt werden. Halten die Beschwerden an oder nehmen sie an Intensität zu, ist unverzüglich ein Arztbesuch notwendig.

Bei einer Ziegengrippe vermehren sich die Krankheitserreger binnen kurzer Zeit im menschlichen Körper. Daher kann es zu einer raschen Entwicklung von gesundheitlichen Veränderungen kommen. Handlungsbedarf besteht bei Kopfschmerzen, Störungen der Konzentration sowie einer erhöhten Müdigkeit. Klagt der Betroffene über allgemeine Funktionsstörungen, ist dies als Alarmsignal des Organismus zu betrachten. Bei Unstimmigkeiten der Atmung oder Atemgeräuschen ist unverzüglich ein Arzt zu konsultieren. Bei akuter Atemnot, Schmerzen im Brustkorb oder einer Trübung des Bewusstseins ist sofort über die Notrufnummer 112 der Rettungsdienst zu alarmieren.

Unbehandelt kann die meldepflichtige Erkrankung einen schwerwiegenden Verlauf einnehmen. Im schlimmsten Fall droht das vorzeitige Ableben. Deshalb sollte bei den ersten Anzeichen einer gesundheitlichen Veränderung einem Arzt von den Beobachtungen berichtet werden. Eine Diagnosestellung ist notwendig, damit unverzüglich eine medizinische Versorgung eingeleitet werden kann. Von Mensch zu Mensch wird das Q-Fieber dagegen nur in absoluten Ausnahmefällen übertragen; angesteckt wird man über die Luft, durch Staub aus der Umgebung infizierter Wiederkäuer.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung von Ziegengrippe kommt es darauf an, dass die Symptome als bakterielle Infektion und nicht als Virusinfektion erkannt werden. Ist dies zutreffend diagnostiziert worden, sind Antibiotika die Mittel der Wahl. Sie bekämpfen die Bakterien und führen schnell dazu, dass die Symptome schwächer werden. Mittel der Wahl beim akuten Q-Fieber ist Doxycyclin; je früher damit begonnen wird, desto kürzer verläuft die Erkrankung.

Zur Erleichterung erhalten die Patienten fiebersenkende Mittel und Schmerzmittel, da die Ziegengrippe von Muskelschmerzen und Kopfschmerzen begleitet wird. Durch das andauernde Fieber müssen die Patienten viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Kommt es zu einem schwereren Krankheitsverlauf wie einer Herzbeutelentzündung oder einer Lungenentzündung, ist eine stationäre Behandlung angeraten.

Bei chronisch verlaufender Ziegengrippe wird über einen sehr langen Zeitraum behandelt. Dabei wird Doxycyclin mit Hydroxychloroquin kombiniert, einem Wirkstoff, der ursprünglich gegen Malaria entwickelt wurde und auch bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt wird.

Eine Infektion in der Schwangerschaft verläuft oft ohne auffällige Beschwerden, kann aber zu Fehlgeburt oder Frühgeburt führen. Sie erfordert eine besondere, ärztlich überwachte Behandlung, weil Doxycyclin in der Schwangerschaft nicht eingesetzt wird.


Vorbeugung

Für Ziegengrippe gibt es einen Impfstoff für den Menschen, der allerdings in Deutschland keine Zulassung besitzt. Auch in den USA ist er nicht zugelassen; dort wurde er nur im Rahmen militärischer Forschungsprogramme bei besonders gefährdeten Personen eingesetzt, weil Q-Fieber als mögliche Biowaffe besonders beobachtet wird. In Australien dagegen ist ein Impfstoff (Q-VAX) für beruflich Exponierte regulär zugelassen und wird dort etwa bei Beschäftigten in Schlachthöfen und in der Landwirtschaft eingesetzt.

Für Rinder und Ziegen steht in Deutschland ein zugelassener Impfstoff zur Verfügung. Die Impfung befallener Herden gilt als die wirksamste Vorbeugung auch für den Menschen, weil sie die Ausscheidung der Erreger verringert. Darüber hinaus bleibt der umsichtige Umgang mit Nutztieren: So sollte bei Verdachtsfällen auf Q-Fieber im Tierbestand Schutzkleidung getragen werden.

Nachsorge

Bei den meisten Betroffenen heilt das akute Q-Fieber folgenlos aus und bedarf keiner besonderen Nachsorge. Bei einem kleinen Teil entwickelt sich jedoch Monate bis Jahre nach der Infektion ein chronisches Q-Fieber, meist als Entzündung der Herzinnenhaut. Besonders gefährdet sind Menschen mit Erkrankungen der Herzklappen, mit Gefäßprothesen, mit geschwächtem Immunsystem sowie Schwangere; sie sollten nach einer Infektion über längere Zeit ärztlich nachkontrolliert werden. Im Übrigen konzentriert sich die Nachsorge darauf, den Allgemeinzustand des Patienten abzuklären und sicherzustellen, dass die Erkrankung vollständig auskuriert wurde.

Gegebenenfalls findet eine Aufklärung über die Ursachen der Ziegengrippe im Arbeitsumfeld statt. Die Auslöser müssen zeitnah behoben werden, um eine erneute Ansteckung mit dem Erreger zu vermeiden. Bei einem schweren Verlauf können gesundheitliche Beschwerden wie etwa Entzündungen der Lunge oder des Herzens auftreten, die über einen längeren Zeitraum beobachtet werden müssen. Die Patienten sollten sicherstellen, dass die Erkrankung entsprechend zügig auskuriert wird.

Die Nachsorge erfolgt durch den zuständigen Facharzt. Da das Q-Fieber häufig gar nicht diagnostiziert wird, findet oft eine Behandlung und Nachsorge durch den Allgemeinmediziner statt. Die Nachsorge erfolgt unmittelbar nach der Genesung. Bei einem schwierigen Verlauf müssen weitere Nachsorgetermine in kurzen zeitlichen Abständen vereinbart werden. Bei starken Beschwerden ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus nötig. Dann müssen weitere Fachärzte in die Behandlung involviert werden, um eine Beteiligung von Lunge, Herz oder Immunsystem abzuklären.

Das können Sie selbst tun

Parallel zur Therapie mit Antibiotika können Patienten den Heilungsprozess wie bei jeder anderen grippeähnlichen Erkrankung gut mit Hausmitteln unterstützen. Besonders wichtig sind hierbei strikte Bettruhe und ausreichend Schlaf, um den durch die Infektion belasteten Stoffwechsel zu schonen und die Selbstheilung zu aktivieren.

Gegen die häufig als Begleitsymptome auftretenden Kopf- und Gliederschmerzen helfen besonders schmerzstillende Medikamente, die auch fiebersenkend wirken. Dazu gehören vor allem Präparate mit den Wirkstoffen Paracetamol oder auch Acetylsalicylsäure. Acetylsalicylsäure darf Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Infekten nicht gegeben werden, weil sie das seltene, aber lebensgefährliche Reye-Syndrom auslösen kann. Ist beim Q-Fieber die Leber mitbetroffen, ist auch mit Paracetamol Zurückhaltung geboten; welches Mittel infrage kommt, sollte dann ärztlich abgesprochen werden. Kalte Umschläge auf Waden und Stirn helfen ebenfalls dabei, die Körpertemperatur zu senken und vor allem quälende Kopfschmerzen zu lindern.

Da Betroffene bei Ziegengrippe durch das häufig hohe Fieber stark schwitzen, ist zudem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Kühles, jedoch nicht eiskaltes Wasser ohne Kohlensäure sowie verdünnte Fruchtsäfte und ungesüßte Kräutertees eignen sich dafür am besten. Tees aus Holunder- oder Lindenblüten wird eine schweißtreibende Wirkung zugeschrieben; gegen die Bakterien selbst richten sie nichts aus. Als Mahlzeit nehmen Patienten bevorzugt leichte Speisen wie etwa gegartes Gemüse und klare Suppen zu sich, um den Stoffwechsel zu entlasten und trotzdem mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Warme Suppen wie Hühnerbrühe werden dabei häufig als wohltuend empfunden und erleichtern die Aufnahme von Flüssigkeit und Salzen; eine fiebersenkende oder das Immunsystem stärkende Wirkung ist für sie allerdings nicht belegt.

Quellen

  • Bauerfeind, R., Kimmig, P., Schiefer, H.-G., et al.: Zoonosen.
    ISBN: 9783769138337
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
    ISBN: 9783131585813
  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428
  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228

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