Zika-Virus-Infektion

Aufgrund einer schnellen Ausbreitung des Zika-Virus hat die World Health Organisation (WHO) den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die bereits seit dem Jahre 1947 bekannte Zika-Virus-Infektion wird durch Stechmücken übertragen. Diese Viruserkrankung trat anfangs in Afrika, Südostasien und den pazifischen Inseln auf. In letzter Zeit werden zunehmend Menschen in den Mittel- und vor allem südamerikanischen Ländern von dem Erreger infiziert.

Inhaltsverzeichnis

Zika-Virus-Infektion

Bei Föten und Neugeborenen können sich im Kopfbereich schwerste Veränderungen darstellen. In Brasilien wurden vor kurzem 3893 Fälle von Mikrozephalie (Fehlbildung durch einen deutlich verringerten Schädelumfang) registriert.
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Erstmals wurde das Virus bei einem Affen in der Nähe der ugandischen Hauptstadt Kampala entdeckt. Seine Bezeichnung erhielt es durch den Namen eines Waldgebietes bei Kampala. Nach Angaben der WHO wurde der erste Krankheitsbefund bei einem Menschen im Jahre 1968 festgestellt. Das Zika-Virus wird der Familie der Flaviviridae zugeordnet. Die Virusinfektion wird durch Stechmücken übertragen.

Dazu zählt die asiatische Tigermücke Aedes albopictus sowie die Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Es besteht der Verdacht, dass auch eine Ansteckungsmöglichkeit von Mensch zu Mensch beispielsweise durch Geschlechtsverkehr besteht. Hierfür gibt es bislang aber noch keinen wissenschaftlichen Beweis. Die Folgen der Viruserkrankung sind in großer Zahl harmlos. Wenn überhaupt Symptome und Beschwerden auffallen, ähneln sie denen einer leichten Grippe.

In einzelnen Fällen besteht jedoch der Verdacht von schweren Schädigungen durch das Virus bei Neugeborenen. Fachleute halten es ohne einen wissenschaftlichen Beweis bereits jetzt für sehr wahrscheinlich, dass durch das Zika-Virus eine Missbildung des Kopfes bei Föten verursacht wird. Die Erkrankung kann noch nicht durch Medikamente geheilt werden. Es ist nur eine Linderung der auftretenden Beschwerden möglich. Ein Impfstoff ist nicht verfügbar.

Ursachen

Die Ursache für die Häufigkeit der Virusübertragung und die extrem schnelle Verbreitung über große Gebiete ist die große Anzahl sowie die Überlebensfähigkeit der Stechmückenart. Dabei spielt auch die einfache Übertragungsmöglichkeit eine Rolle. Beim Stechen bereits mit dem Zika-Virus infizierter Menschen nehmen die Stechmücken das Virus auf und können so den Erreger weiter verbreiten.

Hinzu kommt, dass vor allem die Eier der Gelbfiebermücke besonders resistent sind. Abgelegte Eier in Transportmittel wie Flugzeugen, Schiffen oder Lastkraftwagen können bereits durch geringe Mengen an Flüssigkeit lange überleben. Bezeichnend ist, dass die Erkrankungen nur in den Gebieten massiv auftreten, in denen auch die Stechmücken verbreitet sind. In 21 Ländern Nord-, Süd- und Mittelamerikas sind bereits Erkrankungen mit dem Zika-Virus nachgewiesen worden.

Besonders betroffen sind davon Brasilien und Kolumbien sowie viele Karibikstaaten. Für Brasilien, Austragungsland der nächsten Olympischen Sommerspiele 2017, wird ein Anstieg der Erkrankungen auf 1,5 Millionen Menschen prognostiziert. Dabei bereitet vor allem eines große Sorge: Das Zika-Virus gilt auch als Ursache für eine steigende Zahl von Erkrankungen bei Neugeborenen mit irreparablen, im Ausnahmefall sogar tödlichen Auswirkungen. In Polynesien stand das Zika-Virus darüber hinaus auch in dem bisher unbewiesenen Verdacht, ursächlich für einige Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (Nervenerkrankung) gewesen zu sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wenn sich die Viruserkrankung bei einem Infizierten bemerkbar macht, was nicht immer der Fall ist, treten Symptome wie bei einer leichten Grippe auf. Dazu zählen unter anderem leichtes Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlag mit Rötungen sowie Juckreiz. In Einzelfällen kann es aber auch über den Übertragungsweg durch Schwangere zu gefährlicheren Entwicklungen kommen.

Bei Föten und Neugeborenen können sich im Kopfbereich schwerste Veränderungen darstellen. In Brasilien wurden vor kurzem 3893 Fälle von Mikrozephalie (Fehlbildung durch einen deutlich verringerten Schädelumfang) registriert. Im Vorjahr wurden in Brasilien nur insgesamt 147 Fälle dieser besonderen Erkrankung festgestellt. Von den fast 4000 Neuerkrankungen sind bereits 50 betroffene Kinder bei einem kausalen Zusammenhang zur Fehlbildung verstorben.

Außerdem sind in zahlreichen Fällen als Folgen der Zika-Virus-Infektion schwere geistige Behinderungen eingetreten. Das in Polynesien gleichzeitig mit der Viruserkrankung aufgetretene Guillain-Barré-Syndrom ist bislang in anderen vom Zika-Virus betroffenen Ländern noch nicht aufgetreten. Dennoch halten es Wissenschaftler und Mediziner ohne bisherige Laborergebnisse für möglich, dass ein Zusammenhang mit dem Zika-Virus bestehen kann.

Die Symptome der Erkrankung der Nervenbahnen sind überwiegend Lähmungen und Gefühlsstörungen. In schlimmen Fällen können auch Probleme für die Atmung oder die Herzfunktion auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Aufgrund der oftmals nicht durch den Betroffenen wahrgenommen Zika-Virus-Infektion erfolgt in vielen Fällen auch keine Untersuchung. Beim Auftreten der grippeähnlichen Symptome wird häufig ebenfalls auf eine ärztliche Untersuchung verzichtet. Dies liegt an den weniger starken Beschwerden sowie an der nur kurzen Krankheitsdauer.

In der Regel sind die Beeinträchtigungen wie leichtes Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen bereits nach wenigen Tagen nicht mehr vorhanden. Eine sichere Feststellung der Zika-Virus-Infektion erfolgt ausschließlich mittels Blutuntersuchung. Der Krankheitsverlauf bei einer Mikrozephalie zeigt geistige und körperliche Entwicklungsstörungen. In Ausnahmen ist jedoch auch eine unbeeinträchtigte Entwicklung trotz des zu geringen Kopfumfangs möglich. Die Feststellung der Fehlbildung kann erstmalig per Ultraschall im Rahmen der Schwangerschaft erfolgen. Eine absichernde Befundaufnahme erfolgt durch die Computertomografie.

Komplikationen

Die Zika-Virus-Infektion kann im schlimmsten Fall zum Tod des Betroffenen führen und muss aus diesem Grund immer behandelt werden. Unbehandelt kann es dabei auch zu langfristigen Komplikationen und Beschwerden kommen, die nicht mehr ohne Weiteres behandelt werden können. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an hohem Fieber und Kopfschmerzen, mitunter zeigt sich ein Hautausschlag.

Dieser ist dabei mit einer Rötung oder mit einem Juckreiz verbunden und wirkt sich ebenso negativ auf die Ästhetik des Betroffenen aus. Sollte die Betroffene schwanger sein und an einer Zika-Virus-Infektion erkranken, so ist das Kind eventuell von Fehlbildungen oder anderen Behinderungen betroffen. Im schlimmsten Falle kann es dabei auch zu einer Totgeburt kommen. Dabei leiden auch die Eltern und die Angehörigen an starken psychischen Beschwerden und benötigen daher eine psychologische Behandlung, um Depressionen zu vermeiden.

Im weiteren Verlauf der Zika-Virus-Infektion leiden die Betroffenen häufig auch an Gefühlsstörungen oder an Lähmungen. Auch die Herzfunktion oder die Atmung kann von der Erkrankung negativ beeinträchtigt werden. Die Behandlung der Zika-Virus-Infektion erfolgt in der Regel symptomatisch und kann die meisten Beschwerden einschränken. Besondere Komplikationen treten dabei meistens nicht auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Vor einem Aufenthalt im Ausland sollte sich der Betroffene ausführlich über die gesundheitlichen Gegebenheiten seines Reiseziels informieren. Insbesondere Risikofaktoren vor Ort sind in Erfahrung zu bringen. In vielen Fällen helfen das Auswärtige Amt oder Reiseveranstalter dabei, Fragen nach den örtlichen Erkrankungen sowie den Möglichkeiten einer ärztlichen Versorgung zu beantworten. Dieser Vorgang kann ohne die Zusammenarbeit mit einem Arzt erfolgen. Befindet sich das Reiseziel in einer Region, in der eine Ansteckungsgefahr verschiedener Krankheiten bestehen kann, ist mit einem Arzt zu besprechen, inwieweit eine Vorsorge getroffen werden kann. In vielen Fällen helfen Impfungen oder andere medizinische Präparate bei einem ausreichenden Schutz.

Erleidet der Betroffene an seinem Reiseziel gesundheitliche Beeinträchtigungen, ist die Rücksprache mit einem Arzt grundsätzlich zu empfehlen. Insbesondere schwangere Frauen sollten bei den ersten Unregelmäßigkeiten ein Kontrollbesuch bei einem Arzt initiieren. Kommt es nach dem Stich eines Insektes zu Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen oder Veränderungen des Hautbildes, besteht Anlass zur Besorgnis. Störungen der Wahrnehmungen, Taubheitsgefühle auf der Haut oder Sensibilitätsstörungen sind einem Arzt vorzustellen. Bei einem Ausschlag oder Verfärbungen des Hautbildes ist ebenfalls in Arzt aufzusuchen. Eine Zunahme der gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist schnellstmöglich untersuchen und behandeln zu lassen. Ohne medizinische Versorgung kann die Zika-Virus-Infektion zu einem tödlichen Verlauf führen.

Therapie & Behandlung

Eine Heilung der Zika-Erkrankung durch spezielle Medikamente ist derzeit nicht möglich. Eine Behandlung der auftretenden Symptome erfolgt im Rahmen einer Erkrankung durch das Zika-Virus gemäß dem Beschwerdebild. Bei schmerzhaften Begleiterscheinungen können allgemein wirksame Schmerzmittel eingenommen werden. Bei erkennbaren Hautdefekten helfen beruhigende, desinfizierende Einreibungen der betroffenen Stellen. Bei Bedarf kann dies auch ein Juckreiz stillendes Arzneimittel sein.

Durch Fieber verliert der Körper insbesondere in wärmeren Gebieten viel Flüssigkeit. Um eine Schwächung des Gesundheitszustandes zu vermeiden, empfiehlt es sich daher, auf größere Anstrengungen zu verzichten. Vorteilhaft sind in diesem Fall Bettruhe und erhöhte Flüssigkeitszufuhr. Eine Therapie bei Fehlbildungen des Kopfes kann sowohl für die psychische Stabilität des Kindes als auch der Mutter geboten sein.

Außerdem sind Therapien zur Behandlung körperlicher Probleme wie zum Beispiel Mobilitäts- oder Kraftdefizite denkbar. In dem seltenen Fall einer gleichzeitigen Erkrankung mit dem Guillain-Barré-Syndrom ist eine Behandlungsnotwendigkeit gegeben. Durch die Erkrankung der Nervenbahnen können von den Beinen aufsteigende Muskelschwächen auftreten. Unter Umständen kann dies bis zu einer kompletten Lähmung der Gliedmaßen führen.

Im Extremfall ist es sogar möglich, dass die Lähmungserscheinungen in gefährlicher Weise die Atmung betreffen. Außerdem kann die Erkrankung, die schmerzhaft verlaufen kann, Herzrhythmusstörungen auslösen. Bei Beeinträchtigungen der Atmung oder des Herzens sind unverzüglich notfallärztliche Maßnahmen einzuleiten.

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Vorbeugung

Eine vorbeugende Impfung gegen das Zika-Virus ist derzeit nicht möglich. Daher müssen sich präventive Maßnahmen auf den Schutz gegen Stechmücken als Überträger konzentrieren. Hierzu zählt das Tragen einer körperbedeckenden Kleidung. Vorteilhaft sind auch technische Hilfsmittel wie Moskitonetze.

Geeignete Mückenschutzmittel als Lotion, Cremes oder Spray können ebenfalls hilfreich sein. Vor allem für Badeurlauber in den vorrangig gefährdeten Gebieten ist kein umfassender Schutz möglich. Problematisch ist dabei auch, dass vor allem die Gelbfiebermücken nicht nur von Gewässern, sondern auch durch süße Getränke und Speisen angelockt werden.

Nachsorge

Eine Zika-Virus-Infektion nimmt in der Regel einen milden Verlauf und ist nicht rezidiv. Die Nachsorge konzentriert sich darauf, die typischen Beschwerden der Fiebererkrankung abzuklären und je nach Notwendigkeit zu behandeln. Der Patient muss über die Symptome möglicher Folgeerkrankungen informiert werden, damit er im Falle von Komplikationen frühzeitig einen Arzt konsultieren kann.

Im Rahmen der Nachsorge muss zudem die Ursache für die Zika-Virus-Infektion ermittelt werden, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Der Arzt kann Tipps geben, wie sich der Kontakt mit den Schädlingen vermeiden lässt und was im Falle einer erneuten Infektion getan werden muss. Bei einem chronischen Verlauf kann sich die Nachsorge einer Zika-Virus-Infektion über Monate oder sogar Jahre ausdehnen.

Gegebenenfalls ist eine Dauerbehandlung notwendig, wobei betroffene Patienten in erster Linie eine medikamentöse Therapie benötigen. Schmerzmittel und Antibiotika müssen genau dosiert und an die jeweiligen Symptome der Zika-Virus-Infektion angepasst werden. Bei schwangeren Frauen, die an einer Zika-Virus-Infektion leiden, zählt ein Beratungsgespräch zur Nachsorge, bei dem über die möglichen Folgen der Erkrankung auf das ungeborene Kind hingewiesen wird. Bei Bedarf können der Patientin im Anschluss weitere Anlaufstellen und Tipps genannt werden.

Das können Sie selbst tun

Eine Zika-Virus-Infektion kann bislang nur symptomatisch behandelt werden. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme ist körperliche Schonung. Eventuell können schmerzstillende Arzneimittel eingenommen werden. Es gilt, die Symptome sorgfältig zu beobachten und Auffälligkeiten in einem Beschwerdetagebuch zu notieren.

Sollte das Fieber stärker werden oder ein anderes gesundheitliches Problem auftreten, empfiehlt sich ein Besuch beim Hausarzt. Wichtig ist ausreichend Schlaf und eine geeignete Diät. Betroffene Personen sollten außerdem genügend Wasser trinken und den Kontakt mit anderen Menschen einschränken. Die Erkrankung sollte nach einigen Tagen auskuriert sein. Der Arzt kann die Symptome abklären und weitere Tipps geben.

Da es sich bei der Zika-Virus-Infektion um eine typische Infektionskrankheit handelt, bieten sich verschiedene altbewährte Gegenmaßnahmen wie warme Auflagen, moderate Bewegung und die Vermeidung von Stress an. Das Fieber sollte mehrmals pro Tag gemessen und die Körpertemperatur notiert werden. Bei Auffälligkeiten ist ärztlicher Rat gefragt. Außerdem müssen Erkrankte sich selbstständig über die vielfältigen Symptome informieren. Erkrankte Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch setzen sich dem Risiko einer Fehlgeburt aus. Sie sollten mit ihrem Frauenarzt sprechen und die Infektionskrankheit zügig auskurieren.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 23. September 2020

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