Zika-Virus
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der seit dem Jahre 1947 bekannten Zika-Virus-Infektion handelt es sich um eine Viruserkrankung, die durch Stechmücken übertragen wird. Sie trat bisher überwiegend in Afrika, Südostasien und auf den pazifischen Inseln auf. Seit dem Jahre 2015 wird eine sehr schnelle und umfangreiche Verbreitung des Zika-Virus auch in südamerikanischen Ländern festgestellt.
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Was ist das Zika-Virus?
Das Virus wurde erstmals bei einem Affen im Jahre 1947 in Uganda entdeckt und wurde nach einem Wald nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala benannt. Das Zika-Virus zählt, wie die Viren des Dengue-Fiebers und des Gelbfiebers, zur Familie der Flaviviridae. Im Jahre 1968 wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organisation) das Virus erstmals aus einem Menschen isoliert. Erste Erkrankungen beim Menschen waren allerdings bereits 1952 in Uganda und Tansania nachgewiesen worden.
Die Übertragung des Virus erfolgt durch infizierte Stechmücken, wie die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Lange war unklar, ob die Krankheit auch von Mensch zu Mensch durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. Inzwischen ist die sexuelle Übertragung durch zahlreiche dokumentierte Fälle belegt; ebenso kann das Virus über Blutprodukte und von der Schwangeren auf das ungeborene Kind weitergegeben werden.
Die Zika-Infektionen verlaufen bei Erwachsenen im Normalfall harmlos. Oftmals bleibt die Infektion unbemerkt. Die Erkrankung verursacht ansonsten leichtes Fieber, Hautausschlag und Juckreiz sowie Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen.
Es kann in seltenen Ausnahmefällen jedoch auch zu gefährlicheren Entwicklungen kommen. Ernst zu nehmen ist die Gefahr für Neugeborene. Lange hielten Experten es lediglich für wahrscheinlich, dass sich durch das Zika-Virus bei Schwangerschaften Missbildungen vor allem im Kopfbereich des Fötus entwickeln. Seit 2016 gilt dieser ursächliche Zusammenhang als gesichert; die Schäden beim Kind werden unter dem Begriff angeborenes Zika-Syndrom zusammengefasst. Eine Impfung oder ein Heilmittel gegen die Erkrankung ist bisher nicht erhältlich. Es können lediglich die auftretenden Symptome behandelt werden.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Die Insekten nehmen das Virus durch das Stechen bereits infizierter Menschen auf. Die Eier der Gelbfiebermücke gelten als ausgesprochen überlebensfähig. Beim Überbrücken großer Transportwege in Schiffscontainern, Flugzeugen oder Lastwagen genügen ihnen kleine Wasserpfützen zum Überleben. Da die Viruserkrankungen in den Gebieten vorkommen, in denen auch die Stechmücken verbreitet sind, können diese mit hoher Wahrscheinlichkeit als Hauptursache der Virusübertragung betrachtet werden.
Nach festgestellten Erkrankungen in Afrika, Asien und dem Pazifikraum verbreitet sich das Virus vor allem auch in Südamerika. Lange wurde vermutet, das Virus sei im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 nach Brasilien gelangt. Vergleiche des Viruserbguts sprechen jedoch dafür, dass es schon vorher eingeschleppt wurde und zunächst unbemerkt umlief. In Nord-, Süd- und Mittelamerika waren Anfang 2016 bereits 21 Länder betroffen, darunter u.a. Brasilien, Kolumbien, Bolivien, Mexiko, Barbados, Haiti und Guadeloupe. Inzwischen sind Übertragungen des Zika-Virus aus mehr als 80 Ländern und Gebieten weltweit bekannt.
Im Jahre 2013 infizierte das Virus ungefähr zehn Prozent der französisch-polynesischen Bevölkerung. Es wurde in diesem Zusammenhang über Fälle berichtet, bei denen auch das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom festgestellt wurde. Dabei handelt es sich um eine Nervenerkrankung, die u.a. Lähmungen verursachen kann. Aus anderen vom Zika-Virus betroffenen Ländern war zunächst kein Hinweis auf das gleichzeitige Auftreten des Guillain-Barré-Syndroms gemeldet worden. Mit der Ausbreitung in Amerika änderte sich das: Auch aus Brasilien, Kolumbien, El Salvador und weiteren Ländern wurde anschließend ein deutlicher Anstieg der Erkrankungszahlen berichtet.
Seit Mai 2015 häufen sich die Meldungen über Zika-Virus-Infektionen aus Brasilien. Dort wurden bis Anfang 2016 neben zahlreichen Virusinfektionen auch 3893 Verdachtsfälle von Mikrozephalie (zu kleiner Kopfumfang infolge eines zurückgebliebenen Hirnwachstums) bei Neugeborenen erfasst; bei der späteren Überprüfung bestätigte sich nur ein Teil davon. Insgesamt 49 dieser Kinder sind bereits als Folge der Fehlbildung gestorben. Einige Frauen erlitten Fehlgeburten, einige der Babys lebten nur einige Tage. Bei den Neugeborenen wurden teilweise schwere geistige Behinderungen aufgrund der Missbildungen des Gehirns diagnostiziert. Im Jahr vor dem Ausbruch wurden demgegenüber nur 147 Fälle mit Mikrozephalie registriert. Bei den gemeldeten Zahlen handelte es sich zunächst um Verdachtsfälle; bei der späteren Überprüfung bestätigte sich nur ein Teil davon.
In Kolumbien sind bisher ebenfalls viele Menschen durch den Erreger erkrankt. Erste Fälle sind u.a. auch in den USA und Großbritannien aufgetreten. Im Bundesstaat Florida wurden bei drei Personen Zika-Erkrankungen festgestellt, die vermutlich bei Reisen in Kolumbien und Venezuela ausgelöst wurden. In den gesamten USA waren Anfang 2016 zehn Fälle registriert, bei denen die Virusübertragung wohl ebenfalls bei Auslandsaufenthalten erfolgt ist. Im weiteren Verlauf des Jahres 2016 stieg diese Zahl stark an, und in Florida und Texas kam es auch zu Übertragungen durch einheimische Mücken. Gemäß dem Robert-Koch-Institut sind auch bereits in wenigen Einzelfällen labortechnisch bestätigte Befunde von Zika-Erkrankungen durch deutsche Auslandsurlauber erfasst worden. Seit Mai 2016 sind Zika-Virus-Infektionen in Deutschland namentlich meldepflichtig. Seit 2018 sind die weltweiten Fallzahlen wieder deutlich zurückgegangen.
Krankheiten & Beschwerden
Die Gelbfiebermücke wird nicht ausschließlich von Gewässern angezogen, sondern auch von süßen Speisen und Getränken jeder Art. Wer trotz Vorsichtsmaßnahmen infiziert wird, darf im Regelfall auf einen schnellen und ungefährlichen Krankheitsverlauf hoffen. Oftmals fallen sogar kaum Symptome auf und die Krankheit verläuft nahezu unbemerkt.
Deutlich besorgniserregender ist die Situation für schwangere Frauen und ihren Fötus. Es gilt inzwischen als gesichert, dass das Virus bis zum Fötus vordringen kann und dort die sich entwickelnden Nervenzellen des Gehirns zerstört. Dadurch bleibt das Wachstum des Gehirns zurück, und in der Folge wächst auch der Schädel nicht ausreichend.
Bei Frauen, bei denen die Ultraschallaufnahmen vor der Geburt bereits den zu geringen Kopfumfang zeigten, wurde Fruchtwasser entnommen und analysiert. Es stellte sich heraus, dass sich das Virus darin vermehrt hatte.
Das zunächst nur in Polynesien zusätzlich zur Zika-Viruserkrankung aufgetretene Guillain-Barré-Syndrom kann sich als große Gefahr darstellen. Lange stand hier kein wissenschaftlicher Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang zur Verfügung. Inzwischen gilt es als gesichert, dass eine Zika-Infektion ein Guillain-Barré-Syndrom auslösen kann. Beim Guillain-Barré-Syndrom handelt es sich um eine Erkrankung der Nervenbahnen, bei denen die häufigsten Folgen Lähmungen und Gefühlsstörungen sind. Eine von den Beinen aufsteigende Muskelschwäche kann bis zu einer vollständigen Lähmung von Armen und Beinen, in schlimmen Fällen auch der Atmung führen. Die Krankheit verläuft teilweise schmerzhaft und kann oftmals auch Herzrhythmusstörungen auslösen. Sind Atmung oder Herzschlag betroffen, wird die Erkrankung im Krankenhaus, häufig auf einer Intensivstation, behandelt.
Systematik und Verwandtschaft
Innerhalb der Flaviviridae gehört das Zika-Virus zur Gattung Flavivirus und dort zu einer kleinen Gruppe, deren nächster Verwandter das in Afrika verbreitete Spondweni-Virus ist. Weiter entfernt, im Bauplan aber sehr ähnlich, sind die Erreger des Dengue-Fiebers und des Gelbfiebers sowie das West-Nil-Virus.
Diese Ähnlichkeit hat unmittelbare Folgen für die Praxis. Antikörper gegen das eine Virus binden auch an die anderen, sodass Antikörpertests allein oft nicht sagen können, welcher der Erreger eine Infektion ausgelöst hat. Gerade in Ländern, in denen das Dengue-Fieber verbreitet ist, war das während der Ausbreitung des Zika-Virus ein erhebliches Problem, zumal beide Erkrankungen im Anfangsstadium auch nach dem klinischen Bild kaum zu unterscheiden sind.
Vom Zika-Virus werden zwei Abstammungslinien unterschieden, eine afrikanische und eine asiatische. Die Viren, die sich über den Pazifikraum und später über Amerika ausgebreitet haben, gehören zur asiatischen Linie. Ob die schweren Schädigungen Ungeborener mit Eigenschaften gerade dieser Linie zusammenhängen oder allein damit, dass das Virus erstmals auf sehr große Bevölkerungen ohne jeden Schutz traf, ist bis heute Gegenstand der Forschung.
Die Überträgermücken
Beide Hauptüberträger gehören zur Gattung Aedes, unterscheiden sich in ihrer Lebensweise aber deutlich. Die Gelbfiebermücke ist an den Menschen und an dessen Siedlungen so weitgehend angepasst, dass sie ihre Eier bevorzugt in kleinsten Wasseransammlungen unmittelbar bei den Wohnungen ablegt – in Regentonnen, Blumenuntersetzern, weggeworfenen Reifen oder Konservendosen. Sie ist die deutlich wirksamere Überträgerin, weil sie fast ausschließlich Menschen sticht und dabei häufig mehrere Personen nacheinander anfliegt.
Anders als die Malaria-Überträger sind Aedes-Mücken tagaktiv, mit Schwerpunkten am Morgen und am späten Nachmittag. Der Schutz durch ein Moskitonetz über dem Bett, der bei nachtaktiven Arten entscheidend ist, greift hier deshalb nur eingeschränkt; wichtiger sind Kleidung und Abwehrmittel während des Tages sowie das Beseitigen von Brutstätten in Haus und Garten.
Die asiatische Tigermücke ist weniger streng auf den Menschen festgelegt und sticht auch Tiere, was sie zur schwächeren Überträgerin macht. Dafür kommt sie mit kühleren Bedingungen zurecht: Ihre Eier überstehen den Winter, und sie hat sich über den Handel mit Altreifen und Pflanzen in weiten Teilen Südeuropas festgesetzt und ist auch in Deutschland an mehreren Orten heimisch geworden. Ob daraus einheimische Zika-Übertragungen erwachsen können, hängt weniger von der Mücke selbst ab als davon, ob genügend Reisende mit Virus im Blut zurückkehren und wie warm die Sommer ausfallen – die Vermehrung des Virus in der Mücke braucht Wärme und Zeit.
Nachweis und Diagnostik
In den ersten Krankheitstagen wird das Viruserbgut mit der Polymerase-Kettenreaktion im Blut gesucht. Weil es dort nur kurz nachweisbar ist, im Urin jedoch länger, werden üblicherweise beide Materialien untersucht. Nach dem Abklingen der Beschwerden bleibt nur der Nachweis von Antikörpern, der wegen der Kreuzreaktionen mit den verwandten Flaviviren häufig nicht eindeutig ausfällt und in Speziallaboratorien mit einem Neutralisationsverfahren überprüft werden muss.
Eine besondere Rolle spielt die Untersuchung bei Schwangeren, die sich in einem betroffenen Gebiet aufgehalten haben. Neben der Laboruntersuchung wird die Entwicklung des Kindes mit wiederholten Ultraschalluntersuchungen verfolgt, die Wachstumsstörungen des Kopfes und Veränderungen des Gehirns erkennen lassen. Bei begründetem Verdacht kann das Virus auch im Fruchtwasser gesucht werden.
Da das Virus im Sperma erheblich länger nachweisbar bleibt als im Blut, wird Rückkehrern aus betroffenen Gebieten für eine gewisse Zeit zu geschütztem Geschlechtsverkehr geraten. Wie lange dieser Zeitraum bemessen wird, richtet sich nach den jeweils gültigen Empfehlungen der Gesundheitsbehörden und ist im Lauf der Jahre mehrfach angepasst worden.
Das angeborene Zika-Syndrom
Der zu kleine Kopfumfang ist das auffälligste, aber nicht das einzige Zeichen einer Schädigung im Mutterleib. Unter dem Begriff angeborenes Zika-Syndrom werden mehrere Befunde zusammengefasst, die gemeinsam auftreten können: neben dem verminderten Schädelwachstum Veränderungen der Netzhaut und des Sehnervs, Hörstörungen, eine erhöhte Muskelspannung sowie Gelenke, die schon bei der Geburt in einer Fehlstellung versteift sind. Letztere werden darauf zurückgeführt, dass die geschädigten Nerven das ungeborene Kind an den Bewegungen hindern, die für die Entwicklung der Gelenke nötig sind.
Entscheidend für das Ausmaß ist der Zeitpunkt der Ansteckung. Trifft das Virus das Kind in der ersten Hälfte der Schwangerschaft, während das Gehirn angelegt wird, sind die Folgen am schwersten. Auch Kinder, die bei der Geburt unauffällig wirken, werden nachbeobachtet, weil sich Entwicklungs- und Hörstörungen erst später zeigen können.
Verlauf der Epidemie und ihre Folgen
Bis in die 2000er Jahre waren nur vereinzelte Erkrankungen bekannt. Der erste größere Ausbruch außerhalb Afrikas und Asiens ereignete sich 2007 auf einer Inselgruppe im Westpazifik; damals erkrankte ein großer Teil der Inselbevölkerung, ohne dass schwere Verläufe auffielen. Erst der Ausbruch in Französisch-Polynesien und die anschließende Ausbreitung über Amerika machten die selteneren, aber schwerwiegenden Folgen sichtbar – gerade weil nun sehr viele Menschen zugleich betroffen waren. Seltene Folgen einer Infektion fallen erst auf, wenn die Zahl der Infizierten groß genug ist.
Angesichts der Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen erklärte die Weltgesundheitsorganisation Anfang 2016 eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite. Das ist die höchste Warnstufe, die ihr zur Verfügung steht; sie verpflichtet die Mitgliedsstaaten zu abgestimmtem Vorgehen und war zuvor nur wenige Male ausgerufen worden. Ende desselben Jahres wurde sie wieder aufgehoben – nicht, weil die Gefahr gebannt gewesen wäre, sondern weil der Zusammenhang zwischen Virus und Fehlbildungen inzwischen geklärt war und die Aufgabe von der kurzfristigen Bewältigung einer Notlage in eine dauerhafte Überwachung überging.
Dass die Erkrankungszahlen anschließend zurückgingen, wird vor allem darauf zurückgeführt, dass in den stark betroffenen Regionen ein großer Teil der Bevölkerung die Infektion durchgemacht hat und dauerhaft geschützt ist. Damit fehlen dem Virus dort die empfänglichen Wirte. Ausgeschlossen ist ein erneutes Aufflammen deshalb nicht: Nachwachsende Jahrgänge sind ungeschützt, und in vielen Gebieten mit geeigneten Mücken hat das Virus bislang nie umlaufen.
An einem Impfstoff wird seit dem Ausbruch gearbeitet, unter anderem mit denselben Verfahren, die sich bei anderen Flaviviren bewährt haben. Zugelassen ist bislang keiner. Neben den wissenschaftlichen Schwierigkeiten liegt das auch am Rückgang der Erkrankungszahlen: Wo kaum noch jemand erkrankt, lässt sich die Wirksamkeit eines Impfstoffs in einer Studie nur schwer belegen.
Quellen
- Modrow, S., Falke, D., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
ISBN: 9783662617809
- Doerr, H. W., Gerlich, W. H. (Hrsg.): Medizinische Virologie.
ISBN: 9783131139627
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- Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe.
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