Akustikusneurinom (Neurinom)

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Akustikusneurinom (Neurinom)

Das Akustikusneurinom ist ein gutartiger Tumor, der den Gleichgewichtsnerv betrifft. Obwohl er gutartig ist, kann er erhebliche Beschwerden beim betroffenen Patienten hervorrufen. Bei Symptomen wie Schwindel, Hörproblemen oder Gleichgewichtsstörungen sollte daher unverzüglich ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden, damit möglichst frühzeitig eine Diagnose über die Ursache gestellt werden kann und gegebenenfalls das Akustikusneurinom so schnell wie möglich behandelt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Akustikusneurinom?

Das Akustikusneurinom ist ein gutartiger Tumor, der den Gleichgewichtsnerv betrifft. Der Gleichgewichtsnerv verbindet das Gleichgewichtsorgan mit dem Gehirn.

Beim Akustikusneurinom handelt es sich um einen gutartigen, langsam wachsenden Tumor im inneren des Schädels. Das gutartige Neurinom bildet sich aus der äußeren Hülle der Nervenzellen - den so genannten Schwann-Zellen - des Gleichgewichtsnervs.

Da der Gleichgewichtsnerv nahezu den gleichen Weg ins Gehirn hat, wie der Hörnerv, kann es bei einem Wachstum des Akustikusneurinoms auch zu Symptomen, die das Gehör betreffen, kommen. Typischerweise bildet das Neurinom keine Metastasen. Betroffene bemerken das Akustikusneurinom häufig durch das Auftreten eines Tinnitus, eines Hörsturzes oder eines einseitigen Hörverlusts.

Doch auch der Gesichtsnerv kann von einem Akustikusneurinom betroffen sein, was auch zu Lähmungen im Gesichtsbereich führen kann. Wächst das Neurinom weiter, so besteht die Gefahr, dass es den Hirnstamm oder das Kleinhirn quetscht, was schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sollte schnellstmöglich eine passende Behandlung eingeleitet werden, um die Folgen des Akustikusneurinoms einzudämmen.

Ursachen

Die Ursache für das Akustikusneurinom ist Wissenschaftlern und Ärzten unbekannt. Allerdings steigt das Risiko, an einem Neurinom zu erkranken, mit zunehmendem Alter an. Entsteht das Akustikusneurinom im Zusammenhang mit einer Neurofibromatose Typ II, so liegt der Erkrankung eine genetische Veränderung des Erbgutes zugrunde.

Diese sind für die Entstehung gutartiger Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks verantwortlich. Hinweise auf eine Neurofibromatose können unter anderem ein beidseitig auftretendes Akustikusneurinom sowie das Vorkommen der Erkrankung im jüngeren Lebensalter sein.

Zudem kann ein Neurinom in Zusammenhang mit der Bestrahlung einer Krebserkrankung am Kopf entstehen. Auch viele Jahre nach der abgeschlossenen Krebserkrankung besteht die Möglichkeit, dass ehemalige bestrahlte Krebspatienten am Akustikusneurinom erkranken.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Akustikusneurinom (Neurinom) ist zwar ein gutartiger Tumor, kann aber doch erhebliche Beschwerden hervorrufen. Die Symptome sind beim Neurinom immer die Folge von Verdrängungsprozessen. Der Tumor selber wächst sehr langsam, bildet aber keine Metastasen. So kann der Betroffene jahrzehntelang beschwerdefrei bleiben, wobei der Tumor dann oft ein Zufallsbefund ist.

Wenn er aber eine bestimmte Größe erreicht hat oder an einer ungünstigen Stelle sitzt, kommt es dann zu Beschwerden, die abhängig davon sind, welche Nerven verdrängt werden. Oft ist das erste Symptom eine langsam zunehmende einseitige Schwerhörigkeit. In selteneren Fällen beginnt diese wie bei einem Hörsturz ganz plötzlich. Dabei kommt es zu wiederholten Hörstürzen.

Neben den Hörstörungen treten häufig auch Gleichgewichtsstörungen auf. In der Regel sind die Hörstörungen einseitig. Selten wird jedoch auch eine beidseitige Schwerhörigkeit beobachtet. Die Schwerhörigkeit kann bis zur Taubheit führen. Die Gleichgewichtsstörungen variieren in der Intensität. Drehschwindel tritt selten auf. Häufiger haben die Betroffenen das Gefühl, dass der Boden unter ihnen schwankt.

Neben diesen oft auftretenden Beschwerden gibt es auch seltenere Symptome. Wenn der siebte Hirnnerv verdrängt wird, kann es zu Gesichtslähmungen kommen. Geschmacksstörungen und das Stocken der Tränenproduktion sind auch möglich. Des Weiteren können die Verdrängungsprozesse auch zu Taubheitsgefühlen und Schmerzen im Gesicht führen. In sehr schweren Fällen treten Bewegungsstörungen, Kreislaufprobleme oder Atemnot mit eventueller Todesfolge auf.

Diagnose & Verlauf

Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf ein Akustikusneurinom, so wird ihn der Hausarzt an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt überweisen. Nach einer ausführlichen Befragung des Patienten erfolgt die Untersuchung der Ohren sowie ein Audiogramm.

Mit diesem überprüft der HNO-Arzt, ob der Patient bestimmte Frequenzen einseitig oder beidseitig nicht mehr hören kann. Eine weitere Diagnosemöglichkeit besteht in der Hirnstamm-Audiometrie (BERA), die die Gehörnerven überprüft. Außerdem gibt die Untersuchung Aufschlüsse über die Funktionsfähigkeit der Gehirnregionen, die am Hören beteiligt sind. Beide Tests zeigen bei einem Akustikusneurinom meist von der Norm abweichende Ergebnisse.

Auch Tests des Gleichgewichtssinns können Aufschluss über das Vorliegen eines Neurinoms geben. Um die Verdachtsdiagnose abzusichern, wird der HNO-Arzt ein MRT, also ein bildgebendes Verfahren, des Kopfes anordnen, auf dem er das Akustikusneurinom sicher nachweisen kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Sollte man den Verdacht haben, unter einem Akustikusneurinom zu leiden, so muss in jedem Fall sofort ein Arzt aufgesucht werden. Auch wenn es sich hierbei um einen gutartigen Tumor handelt, kann dieser zu erheblichen Einschränkungen und Beschwerden im Leben des Patienten führen. Eine ärztliche Behandlung ist in diesem Falle unerlässlich. Die Beschwerde wird in der Regel auch nicht von alleine verschwinden oder spontan heilen.

Die Betroffenen leiden dabei sehr plötzlich an Hörbeschwerden oder an einer Taubheit. Sollte es zu diesen Beschwerden ohne besonderen Grund kommen, so ist sofort ein Arzt aufzusuchen. Ebenso ist eine Behandlung notwendig, wenn es zu einem Tinnitus oder zu Sehstörungen kommt. Weiterhin leiden die Patienten oft an Verlust von Gleichgewicht und an einer Lähmung im Gesicht. Diese Symptome können auch ein Zeichen für das Akustikusneurinom sein. In der Regel kann direkt der HNO-Arzt aufgesucht werden, der das Akustikusneurinom diagnostizieren und behandeln kann. Bei einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung wird die Lebenserwartung des Patienten nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Für ein Akustikusneurinom gibt es je nach Lage und Größe unterschiedliche Therapiemöglichkeiten. Bei sehr kleinen Neurinomen, die dem Patienten keine Beschwerden bereiten und langsam wachsen, kann in einzelnen Fällen zunächst abgewartet werden. Natürlich bedarf der Befund des Akustikusneurinoms einer ständigen Kontrolle und Beobachtung, um ein Fortschreiten der Erkrankung möglichst frühzeitig zu bemerken.

Die zweite Möglichkeit, ein Akustikusneurinom zu behandeln, besteht in einer Operation. Diese Methode wird vor allem angewendet, wenn das Akustikusneurinom bereits sehr groß geworden ist und erhebliche Beschwerden verursacht, oder die Patienten in einem jungen Lebensalter erkranken. Ist das Akustikusneurinom noch nicht größer als zwei Zentimeter, so rät der behandelnde Arzt häufig zu einer Bestrahlung des gutartigen Tumors.

Alle drei Behandlungsmethoden haben Vor- und Nachteile, weshalb die Entscheidung über die Behandlung des Akustikusneurinoms gründlich überlegt werden sollte. Für Patienten ist es empfehlenswert, sich von mehreren Hals-Nasen-Ohren-Ärzten beraten zu lassen, um so die geeignete Therapiemethode für ihr Akustikusneurinom herauszufinden.

Aussicht & Prognose

Durch das Akustikusneurinom kommt es zu verschiedenen Beschwerden, die in der Regel im Kopfbereich des Patienten auftreten. Dabei leiden die Betroffenen vor allem an Schwindel und Hörbeschwerden. Nicht selten treten auch Gleichgewichtsstörungen auf, die den Alltag des Betroffenen negativ beeinflussen können. Durch den starken Schwindel kommt es oft zu einem Bewusstseinsverlust, bei welchem es durch Stürze zu verschiedenen Verletzungen kommen kann.

Im schlimmsten Falle erleidet der Patient durch das Akustikusneurinom einen kompletten Hörverlust. Für viele Menschen stellt der Hörverlust eine starke Komplikation dar, sodass es teils zu Depressionen kommt. Weiterhin können auch ein Tinnitus oder andere Ohrengeräusche auftreten, die die Lebensqualität reduzieren. Im Gesicht kommt es dabei manchmal zu Lähmungen und der Betroffene kann weiterhin an Sehstörungen leiden. Zu einer Erblindung kommt es in der Regel nicht. In vielen Fällen beziehen sich die Hörschäden nur auf bestimmte Frequenzbereiche.

Die Behandlung des Akustikusneurinoms erfolgt in den meisten Fällen operativ und führt in der Regel zu einem positiven Krankheitsverlauf. Weiterhin kann auch eine Bestrahlung des Tumors stattfinden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch das Akustikusneurinom nicht beeinflusst.


Vorbeugung

Da das Akustikusneurinom zu den Tumorerkrankungen zählt, ist leider keine wirksame Vorbeugung bekannt. Lediglich kann versucht werden, durch eine gesunde Lebensweise und ausreichend Bewegung den Körper möglichst fit und gesund zu halten. Da es beim Akustikusneurinom eine familiäre Häufung gibt, sollten die Kinder betroffener Patienten möglichst frühzeitig untersucht werden, um die Entstehung eines Akustikneurinoms gegebenenfalls so rasch wie möglich zu entdecken.

Nachsorge

Das Akustikusneurinom bedarf wochenlanger Nachsorge. Deshalb sollte der Tumor nicht unbedingt weitab des Wohnortes operiert werden. Die regelmäßigen Fahrten hin und zurück müssen für den Betroffenen bewältigbar bleiben.

Die operative Entfernung des Akustikusneuromons stellt bis heute die effektivste Therapieoption dar. Abgesehen von den Operationsrisiken bei Eingriffen im und am Kopf sind die postoperativen Heilungsaussichten recht gut. Je moderner die eingesetzten OP-Verfahren und je besser die Nachsorge ausfallen, desto eher kann der Patient als geheilt entlassen werden. Seine volle Lebensqualität kann durch erfahrene Operateure größtenteils wiedererlangt werden.

Voruntersuchungen und Nachsorge sollten nach Möglichkeit in einer Hand bleiben. Es hat sich als Wissen etabliert, dass der Operateur durch die Vorgespräche, die Voruntersuchungen sowie die spätere Operation selbst die besten Kenntnisse über das Akustikusneurinom des Patienten erlangt hat. Zudem kann er während der Operation jederzeit seine operative Strategie dem tatsächlichen Befund anpassen.

Ziel ist ein möglichst optimales OP-Ergebnis. Die vollständige Tumor-Entfernung gelingt insbesondere bei kleinen Akustikusneurinomen. Größere Neurinome müssen stückweise entnommen werden. Sie beinhalten größere OP-Risiken. Die Nachsorgeuntersuchungen sollen die oft postoperativ auftretenden Probleme im Blick behalten. Dazu gehören Schwindel und Gleichgewichtsprobleme, Taubheit oder eine operationsbedingte Gesichtslähmung. Letztere verlangt in der Nachsorge eine physiotherapeutische Behandlung. Spätere Kontrolltermine kann ein Neurologe im Heimatort übernehmen.

Das können Sie selbst tun

Ein Akustikusneurinom kann sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte entwickeln. Wenn das Leiden diagnostiziert wird, haben sich oftmals schon bleibende Schäden wie Gleichgewichtsstörungen oder Hörstörungen entwickelt. Die ärztliche Behandlung, welche sich meist auf operative Eingriffe und regelmäßige Verlaufskontrollen konzentriert, kann durch Schonung unterstützt werden.

Geistig anstrengende Aufgaben stellen oft eine zu große Belastung dar und sollten nach Möglichkeit reduziert werden, falls sie in Verbindung mit einem Unfallrisiko stehen. So kann ein Berufswechsel notwendig sein, wenn das Leiden die Fähigkeit für ein verlässliches Durchführen der jeweiligen Tätigkeit unmöglich macht. Die Patienten sollten sich mit dem zuständigen Arzt beraten und gegebenenfalls auch einen Therapeuten hinzuziehen.

Wird das Akustikusneurinom frühzeitig erkannt, sind oftmals keine weitere Maßnahmen notwendig. Ein einfacher operativer Eingriff, nachdem sich die Patienten schonen müssen, genügt für eine vollständige Genesung. Dennoch sollten die Betroffenen auf ungewöhnliche Symptome achten und die regelmäßigen Routineuntersuchungen durchführen lassen. Sollten sich nach einem operativen Eingriff körperliche Beschwerden einstellen oder die Hörprobleme nicht zurückgehen, müssen unter Umständen auch verschiedene Hilfsmittel wie zum Beispiel ein Hörgerät organisiert werden.

Quellen

  • Boenninghaus, H.-G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Berlin 2012
  • Probst, R., Grevers. G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Das könnte Sie auch interessieren