Arthrolyse
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Arthrolyse ist ein operatives Verfahren zur Wiederherstellung der vollen Beweglichkeit bei Bewegungseinschränkungen von großen Gelenken. Typischerweise wird das Verfahren am Knie- oder auch am Schultergelenk durchgeführt.
Was ist Verfahren?
Die Arthrolyse, auch bezeichnet als operative Gelenkmobilisierung, soll die volle Beweglichkeit von größeren Gelenken wieder vollumfänglich herstellen. Dazu sind bestimmte orthopädische Operationstechniken erforderlich, die in der Regel keine sogenannte breite Gelenköffnung erfordern.
In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle kann das operative Verfahren minimalinvasiv zur Anwendung kommen. Diese Operationstechnik ist für Patienten mit einigen Vorteilen verbunden. Ist der Eingriff erfolgreich und sind keine weiteren Komplikationen zu erwarten, dann kann der Patient bereits am Tag des minimalinvasiven Eingriffs wieder entlassen werden.
Die Arthrolyse muss also nicht zwangsläufig unter vollstationären Bedingungen, sondern kann auch ambulant durchgeführt werden. Die Bewegungsstörungen von Gelenken können viele Ursachen haben, von denen sich ein Teil durch die operative Gelenkmobilisierung beheben lässt. In den medizinischen Leitlinien zu dieser Operationsform wird empfohlen, dass ein Operateur so wenig wie möglich Gewalt anwenden soll, um ein Gelenk wieder in seine richtige Ausgangsposition zu bringen und zu fixieren. Oft lässt sich jedoch bei starren Bewegungseinschränkungen, beispielsweise eines Kniegelenks, eine gewisse Anwendung von Gewalt nicht vermeiden.
Funktion, Wirkung & Ziele
Eine weitere häufige Ursache für Bewegungseinschränkungen von Gelenken ist die Schrumpfung der Gelenkkapsel im Rahmen degenerativer Veränderungen des Alters. Liegt zusätzlich eine Osteoporose, also ein Knochenschwund, vor, ist vom Operateur besonderes Fingerspitzengefühl gefragt, damit während der Arthrolyse die zumeist sehr weiche Knochenstruktur nicht weiter beschädigt wird. Ein weiteres, besonders im fortgeschrittenen Lebensalter auftretendes Krankheitsbild ist die Arthrose, von der ebenfalls die großen Gelenke des Körpers betroffen sein können.
Bis zu einem gewissen leichten Grad der Arthrose empfinden viele Patienten jedoch keinerlei Beschwerden, im weiteren Verlauf kann es aber zur Ausbildung sogenannter Osteophyten kommen. Dabei handelt es sich um Knochenanbauten, überflüssige Knochenanteile ohne Funktion, welche die Fähigkeit zur umfänglichen Bewegung eines großen Gelenkes nachhaltig gefährden. Deshalb sind auch Osteophyten eine typische Indikation zur Durchführung einer minimalinvasiven Gelenkmobilisierung.
Der Eingriff kann jedoch auch in Vollnarkose durchgeführt werden. Vor jeder Arthrolyse sollten sämtliche konservative Maßnahmen zur Gelenkmobilisierung ausgeschöpft worden sein. Aus Untersuchungen ist jedoch bekannt, dass dies nicht bei allen Patienten der Fall ist. Ein Grund dafür ist, dass der Leidensdruck vieler Patienten aufgrund chronischer Schmerzen derart hoch ist, dass diese bei ihrem behandelnden Arzt auf die Durchführung dieser Behandlung drängen. Narbige Veränderungen oder verkürzte Kapselanteile eines Gelenkes werden bei dem Eingriff entfernt oder getrennt.
Von einer erweiterten Arthrolyse ist im medizinischen Sprachgebrauch immer dann die Rede, wenn zusätzlich zu anderen bewegungseinschränkenden Faktoren noch Osteophyten abgetragen werden. Noch intraoperativ wird die Verbesserung oder volle Wiederherstellung der Beweglichkeit eines Gelenkes überprüft und gegebenenfalls nochmals korrigiert. Nach einem solchen Eingriff gelten die neu etablierten Strukturen zunächst als instabil und anfällig. Deshalb kommt der postoperativen Nachsorge eine immense Bedeutung zu. Die Rehabilitation zielt auf eine langfristige Stabilisierung und kann durchaus mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Die Behandlung gilt erst dann als erfolgreich abgeschlossen, wenn ein Gelenk wieder voll belastbar ist. Diese uneingeschränkte Belastbarkeit kann jedoch bei vielen, besonders älteren Patienten, nicht wieder ganz hergestellt werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Eine Gewaltanwendung während der Operation, die nach den Leitlinien möglichst verhindert werden soll, ist bei chronisch verspannten oder überdehnten Gelenkanteilen oder Sehnen jedoch unumgänglich. Wochen bis Monate nach einer Arthrolyse kann ein Gelenk nur minimal belastet werden. Das hat oftmals zur Folge, dass die so wichtige gelenkstabilisierende Muskulatur mehr und mehr verkümmert. Die daraus resultierende Gelenkinstabilität kann, beispielsweise bei nur einer falschen Bewegung, einen erneuten Eingriff erforderlich machen. Nur gezielte Physiotherapie kann einem übermäßigen Abbau der Muskeln nach einer Arthrolyse entgegenwirken.
Außerdem klagen viele Patienten nach einer solchen operativen Gelenkmobilisierung über mittelschwere bis schwere Schmerzen, die durch die innere Operationsnarbe verursacht werden können. Nach dem Eingriff ist deshalb eine adäquate Schmerztherapie Standard, die ausreichend lange fortzuführen ist, damit es nicht zu einer Chronifizierung kommt. Der Begriff Arthrolyse wurde bereits im Jahre 1944 durch den deutschen Chirurgen Hackenbroch in die medizinische Terminologie eingeführt. Seitdem wurde das Verfahren weiter verfeinert und optimiert.
Die Arthrolyse wird von Laien immer wieder mit der sogenannten Arthroplastik verwechselt. Während die Arthroplastik die Gelenkfunktion wiederherstellen soll und dabei auch den Ersatz von Gelenkanteilen oder eines ganzen Gelenks umfassen kann, arbeitet die Arthrolyse in allen ihren Varianten stets gelenkerhaltend. Die Durchführung der Arthrolyse erfolgt durch speziell weitergebildete Chirurgen oder Orthopäden.
Voruntersuchungen und Planung
Vor einer Arthrolyse steht die Frage, wodurch die Bewegung überhaupt behindert wird. Der Untersucher misst dazu den Bewegungsumfang des betroffenen Gelenks und vergleicht ihn mit der gesunden Gegenseite; angegeben werden die Werte nach der Neutral-Null-Methode, die für jedes Gelenk eine festgelegte Ausgangsstellung als Nullpunkt verwendet. Wichtig ist dabei die Unterscheidung, ob sich das Gelenk auch dann nicht bewegen lässt, wenn der Untersucher es passiv führt, oder ob nur die aktive Bewegung fehlt. Im zweiten Fall liegt die Ursache eher in der Muskulatur, in den Nerven oder im Schmerz, und ein Lösen von Verwachsungen wäre nicht das geeignete Verfahren.
Die Bildgebung ergänzt diesen Befund. Röntgenaufnahmen zeigen knöcherne Anbauten, den verbliebenen Gelenkspalt und die Achsenstellung; die Magnetresonanztomographie stellt Narbengewebe, Kapselverdickungen und Reizzustände der Gelenkinnenhaut dar; eine Computertomographie wird vor allem bei knöchernen Fragestellungen und bei einliegendem Metall herangezogen. Vor dem Eingriff wird außerdem eine Infektion des Gelenks ausgeschlossen, unter anderem durch Blutuntersuchung und, bei Verdacht, durch eine Gelenkpunktion. Ein infiziertes Gelenk wird nicht mobilisiert, sondern zunächst behandelt.
Bei voroperierten Gelenken werden die früheren Operationsberichte gesichtet. Aus ihnen ergibt sich, welches Material eingebracht wurde, wo Zugänge verliefen und welche Strukturen bereits verändert sind. Stört einliegendes Material die Bewegung, kann seine Entfernung im selben Eingriff geplant werden.
Arthroskopische und offene Technik
In der überwiegenden Zahl der Fälle wird die Arthrolyse unter Sicht mit einem Arthroskop ausgeführt. Über kleine Hautschnitte werden eine Optik mit Lichtquelle und, über weitere Zugänge, die Instrumente in das Gelenk eingebracht. Eine Spülflüssigkeit entfaltet den Gelenkraum und hält das Blickfeld frei. Verwachsungen und Narbenstränge werden mit Tasthaken, feinen Scheren, kleinen Fräsen oder mit Hochfrequenzinstrumenten getrennt, verdickte Kapselanteile eingekerbt oder abgetragen.
Zu einer offenen Arthrolyse wird übergegangen, wenn die Verwachsungen so ausgedehnt sind, dass sich der Gelenkraum nicht mehr entfalten lässt, wenn nach mehreren Voroperationen die Übersicht fehlt oder wenn auch Strukturen außerhalb der Gelenkkapsel beteiligt sind. Über einen größeren Zugang lassen sich dann Kapselanteile gezielt spalten oder entfernen und verkürzte Sehnen sowie Muskelansätze lösen. Beide Vorgehensweisen können kombiniert werden, indem der Eingriff arthroskopisch begonnen und bei unzureichendem Ergebnis erweitert wird.
Von der Arthrolyse zu unterscheiden ist die Mobilisation in Narkose. Dabei wird das Gelenk unter Betäubung mit ruhender Muskulatur durchbewegt, um Verklebungen zu sprengen, ohne es zu eröffnen. Sie ist kein Lösen unter Sicht: Wo die Verklebung nachgibt und wieviel Kraft dabei auf Knochen, Bänder und Knorpel wirkt, lässt sich nicht steuern. Als mögliche Folgen gelten Knochenbrüche, Bandverletzungen und Einrisse an den Ansätzen, weshalb die Anwendung an Voraussetzungen wie eine ausreichende Knochenqualität geknüpft ist.
Arthrofibrose als Krankheitsbild
Ein Teil der Bewegungseinschränkungen, die zu einer Arthrolyse führen, entsteht durch überschießende Narbenbildung im Gelenk nach einer Operation oder einer Verletzung. Dieses Krankheitsbild wird als Arthrofibrose bezeichnet. Unterschieden wird eine umschriebene Form, bei der ein einzelner Narbenknoten die Bewegung mechanisch blockiert – am Kniegelenk etwa nach einem Ersatz des vorderen Kreuzbands –, von einer ausgedehnten Form, bei der das gesamte Gelenkinnere von derbem Bindegewebe durchsetzt ist.
Bemerkbar macht sich die Arthrofibrose durch eine zunehmende, schmerzhafte Bewegungseinschränkung, am Knie häufig zuerst als fehlende vollständige Streckung, sowie durch Schwellung und Überwärmung des Gelenks. Als begünstigend gelten anhaltende Reizzustände nach dem Ersteingriff, wiederholte Operationen am selben Gelenk und eine ausgeprägte Entzündungsreaktion. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten.
Bei der ausgedehnten Form gilt ein Eingriff während der entzündlichen Phase als ungünstig, weil die Narbenbildung dadurch erneut angeregt werden kann. In dieser Zeit stehen daher abschwellende und entzündungshemmende Maßnahmen sowie eine vorsichtig dosierte Bewegungsbehandlung im Vordergrund; erst wenn das Gelenk reizfrei ist, wird eine operative Lösung erwogen.
Nachbehandlung im Einzelnen
Der bei der Operation gewonnene Bewegungsumfang gilt so lange als gefährdet, wie die gelösten Flächen wieder miteinander verkleben können. Aus diesem Grund wird mit der geführten Bewegung sehr früh begonnen. Zum Einsatz kommen dabei die Behandlung durch Physiotherapeuten, Eigenübungen unter Anleitung und motorbetriebene Bewegungsschienen, die das Gelenk gleichmäßig und ohne Muskelanspannung durchbewegen. Bewegung und Belastung werden dabei getrennt gesteuert: Ein Gelenk kann bewegt werden, ohne dass das Körpergewicht darauf ruht.
Damit die Bewegungsbehandlung überhaupt durchführbar ist, muss der Schmerz ausreichend behandelt sein. Neben Medikamenten kommen dafür in den ersten Tagen Schmerzkatheter in Betracht, über die ein örtliches Betäubungsmittel in die Nähe der versorgenden Nerven gegeben wird. Abschwellende Maßnahmen wie Hochlagerung, Kälteanwendungen und Lymphdrainage sollen den Reizzustand des Gelenks begrenzen. Nach Eingriffen an der oberen Extremität wird ergänzend Ergotherapie eingesetzt, um die wiedergewonnene Beweglichkeit in Alltagsbewegungen zu überführen.
Der Bewegungsumfang wird bei jeder Kontrolle gemessen und dokumentiert. Nimmt er wieder ab, gilt dies als Hinweis auf eine erneute Verklebung, die eine Anpassung der Behandlung nach sich zieht. Für den Verlauf hat die Mitarbeit des Patienten ein erhebliches Gewicht, da die Bewegungsbehandlung über einen längeren Zeitraum fortgeführt werden muss und die Übungen anfangs schmerzhaft sein können. Aus diesem Grund wird bereits vor dem Eingriff besprochen, welcher Aufwand nach der Operation auf den Patienten zukommt und welches Ergebnis realistischerweise zu erwarten ist.
Arthrolyse an einzelnen Gelenken
Am Kniegelenk steht die eingeschränkte Streckung im Vordergrund, weil schon ein geringes Streckdefizit das Gangbild verändert und die Muskulatur der Oberschenkelvorderseite dauerhaft beansprucht. Gelöst werden hier vor allem Verwachsungen im vorderen Gelenkabschnitt, in der Umgebung der Kniescheibe und in den seitlichen Gelenkbuchten. Auch nach dem Einsetzen einer Knieprothese kann eine Bewegungseinschränkung durch Vernarbung entstehen, die eine Lösung erforderlich macht.
Am Schultergelenk betrifft die Einschränkung meist die Auswärtsdrehung und das seitliche Anheben des Arms. Bei der Schultersteife verdickt und schrumpft die Gelenkkapsel; das Krankheitsbild verläuft über längere Zeit und bildet sich häufig auch ohne Eingriff zurück, weshalb zunächst konservativ behandelt wird. Bleibt die Einschränkung bestehen, kann die verdickte Kapsel arthroskopisch gespalten werden.
Am Ellenbogengelenk entstehen Bewegungseinschränkungen häufig nach Brüchen und Verrenkungen. Hier finden sich neben Narbengewebe oft knöcherne Anbauten und Verkalkungen im Weichteilgewebe, die zusätzlich abgetragen werden müssen. Wegen des engen Verlaufs der Nerven auf der Innenseite des Ellenbogens wird bei der Planung besonders auf deren Lage geachtet.
An den Finger- und Handgelenken steht weniger die Gelenkkapsel im Vordergrund als das Gleitgewebe der Sehnen. Verkleben die Beugesehnen nach einer Verletzung oder einer Operation mit ihrer Umgebung, lässt sich der Finger passiv noch bewegen, aktiv jedoch nicht mehr beugen oder strecken. Das Lösen solcher Verklebungen wird als Tenolyse bezeichnet und von der Arthrolyse im engeren Sinne unterschieden, auch wenn beide Eingriffe im selben Operationsgebiet zusammentreffen können. Da die Strukturen an der Hand dicht beieinanderliegen und Nerven sowie Gefäße unmittelbar benachbart verlaufen, werden diese Eingriffe unter Vergrößerung ausgeführt.
Abgrenzung zu benachbarten Eingriffen
Die Namen der Gelenkeingriffe unterscheiden sich in ihrer Endung, und diese Endung benennt jeweils die Handlung. Die Arthrolyse löst – der Wortteil geht auf das griechische Wort für Lösung zurück. Die Arthrodese verbindet: Sie versteift ein Gelenk dauerhaft und hebt seine Beweglichkeit auf; sie ist damit das Gegenstück zur Arthrolyse. Die Arthroskopie bezeichnet das Betrachten des Gelenkinneren mit einem Instrument und ist bei der Arthrolyse in der Regel der Zugangsweg, nicht der Eingriff selbst. Die Arthrographie ist dagegen eine Bildaufzeichnung: Das Gelenk wird mit Kontrastmittel gefüllt und dargestellt.
Innerhalb eines Eingriffs können mehrere dieser Maßnahmen zusammentreffen. So wird bei entzündlich verdickter Gelenkinnenhaut häufig zusätzlich eine Synovialektomie durchgeführt, also die Entfernung der veränderten Innenhaut, und bei knöchernen Anbauten deren Abtragung. Führt die Lösung des Gelenks nicht zum gewünschten Ergebnis oder ist der Knorpel bereits weitgehend zerstört, bleiben als weitere Möglichkeiten der Gelenkersatz oder – wenn auch dieser nicht infrage kommt – die Versteifung.
Quellen
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443136
- Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., Pohlemann, T. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783131406439
- Ewerbeck, V., Wentzensen, A., Grützner, P. A., et al. (Hrsg.): Standardverfahren in der operativen Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Kerschbaumer, F., Weise, K., Wirth, C. J. (Hrsg.): Operative Zugangswege in Orthopädie und Traumatologie.
ISBN: 9783132403055
- Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie.
ISBN: 9783642288746
