Auskultation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Auskultation stellt eine der wichtigsten Basistechniken der ärztlichen Untersuchung dar. Kaum eine gründliche Diagnostik findet ohne Zuhilfenahme dieser Methode statt.
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Was ist die Auskultation?
Das Wort "Auskultation" hat seinen Ursprung im lateinischen Wort "auscultare", welches so viel wie "aufmerksam zuhören" bedeutet. Genau das geschieht auch beim Auskultieren, das umgangssprachlich auch als Abhören bekannt ist.
Der Untersuchende erfasst dabei Körpergeräusche über sein Ohr, gegebenenfalls nutzt er zusätzlich Hilfsmittel wie ein Stethoskop. Die Methode der Auskultation wird bereits seit dem Altertum zur Diagnostik verschiedener Organerkrankungen genutzt. Zunächst wurden durch einfaches Auflegen des Ohres auf die Haut über dem betreffenden Organ dessen Geräusche abgehört. Dies wird auch als direkte Auskultation bezeichnet. Im 19. Jahrhundert wurde dann die indirekte Auskultation möglich, da in dieser Zeit erstmals Hörrohre aufkamen.
Begründer dieser Technik war der französische Arzt René Laënnec, der 1816 aus zusammengerollten Papierbögen das erste Hörrohr formte. Sein Lehrer Jean-Nicolas Corvisart, der Leibarzt Napoleon Bonapartes, hatte zuvor die Untersuchung des Brustkorbs durch Beklopfen bekannt gemacht. Die Geräte zur indirekten Auskultation wurden immer weiter verbessert, sodass das Stethoskop entstand, wie wir es heute kennen. Durch den Einbau moderner Membranen ist hiermit inzwischen eine differenzierte Beurteilung von Herz, Lunge und Bauchraum möglich.
Funktion, Wirkung & Ziele
Für die Auskultation der Lunge nimmt der Patient auf einem höhenverstellbaren Hocker Platz und entkleidet seinen Oberkörper. Dann wird er dazu aufgefordert, mit geöffnetem Mund tief ein- und auszuatmen. Der Untersuchende sollte nach einem festen Schema vorgehen, um keine Stellen zu vergessen. Weit verbreitet ist die Vorgehensweise von kranial nach kaudal und zunächst dorsal, dann ventral. Für den medizinischen Laien übersetzt bedeutet dies, dass das Auskultieren von oben nach unten und zunächst hinten und dann vorne erfolgt. Damit Seitenunterschiede wahrgenommen werden können, wird auf gleicher Höhe immer erst links und dann rechts auskultiert. Es werden jeweils Ein- und Ausatmungsgeräusche abgewartet, um die Belüftungsverhältnisse vollständig beurteilen zu können.
Bei der Herzauskultation werden die Herztöne erfasst. Bei gesunden Erwachsenen sind zwei Herztöne hörbar. Sie markieren Beginn und Ende der Systole, also der Auswurfphase des Herzens. Bei Kindern und Jugendlichen kann zusätzlich ein dritter Herzton hörbar sein, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Bei Erwachsenen deutet ein dritter oder vierter Herzton dagegen meist auf einen krankhaften Zustand hin. Abzugrenzen von den Herztönen sind die Herzgeräusche, die stets weiter abgeklärt werden müssen; krankhaft sind sie aber nicht in jedem Fall, denn vor allem bei Kindern kommen auch harmlose, sogenannte akzidentelle Herzgeräusche vor.
Für die Auskultation des Herzens kann der Patient sitzen, stehen oder liegen. Standardmäßig wird an fünf verschiedenen Punkten der Brustwand auskultiert. An jedem dieser Punkte kann man den Ton einer der vier Herzklappen besonders gut hören. Eine Ausnahme hiervon stellt der Erb-Punkt dar, der sich auf Höhe des dritten Rippenzwischenraumes parasternal links befindet. Hier sind alle Klappen in gleicher Lautstärke zu hören. Daher kann der Untersucher sich hier einen Überblick über die Herzfunktion verschaffen. Um ein eventuelles Pulsdefizit feststellen zu können, tastet der Untersuchende parallel zur Auskultation den Radialispuls, also den Puls am Handgelenk.
Erkrankungen des Bauchraumes werden mithilfe der abdominellen Auskultation diagnostiziert. Dabei wird der Bauch gedanklich in vier Quadranten eingeteilt, welche dann nacheinander mit dem Stethoskop abgehört werden. Besonders zu beachten sind hierbei Darm- und Gefäßgeräusche. Sowohl fehlende als auch zu starke Geräusche stellen Hinweise auf Erkrankungen dar. Eine mögliche Ursache ist ein Darmverschluss. Aber auch Strömungsgeräusche können manchmal auskultiert werden. Diese sind ein Indiz für krankhafte Veränderungen der Aorta, also der Hauptschlagader, oder anderer Bauchgefäße. Bei Schwangeren dient die Auskultation des Abdomens darüber hinaus der Erfassung der kindlichen Herztöne.
Schließlich gibt es noch weitere Bereiche, bei denen eine Auskultation hilfreich sein kann. So existiert die Kratzauskultation, bei der Organgrenzen ermittelt werden. Darüber hinaus ist noch die Carotidenauskultation möglich. Mit dieser lässt sich der Zustand der Halsschlagadern beurteilen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Jedoch wird die Diagnosestellung heute fast immer durch erweiterte Methoden ergänzt, da inzwischen eine Reihe von Arten der apparativen Diagnostik zur Verfügung steht. Meist wird bei der Feststellung von Pathologien direkt eine Ultraschalluntersuchung veranlasst, die es dem Untersucher erlaubt, sich ein deutlich genaueres Bild von dem vorliegenden Zustand zu machen. Techniken wie die Kratzauskultation werden heutzutage sogar kaum noch durchgeführt, da eine Sonografie den gleichen Zweck erfüllt, gleichzeitig aber viel präziser ist. Auch auf die Auskultation der Carotiden wird oft verzichtet und stattdessen direkt eine sonografische Untersuchung durchgeführt, weil sich dadurch ein aussagekräftigeres Bild der Gefäßwandbeschaffenheit und des Blutflusses erzielen lässt.
Dennoch zählt die Auskultation aufgrund ihrer zahlreichen Vorteile immer noch zu den ärztlichen Basistechniken und wird im klinischen Alltag häufig angewandt.
Das Stethoskop und seine Handhabung
Das Stethoskop besteht aus dem Bruststück, das auf die Haut aufgesetzt wird, einem Schlauch und dem Bügel mit den beiden Ohroliven. Bei den heute üblichen Doppelkopfmodellen trägt das Bruststück auf der einen Seite eine straff gespannte Membran und auf der anderen einen offenen Trichter; durch Drehen des Kopfes wird zwischen beiden umgeschaltet. Die Membran gibt vor allem die höherfrequenten Anteile eines Geräusches wieder – dazu zählen die beiden regulären Herztöne, die Atemgeräusche und ein großer Teil der Herzgeräusche. Der Trichter überträgt dagegen auch die tiefen Anteile, die für zusätzliche Herztöne und für manche Strömungsgeräusche kennzeichnend sind. Wird der Trichter fest auf die Haut gedrückt, spannt sich diese und wirkt selbst wie eine Membran, sodass gerade die tiefen Anteile verlorengehen; für deren Beurteilung wird er deshalb nur leicht aufgelegt.
Auf die Handhabung kommt es an. Die Ohroliven werden leicht nach vorn geneigt eingesetzt, weil der äußere Gehörgang nach vorn verläuft; sitzen sie verkehrt herum, ist kaum etwas zu hören. Das Bruststück wird auf die unbedeckte Haut aufgesetzt, da Kleidung Geräusche dämpft und beim Verrutschen eigene Geräusche erzeugt. Der Schlauch darf während der Untersuchung nichts berühren, weil jede Reibung an ihm im Ohr des Untersuchers laut ankommt. Ein kaltes Bruststück lässt den Patienten zusammenzucken und wird vor dem Aufsetzen angewärmt. Und schließlich braucht die Auskultation Ruhe: In einem lauten Raum, im Rettungswagen oder im Hubschrauber sind leise Befunde nicht zu beurteilen.
Das Bruststück hat nacheinander Kontakt zur Haut vieler Patienten. Es zählt damit zu den Gegenständen, auf denen sich Krankheitserreger nachweisen lassen, und wird zwischen den Untersuchungen ebenso desinfiziert wie die Hände; in Bereichen, in denen MRSA oder andere Krankenhauskeime eine Rolle spielen, werden dem einzelnen Patienten zugeordnete Stethoskope verwendet.
Neben dem rein mechanischen Gerät gibt es elektronische Stethoskope. Sie wandeln die Schwingungen in ein elektrisches Signal um, können es verstärken, störende Frequenzbereiche herausfiltern und den Verlauf aufzeichnen. Damit lässt sich ein Befund speichern, später erneut anhören und weitergeben – etwa zur Beurteilung durch einen Spezialisten an einem anderen Ort. Verfahren, die aufgezeichnete Geräusche rechnergestützt auswerten, werden erprobt; im Alltag bleibt das klassische Stethoskop jedoch das gebräuchliche Gerät.
Einordnung in die körperliche Untersuchung
Die Auskultation ist einer von vier klassischen Schritten der körperlichen Untersuchung. Am Anfang steht die Inspektion, das aufmerksame Betrachten; es folgen die Palpation, das Betasten, und die Perkussion, das Beklopfen der Körperoberfläche. Erst danach kommt in der Regel das Abhören.
Die Perkussion, die der Auskultation am nächsten steht, geht auf den Wiener Arzt Leopold Auenbrugger zurück, der sie 1761 beschrieb. Sie blieb zunächst weitgehend unbeachtet und wurde erst im frühen 19. Jahrhundert allgemein bekannt. Beim Beklopfen entsteht je nach Luftgehalt des darunterliegenden Gewebes ein unterschiedlicher Klopfschall: Über luftgefülltem Gewebe klingt er laut und voll, über einer Flüssigkeitsansammlung oder über verdichtetem Gewebe gedämpft. Auf diese Weise lassen sich Organgrenzen abschätzen und Flüssigkeitsansammlungen aufspüren. Perkussion und Auskultation beantworten damit verschiedene Fragen: Die eine beurteilt die Beschaffenheit des Gewebes, die andere die Bewegung von Luft und Blut darin. Die Kratzauskultation verbindet beide Prinzipien, indem der Untersuchende die Haut kratzt und das dabei entstehende Geräusch mit dem Stethoskop verfolgt.
Am Bauch gilt eine abweichende Reihenfolge. Hier wird nach dem Betrachten zuerst auskultiert und erst danach getastet und beklopft, weil das Betasten die Darmtätigkeit verändert und die Darmgeräusche anschließend nicht mehr im Ausgangszustand beurteilt werden könnten.
Weitere Anwendungsgebiete
Über Herz, Lunge und Bauchraum hinaus wird das Stethoskop an einer Reihe weiterer Stellen eingesetzt. Am bekanntesten ist die Blutdruckmessung mit der Oberarmmanschette: Der Untersuchende hört über der Armarterie in der Ellenbeuge auf das Auftreten und das Verschwinden pulssynchroner Geräusche, die entstehen, wenn das Blut das teilweise zusammengedrückte Gefäß durchströmt. Der Zeitpunkt ihres ersten Auftretens und der ihres Verschwindens ergeben die beiden Werte des Blutdrucks. Automatische Messgeräte arbeiten nach einem anderen Prinzip; die abhörende Messung gilt jedoch weiterhin als Bezugsverfahren.
An den Blutgefäßen dient die Auskultation dem Aufspüren von Engstellen. Wo eine Arteriosklerose den Durchmesser eines Gefäßes einengt, wird die Strömung ungleichmäßig und erzeugt ein Geräusch, das über der Halsschlagader, über den Nierenarterien oder über den Leistenarterien hörbar sein kann. Auch über einem Aneurysma, einer sackförmigen Gefäßerweiterung, kann ein Geräusch auftreten. Ein fehlendes Geräusch schließt eine Engstelle allerdings nicht aus; eine sehr hochgradige Enge kann sogar wieder geräuschlos werden, weil kaum noch Blut hindurchfließt.
Bei Patienten, die auf eine Dialyse angewiesen sind, wird der operativ angelegte Gefäßzugang am Arm regelmäßig abgehört: Ein kräftiges, gleichmäßiges Strömungsgeräusch spricht dafür, dass er durchgängig ist.
In der Notfall- und Intensivmedizin dient die Auskultation der Lagekontrolle. Nachdem ein Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingeführt wurde, wird über beiden Lungenhälften und über dem Oberbauch abgehört, um zu prüfen, ob beide Seiten belüftet werden und der Schlauch nicht versehentlich in der Speiseröhre liegt.
In der Schwangerschaft schließlich lassen sich die kindlichen Herztöne abhören. Früher geschah dies mit einem trichterförmigen Holzrohr, das auf den Bauch der Schwangeren aufgesetzt wurde; heute werden dafür überwiegend Geräte verwendet, die mit Ultraschall arbeiten.
Grenzen & Fehlerquellen
Die Auskultation ist eine an die Sinne gebundene Untersuchung, und darin liegen ihre wesentlichen Grenzen. Was gehört wird, hängt vom Gehör und von der Erfahrung des Untersuchenden ab; zwei Untersucher können denselben Befund unterschiedlich beschreiben und unterschiedlich einordnen. Anders als ein EKG-Streifen oder eine Röntgenaufnahme hinterlässt das Abhören mit einem gewöhnlichen Stethoskop kein Dokument, das später überprüft oder einem zweiten Arzt vorgelegt werden könnte – festgehalten wird allein die sprachliche Beschreibung in der Krankenakte.
Damit diese Beschreibung nachvollziehbar bleibt, folgt sie festen Angaben. Bei einem Herzbefund werden die Stelle der größten Lautstärke, die Lage des Geräusches im Herzzyklus – also ob es zwischen dem ersten und dem zweiten Herzton oder danach auftritt –, seine Lautstärke, sein Klangcharakter und eine mögliche Fortleitung in den Hals oder in die Achselhöhle vermerkt. Bei einem Lungenbefund werden die betroffene Seite, die Höhe, die Atemphase und die Art des Geräusches genannt. Erst diese Angaben machen den Befund für einen weiterbehandelnden Arzt brauchbar und erlauben später den Vergleich mit einer erneuten Untersuchung.
Hinzu kommen Bedingungen, die die Übertragung des Schalls verschlechtern. Eine dicke Brustwand, ausgeprägtes Übergewicht, kräftige Muskulatur, eine überblähte Lunge oder eine Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand dämpfen die Geräusche. Umgebungslärm, Sprechen des Patienten, Zittern bei Kälte sowie Reibung an Haaren oder Kleidung erzeugen Geräusche, die echte Befunde überdecken oder vortäuschen können.
Für die Aussagekraft folgt daraus zweierlei. Ein unauffälliger Auskultationsbefund schließt eine Erkrankung nicht aus: Ein kleiner Entzündungsherd in der Lunge, ein geringer Luftaustritt in den Brustraum oder eine Gefäßverengung, die noch kein Geräusch erzeugt, können dem Abhören entgehen. Umgekehrt ist nicht jede hörbare Abweichung krankhaft. Die Auskultation liefert deshalb Hinweise und keine gesicherte Diagnose; bleibt ein Verdacht bestehen, wird unabhängig vom Hörbefund weiter untersucht.
Erlernen der Auskultation
Das Abhören lässt sich nicht allein aus Büchern lernen. Im Medizinstudium wird es zunächst am Gesunden geübt, damit der normale Befund vertraut wird – erst wer weiß, wie ein unauffälliges Atem- oder Herzgeräusch klingt, erkennt die Abweichung davon. Danach folgt das Üben am Krankenbett unter Anleitung, bei dem der Befund unmittelbar besprochen und mit dem Ergebnis der weiteren Diagnostik verglichen wird.
Ergänzend werden Tonaufnahmen typischer Befunde und Simulationspuppen eingesetzt, in denen sich einzelne Geräusche gezielt abspielen und beliebig oft wiederholen lassen. Beides hat gegenüber der Untersuchung am Patienten den Vorteil, dass auch ein seltener Befund planbar zur Verfügung steht; es ersetzt aber nicht die Übung an wechselnden Menschen unter Alltagsbedingungen. Da die Fertigkeit ohne regelmäßige Anwendung nachlässt, gehört das Abhören auch zu den Inhalten der ärztlichen Fortbildung.
Quellen
- Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
ISBN: 9783132443099
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629321
- Vogelmeier, C. F. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Pneumologie.
ISBN: 9783437238147
