Auskultation der Lunge
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Auskultation der Lunge dient der Diagnose von Lungenerkrankungen und der Überprüfung der Lungenfunktion. Dazu wird die Lunge mit einem Stethoskop abgehört.
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Was ist die Auskultation der Lunge?
Die Auskultation der Lunge ist fester Bestandteil der körperlichen Untersuchung. Mit dem Stethoskop können physiologische (normale) Atemgeräusche von abnormen, also pathologischen Atemgeräuschen unterschieden werden.
Im Stethoskopkopf befindet sich eine Membran, ein Trichter oder – bei Doppelkopfstethoskopen – beides. Durch diese werden die akustischen Wellen, die durch die Luftströmungen in der Lunge verursacht werden, aufgenommen. Die Schwingungen werden über die Luftsäule im Stethoskopschlauch bis in die Ohroliven und damit zum Ohr des Untersuchers weitergeleitet.
Funktion, Wirkung & Ziele
Vor der Untersuchung sollte der Patient kurz husten. Dadurch löst sich eventuell vorhandenes zähes Sekret in der Lunge. Während der Auskultation sollte der Patient gleichmäßig und tief atmen. Das Stethoskop wird auf mindestens acht Punkte im Bereich der Lunge aufgesetzt. Dabei wird seitenvergleichend vorgegangen. Zeigt sich an einem der Punkte ein auffälliges Geräusch, werden weitere Stellen in der unmittelbaren Umgebung abgehört. Auskultiert wird auf der Brust- und der Rückenseite. Aufgrund der anatomischen Lage sollte auch seitlich des Brustkorbs das Stethoskop aufgesetzt werden.
Bei den Auskultationsphänomenen unterscheidet man grundsätzlich zwischen physiologischen und pathologischen Geräuschen. Physiologische Geräusche sind die normalen Strömungsgeräusche, die die Luft in den Atemwegen und in der Lunge verursacht. Dazu gehört das Trachealatmen, das über der Luftröhre zu hören ist. Im Bereich der Bronchien ist das Bronchialatmen physiologisch. In den Randbereichen der gesunden Lunge ist das Vesikuläratmen hörbar, welches während des Atemvorgangs in den Lungenbläschen entsteht.
Es lässt sich in der Regel nur während der Einatmung hören. Bei gesunden, schlanken Menschen und bei Kindern ist es aber auch während der Ausatmung wahrnehmbar. Sonst kann das Hören von Vesikuläratmung in der Ausatmung auch ein Zeichen für eine Infiltration der Lunge sein. Ein sicheres Zeichen für eine Infiltration und/oder Verdichtung des Lungengewebes ist das Auftreten von Bronchialatmung in den Randgebieten der Lunge. Hier sollte eigentlich nur das Vesikuläratmen zu hören sein.
Die Verdichtung im Lungengewebe leitet die Vibrationen von den Bronchien bis in die Peripherie der Lunge. Verdichtungen und Infiltrationen treten zum Beispiel bei einer Lungenentzündung auf. Auch ein Lungentumor kann zu diesen Geräuschweiterleitungen führen. Besteht der Verdacht auf eine Infiltration, lässt sich dieser mit dem Verfahren der Bronchophonie testen. Bei der Bronchophonie setzt der Untersuchende das Stethoskop über dem vermeintlich infiltrierten Lungenbereich auf und lässt den Patienten das Wort "66" flüstern. Bei einer Infiltration hört man durch die Weiterleitung dieses Wort dann sehr scharf und zischend am Ohr.
Ein weiteres pathologisches Phänomen bei der Lungenauskultation sind Rasselgeräusche. Dabei lassen sich trockene von feuchten und feinblasige von grobblasigen Rasselgeräuschen unterscheiden. Feuchte Rasselgeräusche entstehen, wenn dünnflüssiges Sekret durch die ein- und ausströmende Luft in Bewegung versetzt wird. Man spricht von kleinblasigen Rasselgeräuschen, wenn sich das Sekret in den kleinen Endverzweigungen der Bronchien befindet. Grobblasige feuchte Rasselgeräusche haben ihren Ursprung in den großen Bronchialästen. Ursachen für feuchte Rasselgeräusche sind das Lungenödem, Bronchiektasen, die Bronchitis und die Lungenentzündung. Trockene Rasselgeräusche, auch als trockene Atemnebengeräusche bezeichnet, entstehen durch verengte Bronchien und zähflüssiges Sekret in den Atemwegen. Häufig sind sie als Pfeifen, Giemen oder Brummen hörbar. Davon abzugrenzen ist der Stridor, ein pfeifendes Geräusch, das durch eine Verengung der oberen Atemwege oder der Luftröhre entsteht. Trockene Rasselgeräusche sind charakteristisch für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und Asthma bronchiale. Im Asthmaanfall sind diese Geräusche sehr gut hörbar, man spricht hier auch vom Asthmakonzert.
Bei einer Verklebung der Lungenbläschen mit wenig Sekret kommt es zu Knisterrasseln über den betroffenen Lungenabschnitten. Knisterrasseln ist hörbar im Anfangs- und Endstadium einer Lungenentzündung. Im Anfangsstadium spricht man von einer Crepitatio indux, am Ende der Lungenentzündung von einer Crepitatio redux. Das sogenannte amphorische Atmen, auch Kavernenatmen genannt, entsteht über großen Hohlräumen. Es klingt so als würde man über einen Flaschenhals blasen. Diese Kavernen entstehen vornehmlich bei der Lungentuberkulose.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Der Oberkörper des Patienten sollte vollständig entkleidet sein. Kleidungsstücke können auf der Haut kratzen und somit vermeintlich pathologische Geräusche über das Stethoskop vermitteln. Die Arme des Patienten sollten möglichst locker runterhängen und nicht vor dem Brustkorb verschränkt werden. Auch hier können durch das Schaben der Arme und Hände an der Haut Geräusche entstehen.
Haare sollten wenn möglich zum Zopf gebunden werden. Kommen Haare mit dem Stethoskop in Berührung, verursachen sie ein lautes und störendes Knacken. Der Untersuchungsraum sollte angenehm temperiert sein. Friert der entkleidete Patient, können durch das Zittern verwirrende Nebengeräusche erzeugt werden. Vorsicht ist auch bei der Atmung des Patienten geboten. Viele Patienten meinen, sie müssten besonders forciert ein- und ausatmen. Dies kann im Extremfall zur Hyperventilation bis hin zur Ohnmacht führen.
Geschichte & Entwicklung
Die Lungenauskultation in ihrer heutigen Form geht auf den französischen Arzt René Laënnec zurück, der 1816 das erste Hörrohr aus zusammengerollten Papierbögen formte und wenige Jahre später eine ausführliche Abhandlung über das mittelbare Abhören veröffentlichte. Darin beschrieb er nicht nur das Instrument, sondern ordnete auch die Geräusche, die sich damit hören ließen, und brachte sie mit den Veränderungen in Verbindung, die er bei verstorbenen Patienten am Lungengewebe fand. Damit war der Grundstock jener Befundlehre gelegt, auf der die Lungenauskultation bis heute beruht.
Die von Laënnec eingeführten Bezeichnungen bereiteten allerdings von Anfang an Schwierigkeiten. Sein Sammelbegriff für die Nebengeräusche erinnerte im Französischen an das Rasseln Sterbender; am Krankenbett verwendete er deshalb einen lateinischen Ersatzausdruck. In den Übersetzungen wurden beide Wörter unterschiedlich weitergegeben, und im Lauf des 19. Jahrhunderts entstand in jeder Sprache eine eigene, uneinheitliche Begriffswelt. Dieselben Geräusche hießen je nach Lehrbuch anders, was den Vergleich von Befunden erschwerte.
Seit den 1970er Jahren gibt es internationale Bemühungen, die Bezeichnungen zu vereinheitlichen und auf wenige, nach ihrem Klang beschriebene Gruppen zurückzuführen: unterbrochene, knisternde oder knackende Geräusche auf der einen Seite und durchgehende, pfeifende oder brummende Geräusche auf der anderen. Im deutschen Sprachraum bestehen die überlieferten Bezeichnungen der feuchten und trockenen Rasselgeräusche daneben fort und werden im klinischen Alltag weiterhin verwendet.
Verändert hat sich außerdem das Gerät. Auf das einohrige Hörrohr folgte im 19. Jahrhundert die beidohrige Bauform mit zwei Schläuchen, im 20. Jahrhundert kamen Bruststücke mit gespannter Membran hinzu, die höhere Frequenzen besser übertragen. Seit einigen Jahrzehnten gibt es zusätzlich elektronische Stethoskope, die das Geräusch verstärken, filtern und aufzeichnen können.
Weitere Atemgeräusche und Befunde
Neben den Rasselgeräuschen gibt es Befunde, die sich nicht durch ein zusätzliches Geräusch bemerkbar machen, sondern durch dessen Fehlen. Ist das Atemgeräusch über einem Lungenabschnitt abgeschwächt oder gar nicht mehr zu hören, spricht das dafür, dass entweder keine Luft mehr in diesen Bereich gelangt oder dass zwischen Lunge und Brustwand etwas liegt, das den Schall nicht weiterleitet. Ursachen sind unter anderem ein Pleuraerguss, also eine Flüssigkeitsansammlung im Spalt zwischen Lunge und Brustwand, ein Pneumothorax, bei dem Luft in diesen Spalt eingedrungen ist, eine Atelektase als nicht belüfteter Lungenabschnitt sowie das Lungenemphysem mit seiner überblähten Lunge. Auch eine flache Atmung, wie sie bei starken Schmerzen nach einem Bruch der Rippen auftritt, schwächt das Atemgeräusch ab.
Ein eigener Befund ist das Pleurareiben, auch Lederknarren genannt. Es entsteht, wenn die beiden Blätter des Rippenfells entzündlich verändert sind und bei jedem Atemzug aneinander reiben; das Geräusch tritt beim Ein- wie beim Ausatmen an derselben Stelle auf und wird häufig mit dem Knarren von Leder verglichen. Es ist ein typischer Befund bei der Pleuritis, der Rippenfellentzündung. Bildet sich im Verlauf ein Erguss, verschwindet das Reiben wieder, weil die Flüssigkeit die beiden Blätter voneinander trennt – das Nachlassen des Geräusches bedeutet in diesem Fall also keine Besserung.
Eine ähnliche Umkehr gibt es beim sehr schweren Asthmaanfall. Nimmt die Verengung der Bronchien immer weiter zu, strömt so wenig Luft, dass Giemen und Pfeifen leiser werden und schließlich ganz verstummen können. Dieser Zustand wird als stille Lunge bezeichnet und gilt als Zeichen höchster Gefahr, nicht als Anzeichen einer Erholung.
Bei einer Herzschwäche finden sich feuchte Rasselgeräusche typischerweise auf beiden Seiten über den unteren Lungenabschnitten, weil sich dort zuerst Flüssigkeit ansammelt. Die Auskultation der Lunge liefert damit auch Hinweise auf Erkrankungen, die ihren Ursprung nicht in der Lunge selbst haben.
Ergänzende Untersuchungsverfahren
Der Auskultationsbefund wird nicht für sich allein bewertet. Ihm gehen die Betrachtung und das Betasten des Brustkorbs voraus: Atemfrequenz, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Einziehungen zwischen den Rippen, eine bläuliche Verfärbung von Lippen und Fingern (Zyanose) sowie Veränderungen der Fingerendglieder (Trommelschlägelfinger) sind sichtbare Zeichen, die den Hörbefund einordnen. Auch die Art des Hustens und die Beschaffenheit des Auswurfs gehören dazu.
Beim Tasten wird unter anderem der Stimmfremitus geprüft. Dazu legt der Untersuchende die Hände flach auf den Brustkorb und lässt den Patienten mit tiefer Stimme „99“ sagen; die entstehenden Schwingungen sind über verdichtetem Lungengewebe verstärkt und bei einem Erguss oder einem Pneumothorax abgeschwächt. Die weiter oben beschriebene Bronchophonie prüft dasselbe Prinzip mit dem Stethoskop und geflüsterter Stimme.
Die Perkussion, das Beklopfen des Brustkorbs, ergänzt die Auskultation um die Beurteilung des Luftgehalts: Über einem Erguss klingt der Klopfschall gedämpft, über einer überblähten Lunge oder einem Pneumothorax auffallend laut. Auf demselben Weg wird beurteilt, wie weit sich die untere Lungengrenze zwischen tiefer Ein- und Ausatmung verschiebt.
Bestätigt oder entkräftet werden die so gewonnenen Vermutungen anschließend durch apparative Verfahren. Dazu zählen die Sonografie des Brustkorbs, die Flüssigkeitsansammlungen zuverlässig darstellt, die Röntgenaufnahme der Lunge, die Computertomographie bei unklaren Befunden sowie die Bronchoskopie, wenn eine Veränderung in den Atemwegen selbst vermutet wird. Die Leistungsfähigkeit der Lunge wird mit dem Lungenfunktionstest und der Spirometrie gemessen, die Sauerstoffversorgung mit der Pulsoxymetrie und, genauer, mit der Blutgasanalyse.
Besonderheiten bei Kindern und Säuglingen
Bei Kindern gelten für die Auskultation der Lunge andere Voraussetzungen als bei Erwachsenen. Die Brustwand ist dünn, wodurch Geräusche innerhalb des Brustkorbs weit fortgeleitet werden; die Zuordnung eines Befundes zu einer bestimmten Seite oder einem bestimmten Abschnitt fällt entsprechend schwerer. Die Atemfrequenz ist höher und nimmt mit steigendem Alter ab, sodass sich der Untersuchende auf einen deutlich schnelleren Rhythmus einstellen muss.
Ein häufiges Hindernis ist die Geräuschbildung in den oberen Atemwegen: Eine verstopfte Nase erzeugt Geräusche, die sich bis über der Lunge hören lassen und dort leicht als Lungenbefund missdeutet werden. Vor der Untersuchung wird die Nase deshalb nach Möglichkeit gereinigt. Ein schreiendes Kind lässt sich kaum beurteilen; die Auskultation erfolgt daher oft auf dem Arm eines Elternteils und wird in die kurzen ruhigen Phasen gelegt, wobei zuerst das abgehört wird, was am wichtigsten erscheint. Für kleine Kinder werden Bruststücke mit geringerem Durchmesser verwendet.
Bestimmte Befunde treten in dieser Altersgruppe besonders in den Vordergrund. Die Bronchiolitis der Säuglinge geht mit feinblasigen Rasselgeräuschen und Giemen über beiden Lungen einher. Beim Pseudokrupp steht dagegen ein pfeifendes Geräusch bei der Einatmung im Vordergrund, das aus dem Kehlkopfbereich und damit von oberhalb der Lunge stammt. Bei Keuchhusten kann die Auskultation über weite Strecken unauffällig bleiben, während die Hustenanfälle das Krankheitsbild bestimmen.
Aussagekraft & Grenzen
Ein unauffälliger Auskultationsbefund bedeutet nicht, dass die Lunge gesund ist. Kleine oder tief im Gewebe liegende Entzündungsherde können sich dem Abhören entziehen, ein zentral wachsender Lungentumor macht sich oft erst spät durch ein hörbares Zeichen bemerkbar, und bei einer Lungenembolie ist der Auskultationsbefund häufig unauffällig, obwohl der Zustand bedrohlich ist. Ein negativer Hörbefund darf deshalb nicht als Entwarnung verstanden werden; bleibt der Verdacht bestehen, wird unabhängig davon weiter untersucht.
Umgekehrt ist nicht jede hörbare Abweichung krankhaft. Feine knisternde Geräusche über den unteren Lungenabschnitten können bei Patienten, die längere Zeit gelegen haben, allein dadurch entstehen, dass Lungenbläschen zusammengefallen sind; sie verschwinden nach einigen tiefen Atemzügen oder nach dem Aufsetzen. Ein solcher Befund wird deshalb erst dann als krankhaft gewertet, wenn er auch danach fortbesteht.
Die Beurteilung hängt zudem von der Erfahrung und dem Gehör des Untersuchenden ab. Dieselben Geräusche werden von verschiedenen Untersuchern nicht immer gleich benannt, und ein einmal gehörter Befund lässt sich mit einem gewöhnlichen Stethoskop nicht aufbewahren; in der Krankenakte steht am Ende nur eine sprachliche Beschreibung. Sie sollte deshalb angeben, über welcher Seite, in welcher Höhe, in welcher Atemphase und mit welchem Klangcharakter das Geräusch aufgetreten ist. Elektronische Stethoskope, die den Verlauf aufzeichnen, können diese Lücke schließen, sind im Alltag aber nicht die Regel.
Quellen
- Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
ISBN: 9783132443099
- Vogelmeier, C. F. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Pneumologie.
ISBN: 9783437238147
- Hausen, T.: Pneumologie für die Praxis.
ISBN: 9783437227127
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488
