Bittersüßer Nachtschatten

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 25. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der Bittersüße Nachtschatten, auch Solanum dulcamara genannt, gehört zu den Nachtschattengewächsen und ist aufgrund seines Gehalts an Alkaloiden giftig. Dennoch werden Teile des Bittersüßen Nachtschattens arzneilich zur Behandlung von chronischen Ekzemen genutzt.

Vorkommen & Anbau des Bittersüßen Nachtschattens

Solanum dulcamara ist ein giftiger Halbstrauch, der in fast ganz Europa, in Nordamerika und in Asien zu finden ist. Auch als Gartenzierpflanze ist der Bittersüße Nachtschatten beliebt.
Solanum dulcamara ist ein giftiger Halbstrauch, der in fast ganz Europa, in Nordamerika und in Asien zu finden ist. Auch als Gartenzierpflanze ist der Bittersüße Nachtschatten beliebt. Die Pflanze bevorzugt feuchte Standorte, beispielsweise an Ufern, am Meer oder in Auwäldern. Der Bittersüße Nachtschatten ist eine Kletterpflanze, die sich bis zu zehn Meter weit ausbreiten kann. Die Pflanze erreicht maximal eine Höhe von einem Meter.

Die Blätter haben eine herz- bis eiförmige Form, sind zum Teil gefiedert, aber stets wechselständig angeordnet. Charakteristisch ist die Ausbildung von endständigen Blüten. Die blauvioletten und manchmal sogar gelben auffälligen Blüten erscheinen ab Juni. Aus den Blüten entwickeln sich dann ab August kugelförmige, teils auch elliptische Beeren, die bis ca. 1,1 Zentimeter lang und 1,5 Zentimeter breit werden. Wenn die Beeren reif sind, haben sie eine tief- bis scharlachrote Farbe.

Alle Pflanzenteile des Bittersüßen Nachtschattens enthalten giftige Alkaloide, vor allem Saponine. Steroidalkaloide sind pflanzliche stickstoffhaltige Steroide, die vor allem in den Gewächsen der Pflanzenfamilie der Nachtschattengewächse vorkommen. Saponine werden auch als Seifenstoffe bezeichnet, da sie in Verbindung mit Wasser oft seifenartig schäumen.

Wirkung & Anwendung

Arzneilich werden fast ausschließlich die getrockneten Stängel der Pflanze verwendet. Diese werden auch Solani dulcamarae stipites oder Bittersüßstängel genannt. Die Stängel werden im Frühjahr oder im Herbst von 2- bis 3- jährigen Pflanzen gepflückt. In der Regel werden die Stängel dann zu Arzneimitteln weiterverarbeitet, ein Verkauf der getrockneten Stängel ist eher unüblich. Häufig wird aus den Stängeln ein Glycerolauszug hergestellt.

Auf dem Markt sind zahlreiche Präparate mit einem Auszug aus dem Bittersüßen Nachtschatten erhältlich. Die meisten Präparate sind allerdings keine Monopräparate, sondern beinhalten neben dem Bittersüßen Nachtschatten auch noch andere pflanzliche Wirkstoffe. Die Stängel des Bittersüßen Nachtschattens enthalten Gerbstoffe, Alkaloide und Saponine. Diese Inhaltsstoffe wirken adstringierend, das heißt zusammenziehend, auf die Haut und entzündungshemmend.

Vor allem die Saponine wirken zusätzlich schleimlösend. Die Volksheilkunde weist der Pflanze zudem eine antiallergische, beruhigende, blutreinigende, fiebersenkende, narkotisierende und schmerzstillende Wirkung zu. Entsprechend dieser Wirkbereiche werden die Bittersüßstängel und Präparate mit Bittersüßstängeln vor allem zur Therapie von chronischen Hauterkrankungen und Entzündungen eingesetzt. Auch bei der Behandlung von Allergien finden sie Verwendung.

Ein traditionelles Einsatzgebiet der Pflanze sind zudem Erkältungskrankheiten. Zwar lässt sich aus einem Teelöffel Bittersüßstängeln übergossen mit 250ml kochendem Wasser auch ein blutreinigender Tee herstellen, die innere Anwendung ist aber nur unter ärztlicher Aufsicht und mit fertigen Mitteln, die eine bestimmte und kontrollierte Menge an Wirkstoff enthalten, empfehlenswert. Aus dem Bittersüßstängeltee lassen sich jedoch auch Umschläge herstellen. Dafür wird ein Tuch mit dem Tee getränkt und auf die betroffenen Stellen aufgelegt.

Diese Umschläge sollen hilfreich bei Hautausschlägen, Rheuma und Cellulite sein. Der Tee kann auch für Waschungen verwendet werden. Der Bittersüße Nachtschatten findet auch in der Homöopathie Verwendung. Für die homöopathischen Mittel werden allerdings nicht die Stängel, sondern die jungen Triebe und Blätter kurz vor der Blüte gepflückt. In der Homöopathie wird Dulcamara typischerweise bei Erkrankungen eingesetzt, die eine Folge von Nässe und Kälte oder Folge eines Wetterwechsels sind.

Indikationen für Dulcamara in verschiedenen Potenzen sind Erkältungen, Lungenentzündungen, Schmerzen im Hals- und Rachenbereich, Kopf- und Gliederschmerzen, Bronchitis, Asthma, Heuschnupfen, Durchfall und Hautprobleme. Auch bei Blasenentzündungen, Augenentzündungen oder Ohrenschmerzen kann Dulcamara das Mittel der Wahl sein.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Schon die Römer nutzten den Bittersüßen Nachtschatten zu Heilzwecken. Im Mittelalter wurde das Gewächs vor allem gegen Hauterkrankungen und Gicht eingesetzt. Der berühmte Kräuterpfarrer Kneipp nutzte den Bittersüßen Nachtschatten zur Entgiftung. Heute wird die Pflanze seltener als damals verwendet, was sicherlich an ihrem Giftgehalt liegt. Aufgrund ihrer Toxizität sollte die Pflanze nicht selbst gesammelt werden. In zu hoher Konzentration führen die Alkaloide dazu, dass sich die roten Blutkörperchen auflösen. Die Vergiftung zeigt sich durch Symptome wie Kratzen im Mund- und Rachenbereich, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Krämpfe und Benommenheit.

Die ernsthafte Gefahr einer Vergiftung besteht nach der Aufnahme von fünf bis zehn Beeren, leichtere Vergiftungserscheinungen können aber auch durch den Verzehr der Blätter und der Stängel beziehungsweise von Teeaufgüssen der Blätter und der Stängel hervorgerufen werden. Die Kommission E, eine Sachverständigenkommission, die dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Deutschland angehört, hat die Bittersüßstängel positiv monographiert.

Das bedeutet, dass es wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass die Bittersüßstängel bei bestimmten Erkrankungen, genauer bei chronischen Ekzemen eine positive Wirkung haben. Die Experten der Kommission E empfehlen dabei eine maximale Tagesdosis von 1-3g getrockneter Droge. Aufgüsse oder Abkochungen sollten mit 1-2g Droge auf ca. 250ml Wasser durchgeführt werden. Auch Umschläge und Waschungen mit Auszügen aus dem Bittersüßen Nachtschatten werden von der Kommission als hilfreich bewertet.

Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass die Bittersüßstängel adstringierend, antimikrobiell und schleimhautreizend (und damit schleimlösend) wirken. Zudem wirkt das enthaltene Solasodin entzündungshemmend. Trotz der Toxizität des Gewächses sollte also eine Therapie mit dem Bittersüßen Nachtschatten insbesondere bei Hauterkrankungen unter Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen in Erwägung gezogen werden.


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