Elektrostimulation

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei der Elektrostimulation wird ein motorischer Nerv mittels angelegter Spannung kontaktiert. Durch diese Kontaktierung erreicht den Muskel ein Aktionspotenzial, das ihn zur Kontraktion bringt. Therapeutische Elektrostimulation kommt vor allem bei peripheren Lähmungen zum Einsatz und soll Atrophien der Muskeln verhindern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Elektrostimulation?

Elektrostimulation
Die Elektrostimulation ist eine therapeutische Reizung durch eine angelegte Spannungsquelle. Elektrostimulative Verfahren kommen vor allem bei Nervenausfällen zum Einsatz.

Die Elektrostimulation ist eine therapeutische Reizung durch eine angelegte Spannungsquelle. Elektrostimulative Verfahren kommen vor allem bei Nervenausfällen zum Einsatz. Wenn periphere Nerven des Körpers ausfallen, kommt es insbesondere an Armen und Beinen oft zum Abbau der Muskelzellen im Versorgungsgebiet des gelähmten Nervs.

Dieser Abbau hängt damit zusammen, dass die Muskeln keine elektrischen Signale mehr über den Nerv erhalten. Die Signale des Nervs können durch elektrostimulierende Therapien ersetzt werden. In einer solchen Therapiesitzung senden angebrachte Elektroden geringe Stromstöße ins Gewebe aus und steuern damit den betroffenen Nerv an. Durch die Ansteuerung erreichen den bedrohten Muskel stimulierende Signale, die eine Muskelkontraktion zur Folge haben. Aufgrund der so herbeigeführten Kontraktionen stellen sich idealerweise keine Atrophien des gelähmten Muskels ein.

Menschliche Muskeln zeigen auf verschiedene Arten der Strommodulation unterschiedlich gute Ansprache. In den meisten Fällen eignen sich Spannungsverläufe mit exponentiellem Verlauf am besten zur Elektrostimulation. Neben diesem Einsatzbereich kommt die therapeutische Maßnahme auch bei Männern mit Anejakulation zum Einsatz, um eine Ejakulation zu stimulieren.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die funktionelle Elektrostimulation entspricht der elektrischen Stimulation eines bestimmten Muskels oder einer Muskelgruppe. Das Verfahren kann direkt oder indirekt stattfinden. Durch das elektrische Signal werden Motornerven stimuliert, die eine Muskelkontraktion auslösen.

Eine implantierte funktionelle Elektrostimulation findet zum Beispiel mit dem Herzschrittmacher statt. Abhängig von der jeweiligen Schädigung erregt das regelmäßig stimulierende Signal des Herzschrittmachers den Herzmuskel im Bereich des rechten Vorhofs oder in der Region der rechten Kammer. Auch der Atemschrittmacher beruht auf implantierter funktioneller Elektrostimulation und stimuliert vorwiegend den Phrenikus. Andere Einsatzbereiche der implantierten Form sind der Darmschrittmacher und der Blasenschrittmacher, die die ausscheidungsbeteiligten Muskeln zur Kontraktion stimulieren. Ein weiteres Anwendungsgebiet der Elektrostimulation eröffnet sich mit dem Cochlea-Implantat bei Hörgeschädigten.

Das Implantat stimuliert den Hörnerv elektrisch und ermöglicht so das Hören auch nach starkem Hörverlust. Diese Art der Elektrostimulation reizt verschiedene Regionen der Basilarmembran und stimuliert so die Ganglienzellen im Hörorgan. Jede Nervenstimulation benötigt eine angelegte Feldstärke mit einer gewissen Gradientenstärke, die im kontaktierten Nerv ein Aktionspotential auslösen kann. Das so ausgelöste Potenzial wandert den motorischen Nerv entlang bis zur motorischen Endplatte eines Muskels. Am Muskel löst die Stimulation abermals ein Aktionspotential aus und bewegt den angesteuerten Muskel damit zur Kontraktion. Muskelzellen können allerdings auch direkt stimuliert werden.

Elektrische Reize zur direkten Muskelerregung sind wesentlich größer und halten ungemein länger vor als solche zur Stimulation bestimmter Nerven. Sowohl bei Nerven-, als auch Muskel-Elektrostimulation werden Oberflächenelektroden auf der Haut des Patienten angelegt. Im Normalfall finden diese Maßnahmen innerhalb einer rehabilitativen Einrichtung statt. Mittels Änderungen der Reizfrequenz werden bei der Elektrostimulation die einzelnen Bereiche der Muskelfasern in unterschiedlicher Stärke stimuliert. Frequenzen bis 200 Hz aktivieren vor allem die schnellen Muskelfasern. Solche bis 10 Hz sollen die Ausdauerfähigkeit der langsamen Muskelfasern verbessern.

Direkte Muskel-Elektrostimulation entspricht einem Training und kann so beispielsweise auch an Spitzensportlern stattfinden. Die mittlerweile verbreitete Anwendung der direkten Muskel-Elektrostimulation bezieht sich auf denervierte Muskulatur nach permanenten peripheren Lähmungen und nutzt Impulse von bis zu 300 ms Breite. Die Intensitäten der Stimulation reichen bis 250 mA.


Ablauf einer Behandlungssitzung

Vor der ersten Anwendung stehen die Klärung der zugrundeliegenden Störung und die Auswahl des Verfahrens. Bei Lähmungen gehört dazu häufig eine vorangehende elektrophysiologische Untersuchung mit Elektroneurographie und Elektromyographie, weil sich aus ihr ablesen lässt, ob der Nerv noch leitet und welche Stromform überhaupt in Frage kommt. Muskulatur, die ihre Nervenversorgung verloren hat, spricht auf andere Impulse an als Muskulatur, deren Nerv erhalten ist.

Zu Beginn einer Sitzung wird die Haut gereinigt und bei Bedarf entfettet, damit der Übergangswiderstand gleichmäßig ist. Die Elektroden werden so gesetzt, dass der Strom den anzusprechenden Muskel oder Nerv erreicht; bei der Nervenreizung wird häufig ein Punkt aufgesucht, an dem der Nerv oberflächlich verläuft und bereits eine geringe Reizstärke eine Antwort auslöst. Klebeelektroden müssen vollflächig anliegen, weil eine teilweise abgelöste Elektrode die Stromdichte an der verbliebenen Kontaktfläche erhöht.

Die Intensität wird langsam gesteigert, bis die beabsichtigte Wirkung eintritt – bei der Muskelstimulation eine sichtbare Kontraktion, bei der Schmerzbehandlung ein deutliches, aber gut erträgliches Kribbeln. Zwischen den Reizserien liegen Pausen, weil elektrisch ausgelöste Kontraktionen die Muskulatur rascher ermüden als willkürliche Anspannung: Bei der Willkürbewegung werden die Fasern abwechselnd eingesetzt, bei der elektrischen Reizung dagegen werden immer wieder dieselben Fasern erregt.

Nach der Sitzung wird die Haut unter den Elektroden angesehen. Eine leichte Rötung, die rasch verschwindet, ist gewöhnlich; eine anhaltende Rötung, Bläschen oder Schmerzen sind ein Grund, die Anwendung zu überdenken und ärztlich abklären zu lassen.

Wer die Behandlung durchführt

Die therapeutische Elektrostimulation wird ärztlich verordnet und überwiegend von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten durchgeführt, daneben in der Ergotherapie und in Einrichtungen der Rehabilitation. Der Rahmen reicht von der ambulanten Praxis über die Rehabilitation nach einem Schlaganfall oder einer Rückenmarksverletzung bis zur Anwendung bei Menschen, die nach längerer Bettlägerigkeit zunächst nicht aktiv üben können.

Für die häusliche Anwendung gibt es Geräte, die nach ärztlicher Verordnung und Einweisung selbst bedient werden. Die Einweisung ist dabei kein Formalismus: Elektrodenlage, Stromform und Intensität entscheiden darüber, ob überhaupt der beabsichtigte Muskel erreicht wird. Frei verkäufliche Geräte, die mit Muskelaufbau ohne eigene Anstrengung werben, gehören in einen anderen Zusammenhang; ihre Versprechen sind nicht mit der therapeutischen Anwendung bei Lähmungen gleichzusetzen.

Die implantierten Formen der Elektrostimulation werden dagegen operativ eingebracht und von den jeweiligen Fachgebieten betreut: der Herzschrittmacher von der Kardiologie, das Cochlea-Implantat von der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Systeme zur Nervenstimulation je nach Zielgebiet von der Neurochirurgie oder der Urologie. Bei ihnen gehören regelmäßige technische Kontrollen des Gerätes zur Nachsorge.

Einsatz bei Inkontinenz und Beckenbodenschwäche

Ein eigenes Anwendungsgebiet ist die Reizung der Beckenbodenmuskulatur bei Inkontinenz. Über Elektroden wird der Beckenboden zur Kontraktion gebracht. Erwogen wird das vor allem dann, wenn die Betroffenen die Muskulatur zunächst nicht bewusst ansteuern können und deshalb mit dem Üben allein nicht weiterkommen. Die Stimulation wird dabei als Ergänzung des Beckenbodentrainings eingesetzt und nicht als dessen Ersatz; das eigenständige Üben bleibt der wesentliche Bestandteil der Behandlung.

Bei ausgeprägten Formen der Blasen- und Stuhlinkontinenz kommt darüber hinaus eine implantierte Reizung von Nervenwurzeln im Kreuzbeinbereich in Betracht, die sakrale Neuromodulation. Sie wird üblicherweise erst erwogen, wenn andere Maßnahmen ausgeschöpft sind, und beginnt mit einer befristeten Testphase, bevor über die dauerhafte Versorgung entschieden wird.

Abgrenzung: Reizstrom, TENS und Muskelstimulation

Im Alltag werden mehrere Verfahren, die mit Elektroden arbeiten, unter denselben Begriffen geführt, obwohl sie verschiedene Ziele verfolgen.

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) zielt auf die Beeinflussung der Schmerzweiterleitung. Die Reizstärke wird gerade so gewählt, dass ein Kribbeln entsteht; eine Muskelkontraktion ist nicht beabsichtigt und wäre in dieser Anwendung eher ein Zeichen für eine zu hohe Einstellung.

Die neuromuskuläre Elektrostimulation zielt umgekehrt genau auf die Kontraktion. Sie wird eingesetzt, um dem Abbau von Muskelmasse entgegenzuwirken oder eine geschwächte Muskulatur wieder ansteuerbar zu machen.

Die funktionelle Elektrostimulation geht noch einen Schritt weiter: Sie löst die Kontraktion im richtigen Augenblick einer Bewegung aus und übernimmt damit eine Aufgabe im Alltag. Ein verbreitetes Beispiel ist die Reizung des Nerven, der den Fuß hebt, bei einer Fußheberschwäche nach einem Schlaganfall – das Gerät gibt seinen Impuls in der Schwungphase des Schrittes ab, damit die Fußspitze nicht am Boden hängen bleibt.

Die Elektrotherapie ist der Oberbegriff, unter den diese Anwendungen fallen; sie umfasst darüber hinaus Verfahren, die nicht auf Reizung, sondern auf Wärme oder auf den Transport von Wirkstoffen durch die Haut zielen. Nicht dazu gehört die Elektrokoagulation: Bei ihr ist die Schädigung von Gewebe der Zweck des Eingriffs, während jede Form der Elektrostimulation Gewebe gerade unversehrt lassen soll.

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Elektrostimulation ist als therapeutische Methode mit einigen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Der Körper eines Menschen reagiert auf elektrische Ströme empfindlich. Aus diesem Grund können kleine Spannungen unter  40 Volt bereits negative Effekte hervorrufen, wenn sie zu ungünstigen Bedingungen angelegt werden.

Zu diesen ungünstigen Bedingungen zählt zum Beispiel hochleitfähiger Schweiß. In Einzelfällen ruft Elektrostimulation so Verletzungen wie zum Beispiel leichte Verbrennungen oder Funktionsbeeinträchtigungen der peripheren Nerven hervor. Da bei unsachgemäßem Einsatz auch die Erregungsleitung der Herzmuskelzellen beeinträchtigt werden kann, entstehen in Extremfällen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Im Rahmen der direkten Muskelstimulation können als Nebenwirkungen der Elektrostimulation außerdem Schmerzen auftreten. Einige Patienten empfinden niederfrequenten Reizstrom nur als unangenehmes Ziehen.

Andere klagen über äußerst schmerzhafte Empfindungen. Patienten ohne entsprechende Innervation spüren diese Missempfindungen nicht – was aber kein Vorteil ist, weil sie eine beginnende Hautschädigung ebenfalls nicht bemerken. Alle anderen Patienten werden zur direkten Muskelstimulation mittlerweile meist mit mittelfrequentem Strom behandelt, der Frequenzen über 1000 Hz entspricht und sensibel nicht belastend ist. Der elektrische Widerstand gegenüber elektrischen Reizen ist in umgekehrter Proportionalität frequenzabhängig. Effektiv sind der Erfahrung nach vor allem Frequenzen von rund 2.000 Hz in modulierten Strömen. Modulierte Mittelfrequenz wird von bestimmten Therapiegeräten und Trainingssystemen bereits standardisiert genutzt. Sowohl bei der Elektrostimulation von Nerven, als auch der Stimulation von Muskeln können sich im Bereich der aufgeklebten Elektroden Hautausschläge einstellen. In aller Regel sind solche Ausschläge reversibel und verschwinden nach wenigen Stunden.

Patienten mit Allergien gegen bestimmte Klebstoffe sollten diese Allergien allerdings an ihren Therapeuten kundtun. In absoluten Ausnahmefällen bleiben auf der Haut nach der Elektrostimulation Gefühlsstörungen zurück, die zu dauerhaften Missempfindungen führen. Solche Missempfindungen können zum Beispiel einem anhaltenden Taubheitsgefühl oder einer Störung des Warm-Kalt-Empfindens entsprechen. Trotz der möglichen Risiken vertragen die meisten Patienten die Elektrostimulation gut. Einige empfinden die Impulse sogar als entspannend.

Gegenanzeigen

Ebenso wichtig wie die möglichen Nebenwirkungen sind die Umstände, unter denen von einer Elektrostimulation abgesehen wird. Sie ergeben sich fast durchweg aus einer einzigen Überlegung: Der eingeleitete Strom lässt sich nicht scharf auf das Behandlungsfeld begrenzen, und er wirkt auf jedes erregbare Gewebe, das auf seinem Weg liegt.

An erster Stelle stehen deshalb elektrisch arbeitende Implantate. Ein Herzschrittmacher oder ein implantierter Defibrillator kann von außen eingeleitete Impulse als körpereigene Signale missdeuten und daraufhin falsch reagieren. Bei Trägern solcher Geräte wird eine äußerliche Elektrostimulation deshalb nicht ohne vorherige Abstimmung mit der behandelnden Kardiologie angewandt; Entsprechendes gilt für andere Neurostimulatoren und für implantierte Medikamentenpumpen.

Unabhängig davon wird der Brustkorb als Anwendungsort gemieden, weil ein Strompfad, der das Herz einschließt, dessen Erregungsleitung stören kann. Aus demselben Grund wird nicht über der vorderen Halsregion gereizt: Dort liegen die Druckempfänger der Halsschlagader, deren Reizung Blutdruck und Herzschlag beeinflussen kann, sowie der Kehlkopf mit der Muskulatur, die die Atemwege offen hält.

Weitere Situationen, in denen üblicherweise verzichtet oder besonders zurückhaltend vorgegangen wird:

  • Schwangerschaft, insbesondere bei Anwendung im Bereich von Bauch, Rücken und Becken
  • akute Thrombosen, akute Entzündungen oder Blutergüsse im Behandlungsgebiet
  • bösartige Erkrankungen im Behandlungsgebiet
  • fieberhafte Erkrankungen
  • offene, entzündete oder frisch operierte Haut sowie ausgeprägte Hauterkrankungen an der Elektrodenstelle
  • Anwendung am Kopf, in der Nähe der Augen und über einem ungeschützten Schädeldefekt
  • eine bekannte Epilepsie, bei der eine Reizung nur nach ärztlicher Abwägung erfolgt

Besondere Beachtung verdient die gefühllose Haut. Wo das Empfinden gestört ist – etwa bei einer Polyneuropathie oder unterhalb einer Rückenmarksschädigung –, fehlt die wichtigste Rückmeldung, die vor einer zu hohen Stromdichte warnt. Eine Verbrennung kann dort entstehen, ohne dass der Betroffene sie bemerkt. Gerade in diesen Fällen ist die regelmäßige Sichtkontrolle der Haut unter den Elektroden entscheidend. Aus demselben Grund gilt Zurückhaltung, wenn die behandelte Person Empfindungen nicht zuverlässig mitteilen kann.

Zu unterscheiden ist bei alldem zwischen der äußerlich angelegten und der implantierten Elektrostimulation. Die genannten Einschränkungen betreffen die äußerliche Anwendung. Für implantierte Systeme gelten eigene, vom jeweiligen Gerät abhängige Regeln – sie sind gerade für Menschen gedacht, bei denen eine dauerhafte Reizung erforderlich ist.

Wirksamkeit und wissenschaftliche Einordnung

Die Elektrostimulation ist kein einheitliches Verfahren, und ihre Einordnung fällt je nach Anwendung sehr unterschiedlich aus.

Am wenigsten strittig sind die implantierten Formen, bei denen die Reizung eine ausgefallene Funktion unmittelbar ersetzt. Dass ein Herzschrittmacher den Herzmuskel erregt und ein Cochlea-Implantat den Hörnerv ansprechen kann, ist im Wirkprinzip nachvollziehbar und durch die breite klinische Anwendung gestützt.

Anders liegt es bei der äußerlichen Reizung gelähmter oder geschwächter Muskulatur. Dass sich ein Muskel elektrisch zur Kontraktion bringen lässt, steht außer Frage. Weniger eindeutig ist, in welchem Ausmaß sich dadurch der Abbau von Muskelgewebe über längere Zeiträume aufhalten lässt und wie sich das auf die Alltagsfähigkeit auswirkt. Die Anwendung an Muskulatur ohne erhaltene Nervenversorgung wird in der Fachliteratur unterschiedlich beurteilt; sie gilt als aufwendig und wird nicht überall in gleicher Weise eingesetzt. Angaben zum Nutzen sind daher als Erwartung zu verstehen, die im Einzelfall zu prüfen ist, nicht als gesicherte Zusage.

Deutlich zurückhaltender ist die Einordnung dort, wo Elektrostimulation gesunden Menschen als Ersatz für körperliches Training angeboten wird. Ein solcher Ersatz ist nicht belegt: Die Reizung erreicht nur die Muskulatur unter den Elektroden und lässt Kreislauf, Koordination und Gleichgewicht unberührt, die beim aktiven Training mit trainiert werden. Auch in der therapeutischen Anwendung wird die Elektrostimulation überwiegend als begleitende Maßnahme eingeordnet, die eine aktive Übungsbehandlung ergänzt und nicht ersetzt. Wo eigenes Üben möglich ist, hat es Vorrang.

Quellen

  • Wenk, W.: Elektrotherapie.
    ISBN: 9783642200298
  • Kerkhof, P. van: Evidenzbasierte Elektrotherapie.
    ISBN: 9783662707319
  • Hufschmidt, A., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
    ISBN: 9783132430365
  • Pape, H.-C., Kurtz, A., Silbernagl, S. (Hrsg.): Physiologie.
    ISBN: 9783132446083
  • Niethard, F. U., Biberthaler, P., Pfeil, J.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
    ISBN: 9783132443136

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