Entwicklungsstörungen bei Kindern

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Entwicklungsstörungen bei Kindern sind Verzögerungen oder Ausfälle beim Erwerb altersgemäßer Fähigkeiten, etwa in den Bereichen Sprache, Motorik, Wahrnehmung, Denken oder Sozialverhalten. Sie sind abzugrenzen von Wachstumsstörungen bei Kindern. Letztere beziehen sich hauptsächlich auf die körperliche Entwicklung, wohingegen Entwicklungsstörungen vor allem geistige, kognitive, motorische, sensorische, emotionale und soziale Aspekte aufgreifen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Entwicklungsstörungen?

Entwicklungsstoerungen bei Kindern
Entwicklungsstörungen bei Kindern haben nicht immer erkennbare Ursachen. Motorische Entwicklungsstörungen bei Kindern werden manchmal vererbt. Ursächlich können auch schädliche Einflüsse um die Geburt herum sein, wie ein Sauerstoffmangel.
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Entwicklungsstörungen bei Kindern äußern sich in gering ausgebildeten Funktionen in einem oder mehreren verschiedenen Bereichen des Lebens. Handelt es sich um geistige Entwicklungsstörungen bei Kindern, ist die Intelligenz oft vermindert.

Das Denken ist verlangsamt und das emotionale Verhalten ist gestört. Zudem äußern sich Entwicklungsstörungen bei Kindern in einem schlechten Sprachverständnis. Auch das Sprachvermögen ist zurückgeblieben. Betroffene Kinder können sich zudem schlecht selbst versorgen.

Treten motorische Entwicklungsstörungen bei Kindern auf, steht ein ungeschicktes Verhalten besonders bei komplexen Bewegungsabläufen im Vordergrund. Malen und Basteln sind beispielsweise problematisch ebenso wie Ballspiele oder das Springen auf einem Bein. Immer sind die betroffenen Kinder in ihrer Entwicklung auffällig hinter Gleichaltrigen zurück. Maßgeblich ist dabei weniger der Vergleich mit einzelnen anderen Kindern als das Ausbleiben der altersüblichen Entwicklungsschritte, der sogenannten Meilensteine. Verliert ein Kind bereits erworbene Fähigkeiten wieder (Entwicklungsknick), ist das immer ein Alarmzeichen und umgehend abzuklären.

Fachlich unterscheidet man umschriebene Entwicklungsstörungen der Sprache, der Motorik und der schulischen Fertigkeiten – etwa Legasthenie oder Rechenstörung – von den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wie dem Autismus. Davon abzugrenzen ist die ADHS, bei der nicht der Erwerb einer Fähigkeit gestört ist, sondern Aufmerksamkeit und Impulskontrolle.

Von Entwicklungsstörungen bei Kindern betroffen sind rund drei Prozent aller Kinder in Deutschland. Umschriebene Entwicklungsstörungen einzelner Bereiche, vor allem der Sprache, kommen deutlich häufiger vor. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Ursachen

Entwicklungsstörungen bei Kindern haben nicht immer erkennbare Ursachen. Motorische Entwicklungsstörungen bei Kindern werden manchmal vererbt. Ursächlich können auch schädliche Einflüsse um die Geburt herum sein, wie ein Sauerstoffmangel. Entwicklungsstörungen bei Kindern können auch durch Hirnfehlbildungen hervorgerufen werden.

Geistige Entwicklungsstörungen bei Kindern sind fast immer angeboren oder entstehen durch eine Infektion während der Schwangerschaft. Auch Hirnhautentzündungen, ein schwerer Unfall mit Schädelverletzungen sowie Erkrankungen des Stoffwechsels können ausschlaggebend sein.

Bekannt ist, dass ein erlebtes Trauma Entwicklungsstörungen bei Kindern auslösen kann. Nicht selten sind auch Schadstoffe, denen das Kind vor der Geburt ausgesetzt ist, für eine geistige und körperliche Fehlentwicklung verantwortlich. Rauchen, Drogen und Alkoholkonsum können während der Schwangerschaft gravierende Entwicklungsstörungen des Kindes begünstigen. Manchmal wird auch keine Ursache für Entwicklungsstörungen bei Kindern gefunden.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Entwicklungsstörungen bei Kindern können sehr unterschiedlich sein und ebenfalls eine verschiedene Ausprägung aufweisen. Eine allgemeine Voraussage der Beschwerden ist aus diesem Grund in der Regel nicht möglich. Allerdings kommt es durch diese Störungen in jedem Fall zu einer deutlich verzögerten Entwicklung beim betroffenen Kind, die je nach Ausprägung auch im Erwachsenenalter noch zu Einschränkungen führen kann.

Die Kinder leiden dabei an Störungen der Sprache, der geistigen oder der motorischen Entwicklung. Liegt zugleich eine Grunderkrankung mit Fehlbildungen vor, können ein Kleinwuchs oder die Unterentwicklung verschiedener Körperregionen hinzukommen, sodass die Kinder an Bewegungseinschränkungen leiden. Die geistige Entwicklung ist ebenso deutlich verlangsamt, sodass es zu einer verringerten Intelligenz und möglicherweise zu einer anhaltenden Entwicklungsverzögerung kommt.

Hierbei kann nicht vorhergesagt werden, ob diese Störungen wieder behoben werden können, da der weitere Verlauf stark von der Ursache der Entwicklungsstörungen bei Kindern abhängig ist. Außerdem können die Patienten verschiedene Fehlbildungen aufweisen, wobei auch die inneren Organe davon betroffen sein können.

Aus diesem Grund kommt es in einigen Fällen zu einer verringerten Lebenserwartung beim Patienten. Die Störungen können sich dabei auch negativ auf die Psyche auswirken, sodass einige Betroffene an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen leiden. Davon können auch die Eltern oder die Angehörigen betroffen sein.

Diagnose

Entwicklungsstörungen bei Kindern werden oft vom Psychologen, Kinderarzt oder Physiotherapeuten erkannt. Der Entwicklungsstand des Kindes wird geprüft und anhand eines Punktesystems eingeschätzt. Vor jeder weiteren Abklärung sollten Hören und Sehen des Kindes überprüft werden: Eine unerkannte Schwerhörigkeit ist eine häufige und gut behebbare Ursache von Sprachentwicklungsstörungen.

Die Diagnose Entwicklungsstörungen bei Kindern sollte niemals allein, sondern immer im Team getroffen werden. Fehleinschätzungen und daraus resultierende falsche Maßnahmen sollen vermieden werden. Manche Kinder sind einfach Spätzünder. Dies darf nicht dazu führen, dass sie vorzeitig den Stempel "entwicklungsgestört" erhalten.

Manche Laien gehen davon aus, dass sich Entwicklungsstörungen bei Kindern auswachsen werden. Das ist falsch. Geistige Entwicklungsstörungen bei Kindern können nicht geheilt werden. Umschriebene Störungen etwa der Sprache oder der Motorik lassen sich dagegen durch gezielte Förderung deutlich verbessern. Generell müssen Entwicklungsstörungen bei Kindern so rasch wie möglich erkannt und richtig behandelt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Entwicklungsstörungen bei Kindern sollten von einem Arzt abgeklärt werden, sobald sie im Alltag wahrgenommen werden. Entwickeln sich die Kinder im Vergleich zu Gleichaltrigen auffällig, ist eine Rücksprache mit dem Arzt erforderlich. Leichte Entwicklungsverzögerungen sind hingegen häufig und bedürfen nicht immer einer Behandlung. Ob eine bloße Verzögerung oder eine Störung vorliegt, lässt sich allerdings nur ärztlich klären.

In den meisten Fällen holen die Kinder im Laufe der kommenden Jahre die Verzögerung wieder auf. Bei Störungen der Entwicklung kommt es zu Auffälligkeiten bei geistigen oder motorischen Kompetenzen. Die Kinder sollten von einem Arzt untersucht werden, wenn sie sich in ihrem Sozialverhalten außerhalb der Norm bewegen.

Aggressives oder ungewöhnlich passives Verhalten sollte mit einem Arzt besprochen werden. Können die Gliedmaßen nicht in der üblichen Weise eingesetzt werden oder reagieren die Kinder auf sensorische Reize in einer auffälligen Form, sind weitere Untersuchungen notwendig. Apathisches Verhalten, die dauerhafte Schieflage des Kopfes oder die Unfähigkeit, die Augenbewegungen synchron und willkürlich durchzuführen, sind einem Arzt zu schildern.

Lernt das Kind das Sprachverständnis nicht oder zeigt es eine verminderte Intelligenz, ist es von einem Arzt untersuchen zu lassen. Können Bewegungen nicht koordiniert werden oder ist eine selbständige Fortbewegung nicht möglich, benötigt das Kind eine ärztliche Hilfe. Sind normale Freizeitaktivitäten wie Spielen oder Malen mit den Kindern nur eingeschränkt umsetzbar, sollte ein Arztbesuch erfolgen.

Behandlung & Therapie

Leichte Entwicklungsstörungen bei Kindern verlaufen unter der richtigen Therapie positiv. Geringe motorische Defizite können tatsächlich mit viel Übung dauerhaft verschwinden. Geistige Entwicklungsstörungen bei Kindern können nicht geheilt, durch frühe und gezielte Förderung aber deutlich gemildert werden.

Häufig wird zur Behandlung Ergotherapie eingesetzt. Ein Alarmsignal für Entwicklungsstörungen bei Kindern ist immer eine verzögerte Sprachentwicklung. Dies erkennt der Kinderarzt bei den planmäßigen Untersuchungen. Bereits mit zwei Jahren sind in diesem Bereich die Entwicklungsstörungen bei Kindern sichtbar. Sprachstörungen werden von den Logopäden behandelt. Organisiert wird die Förderung häufig über die interdisziplinären Frühförderstellen und die sozialpädiatrischen Zentren (SPZ), in denen Ärzte, Psychologen und Therapeuten zusammenarbeiten.

Unentbehrlich ist der Weg zum HNO-Arzt. Es ist möglich, dass Probleme beim Hören die Sprachentwicklung behindern. Bei der Therapie von Entwicklungsstörungen bei Kindern sollte immer auch an eine Steigerung des Selbstwertgefühls gedacht werden. Ein Kind, welches unterstützt und bestärkt wird, traut sich auch mehr zu. Generell sollten alle Mitmenschen darauf achten, dem Kind nicht mit Spott oder Häme entgegenzutreten. Sonst kommen schnell Ängste und Störungen im sozialen Verhalten dazu.

Judo und Schwimmen können bei motorischen Entwicklungsstörungen helfen, den gesamten Bewegungsablauf zu verbessern. Bei den beiden bekanntesten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (Autismus und Rett-Syndrom) ist eine vollständige Rückbildung nicht zu erwarten. Dennoch kann der Verlauf durch entsprechende Behandlung bis zu einem bestimmten Grade positiv beeinflusst werden.

Aussicht & Prognose

Die Prognose der Entwicklungsstörungen bei Kindern hängt von Art und Schwere der Störung ab. Durch moderne Therapiemöglichkeiten sowie eine frühzeitige medizinische Versorgung können viele Symptome gelindert werden. Dennoch tritt bei den erkrankten Kindern nur selten eine vollständige Genesung ein.

Das Therapieziel ist bei vielen Entwicklungsstörungen die Verbesserung der vorhandenen Lebensbedingungen sowie der Aufbau einer möglichst großen Selbstständigkeit. Eine umfassende Prognose kann jedoch nur nach dem individuellen Störungsbild erstellt werden.

Bei geistigen Entwicklungsstörungen hilft die Anwendung von gezielten Trainings zum Aufbau des Gedächtnisses. Damit wird die kognitive Leistungsfähigkeit erhöht. Bei motorischen Entwicklungsstörungen werden physio- und ergotherapeutische Methoden eingesetzt, bei Sprachentwicklungsstörungen logopädische. Individuelle Übungen werden in Zusammenarbeit mit dem Patienten sowie den Angehörigen erarbeitet. Diese können eigenständig sowie mit therapeutischer Begleitung ausgeführt werden.

Je häufiger und intensiver die Trainingseinheiten umgesetzt werden, desto besser ist oftmals die Prognose. Operative Eingriffe bieten bei unzähligen Fehlbildungen die Möglichkeit für Korrekturen. Als Ziel wird dabei eine Optimierung der vorhandenen Lebensqualität festgelegt, da trotz des medizinischen Fortschritts oftmals nicht die natürliche körperliche Funktionstätigkeit oder Optik erreicht werden kann.

Sind psychische Probleme als Ursache für die Entwicklungsstörungen bei Kindern bekannt, kommen psychotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz. Erlebte Traumata oder schlechte Lebensbedingungen der werdenden Mutter während der Schwangerschaft sollen so verarbeitet und überwunden werden.


Vorbeugung

Entwicklungsstörungen bei Kindern kann man am besten vorbeugen, indem man die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt wahrnimmt. Der Arzt erkennt eine Entwicklungsstörung bei Kindern rechtzeitig und kann die entsprechenden Maßnahmen einleiten, damit sich aus ihr keine dauerhafte Störung entwickelt. Dazu dienen die Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9, die von der Geburt bis zum Schulalter reichen. Je früher eine Förderung beginnt, desto besser sind ihre Aussichten. Wichtig ist auch, dass das Kind bereits als Baby viel persönliche Ansprache und Zuwendung erhält, damit es geistig und körperlich reifen kann.

Nachsorge

Bei Entwicklungsstörungen bei Kindern stehen den Eltern und den Kindern verschiedene Maßnahmen der Nachsorge zur Verfügung. Allerdings sollten in erster Linie die Entwicklungsstörungen bei Kindern untersucht und behandelt werden. Die Kinder sind dabei meist auf eine intensive Therapie angewiesen, um diese Störungen zu reduzieren oder vollständig zu beheben.

Sie müssen intensiv gefördert werden. Auch im eigenen Zuhause können dabei kleinere Übungen dazu dienen, die Entwicklungsstörungen bei Kindern zu minimieren. Eltern finden dabei in der Regel Unterstützung von den betreuenden Lehrern oder Erziehern. Weiterhin ist bei den Eltern und meist auch bei den Angehörigen der Kinder bei Entwicklungsstörungen bei Kindern viel Geduld gefragt.

Die Eltern müssen diese Erkrankung verstehen, um sich darauf einzulassen. Die Kinder dürfen nicht überfordert werden, da sich dies negativ auf die Behandlung dieser Störungen auswirken kann. Häufig können die Eltern von Freunden oder Angehörigen im Alltag unterstützt werden. Auch die liebevolle Pflege der Kinder kann sich dabei positiv auf den Verlauf dieser Störungen auswirken. Die Lebenserwartung hängt dabei nicht von der Entwicklungsstörung selbst ab, sondern von der zugrunde liegenden Erkrankung.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Entwicklungsstörung des Kindes ist eine umfassende Information über die Ursachen und Diagnosehintergründe der vorhandenen Störung wichtig. Fördermöglichkeiten des Nachwuchses, die auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Kindes abgestimmt sind, sollten individuell und in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt erarbeitet und umgesetzt werden. In vielen Fällen benötigen Eltern und nahe Angehörige zusätzlich eine psychische Unterstützung. Diese ist hilfreich, um die Situation und die Gegebenheiten zu verarbeiten.

Die Erkrankung des Kindes hat einen immensen Einfluss auf die alltäglichen Abläufe aller Betroffenen. Sie führt zu einer Lebensumstellung, die häufig mit verschiedenen Einschränkungen verbunden ist. Damit die Erwartungen an das Kind aufgrund der Erkrankung nicht zu hoch sind, bedarf es einer guten Aufklärungsarbeit der Menschen im sozialen Umfeld.

Mit einer positiven und optimistischen Lebenseinstellung können im Zusammenleben für das Kind und die Eltern Verbesserungen erzielt werden. Die Akzeptanz der Situation ist notwendig, um keine zusätzlichen Erkrankungen oder psychischen Probleme zu verursachen.

Ein Vergleich mit den Entwicklungsmöglichkeiten gleichaltriger Kinder ist vollständig zu vermeiden. Die Freizeitaktivitäten und die schulischen Möglichkeiten sollten den Wünschen und Bedürfnissen des Kindes angepasst werden. Wichtig ist das Schaffen von Erfolgserlebnissen für das Kind, um die Motivation zu fördern und die Freude am Lernen aufzubauen.

Quellen

  • Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
    ISBN: 9783662572948
  • Hoffmann, G. F. (Hrsg.): Pädiatrie.
    ISBN: 9783662603062
  • Mayatepek, E., Aksu, F. (Hrsg.): Pädiatrie.
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  • Steinhausen, H.-C.: Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen.
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