Epiglottitis (Kehldeckelentzündung)

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Epiglottitis - auch Kehldeckelentzündung - ist eine durch Bakterien verursachte Entzündung des Kehldeckels. Diese Krankheit tritt im 21. Jahrhundert zwar selten auf, jedoch besteht bei Verdacht ein sofortiger Handlungsbedarf, da sie lebensbedrohlich ist und unbehandelt zum Tod führt. Sie ist ein Notfall: Innerhalb weniger Stunden kann der geschwollene Kehldeckel die Atemwege vollständig verschließen, weshalb bei Verdacht sofort der Notruf 112 zu wählen ist. Am häufigsten tritt die Kehldeckelentzündung bei Kindern unter 6 Jahren auf, jedoch können sich auch Erwachsene mit der Epiglottitis infizieren. Seit Einführung der Impfung gegen den Haupterreger hat sich dieses Bild allerdings verschoben: Bei Kindern ist die Erkrankung selten geworden, während sie bei Erwachsenen unverändert auftritt – heute sind Erwachsene sogar häufiger betroffen als Kinder.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Epiglottitis?

Atemnot kurzatmigkeit
Vorsicht: bei einer Epiglottitis besteht Erstickungsgefahr!

Die Epiglottitis ist eine bakterielle Infektion, bei der es zu einer lebensbedrohlichen Entzündung des Kehldeckels kommen kann. Der Kehldeckel (Epiglottis) ist Bestandteil des Kehlkopfes und dient als Trennung zwischen Luft- und Speiseröhre. Beim Schlucken legt sich der Kehldeckel über den Eingang des Kehlkopfes und verschließt die Luftröhre, so dass Nahrung und Flüssigkeit in die Speiseröhre gelangen können.

Bei der Epiglottitis schwellen die Schleimhäute des Kehldeckels sowie das Gewebe der weiteren Umgebung wie z.B. Kehlkopfmuskulatur oder unterer Rachenraum an. Durch diese massiven Schwellungen können die Atemwege teilweise oder ganz verschlossen werden, was zu einer akuten Atemnot oder zum Ersticken führen kann. Die Epiglottitis ist nicht zu verwechseln mit dem Pseudokrupp, welcher ähnliche Symptome aufweist. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal: Beim Pseudokrupp besteht ein bellender Husten, bei der Epiglottitis fehlt er in aller Regel; dafür kann das Kind vor Schmerzen nicht mehr schlucken, und der Speichel läuft ihm aus dem Mund. In der Regel erkranken Kinder im Vorschulalter an der Epiglottitis, seltener Erwachsene. Die Epiglottitis kommt ausschließlich beim Menschen vor.

Ursachen

Die Ursache für eine Epiglottitis ist eine Infektion mit Bakterien. Jedoch unterscheidet sich die Ursache bzw. das Bakterium für die Epiglottitis bei Kindern und bei Erwachsenen.

Bei Kindern ist die Ursache i.d.R. eine Infektion mit dem Bakterium „Haemophilus influenzae Typ b“. Die Übertragung des Erregers erfolgt durch die sog. Kontakt- oder Tröpfcheninfektion. Bei Erwachsenen wird eine Epiglottitis oftmals durch Pneumokokken („Streptococcus pneumoniae“) ausgelöst; daneben kommen „Staphylococcus aureus“ und Streptokokken der Gruppe A als Erreger in Frage.

Die Epiglottitis tritt oftmals ohne eine andere vorhergehende Erkrankung auf. In Ausnahmefällen kann zuvor eine unbehandelte Infektion des Nasen-Rachen-Raumes vorgelegen haben, welche sich ausgebreitet hat. Aufgrund der seit 1990 empfohlenen Hib-Impfung ist die Epiglottitis bei Kindern jedoch nur noch selten zu finden. Bei Erwachsenen, die überwiegend nicht gegen Hib geimpft sind, tritt sie dagegen unverändert auf.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die akute Epiglottitis stellt ein fulminant verlaufendes Krankheitsbild dar, bei welchem es innerhalb weniger Stunden zur Ausprägung der schweren Symptomatik kommt. Aus vollständiger Gesundheit heraus treten typischerweise hohes Fieber und eine rapide Verschlechterung des Allgemeinzustandes auf. Die Schwellung des Kehldeckels führt zu Halsschmerzen und schmerzhaften Schluckstörungen mit vermehrtem Speichelfluss.

Die Kinder können oder wollen nicht mehr sprechen und verweigern feste und flüssige Nahrung. Der Speichel läuft typischerweise aus dem Mund heraus. Ein weiteres Hauptsymptom der Epiglottitis ist der inspiratorische Stridor, ein pfeifendes Atemgeräusch, welches bei der Einatmung auftritt. Anschließend folgt ein schnarchendes Ausatmen, die sogenannte röchelnde Atmung.

Durch die zunehmende Schwellung der Epiglottis kommt es zur Verlegung der oberen Atemwege mit stärker werdender Atemnot. Um die Atmung zu erleichtern, nehmen die Patienten eine typische Körperhaltung ein. Sitzend, mit nach vorne gebeugtem Oberkörper nehmen sie den Kopf in den Nacken und atmen bei geöffnetem Mund, um die Atemwege zu erweitern. Diese Haltung dürfen die Patienten auf keinen Fall verlassen: Im Liegen kann sich der geschwollene Kehldeckel über den Kehlkopfeingang legen und die Atemwege vollständig verschließen.

Auffällig ist auch die veränderte Sprache. Sie imponiert als „kloßige“, häufig schmerzhafte Sprechweise. Im Bereich von Hals und Kopf lassen sich oftmals geschwollene Lymphknoten ertasten. Husten ist dagegen ein untypisches Symptom der akuten Epiglottitis und tritt eher selten auf.

Diagnose & Verlauf

Die Epiglottitis wird durch den Arzt diagnostiziert. Man erkennt sie an Symptomen wie Atemnot, hohem Fieber, starkem Speichelfluss, starken Halsschmerzen sowie Schmerzen beim Schlucken. Weitere Anzeichen sind u.a. Verweigerung der Nahrungsaufnahme, Probleme beim Sprechen sowie die Weigerung, auf dem Rücken zu liegen. Bei Verdacht darf keinesfalls mit einem Spatel oder Löffel in den Rachen geschaut werden: Schon dieser Reiz kann einen reflektorischen Atemstillstand auslösen. Der Kehldeckel wird deshalb erst in der Klinik betrachtet, wo jederzeit ein Beatmungsschlauch gelegt werden kann.

Beim Abtasten des Halses findet man stark geschwollene Lymphknoten. Liegen diese Symptome weniger ausgeprägt vor, so kann die Infektion mittels eines Blutbildes festgestellt werden. Aus der Blutprobe lässt sich über eine Blutkultur auch die Art des Erregers bestimmen, was eine exaktere Behandlung der Epiglottitis ermöglicht.

Die Symptome bei einer Epiglottitis entwickeln und verschlimmern sich innerhalb weniger Stunden, so dass nur aufgrund der Symptomatik der Erkrankte sofort ins Krankenhaus überwiesen wird. Da bei der Epiglottitis die Schleimhäute um den Kehldeckel sehr stark anschwellen, kommt es im weiteren Verlauf zu einer schweren Atemnot, die bis zum Erstickungstod führen kann. Wird die Erkrankung rechtzeitig behandelt, heilt die Epiglottitis meist ohne Folgen aus.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Verdacht auf eine Epiglottitis ist kein Abwarten erlaubt: Treten hohes Fieber, kloßige Sprache, Speichelfluss und Atemnot innerhalb weniger Stunden gemeinsam auf, muss sofort über den Notruf 112 ein Notarzt alarmiert werden. Für die im Folgenden genannten Beschwerden gilt allgemein: Bei einer anhaltenden Atemnot oder Störungen der Atmung sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es während des Nachtschlafes zu Unterbrechungen aufgrund der Atembeschwerden, ist unverzüglich ein Arztbesuch notwendig.

Leidet der Betroffene unter Halsschmerzen, einem Engegefühl im Hals oder starken Schluckbeschwerden, sind diese Symptome ärztlich untersuchen und behandeln zu lassen. Ein Arztbesuch sollte stattfinden, wenn die Stimmgebung unterbrochen ist oder die Stimme dauerhaft heiser klingt. Ist die Zufuhr der Nahrung über mehrere Tage nicht möglich oder wird sie vehement verweigert, droht eine Unterversorgung des Organismus.

Ein Arztbesuch ist nötig, um eine medizinische Behandlung einleiten zu können. Kommt es zu einer Verweigerung der Aufnahme von Flüssigkeiten, erhöht sich das Risiko einer Dehydration. Damit kann ein lebensbedrohlicher Zustand eintreten, der schnellstmöglich behandelt werden muss. Sobald der Betroffene bemerkt, dass seine Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich anschwellen, sollte er einen Arzt konsultieren.

Bei einem allgemeinen Krankheitsgefühl, auffallendem Unwohlsein oder einer körperlichen Schwäche empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Treten Beschwerden wie Schwindel, Gangunsicherheiten oder Störungen des Bewusstseins auf, ist ein Arztbesuch dringend geboten. Probleme des Herzrhythmus, Herzrasen oder ein erhöhter Blutdruck geben Anlass zur Sorge. Um keine lebensbedrohlichen Zustände oder dauerhafte Schäden auszulösen, sollte schnellstmöglich ein Arztbesuch erfolgen.

Behandlung & Therapie

Besteht der Verdacht auf eine Epiglottitis, muss der Erkrankte umgehend ins Krankenhaus eingeliefert werden, so dass rechtzeitig eine adäquate Therapie erfolgen kann. Schon beim Transport ins Krankenhaus gilt es bestimmte Dinge zu berücksichtigen. Der Transportweg sollte so kurz wie möglich sein und unter ärztlicher oder notärztlicher Begleitung erfolgen.

Aufgrund der Schwellungen ist die Atmung beeinträchtigt, so dass auf eine aufrecht sitzende Position zu achten ist. Erkrankte geraten aufgrund der verminderten Atmung leicht in Panik, so dass man stets beruhigend auf die Patienten einwirken sollte. Beruhigungsmittel sind bei einer Epiglottitis kontraindiziert, da sich diese negativ auf die Atmung auswirken. Ebenso wenig darf versucht werden, mit einem Spatel oder Löffel in den Rachen zu schauen, und der Erkrankte darf nicht hingelegt werden – beides kann einen Atemstillstand auslösen.

Oberste Priorität bei einer Epiglottitis ist es die Atemwege freizuhalten. Es erfolgt i.d.R. eine Intubation, die so frühzeitig wie möglich erfolgen soll. Hierbei wird ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt, welcher zur weiteren Beatmung dient. Als weitere Maßnahme können auch sog. Adrenalin-Sprays verabreicht werden, um die Schwellung zu vermindern. Bei äußerst schwerwiegenden Fällen, bei denen die Atemwege so stark zugeschwollen sind, dass eine Intubation nicht mehr möglich ist, wird eine Tracheotomie, ein sog. Luftröhrenschnitt durchgeführt.

Nach Sicherung der Atemwege wird die Epiglottitis mithilfe von Antibiotika behandelt. Bei Kindern wird die Infektion mit dem Wirkstoff Cefotaxim, bei Erwachsenen lange Zeit mit Cefuroxim behandelt. Heute werden auch bei Erwachsenen Cephalosporine der dritten Generation wie Cefotaxim oder Ceftriaxon bevorzugt, weil sie das Erregerspektrum zuverlässiger abdecken. Des Weiteren werden auch sog. Kortikosteroide verwendet, welche abschwellend und entzündungshemmend wirken. Rechtzeitig behandelt, heilt die Epiglottitis folgenlos aus.

Aussicht & Prognose

Die Prognose der Epiglottitis ist gebunden an den Krankheitsfortschritt bei der Diagnosestellung. Bei einer rechtzeitigen Entdeckung und Behandlung der Entzündung wird innerhalb weniger Tage eine Linderung der Beschwerden erreicht. Im Normalfall ist die Erkrankung binnen einiger Wochen vollständig ausgeheilt. Der Patient ist beschwerdefrei und muss mit keinerlei Folgeschäden rechnen.

Der Behandlungsweg kann sich verlängern, wenn andere Krankheiten vorliegen, die ebenfalls das Immunsystem schwächen oder der Patient einen ungesunden Lebensstil pflegt. In diesen Fällen befinden sich zu wenige Abwehrkräfte im Organismus. Die Wirkung der Arznei setzt dadurch verspätet in dem notwendigen Maß ein.

Befindet sich die Epiglottitis in einem fortgeschrittenen Stadium, drohen schwere Komplikationen. Neben Heiserkeit, Schmerzen und anderen Beschwerden kann es zum Ableben des Patienten kommen. Ohne rechtzeitige Sicherung der Atemwege nimmt die Krankheit bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen einen tödlichen Verlauf. Wird sie dagegen früh erkannt und in der Klinik behandelt, liegt die Sterblichkeit heute deutlich unter einem Prozent. Dem Patienten droht der Tod durch Ersticken, wenn keine medizinische Versorgung stattfindet oder diese verspätet genutzt wird.

Kommt es zu einem Kollaps oder einer akuten Atemnot, wird ein Notarzt benötigt. Dieser kann je nach Zustand des Patienten in einer lebensrettenden Maßnahme oder einer Notoperation einen künstlichen Beatmungszugang legen. Anschließend wird eine medikamentöse Behandlung eingeleitet. Bis zum Abklingen der Entzündung muss der Patient im Krankenhaus verbleiben. Eine rechtzeitige Behandlung ist daher für eine gute Prognose essentiell.


Vorbeugung

Die Epiglottitis wird durch Bakterien verursacht. Mithilfe einer Schutzimpfung kann der Erkrankung vorgebeugt werden. Empfohlen wird die Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b - allg. bekannt als Hib - durch die STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts) für alle Säuglinge ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat. Als sog. Kombinationsimpfung wird der Hib-Impfstoff dabei zusammen mit den Impfstoffen gegen andere Kinderkrankheiten verabreicht. Die Impfung schützt allerdings nur vor diesem einen Erreger; die bei Erwachsenen häufigeren Bakterien erfasst sie nicht.

Das können Sie selbst tun

Die Epiglottitis ist ein lebensbedrohlicher Notfall, für den es keine Selbstbehandlung gibt. Kinder, die unter einer Kehldeckelentzündung leiden, erwachen häufig in der Nacht und zeigen ein panisches Verhalten, da sie zu wenig Luft bekommen. In dieser Situation ist als Erstes der Notruf 112 zu wählen.

Bis der Notarzt eintrifft, entscheiden einige Regeln über den Ausgang. Das Kind muss aufrecht sitzen bleiben und darf auf keinen Fall hingelegt werden, weil sich der geschwollene Kehldeckel im Liegen über den Kehlkopfeingang legen kann. Niemand sollte versuchen, in den Rachen zu schauen oder ihn mit Löffel oder Spatel zu untersuchen. Das Kind darf nichts mehr essen oder trinken, und es sollte nicht zum Sprechen aufgefordert werden – lautes Sprechen und Schreien sind ohnehin zu vermeiden.

Vor allem aber darf das Kind nicht beunruhigt werden: Aufregung, Schreien und Weinen verstärken die Atemnot und können einen Atemstillstand auslösen. Damit die Atemnot durch die Angst nicht weiter ansteigt, ist es wichtig, beruhigend auf das Kind einzuwirken. Die Eltern sollten deshalb selbst ruhig bleiben, durch körperliche Nähe Sicherheit geben und das Kind in der Sitzhaltung stützen, in der es von selbst am besten Luft bekommt.

Die bei Pseudokrupp üblichen Hausmittel helfen hier nicht. Weder kalte Nachtluft am geöffneten Fenster noch feuchtwarme Luft im Badezimmer vermindern die Schwellung des Kehldeckels; sie dürfen den Weg in die Klinik in keinem Fall verzögern.

Nach überstandener Erkrankung ist die wichtigste Maßnahme die Vorbeugung. Eltern sollten den Impfstatus ihres Kindes prüfen und eine fehlende Hib-Impfung nachholen lassen. Auf den Konsum von Schadstoffen wie Nikotin und Alkohol ist zu verzichten. Sie greifen die Atemwege an und beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit des Kehlkopfes.

Quellen

  • Lenarz, T., Boenninghaus, H.-G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783642211300
  • Franzen, A., Coordes, A.: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783837416336
  • Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783662581773
  • Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
    ISBN: 9783662572948
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849

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