Kinderkrankheiten


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. September 2018
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Mit Klein-Oliver stimmt etwas nicht. Er weint leicht, er quengelt und lässt sein Lieblingsspielzeug unbeachtet im Schrank liegen. Hat das Kind sich den Magen verdorben? Bekommt es den Schnupfen, oder ist es ernsthaft erkrankt? Jede Mutter sieht irgendwann einmal kleine Warnsignale in den Augen ihres Kindes, die ihr sofort große Sorgen machen.

Inhaltsverzeichnis

Welche Kinderkrankheiten gibt es?

Und meistens geht das Rätselraten los: Woran erkennt man eigentlich Windpocken? Tritt bei Keuchhusten Fieber auf? Wie lange dauert die Inkubationszeit? (Zeitraum zwischen Eindringen von Krankheitserregern in den Körper und dem ersten Auftreten der Krankheitsmerkmale.)

Unsere unten stehende Übersicht soll ein wenig Ordnung in das Durcheinander bringen. Aber sie soll nicht zu dem Versuch verleiten, dem Arzt die Diagnose abzunehmen. Denn die Erscheinungsformen sind nicht immer so typisch wie hier.

Selbst für den Arzt gehört oft jahrelange Erfahrung dazu, eine Krankheit gleich bei der ersten Untersuchung beim richtigen Namen zu nennen. Auch die genaueste Kenntnis der Krankheit sollte keine Mutter davon abhalten, beim ersten Krankheitszeichen das Fieberthermometer (Sie haben doch eins im haus?) zu Rate zu ziehen und bei Fieber den Arzt zu holen.

Sie ersparen sich Selbstvorwürfe, unnötige Sorgen und Unruhe. Niemand kann seine Kinder ganz vor Krankheiten bewahren. Aber man kann vorbeugen, d.h. die Abwehrkräfte wach halten und steigern. Sauberkeit, frische Luft, Sonne und vitaminreiche, vernünftige Ernährung sind neben Vermeidung körperlicher und seelischer Überanstrengung das wichtigste.

Natürlich ist es auch nicht gerade klug, Kinder zu Krankenbesuchen mitzunehmen, vor allem bei Infektionskrankheiten. Hat ihr Kind nun trotz aller Vorsicht eine, wenn auch leichte Kinderkrankheit hinter sich, lassen sie es nie zu früh aufstehen. Auch die leichteste Krankheit schwächt den Körper und mach ihn für Folgeerscheinungen weit empfänglicher, als er es normalerweise wäre.

Mandelentzündung

Symptome:

Vorbeugung:

  • Abhärtung in der Natur und bei jedem Wetter draußen spielen
  • Absonderung von Erkrankten
  • Unterkühlung vermeiden (Füße warmhalten)
  • Bei häufigem Auftreten: Mandeloperation

Mittelohrentzündung

Symptome:

Vorbeugung:

Mumps (Ziegenpeter)

Inkubationszeit: 6 bis 22 Tage.

Symptome:

  • Schwellung einer oder beider Gesichtshälften
  • das Ohrläppchen hebt sich ab
  • Leichtes Fieber, mäßige Störung des Allgemeinbefindens
  • Schwierigkeit beim Kauen und beim Öffnen des Mundes
  • Druckschmerzen vor dem Ohr

Vorbeugung:

  • Gesunde Kinder von erkrankten absondern
  • Ansteckungsmöglichkeiten bestehen noch einige Zeit nach dem Abklingen der Erkrankung

Keuchhusten

Inkubationszeit: 8 bis 15 Tage. Symptome:

Vorbeugung:

  • Schutzimpfung gegen Keuchusten vornehmen lassen

Masern

Kinderkrankheiten

Inkubationszeit: 13 bis 15 Tage.

Symptome:

  • Runde, später zackige, ziemlich dunkelrote Flecken, zuerst im Gesicht und hinter den Ohren, dann schließlich am ganzen Körper
  • Vorstadium: wechselndes Fieber, entzündliche Erscheinung (Schnupfen, Bronchitis, Bindehautentzündung)
  • Nach 3 bis 4 Tagen erhabener großfleckiger, sich über den ganzen Körper ausbreitender Ausschlag

Vorbeugung:

  • Isolierung der gesunden von kranken Kindern
  • Immunisierung durch Impfen mit dem richtigen Masern-Rekonvaleszentenserum

Scharlach

Inkubationszeit: 3 bis 6 Tage.

Symptome:

  • Steiler Temperaturanstieg, Schüttelfrost, Erbrechen
  • dichtstehende rote Pünktchen am Hals, an der Brust und in der Schenkelbeuge
  • das Gesicht bleibt in der Umgebung des Mundes frei
  • hoher Puls und bei kleinen Kindern oft auch Krämpfe
  • Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
  • kleinfleckiger, anfangs tarter, später flammend-roter Ausschlag

Vorbeugung:

  • Vorbeugende Schutzimpfung mit Scharlachimpfstoff
  • Absonderung der gesunden Kinder von den erkrankten und Angehörigen

Diphtherie

Inkubationszeit: 2 bis 6 Tage.

Symptome:

Vorbeugung:

  • Am allerbesten durch eine Diphtherieschutzimpung

Windpocken

Inkubationszeit 14 bis 21 Tage.

Symptome:

  • Stecknadelkopf- bis linsengroße, stark juckende rote Flecken am Körper, evtl. auch auf den Schleimhäuten der Mundhöhle, die sich schnell in Bläschen umwandeln
  • geringes oder kein Fieber
  • sich schnell über den Körper ausbreitender Ausschlag, dessen Bläschen unter Bildung einer Delle abtrocknen

Vorbeugung:

  • Isolierung der Kranken kann leider nur selten früh genug erfolgen

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei den klassischen Kinderkrankheiten Windpocken, Masern, Röteln und Scharlach stehen neben Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl Hautausschläge verschiedener Ausprägungen im Vordergrund. Masern gehen häufig mit einer Augenbindehautentzündung, Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen und Husten einher, der fleckige Ausschlag breitet sich über den ganzen Körper aus. Typisch sind auch Rötungen und weißliche Flecken an der Mund- und Wangenschleimhaut.

Röteln beginnen mit grippeähnlichen Symptomen, die Lymphknoten im Nacken und hinter den Ohren sind geschwollen. Der fleckige Hautausschlag ist weniger ausgeprägt als bei einer Masernerkrankung, die Körpertemperatur steigt nur leicht an. Charakteristisch für Windpocken sind vor allem am Rumpf auftretende rote Pusteln, die sich zuerst in stark juckende Bläschen verwandeln und danach verkrusten und abfallen.

Scharlach macht sich durch plötzlich auftretendes hohes Fieber, sehr starke Halsschmerzen, Lymphknotenschwellungen am Hals und einem samtartigen Hautausschlag bemerkbar. Vor dem Auftreten der typischen „Himbeerzunge“ sind auf der Zunge weiße Beläge zu erkennen. Bei Mumps treten zunächst unspezifische Symptome wie Mattigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen auf, die Körpertemperatur kann erhöht sein.

Nach zwei bis drei Tagen treten die für die Krankheit typischen Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen auf, Kauen und Schlucken wird zunehmend schmerzhaft. Keuchhusten ist durch krampfartige Hustenanfälle gekennzeichnet, die mit starker Atemnot einhergehen.

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Komplikationen

Kinderkrankheiten können sehr unterschiedlich sein und zu verschiedenen Komplikationen und Beschwerden führen. In der Regel sollten Kinderkrankheiten in jedem Fall behandelt und untersucht werden, damit es im weiteren Verlauf des Lebens nicht zu Komplikationen kommt. Die Beschwerden können in den meisten Fällen relativ gut eingeschränkt werden.

Sehr häufig leiden die Patienten an einer Entzündung der Mandeln oder der Ohren. Dabei kann es ohne Behandlung zu Atembeschwerden oder zu einer Schwerhörigkeit kommen. Die Behandlung selbst führt allerdings nicht zu besonderen Komplikationen und kann relativ einfach durchgeführt werden. Gegen andere Kinderkrankheiten stehen Impfungen zur Verfügung, die die Kinder vor diesen Krankheiten schützen.

Dadurch werden Komplikationen grundsätzlich vermieden. Falls Kinderkrankheiten nicht richtig oder frühzeitig behandelt werden, können diese im schlimmsten Fall auch zum Tode oder zu irreversiblen Folgeschäden führen. Oft leiden die Patienten dabei an Fieber und an Symptomen einer Grippe oder Erkältung.

Ebenso kann es zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl und zu einer verringerten Belastbarkeit kommen. Nicht selten leiden Kinder auch an Magenbeschwerden, die in der Regel allerdings relativ gut verheilen und nicht zu besonderen Komplikationen führen. Die Lebenserwartung wird bei einer Behandlung in der Regel nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es sich bei Kinderkrankheiten um hoch ansteckende Erkrankungen handelt, sollte grundsätzlich so schnell wie möglich ein Arzt bei den ersten Anzeichen konsultiert werden. Jede Kinderkrankheit hat individuelle Symptome, denen nachgegangen werden muss. Ihnen allen gemein ist ein Verlust des Antriebs, ein meist weinerliches Auftreten und ein allgemeines Unwohlsein. Kommt es zu Veränderungen des Hautbildes, der Bildung von Pappeln oder Pusteln sowie Verfärbungen der Haut, wird ein Arzt benötigt.

Fieber, Schweißausbrüche, eine Abgeschlagenheit und ein erhöhter Schlafbedarf sind Hinweise, für deren Klärung ein Arzt aufgesucht werden sollte. Kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten, einer Verweigerung der Nahrungsaufnahme oder einem verminderten Spielbedürfnis, sind weitere Untersuchungen zur Klärung der Ursache notwendig. Starker Husten, farbiger Auswurf, Rötungen der Schleimhäute und eine angeschwollene Lymphe sind ärztlich abklären zu lassen. Leidet das Kind unter Schmerzen, Schüttelfrost oder angeschwollenen Mandeln, ist ein Arzt zu konsultieren.

In den meisten Fällen nehmen die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit an Umfang und Intensität zu. Hautveränderungen breiten sich am Körper aus und das Kind zeigt zunehmend ein geschwächtes Auftreten. Sobald sich Desinteresse zeigt, eine innere Unruhe und Schwellungen am Körper auftreten sowie eine Reduzierung der Hörfähigkeit erkennbar ist, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Aussicht & Prognose

Die Prognose bei Kinderkrankheiten ist dank der heutigen medizinischen Möglichkeiten im Normalfall günstig. Wird frühzeitig ein Arzt konsultiert, kommt es meist innerhalb kurzer Zeit zu einer Linderung der Beschwerden. Eine Genesung tritt innerhalb weniger Wochen ein. Bei einigen Kinderkrankheiten werden Schutzimpfungen angewendet, die dem Kind bereits frühzeitig gegeben werden. Diese verhindern ein Ausbruch der jeweiligen Erkrankung. Ohne die Schutzimpfungen oder eine frühzeitige Behandlung, können einige der Kinderkrankheiten bis zum heutigen Tag einen tödlichen Verlauf haben. Daher ist es besonders wichtig, die Hilfe und Unterstützung der eines Arztes in Anspruch zu nehmen.

In den meisten Fällen heilen die Kinderkrankheiten vollständig aus. Dennoch ist das Auftreten von Komplikationen oder Folgeerscheinungen möglich. Meist hängen diese von dem Stadium der Erkrankung bei Behandlungsbeginn ab. Je weiter eine Erkrankung fortgeschritten ist, desto ungünstiger wird der weitere Verlauf. Zudem besteht bei den bekannten Kinderkrankheiten grundsätzlich eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Brechen diese Krankheiten bei erwachsenen Menschen aus, ist der Krankheitsverlauf meist weniger günstig als bei Kindern. Der Heilungsweg ist verlängert und die Gefahr von Komplikationen ist wesentlich erhöht. Besonders gefährdet sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sowie schwangere Frauen. Diese Risikogruppen sollten zwecks Vermeidung einer Notfallsituation bereits bei den ersten Unregelmäßigkeiten die Möglichkeiten des Gesundheitssystems benutzen.

Das können Sie selbst tun

Bei jedem Verdacht auf eine Kinderkrankheit sollte der Weg zuerst zum Arzt führen, um eine entsprechende Behandlung einzuleiten und sich anbahnende Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.

In der häuslichen Betreuung ist zuallererst das Separieren des erkrankten Kindes äußerst wichtig, um eine Übertragung auf andere zu vermeiden. Bettruhe, viel Schlaf und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr fördern die Heilung. Als Durstlöscher eignen sich insbesondere Kräutertees, die entzündungshemmende Heilkräuter wie etwa Kamille, Salbei oder Holunderblüten enthalten, bei Kindern über einem Jahr dürfen sie mit etwas Honig gesüßt werden. Empfehlenswert ist auch die altbewährte Hühnersuppe. Hohes Fieber kann durch das Auflegen kalter Wadenwickel mit Essigwasser oder das Abreiben mit einem nassen Waschlappen gesenkt werden – diese Art von Abkühlung ist aber nicht anzuraten, wenn das Kind friert. Juckende Hautausschläge können mit speziellen Salben oder Cremes behandelt werden, bei Windpocken verhindert das Tragen leichter Baumwollhandschuhe das Aufkratzen der Bläschen.

Charakteristisch für Mumps sind die schmerzhaften Drüsenschwellungen. Hier wirken in vielen Fällen Quarkwickel oder Wärmekompressen schmerzlindernd. Masern gehen oftmals mit einer Bindehautentzündung und starker Lichtempfindlichkeit einher, das Krankenzimmer sollte daher abgedunkelt sein. Eine Überanstrengung der Augen durch fernsehen oder lesen ist ebenfalls zu vermeiden. Bei Keuchhusten erleichtert feuchte Raumluft das Atmen, Linderung verschafft auch selbstgemachter Zwiebelsaft mit Honig.

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hellstern, G., et al: Kurzlehrbuch Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Kerbl, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2011


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

herzipinki kommentierte am 23.08.2012

Unser Mädchen, 6 Jahre, unmittelbar vor Schulanfang hat nervöse, neurotische oder andere Zuckungen sowie schubweise unkontrollierbares Schulternheben im Frühjahr. Damals dachte der Arzt es kommt von einer Verkühlung. Jetzt ist es heftiges unkontrollierbares zeitweitiges Kopfschütteln. Auch das Kind sieht schon sehr beunruhigt darüber aus. Was kann das sein?