Luftröhrenschnitt

Letzte Aktualisierung am 22. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Beim Wort Luftröhrenschnitt haben viele Menschen schlimme Bilder vor Augen: Unfall, Notärzte, die um das Leben des Opfers kämpfen und es schließlich retten, in dem sie ihm die Luftröhre öffnen. Das mag zwar dramatisch klingen, ist aber nach medizinischer Definition kein Luftröhrenschnitt, sondern Koniotomie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Luftröhrenschnitt?

Schematische Darstellung zur Anatomie der Luftröhre bei einem Luftröhrenschnitt. Klicken, um zu vergrößern.

Ein Luftröhrenschnitt oder auch Tracheotomie wird in der Medizin dann angewendet, wenn ein Mensch über längere Zeit seine oberen Atemwege nicht benutzen kann oder soll.

Es kann sich dabei um einen zeitlich begrenzten und provisorischen Eingriff handeln, wie bei der Perkutanen Punktions- und Dilatationstracheotomie oder um eine dauerhafte Maßnahme, wenn etwa der Kehlkopf entfernt werden muss.

Die Punktionstracheotomie wird auf Intensivstationen auch als Alternative zur Intubation angewendet, also einer Beatmung mit einem Schlauch, der durch Mund oder Nase eingeführt wird.

Funktion, Wirkung & Ziele

Wenn nach einem Unfall Patienten ins Koma fallen oder ins künstliche Koma gelegt werden müssen, kann auch eine künstliche Beatmung notwendig werden. Wenn dies längere Zeit notwendig ist, dann bietet die Punktionstracheotomie einige Vorteile.

Mit einer Hohlnadel wird die Luftröhre punktiert um später eine Atemkanüle einzuführen. Aufwändiger ist da schon die chirurgische Tracheotomie, bei der auch Teile der Schilddrüse abgetrennt werden. Diese Maßnahme ist für längere Zeit angelegt, das bedeutet auch, dass die Trachealkanüle immer wieder gewechselt wird. Diese Art von Luftröhrenschnitt wird gelegt, wenn zum Beispiel die oberen Atemwege verstellt sind. Die Ursachen dafür können ganz unterschiedlich sein und von einem Insektenstich über Infektionskrankheiten bis zur Tumorbildung reichen. Auch eine Parkinsonerkrankung kann die Muskulatur der Atmung so schwächen, dass eine Tracheotomie notwendig wird.

In den meisten Fällen ist diese Art des Luftröhrenschnitts noch reversibel. Es hängt davon ab, wie lange es dauert, bis der Betroffene wieder gesund wird. Nach erfolgreicher Therapie wird die Luftröhre wieder geschlossen und der Patient kann wieder normal sprechen. Bei einem Luftröhrenschnitt, der durch eine Kehlkopfentfernung bedingt ist, geht das nicht mehr. Die Stimmbänder fehlen ganz und müssen durch Prothesen ersetzt werden. Der Eingriff wird dann auch nicht mehr Tracheotomie sondern Tracheostomie genannt. Dieser Eingriff ist unumkehrbar. Der Patient muss das Sprechen wieder neu erlernen.

Die Tracheotomie bietet einige Vorteile gegenüber einer Intubation. So kann der Schlauch, der durch den Mund eingeführt wird, Stimmbänder und Luftröhre schädigen. Diese Gefahr fällt beim Luftröhrenschnitt weg. Vor allem aber kann der Patient normal essen oder sich die Zähne putzen, was mit einem Schlauch in Mund und Rachen schlechterdings unmöglich ist. Auch müssen weniger Schmerzmittel eingesetzt werden. Mit einem speziellen Aufsatz ist es dem Kranken sogar möglich zu sprechen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verkürzung des sogenannten Totraumes, also des Bereiche, der zwischen Eintritt des Luft in den Körper und dem Erreichen der Lunge liegt. Bei einem Luftröhrenschnitt wird diese Strecke etwa halbiert. Das bedeutet in der Realität, dass der Kraftaufwand für das Atmen nicht mehr so hoch ist. Der Patient atmet also leichter. Das spielt eine Rolle, wenn der Patient zuvor an ein Beatmungsgerät angeschlossen war und sich nun wieder an eine Eigenatmung gewöhnen muss.

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Risiken & Gefahren

Bei allen Vorteilen gibt es auch einige Nachteile, die zu beachten sind. Dadurch dass die gesamte Atmung nicht mehr über den Kopf läuft, fehlt auch die notwendige Befeuchtung der Nase. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die Riechfähigkeit nicht mehr da ist. Das riechen jedoch hängt sehr stark mit dem Schmecken zusammen.

Das heißt, Menschen mit einem Luftröhrenschnitt sind nicht in der Lage zu riechen. Schmecken können sie zwar noch, allerdings ist auch das nur noch sehr eingeschränkt möglich. Die Luft, die durch die Kehle fließt ist auch noch für etwas anderes ungeheuer wichtig: Für das Sprechen.

Es ist schließlich die Luft, die die Stimmbänder in Schwingung versetzen. Atmet der Mensch durch einen Luftröhrenschnitt kommt keine Luft mehr an den Stimmbändern vorbei. Das Problem lässt sich mit einer sogenannten Sprechkanüle lösen.

Bücher über Chirurgie & Luftröhrenschnitt

Quellen

  • Largiadèr, F., Saeger, H.-D., Keel, M.J.B.: Checkliste Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Nürnberger, H.: Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer, München 2010
  • Scholz, J., Sefrin, P., Böttiger, B.W., Dörges, V., Wenzel, V. (Hrsg.): Notfallmedizin. Thieme, Stuttgart 2012


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Hoffnung kommentierte am 02.03.2015

Vor einem halben Jahr erlitt unsere Tochter (25) eine Hirnblutung. Zum Glück wurde sie zeitnah gefunden und wurde dann in das ca. 400 m entfernt liegende Krankenhaus eingeliefert. Es erfolgte eine lange Operation, um die Blutung zu stoppen. Am nächsten Tag musste noch einmal notoperiert werden. Dabei wurde ihr ein Teil der Schädeldecke entfernt (der Hirndruck war sehr angestiegen). Einige Tage später wurde unserer Tochter eine Trachealkanüle eingesetzt für die Beatmung. Inzwischen ist unsere Tochter (nach 3 Wochen Intensivstation) in eine Reha verlegt worden. Die Schädeldecke ist nach 4 Monaten wieder problemlos eingesetzt worden. Es ist alles auch sehr gut verheilt. Die Kanüle hat man vor ca. 5 Wochen entfernt und es blieb ein Loch im Hals. Es konnte auch nicht von alleine zuheilen, da es ein angelegter Schnitt war. Momentan befindet sich unsere Tochter wieder im Krankenhaus, um das Loch verschließen zu lassen. Das wurde auch in einer OP erfolgreich getan. Leider musste es am nächsten Tag wieder geöffnet werden, da unsere Tochter röchelte und nur schwer Luft bekam. Solange wir an ihrem Bett saßen und sie beruhigten, ging es, als wir dann aber gingen, bekam sie wohl Panik und man entschied sich dann zur 2. OP. Dabei wurde eine kleine Öffnung gelassen, die nun von allein zuwachsen soll. Bis morgen muss unsere Tochter noch auf der ITS bleiben. Sie wird morgen extubiert. Wir hoffen das alles gut geht. Unsere Tochter hat nach ihrem Zusammenbruch vor 6 Monaten noch nicht ein Wort gesprochen. Seit die Kanüle entfernt wurde, haben wir ihre Stimme beim weinen gehört. Meine Frage ist folgende: Warum spricht unsere Tochter nicht? Sie versteht alles was wir sagen. Wir haben ja/nein Kärtchen und müssen die Fragen immer so formulieren das sie auf ja oder nein zeigen kann. Kann es möglich sein, das beim Luftröhrenschnitt die Stimmbänder beschädigt wurden und sie gar nicht mehr reden kann? Aber beim Weinen hat sie eine Stimme. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir mal eine aussagekräftige Antwort bekämen. Vielen Dank im Voraus! Liebe Grüße von den besorgten Eltern

Angehoeriger kommentierte am 27.07.2015

Die Antwort darauf steht schon oben im Bericht:

"Es ist schließlich die Luft, die die Stimmbänder in Schwingung versetzen. Atmet der Mensch durch einen Luftröhrenschnitt kommt keine Luft mehr an den Stimmbändern vorbei. Das Problem lässt sich mit einer sogenannten Sprechkanüle lösen."

Janine kommentierte am 09.10.2015

Meine Mutter ist schwer lungenkrank hat einen Sauerstoffgehalt von 50 Prozent. Sie lag zwölf Tage im künstlichen Koma mit Beatmung über die Nase. Jetzt haben die Ärzte sie aus dem Koma geholt und einen Luftröhrenschnitt bei ihr vorgenommen. Sie war jetzt drei Tage wach, benommen und atmet aber immer gegen die Maschine. Warum? Wir verstehen es nicht, warum sie nicht mit der Maschine atmen kann. Sie ist immer so aufgeregt, nimmt das Umfeld nicht wirklich wahr. Was können wir tun, dass sie mit der Maschine das Atmen lernt? Im Moment liegt sie wieder im Koma, weil das alles zu anstrengend für sie ist. Was hat sie, bzw. was kann das sein? Wir wollen sie doch irgendwann wieder mit nach Hause nehmen, wenn sie ihre Rehabilitation gemacht hat. Hat sie eine Chance oder wie sollen wir uns verhalten?

Bernhard kommentierte am 08.12.2015

Ich habe COPD, und da weiter rauchte, obwohl ich nur noch ca. 23 Prozent Lungenvolumen besitze, drohte ich zu ersticken. Deshalb wurde ein doppelter Luftröhrenschnitt durchgeführt und ich musste ca. drei Wochen ins künstliche Koma versetzt werden. Diese Zeit war mit Träumen durchsetzt, die mich beinahe nicht mehr losgelassen hätten. Dank den Mitarbeitern des Krankenhauses habe ich es trotzdem geschafft. Rauchen kann der letzte Fehler sein, den man macht.

korinna kommentierte am 04.08.2016

Bei meiner Mutter wurde 2014 festgestellt, dass sie COPD hat. Sie raucht aber nicht. Sie war jetzt schon jedes Jahr im Krankenhaus. Der Arzt hatte heute zu mir gesagt, dass sie schon im vierten Stadium der COPD Krankheit ist. Demnächst bekommt sie einen Luftröhrenschnitt und wird hinterher auch ein Beatmungsgerät mit nach Hause bekommen. Sie muss wohl ständig beatmet werden.