Flussblindheit (Onchozerkose)

Die Onchozerkose - oder Flussblindheit - ist eine parasitäre Erkrankung, die durch den Wurm Filarien Onchocerca volvulus verursacht wird. Flussblindheit ist eine der weltweit häufigsten infektiösen Ursachen von Blindheit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Flussblindheit?

Als massives Gesundheitsproblem tritt die Flussblindheit in über 99% aller Fälle in Afrika südlich der Sahara auf, doch auch im Jemen und in Lateinamerika ist sie bekannt.

In der Vergangenheit führte die Angst vor der Flussblindheit dazu, dass viele Menschen die fruchtbaren Flusstäler der afrikanischen Savanne verließen. Schätzungsweise 18 Millionen Menschen sind von der Flussblindheit infiziert, etwa eine halbe Million Menschen sind erblindet oder visuell durch die Erkrankung beeinträchtigt.

Die Flussblindheit löst ebenfalls Hautveränderungen mit Depigmentierung und schwerem, unerbittlichen Juckreiz aus. Eine unbehandelte Infektion mit der Flussblindheit reduziert die Immunität und Resistenz des Wirtes gegen andere Krankheiten, infolgedessen sich die Lebensdauer um etwa 13 Jahren verkürzt.

Ursachen

Der die Flussblindheit verursachende Fadenwurm wird durch den Biss infizierter weiblicher Simulium Kriebelmücken übertragen, die in schnell fließenden Bächen und Flüssen ihren Lebensraum haben.

Der Parasit wird zunächst über einen infizierten menschlichen Wirt aufgenommen und reift bei der Kriebelmücke etwa 7 Tage zur Larve. Bei einem erneuten Biss wird die Larve ins Blut des nächsten Wirtes übertragen. Dort dringen die Larven in das Unterhautgewebe, reifen sechs bis zwölf Monate und können als Würmer bis zu 15 Jahre im menschlichen Körper leben.

Im erwachsenen Stadium paaren sich die Würmer und produzieren weitere Mikrofilarien, die Knötchen unter der Haut bilden. Absterbende Mikrofilarien setzen das Wolbachia Bakterium frei. Dadurch werden intensive Entzündungsreaktionen hervorgerufen, die eine Reaktion des Immunsystems (Flussblindheit) auslösen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Flussblindheit (Onchozerkose) ist durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet, welche hauptsächlich von der Reaktionsstärke des Immunsystems auf die Mikrofilarien bestimmt werden. Typische Symptome sind Juckreiz der Haut, Hautentzündungen, Ekzembildung, Lymphknotenschwellungen in der Leistenregion, Veränderungen der Hautpigmentierung, Hautverdickungen durch Faserschädigungen der Haut, Hautabszesse, Gefäßentzündungen, Entstehung von tastbaren Hautknoten und Augenprobleme.

Besonders die Augenprobleme sind Namen gebend für die Erkrankung, weil sie in schweren Fällen auch bis zur völligen Erblindung führen können. Wenn die Fadenwürmer in die Augen einwandern, kommt es dort zur Schädigung des gesamten Sehorgans. Die Augensymptome reichen von Bindehautentzündungen bis zum Grünen Star.

Dabei kommt es zu Augenentzündungen, Augenjucken, Tränen und Brennen. Die Betroffenen haben das Gefühl, dass sich Sand in den Augen befindet. Auch bei der Entzündung der Aderhaut werden ähnliche Symptome beschrieben. Dabei kann jedoch der Augeninnendruck ansteigen und ein Glaukom entstehen. Da durch den hohen Augeninnendruck der Sehnerv geschädigt wird, kann das Glaukom (Grüner Star) zur völligen Erblindung führen.

Des Weiteren kommt es auch zur Schädigung der Hornhaut. Dabei entstehen zunächst punktförmige Hornhautdefekte, die sich später zu einer Hornhauttrübung mit einer Einbuße der Sehfähigkeit ausweiten können. Auch hier treten zunächst Schmerzen, Augenrötung, verstärkter Tränenfluss und Lichtempfindlichkeit auf. Seltener wird auch eine Sehnerventzündung beobachtet. Ohne Behandlung der Flussblindheit steigt im Allgemeinen die Infektanfälligkeit mit Herabsetzung der Lebenserwartung.

Diagnose & Verlauf

Zur Bestätigung der Diagnose werden Haut-Patch-Tests verwendet, denn Flussblindheit verursacht verschiedene Arten von Hautveränderungen. Die Schwere der Erkrankung ist direkt proportional zur Anzahl der infizierten Mikrofilarien und der daraus resultierenden Immunreaktion.

In den häufigsten Fällen tritt bei der Flussblindheit eine Hautentzündung begleitet von Hyperpigmentierung (durch die Haut ausgeschiedene Mikrofilarien) und schwerem Juckreiz auf. Weitere charakteristische Hauterscheinungen der Flussblindheit sind „Leopardenhaut“ (Depigmentierung an den Unterschenkeln), „Elefantenhaut“ (Hautverdickung) oder „Echsenhaut“ (verdickte, faltige Haut).

Menschen mit Flussblindheit können mehrere hundert Knötchen auf der Haut in der Größe von einem bis fünf Zentimetern Durchmesser haben, die in der Regel nicht schmerzhaft sind. Die Flussblindheit kann zudem jeden beliebigen Teil des Auges von der Bindehaut bis zur Hornhaut einschließlich der Netzhaut sowie des Sehnervs befallen und Sehstörungen bis hin zur Blindheit auslösen.

Wann sollte man um Arzt gehen?

Bei einer Flussblindheit muss immer sofort ein Arzt aufgesucht werden. Diese Erkrankung kann im schlimmsten Falle zu einer vollständigen Erblindung des Betroffenen führen und sollte aus diesem Grund immer sofort behandelt werden. Die Betroffenen müssen dann einen Arzt aufsuchen, wenn sie in einer tropischen Region von einer Mücke gestochen wurden und die Symptome der Flussblindheit empfinden. Dazu gehört ein sehr stark juckender Ausschlag auf der Haut und ebenso die Schwellung der Lymphknoten.

Auch allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit kann auf die Erkrankung hindeuten. Weiterhin kommt es durch die Flussblindheit zu einer ungewöhnlichen Pigmentierung auf der Haut und ebenso zu Knoten, die sich in der Nähe von Gelenken ausbilden. Im weiteren Verlauf der Erkrankung werden auch die Augen geschädigt, sodass es zu Sehbeschwerden oder zu einer Bindehautentzündung kommt. Bei diesen Beschwerden ist eine sofortige Behandlung notwendig. Die Behandlung kann in der Regel durch einen Allgemeinarzt oder in einem Krankenhaus durchgeführt werden. Je früher die Erkrankung dabei diagnostiziert wird, desto besser sind die Aussichten auf einen positiven Krankheitsverlauf. Auch eine gute Hygiene kann die Flussblindheit verhindern.

Komplikationen

Komplikationen treten bei der Flussblindheit vor allem dadurch auf, dass sich die Krankheit erst ungefähr ein halbes Jahr nach der Infektion bemerkbar macht und zu Symptomen führt. Es kommt dabei in der Regel zu einer Schwellung der Lymphknoten und zu einem Hautausschlag. Der Hautausschlag ist oft mit einem starken Juckreiz verbunden und fühlt sich sehr unangenehm an.

Der Alltag des Patienten wird dadurch eingeschränkt. Der Betroffene leidet ebenfalls an Knoten, welche sich an unterschiedlichen Stellen des Körpers absetzen. Die betroffenen Stellen trocknen dabei aus und jucken. In der Regel kommt es durch die Knoten zu einem starken Schamgefühl. Zu Komplikationen kann es auch dann kommen, wenn die Würmer in das Auge eindringen und den Sehnerv entzünden. Dabei kommt es zu starken Schmerzen und zu Trübungen der Linse.

Der Patient kann dabei im schlimmsten Falle komplett erblinden oder an einem grünen Star leiden. Falls die Flussblindheit nicht behandelt wird, kommt es ebenso zu einer schwerwiegenden Schädigung des Immunsystems und der Patient wird anfälliger für unterschiedliche Immunerkrankungen. Die Behandlung der Flussblindheit erfolgt in der Regel mit Hilfe von Medikamenten und führt in den meisten Fällen zu einem positiven Krankheitsverlauf. Sollten sich die Würmer in der Nähe der Augen befinden, so ist ein operativer Eingriff notwendig.

Behandlung & Therapie

Für die Behandlung der Flussblindheit wird hauptsächlich Ivermectin (z.B. Mectizan®) eingesetzt. Es lähmt und tötet die Mikrofilarien, verringert den intensiven Juckreiz und stoppt das Fortschreiten der Flussblindheit, um Erblindung zu vermeiden.

Gleichzeitig unterbindet es durch Lähmung der parasitären Fortpflanzungsorgane die weitere Produktion von Mikrofilarien für mehrere Monate und reduziert so die Übertragungsrate der Flussblindheit. Infizierte Menschen können mit zwei, im Abstand von 6 Monaten verabreichten, Dosen Ivermectin behandelt werden. Danach muss 3 Jahre lang jährlich eine Einzeldosis Ivermectin eingenommen werden, um die Wirksamkeit aufrecht zu erhalten.

Für die beste Wirkung empfiehlt die WHO die Behandlung ganzer Gemeinden zur gleichen Zeit. Da die Endwirte der Flussblindheit Menschen sind, brauchen Tiere nicht behandelt zu werden. Andere Medikamente zur Behandlung der Flussblindheit werden eingesetzt, um das in Symbiose mit den Würmern lebende Bakterium Wolbachia abzutöten und die weiblichen Fadenwürmer zu sterilisieren.

Dazu zählt neben dem Antiparasitikum Moxidectin auch das Tetracyclin - Antibiotikum Doxycyclin. Diese Zusatztherapie der Flussblindheit erfordert jedoch für mindestens vier bis sechs Wochen eine tägliche Dosierung, was in Krisengebieten schwer zu realisieren ist.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose der Flussblindheit ist abhängig von der Anzahl der vorhandenen Krankheitserreger im Organismus und den bereits eingetretenen Störungen. Eine besondere Schwierigkeit besteht in dem Zeitpunkt der Diagnosestellung. Bis zur bewussten Wahrnehmung von Beeinträchtigungen befindet sich der auslösende Parasit der Erkrankung bereits ungefähr ein halbes Jahr bis zu drei Jahren im Körper des Betroffenen.

Da der Fadenwurm vor allem in Afrika oder Lateinamerika auftritt, sind Anwohner und Reisende aus diesen Gebieten besonders gefährdet. Aufgrund der langen Inkubationszeit fehlen Touristen oder Gästen der Regionen häufig die Verbindung und der Zusammenhang der auftretenden Symptome mit dem Aufenthalt in der tropischen Region. Dies erschwert eine frühzeitige Diagnose und verzögert oftmals den Behandlungsbeginn. Bleibt die medizinische Therapie aus, droht dem Patienten die vollständig Erblindung.

Bei einer guten und effizienten ärztlichen Versorgung ist die Onchozerkose gut behandelbar und heilbar. Die vorhandenen Symptome bilden sich zurück und es kehrt allmählich eine Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes ein. Die Patienten können nach Beendigung der medikamentösen Behandlung als beschwerdefrei entlassen werden. Da die Erkrankung von der WHO weltweit intensiv systematisch bekämpft wird, ist in den kommenden Jahren mit einem Rückgang des Befalls der Flussblindheit sowie einer schnelleren und besseren Behandlung zu rechnen.

Vorbeugung

Durch den vektorweise organisierten Einsatz von umweltfreundlichen Insektiziden an Flüssen zur Kontrolle der Kriebelmücken-Populationen setzt die WHO seit mehr als 40 Jahren Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung der Flussblindheit um. Für die Behandlung der Flussblindheit stellt der Hersteller von Ivermectin - Merck & Co. Inc. - das Medikament seit 1987 kostenlos zur Verfügung.

Nachsorge

In der Regel erweisen sich die Maßnahmen und Möglichkeiten einer Nachsorge bei einer Onchozerkose als sehr schwierig oder sind dabei nur kaum möglich. In erster Linie sollte dabei natürlich der Kontakt mit dem infizieren Wasser unterbrochen werden, damit es nicht zu einer erneuten Infektion oder zu einer Übertragung kommt. Im Allgemeinen ist dabei auch auf einen hohen Standard der Hygiene zu achten, um Infektionen zu verhindern und die Onchozerkose richtig zu behandeln.

Die Behandlung der Onchozerkose erfolgt dabei in den meisten Fällen mit Hilfe von Medikamenten, die die Beschwerden vollständig lindern können. Es kommt dabei selten zu besonderen Komplikationen. Der Betroffene ist auf eine regelmäßige und richtige Einnahme der Medikamente angewiesen, um die Beschwerden vollständig zu lindern. Dabei sollte auch auf eine richtige Dosierung geachtet werden.

Bei Fragen oder Unklarheiten ist auch immer ein Arzt aufzusuchen. In den meisten Fällen müssen die Medikamente auch noch nach dem Abklingen der Beschwerden weiterhin eine Zeit lang eingenommen werden. Eine Selbstheilung kann bei dieser Krankheit nicht eintreten. Wird die Onchozerkose frühzeitig erkannt und behandelt, kommt es meist nicht zu einer verringerten Lebenserwartung des Betroffenen.

Das können Sie selbst tun

Die Flussblindheit muss in jedem Falle von einem Arzt behandelt werden. Möglichkeiten zur Selbsthilfe sind bei dieser Erkrankung sehr eingeschränkt, sodass der Betroffene in erster Linie auf eine medikamentöse Behandlung angewiesen ist.

In der Regel muss das Medikament dabei über fast drei Jahre eingenommen werden. Hierbei sollte auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geachtet werden, um die Wirkung des Stoffes nicht zu verringern. Der Flussblindheit kann allerdings gut vorgebeugt werden, indem in Flüssen Insektizide eingesetzt werden. Auch eine gute Hygiene kann einer Infektion vorbeugen. Sollte die Flussblindheit nicht behandelt werden, so kann es zu einer vollständigen Erblindung des Patienten kommen. In diesem Fall ist der Betroffene dann auf Unterstützung in seinem Alltag angewiesen. Diese sollte vor allem durch die Familie oder durch Freunde erfolgen. In schwerwiegenden Fällen sind die Betroffenen auch auf eine psychologische Behandlung angewiesen. Dabei sind häufig Gespräche mit anderen betroffenen Patienten sehr hilfreich, um den Alltag zu meistern.

Um einen positiven Krankheitsverlauf bei der Flussblindheit zu garantieren, sollte eine sofortige Behandlung angeleitet werden. Dabei können weitere Komplikationen vermieden werden, die im schlimmsten Falle zur Erblindung führen können.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 26. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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