Invagination (Darmverschluss bei Kleinkindern)

Letzte Aktualisierung am 15. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei der Invagination oder Darmverschluss bei Kleinkindern handelt es sich, wie der Name breits andeutet, um eine sehr akute Erkrankung des Darms im Kleinkindalter, die einen lebensbedrohlichen Darmverschluss zur Folge haben kann. Der Verdacht auf eine Invagination ist meist eine medizinische Notfallsituation.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Invagination?

Unter einer Invagination versteht der Arzt eine Einstülpung von Darmteilen in andere Darmabschnitte. Durch diese Einstülpung wird die Darmwand nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, die Gefäße der Darmwand werden abgeklemmt und Teile des Darms können absterben. Es kann zu einem Darmverschluss kommen.

Eine Invagination kann in allen Bereichen des Darms auftreten, meistens findet sich der Verschluss am Übergang von Dünn- zum Dickdarm. Betroffen sind meistens Säuglinge und Kleinkinder bis zum zweiten Lebensjahr. Tritt eine Invagination bei älteren Kindern oder Erwachsenen auf, sind die Ursachen andere als bei kleineren Kindern.

Ursachen

Die Ursachen einer Invagination sind bis heute nicht völlig geklärt. Ärzte vermuten Störungen der Darmmotorik (Peristaltik). Bei jüngeren Patienten konnten Ärzte feststellen, dass die Peristaltik zu heftig und unkontrolliert ist. Bei älteren Kindern oder auch Erwachsenen löst meistens ein Tumor, eine Entzündung oder eine Blutung Störungen in der Peristaltik und damit eine Invagination aus.

Weiterhin kommen mechanische Reize im Darm als Ursache in Betracht. Dazu gehören zum Beispiel Würmer, verhärtete Kotreste, Gallensteine, Tumore oder verschluckte Fremdkörper.

Außerdem sind als Ursache auch Einstülpungen und Verwicklungen, wie Volvulus (Darmverschlingung), Darmpolypen oder Divertikel im Darm (Divertikulose) bekannt.

Als Letztes kann eine Invagination auch in Folge von Komplikationen nach Operationen oder Bauchwandbrüchen (Hernien) entstehen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Invagination äußert sich zunächst durch starke, kolikartige Magenkrämpfe, die meist plötzlich auftreten. Betroffene Kinder haben starke Schmerzen und äußern dies durch Weinen, Schreien und die typische Schonhaltung mit angezogenen Beinen. Meist kommen Magen-Darm-Beschwerden hinzu, etwa Erbrechen und Übelkeit.

Dabei wird zunächst der Mageninhalt und später Gallenflüssigkeit erbrochen. Die Haut ist blass und von kaltem Schweiß bedeckt. Betroffene Kinder sind zudem nervös und ängstlich, in schweren Fällen kann es zu einer Panikattacke kommen. Die Schmerzattacken treten in wehenartigen Phasen auf, die in ihrer Intensität stark variieren.

So können die Beschwerden vollständig nachlassen, nur um nach einigen Minuten oder Stunden erneut aufzutreten. In schweren Fällen kann es zu einem Schock kommen. Der Stuhlgang ist zu Beginn noch normal, und nimmt im Verlauf eine geleeartige Konsistenz an. Der Stuhl ist oft blutig oder schleimig und kann unangenehm riechen.

Kommt es zu einem Darmverschluss, ist dies an einem aufgeblähten Bauch zu erkennen. Relativ schnell stellen sich außerdem Fiebersymptome ein. Dann kommt es zu einer erhöhten Temperatur, Schüttelfrost und einem heftigen Krankheitsgefühl. Aufgrund der Schwere der Symptome muss bei einer Invagination sofort ein Notarzt gerufen werden.

Diagnose & Verlauf

An Anfang der Diagnosestellung steht natürlich die Befragung des Patienten bzw. der Eltern (da die Patienten ja meist noch sehr jung sind). Wichtiger Hinweis für die Diagnosestellung ist der Verlauf der Bauchschmerzen. Ganz typisch sind sehr schmerzhafte und schmerzfreie Phasen. Bei der Palpation kann der Arzt walzenartige Verhärtung im Unterbauch ertasten. Auch das eingestülpte Darmstück kann der Arzt oft fühlen. Die typischen Schmerzen und die Tastbefunde erhärten den Befund einer Invagination. Der Verdacht wird mit einer Ultraschalluntersuchung überprüft.

In den Phasen, die von Schmerzen gekennzeichnet sind, ist typisch, dass der Schmerz sehr heftig und plötzlich auftritt. Die Kinder krümmen sich oft unter den Koliken und erbrechen erst Mageninhalt, später auch Galle und dann oft auch Stuhl, da der Darminhalt aufgrund der Einstülpung nicht mehr den normalen Weg nehmen kann.

Die Kinder zeigen ein blasses Hautkolorit und sind ängstlich. Aufgrund der starken Schmerzen kann der kleine Patient auch Anzeichen eines Schocks zeigen.

Die Darmschlingen sind überbläht, der Bauch ist aufgetrieben, es kommt zunächst vermehrt zu Darmgeräuschen, im späteren Verlauf fehlen diese. Bei länger anhaltender Darmeinstülpung tritt himbeergeleeartiger Schleim aus dem After aus. Säuglinge zeigen schrilles Schreien und ziehen auffällig die Beine an. Sie lassen sich meist nicht beruhigen und sind blass-gräulich. Die Chance, dass sich eine Invagination von selbst wieder auflöst, besteht zwar, aber sie ist sehr gering.

Komplikationen

Ein Darmverschluss bei Kleinkindern kann lebensgefährlich sein und muss daher in jedem Fall von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Im schlimmsten Falle kommt es dabei ohne Behandlung zum Tode des Patienten. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an sehr starken Bauchschmerzen. Diese treten meist sehr plötzlich auf und sind extrem stark.

Weiterhin kommt es zu Schweißausbrüchen und auch zu einem Erbrechen. Die Betroffenen wirken dabei sehr blass und abgeschlagen. Ebenso kommt es im Darm zu auffälligen und ungewöhnlichen Geräuschen. Aus dem Anus kann weiterhin auch ein ungewöhnlicher Schleim ausreden, der sich von Kot unterscheidet. Der Alltag des Betroffenen wird durch den Darmverschluss bei Kleinkindern deutlich eingeschränkt. Weiterhin kann es durch die starken Schmerzen auch zu einem Schockzustand kommen.

Die Behandlung muss sofort von einen Arzt erfolgen. Dabei kommt es meistens nicht zu Komplikationen und die Beschwerden können relativ schnell und gut gelöst werden. Nur in schwerwiegenden Fällen muss eventuell ein operativer Eingriff stattfinden, bei welchem ein Teil des Darmes entfernt wird. Die Lebenserwartung des Patienten wird bei einer erfolgreichen Behandlung allerdings nicht eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Leidet das Kind unter Auffälligkeiten der Verdauung, wird ein Arzt benötigt. Treten plötzlich starke Bauchschmerzen oder Krämpfe im Oberkörper auf, sollten ärztliche Untersuchungen eingeleitet werden. Bei Erbrechen, Schweißausbrüchen und einem blassen Erscheinungsbild ist ein Arztbesuch anzuraten. Sind die Gliedmaßen kalt sowie blass und tritt kalter Schweiß aus, leidet das Kind unter einer Erkrankung, die behandelt werden muss. Treten ungewöhnliche Darmgeräusche auf, kommt es zu Verstopfungen, einem Leistungsabfall oder einer Teilnahmslosigkeit des Kindes, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei einer starken Müdigkeit, der Verweigerung der Nahrungsaufnahme, Schleimabsonderung und einem Unwohlsein sind ärztliche Untersuchungen notwendig, um die Ursache zu ermitteln.

Kommt es zu Fieber, einer inneren Unruhe, Schlafstörungen, einem Krankheitsgefühl sowie einer erhöhten Reizbarkeit, ist ein Arztbesuch erforderlich. Da die Invagination zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen kann, ist die Konsultation eines Arzt bereits bei den ersten Symptomen anzuraten. Halten die Beschwerden über mehrere Tage an, verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand immens. Meist breiten sich die vorhandenen Symptome innerhalb weniger Stunden aus. Schnellstmöglich muss eine Behandlung erfolgen, da es ohne ein medizinisches Eingreifen zu einem Organversagen mit Todesfolge kommen kann. Bei dem Verlust des Bewusstseins ist ein Notarzt zu kontaktieren, damit das Kind intensivmedizinisch behandelt werden kann.

Behandlung & Therapie

Befindet sich die Invagination noch im Anfangsstadium, kann der Arzt zunächst manuell versuchen, den Darmverschluss mit einer speziellen Massage zu lösen. Auch ein Darmeinlauf kann in dieser frühen Phase helfen. Mit dem Druck der Einlaufflüssigkeit versucht der Arzt den Darm wieder in die richtige Lage zurückzudrücken. Der Einlauf wird unter Ultraschallkontrolle durchgeführt, damit der Arzt gleich überprüfen kann, ob der Darm wieder durchgängig ist.

Kann der Arzt die Invagination durch äußere Massage oder einen Einlauf nicht lösen, ist ein operativer Eingriff nötig. Ansonsten stirbt das schlecht oder gar nicht durchblutete Darmstück ab. Der Patient befindet sich hierbei in einer lebensgefährlichen Situation, da nun auch Bakterien durch den löchrigen Darm in den Bauchraum gelangen und eine Bauchfellentzündung auslösen können. Diese kann zu einer lebensbedrohlichen Kreislauf- und Schocksituation führen.

Eine Operation ist auf jeden Fall auch dann nötig, wenn die Invagination sehr hoch im Darm liegt, also im Dünndarmbereich. Ziel ist es, den Darm komplett zu erhalten. In aller Regel gelingt das auch ohne Komplikationen. Bei ganz weit fortgeschrittenen Darmeinstülpungen kann es allerdings auch vorkommen, dass der Arzt in der Operation einen Teil des Darms entfernen muss.

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Aussicht & Prognose

Eine Invagination kann sehr unterschiedliche Prognosen haben. Dies hängt von der Dauer des Darmverschlusses, von eventuellen Schäden am Gewebe, vom Ausmaß eventueller Anschwellungen sowie von möglichen Behandlungsschäden ab. Grundsätzlich gilt aber, dass die Prognose bei einem zügig behandelten Darmverschluss bei Kleinkindern gut ist.

Wird behandelt, besteht allerdings bei circa 5 bis 15 Prozent der betroffenen Kleinkinder ein sehr hohes Risiko für das erneute Auftreten einer Invagination. Dennoch ist zu erwähnen, dass ein rasch behandelter Darmverschluss in der Regel ohne Folgen bleibt. Die konservative Behandlung kann allerdings in sehr seltenen Fällen zu einer Darmperforation führen, was die Prognose verschlechtert.

Anders ist dies bei einem anhaltenden, nicht behandelten Darmverschluss bei Kleinkindern. Hier kann Darmgewebe absterben oder aber es kommt zu Entzündungen und weiteren Koliken. Die Prognose hängt auch hier wieder von der Behandlungsgeschwindigkeit ab. Ist bereits Darmgewebe abgestorben, muss operiert werden, da ansonsten eine Bauchfellentzündung auftreten wird. Diese kann im schlimmsten Falle zu einer Sepsis werden.

Grundsätzlich gilt, dass durch eine Invagination Lebensgefahr entstehen kann. Akut wird diese - je nach Person und Schädigungen - nach Stunden oder Tagen. Daher ist es so wichtig, einen Darmverschluss schnellstmöglich behandeln zu zu lassen, damit die Prognose die bestmögliche bleibt.

Vorbeugung

Eine Invagination sollte immer so schnell wie möglich ärztlich behandelt werden, da eine frühere Therapie die Heilungschancen stark verbessert. Auch die Gefahr einer Bauchfellentzündung wird durch ein frühes ärztliches Eingreifen stark verringert. Bei Kindern ist weiterhin vorbeugend darauf zu achten, dass sie sich viel bewegen, Sport treiben und eine ballaststoffreiche Ernährung bekommen. Außerdem sollte auf Würmer im Stuhl bei Kindern geachtet werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Invagination handelt es sich um einen medizinischen Notfall, bei dem es keine akuten Selbsthilfemöglichkeiten gibt. Eltern können in diesem Fall jedoch auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr etwa durch das Verabreichen von Tee oder Wasser achten. Ansonsten besteht die Gefahr einer Dehydration. Schmerzmittel sollen nur in Absprache mit einem Arzt verabreicht werden. Eine ärztliche Behandlung ersetzen diese Maßnahmen jedoch keinesfalls. Sie wirken nur unterstützend und ergänzend.

Der Alltag der betroffenen Kleinkinder ist bei einer Invagination durch die Schmerzen deutlich eingeschränkt. Dauert die Erkrankung länger an oder tritt sie wiederholt auf, kann es bei dem betroffenen Kind auch zu psychischen Beschwerden, Schamgefühlen, Angst, depressiven Verstimmungen und Essstörungen kommen. Eltern sollen in solchen Fällen versuchen, das Kind zu beruhigen und Ängste zu nehmen.

Bei schwerwiegenden seelischen Beschwerden soll auch psychotherapeutische Begleitung in Erwägung gezogen werden. Da es bei Invagination auch wiederholt zu Rückfällen kommen kann, gilt es zudem, das Befinden des Kindes nach einer Erkrankung besonders zu beobachten und einer Neuerkrankung durch Ernährung und Bewegung vorzubeugen.

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Muntau, A.C.: Intensivkurs Pädiatrie. Urban & Fischer, München 2011

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