Keratoplastik
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als Keratoplastik wird eine Operation an der Hornhaut des Auges bezeichnet. Dabei findet in den meisten Fällen eine Hornhauttransplantation statt.
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Was ist die Keratoplastik?
Die Keratoplastik zählt zu den Augenoperationen. Dabei wird Gewebe der Hornhaut (Cornea), das erkrankt ist, durch Spendermaterial ersetzt, wobei es sich um eine Hornhauttransplantation handelt. Außerdem kann im Rahmen einer Keratoplastik eine physikalische Einwirkung auf das Gewebe der Hornhaut erfolgen, um die Hornhautbrechkraft zu verändern. Auf diese Weise lassen sich Fehlsichtigkeiten behandeln.
Für eine Hornhauttransplantation wird geeignetes Spendermaterial von einem Menschen benötigt. Die Hornhäute, die für eine Verpflanzung zur Anwendung gelangen, werden verstorbenen Personen entnommen. Voraussetzung ist eine Einwilligung in die Entnahme, die entweder die verstorbene Person zu Lebzeiten selbst erteilt hat oder die nach ihrem Tod von den Angehörigen erteilt wird. Die Verwaltung der Spenderhornhäute erfolgt durch eine spezielle Hornhautbank. Um die Unversehrtheit der Hornhäute zu gewährleisten, findet deren Lagerung in Nährflüssigkeit statt. Wichtig ist auch eine gute Verträglichkeit des Spendergewebes, um Abstoßungsreaktionen entgegenzuwirken. Bei der Hornhaut des Auges handelt es sich um dessen vordere Außenhülle. Sie ist durchsichtig und glatt.
Durch ihre Krümmung erreicht sie eine bestimmte Brechkraft. Gemeinsam mit der Augenlinse bündelt die Hornhaut die ankommenden Lichtstrahlen, wodurch sich auf der Netzhaut des Auges ein scharfes Bild formt.
Funktion, Wirkung & Ziele
Anders sieht es hingegen bei der perforierenden Keratoplastik aus. Bei dieser Methode werden sämtliche Schichten der geschädigten Hornhaut im Rahmen des Eingriffs durch Trepanation entfernt. Danach fügt der Operateur die Hornhautscheibchen des Spenders ein. Um eine lamelläre Keratoplastik handelt es sich, wenn das Verpflanzen von einzelnen Schichten isoliert erfolgt. Dabei kann zum Beispiel ein Hornhautscheibchen auf die Hornhaut aufgenäht werden, was sich mit einer Kontaktlinse vergleichen lässt.
Durch die Keratoplastik soll der Patient wieder ein möglichst klares Sehvermögen erreichen. Eine Brille oder eine Kontaktlinse wird dadurch in der Regel nicht überflüssig. Nicht selten kann jedoch als Folge der Operation ein irregulärer Astigmatismus zurückbleiben, dessen Ausgleich durch eine formstabile Kontaktlinse stattfindet. Es gibt verschiedene Erkrankungen und Verletzungen, die die Hornhaut so stark schädigen, dass es einer Keratoplastik bedarf. Dabei kann es sich um schwere bakterielle Entzündungen der Hornhaut, mechanische Verletzungen, bei denen es zum Durchbohren der Hornhaut kommt, Verbrennungen, Verätzungen oder Hornhautgeschwüre handeln.
In manchen Fällen führen auch erblich bedingte oder degenerative Erkrankungen wie die Fuchs-Endotheldystrophie oder ein Keratokonus, bei dem sich die Hornhaut wie ein Kegel vorwölbt, zu Hornhautschädigungen. Als weitere Indikationen gelten starke Hornhauttrübungen sowie eine Hornhautnarbe, wodurch das Sehvermögen stark beeinträchtigt wird. Dabei erfolgt je nach Ausmaß entweder eine lamelläre oder eine perforierende Keratoplastik. Damit eine Hornhauttransplantation durchgeführt werden kann, muss der Patient bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So sollte er seine Augenlider komplett schließen können, über einen normalen Augeninnendruckwert verfügen und einen ausreichenden Tränenfilm besitzen.
Vor einer perforierenden Keratoplastik erhält der Patient meist eine Vollnarkose. Ebenso ist eine örtliche Betäubung möglich. Erster Schritt des Eingriffs ist das Herausschneiden der geschädigten Hornhaut in einer speziellen Größe. Die Hornhaut des Spenders schneidet der Operateur so zu, dass sie sich exakt in die entstandene Lücke einpflanzen lässt. Einen allgemein empfohlenen Durchmesser gibt es dabei nicht; die Größe des Transplantats wird für jedes Auge einzeln festgelegt und richtet sich nach Ausdehnung und Lage der Schädigung sowie nach der Größe der Hornhaut. Nach dem Einsetzen der Hornhautscheibchen findet deren Fixierung mit einer feinen Naht statt.
Im Rahmen einer lamellären Keratoplastik entnimmt der Chirurg lediglich einzelne Schichten der Hornhaut und ersetzt diese. Dagegen bleiben die übrigen Gewebeschichten an Ort und Stelle. Lange Zeit kam die lamelläre Keratoplastik nur selten zur Anwendung, da sie als technisch schwieriger galt als die perforierende Keratoplastik, bei der der vollständige Ersatz der Hornhaut erfolgt. Nach heutigem Kenntnisstand haben die lamellären Verfahren die perforierende Keratoplastik in Deutschland zahlenmäßig überholt.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Eher selten kommt es zu Blutungen, die sich allerdings nie völlig ausschließen lassen. Ebenso können Infektionen auftreten. Weiterhin ist es möglich, dass eine Lockerung der Fäden der Hornhautnaht eintritt. Liegt kein dichter Abschluss der Hornhaut vor, ist in der Regel das Verlegen von zusätzlichen Fäden notwendig.
Weitere denkbare Komplikationen nach einer Keratoplastik sind Störungen des Heilungsprozesses der Hornhaut sowie das Auftreten von Hornhauttrübungen oder Narben. Im Extremfall verschlechtert sich die Sehkraft des Auges deutlich. Sogar Blindheit und der Verlust des Auges sind im Bereich des Möglichen. Diese schweren Komplikationen zeigen sich jedoch nur äußerst selten.
Da bei der perforierenden wie bei der lamellären Keratoplastik fremdes Gewebe verpflanzt wird, besteht zusätzlich die Gefahr einer Abstoßungsreaktion; bei den lamellären Verfahren tritt sie seltener auf. Das Risiko gilt bei der Hornhauttransplantation jedoch als geringer, da keine Durchblutung der Hornhäute stattfindet. Nach Verätzungen oder Entzündungen können allerdings auf der Empfängerhornhaut Blutgefäße entstehen, wodurch sich das Risiko einer Abstoßung erhöht.
Damit es gar nicht erst zu einer Abstoßungsreaktion kommt, erhält der Patient Immunsuppressiva in Form von Augentropfen. Diese haben die Eigenschaft, Abwehrreaktionen des Körpers zu unterdrücken und Entzündungen zu hemmen; die Infektabwehr des Auges ist dadurch allerdings herabgesetzt. Darüber hinaus müssen vom Augenarzt regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Die Fäden bleiben lange liegen: Frühestens nach einigen Monaten, meist erst nach etwa einem Jahr oder später beginnt der Augenarzt, sie behutsam und in der Regel schrittweise zu entfernen, wobei der Patient eine lokale Betäubung erhält. Den richtigen Zeitpunkt legt er für jedes Auge einzeln fest, weil sich die Hornhautform mit jedem entfernten Faden noch verändern kann.
Der Schichtaufbau der Hornhaut
Warum es überhaupt verschiedene Formen der Keratoplastik gibt, erschließt sich erst über den Bau der Hornhaut. Sie ist kein einheitliches Gewebe, sondern besteht aus mehreren übereinanderliegenden Schichten mit sehr unterschiedlichen Aufgaben.
Nach außen schließt ein dünnes Deckgewebe ab, das sich nach kleinen Verletzungen von selbst erneuert. Darunter liegt eine feste Grenzschicht und anschließend der weitaus dickste Anteil, das Hornhautstroma. Es besteht aus regelmäßig angeordneten Fasern; ihrer geordneten Anordnung verdankt die Hornhaut ihre Durchsichtigkeit. Nach innen folgen eine weitere Grenzmembran und, als innerste Lage, das Hornhautendothel – eine einzelne Zellschicht, die dem Gewebe fortlaufend Wasser entzieht und es dadurch klar hält.
Diese innerste Zellschicht ist der entscheidende Punkt: Sie erneuert sich beim Menschen nicht. Gehen ihre Zellen durch Alterung, Erkrankung oder eine Operation verloren, unterschreitet ihre Zahl irgendwann die Schwelle, ab der die Entwässerung nicht mehr gelingt. Die Hornhaut quillt, trübt sich ein und das Sehen wird schlechter. Genau darin liegt der häufigste Grund für eine Hornhautverpflanzung.
Aus dem Schichtaufbau folgt zugleich der Gedanke der modernen Verfahren: Ist nur eine Schicht erkrankt, muss nicht die ganze Hornhaut ersetzt werden. Ist allein das Endothel geschädigt, wie bei der Fuchs-Endotheldystrophie oder bei einer Trübung nach einer Operation des Grauen Stars, wird nur die hintere Lage ausgetauscht. Ist umgekehrt das Stroma vernarbt oder verformt, das Endothel aber gesund – der typische Fall beim Keratokonus -, kann das eigene Endothel erhalten bleiben und nur das darüberliegende Gewebe ersetzt werden. Diese schichtweisen Verfahren tragen im Fachgebrauch Abkürzungen wie DMEK, DSAEK und DALK.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Je weniger fremdes Gewebe übertragen wird, desto geringer ist das Risiko einer Abstoßung, und je kleiner der Zugang, desto stabiler bleibt das Auge. Nicht jede Ausgangslage lässt jedoch ein schichtweises Vorgehen zu. Sind mehrere Schichten zerstört, etwa nach einer Verätzung, nach einer schweren Entzündung der Hornhaut oder bei einer durchgreifenden Narbe, bleibt der vollständige Austausch das Verfahren der Wahl.
Spenderhornhaut und Wartezeit
Anders als bei den meisten Transplantationen stammt das Gewebe nicht von einem lebenden, sondern von einem verstorbenen Spender, und es wird nicht sofort übertragen. Nach der Entnahme wird die Hornhaut in einer Hornhautbank in Nährlösung aufbewahrt. Diese Zeit wird genutzt: Das Gewebe wird auf Keimfreiheit geprüft, das Blut des Spenders auf übertragbare Infektionen untersucht, und unter dem Mikroskop wird ausgezählt, wie viele Zellen die innerste Schicht noch trägt. Unterschreitet diese Zahl den festgelegten Wert, wird die Hornhaut nicht verwendet.
Für die Verpflanzung der Hornhaut ist – anders als bei inneren Organen – keine Übereinstimmung der Gewebemerkmale zwischen Spender und Empfänger erforderlich; auch die Blutgruppe spielt in der Regel keine Rolle. Der Grund liegt in der Sonderstellung des Gewebes: Die gesunde Hornhaut enthält keine Blutgefäße, sodass das Immunsystem mit dem fremden Gewebe zunächst kaum in Berührung kommt.
Der Bedarf an Spenderhornhäuten übersteigt in Deutschland das verfügbare Angebot. Patienten werden deshalb in der Regel auf eine Warteliste aufgenommen, und zwischen der Entscheidung für den Eingriff und der Operation kann erhebliche Zeit vergehen. Diese Wartezeit gehört zu den Punkten, die im Aufklärungsgespräch besprochen werden, denn sie lässt sich nicht durch die Wahl der Klinik verkürzen. Droht dagegen ein Notfall – etwa der Durchbruch der Hornhaut bei einem Geschwür -, wird ohne Wartezeit operiert; hier steht zunächst der Erhalt des Auges und nicht das Sehergebnis im Vordergrund. Die Spende selbst erfolgt unentgeltlich; ein Handel mit menschlichem Gewebe ist untersagt.
Vorbereitung, Nachsorge und Sehergebnis
Vor dem Eingriff wird das Auge eingehend untersucht. Dazu gehören die Bestimmung der Sehschärfe, die Beurteilung von Hornhaut und Vorderabschnitt unter dem Mikroskop, die Messung des Augeninnendrucks, eine Vermessung der Hornhautform und -dicke sowie, wenn erforderlich, eine Zählung der Endothelzellen. Geprüft wird außerdem, ob das Auge überhaupt von einer klaren Hornhaut profitieren würde: Sind Netzhaut oder Sehnerv geschädigt, bleibt das Sehvermögen auch nach einer erfolgreichen Verpflanzung eingeschränkt.
Ungünstig sind Ausgangslagen, in denen die Oberfläche des Auges nicht in Ordnung ist: ein stark herabgesetzter Tränenfilm, ein unvollständiger Lidschluss, eine anhaltende Entzündung, ein nicht eingestellter erhöhter Augeninnendruck oder eine ausgeprägte Einsprossung von Gefäßen in die Hornhaut. Solche Befunde werden nach Möglichkeit vor der Verpflanzung behandelt, weil sie das Risiko für ein Versagen des Transplantats erhöhen.
Der Eingriff selbst dauert je nach Verfahren unterschiedlich lange; er wird in Vollnarkose oder in örtlicher Betäubung ausgeführt, und das Auge wird danach zunächst verbunden. Nach der Operation folgt eine lange Nachsorge. Der Patient erhält über Monate Augentropfen, zunächst engmaschig, später ausschleichend; Kontrolltermine beim Augenarzt gehören dauerhaft dazu. Bei der Verpflanzung aller Schichten bleiben die Fäden lange liegen und werden erst nach und nach entfernt, weil die Hornhaut ohne eigene Blutversorgung nur langsam heilt. Aus demselben Grund bleibt die Naht über Jahre eine Schwachstelle: Ein stumpfer Schlag auf das Auge kann sie noch lange nach dem Eingriff aufreißen lassen. Sportarten mit Ballkontakt oder Körperkontakt werden deshalb nur mit Schutzbrille oder gar nicht empfohlen, und Reiben am Auge wird gemieden.
Das Sehvermögen bessert sich nicht schlagartig. Bei den schichtweisen Verfahren an der Rückseite stellt sich die Klärung der Hornhaut vergleichsweise rasch ein, bei der Verpflanzung aller Schichten kann es Monate bis Jahre dauern, bis das endgültige Ergebnis feststeht – unter anderem, weil sich die Hornhautform mit dem Entfernen der Fäden noch verändert. Häufig bleibt eine unregelmäßige Hornhautverkrümmung zurück, die eine Brille nur unvollständig ausgleicht; dann kommen formstabile Kontaktlinsen oder ergänzende Eingriffe in Betracht.
Abstoßung erkennen und was danach möglich ist
Eine Abstoßungsreaktion kann noch Jahre nach der Verpflanzung auftreten. Sie kündigt sich meist mit Beschwerden an, die dem Patienten selbst auffallen: Das Auge rötet sich, es schmerzt, es wird lichtempfindlich, und das Sehen verschlechtert sich. Diese vier Zeichen sind der Grund, warum Betroffene angehalten werden, sich beim geringsten Verdacht sofort augenärztlich vorzustellen – nicht am nächsten Termin, sondern umgehend. Wird die Reaktion früh erkannt, gilt sie in vielen Fällen als beherrschbar; wird sie verschleppt, kann das Transplantat dauerhaft eintrüben.
Versagt ein Transplantat – durch Abstoßung, durch Verlust von Endothelzellen über die Jahre oder durch eine erneute Erkrankung -, ist eine zweite Verpflanzung grundsätzlich möglich. Mit jeder weiteren steigt allerdings das Risiko einer erneuten Abstoßung, unter anderem weil das Auge inzwischen mit fremdem Gewebe in Berührung gekommen ist und häufig Gefäße eingewachsen sind. Für Augen, an denen mehrfache Verpflanzungen gescheitert sind, stehen Kunststoffhornhäute zur Verfügung; sie werden nur in ausgewählten Zentren und in besonderen Ausgangslagen eingesetzt und verlangen eine besonders enge Nachbetreuung.
Nicht jede erkrankte Hornhaut muss verpflanzt werden. Beim Keratokonus etwa kann zunächst versucht werden, das Fortschreiten der Verformung durch eine Verfestigung des Hornhautgewebes aufzuhalten, und die Sehschärfe lässt sich lange mit formstabilen Kontaktlinsen ausgleichen. Die Verpflanzung steht am Ende dieser Kette, wenn die Hornhaut zu stark verformt oder vernarbt ist. Die Kosten der Keratoplastik tragen bei medizinischer Indikation die Krankenkassen; der Eingriff wird an Augenkliniken durchgeführt, nicht in der augenärztlichen Praxis.
Quellen
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
ISBN: 9783132454446
- Grehn, F.: Augenheilkunde.
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- Pfeiffer, N., Cursiefen, C., Holz, F. G., et al. (Hrsg.): Die Augenheilkunde.
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- Lang, G. K., Lang, G. E., Auw-Hädrich, C. (Hrsg.): Entzündliche Augenerkrankungen.
ISBN: 9783132402997
