Augenoperation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Augenerkrankungen können für die Betroffenen schwerwiegende Folgen haben: Verminderte Sehschärfe, Halo-Effekte, verringertes Kontrast-Sehen und ein eingeengtes Sehfeld können sogar zu Unfällen führen.
Reichen Brille und Kontaktlinsen nicht mehr aus, kann ein operativer Eingriff in Frage kommen. Bei degenerativen Augenerkrankungen (Grauer oder Grüner Star) richtet sich der Zeitpunkt einer Operation nach Befund und Beschwerden; bei Notfällen wie einer Netzhautablösung muss dagegen rasch operiert werden.
Was ist eine Augenoperation?
Augenoperationen sind chirurgische Eingriffe, die der Wiederherstellung oder Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Augen dienen. Dabei werden beispielsweise Teile des Auges entfernt und fremdes Material transplantiert. Mitunter müssen auch Fehlstellungen (Schielen) korrigiert werden.
Augenoperationen werden je nach Eingriff in örtlicher Betäubung, in Teilnarkose mit Dämmerschlaf oder unter Vollnarkose durchgeführt. Bei Angstpatienten und Kindern wird meist eine Vollnarkose vorgenommen. Ältere Patienten und Menschen mit Herz- und Blutdruckproblemen werden meist nur örtlich betäubt. Vor der Operation erfolgt ein ärztliches Aufklärungsgespräch, in dem der Patient über alle Details des Eingriffs aufgeklärt und das bei der vorliegenden Erkrankung indizierte Operationsverfahren festgelegt wird.
In der Voruntersuchung werden Hornhautdicke und Hornhautoberfläche überprüft. Auch Pupillengröße und Sehleistung werden genau untersucht. Eventuell vorhandene Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus werden bei der Wahl des Operationsverfahrens berücksichtigt.
Funktion, Wirkung & Ziele
Muss der Patient an beiden Augen operiert werden, so wird erst ein Auge behandelt und nach der Wiederherstellung der vollen Sehfähigkeit dann das zweite. Die Wahl der Operationsmethode richtet sich vorrangig nach der Art der vorliegenden Augenerkrankung. Bei Brechungsfehlern zwischen -10 und +4 Dioptrien wird meist das LASIK-Verfahren (Refraktive Chirurgie) eingesetzt. Bei dem sehr schonenden Laser-Verfahren kann der Patient meist schon wenige Stunden nach dem chirurgischen Eingriff scharf sehen. Die kleinen Blutergüsse am Auge verschwinden meist auch schon bald danach. Hat der Patient Grauen Star, wird die getrübte Linse herausgenommen und durch eine Kunstlinse ersetzt (Kataraktoperation).
Bei einem anderen heute häufig verwendeten Verfahren wird die künstliche Augenlinse in die bestehende Linsen-Kapsel integriert. Die natürliche Linse wird zuvor mithilfe von Ultraschall zerstört und entfernt. Ein Teil der Katarakt-Operationen wird mit Unterstützung des Femtosekundenlasers durchgeführt, der sehr präzise Schnitte ermöglicht; die Mehrzahl der Eingriffe erfolgt jedoch weiterhin mit Ultraschall. Nach der Operation benötigen die meisten Betroffenen jedoch weiterhin eine Brille, weil eine einfache Kunstlinse entweder auf die Ferne oder auf die Nähe eingestellt ist. Glaukom-Operationen (Grüner Star) sollen das noch vorhandene restliche Sehvermögen erhalten. Sind beide Augen betroffen, werden sie nacheinander operiert; der Eingriff erfolgt meist in örtlicher Betäubung. Wird die langsam fortschreitende degenerative Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, kommt es durch den zu hohen Augeninnendruck zu Schäden an der Netzhaut und den Sehnerven.
Beim Engwinkelglaukom legt der Augenchirurg in der Iris eine winzige Öffnung an (Iridotomie), damit das Kammerwasser besser zirkuliert und der Augeninnendruck gesenkt wird. Mithilfe der Iridektomie wird der Rand der Hornhaut eingeschnitten und ein winziges Stück Iris entfernt, um einen Kammerwasserdurchfluss anzulegen. Im Bereich der Hornhautchirurgie wird die getrübte Hornhaut durch eine Spenderhornhaut ausgetauscht (Penetrierende Keratoplastik, PK). Mitunter wird auch nur eine Schicht der Hornhaut durch Spendergewebe ersetzt (lamelläre Keratoplastik). Davon zu unterscheiden ist die phototherapeutische Keratektomie (PTK), bei der geschädigte oberflächliche Hornhautschichten mit dem Laser abgetragen werden, ohne dass Spendergewebe eingesetzt wird. Die Hornhauttransplantation ist die am häufigsten durchgeführte Gewebeübertragung von Mensch zu Mensch. In bestimmten Fällen muss rasch operiert werden: Löst sich die Netzhaut ab, muss sie wieder befestigt werden, damit der Patient nicht erblindet. Auch eine fortgeschrittene diabetische Retinopathie kann einen Eingriff am Augenhintergrund erforderlich machen.
Reicht die Ablösung bis in die Mitte der Netzhaut, ist auch die Makula betroffen. Die Makula ist das Netzhautgebiet mit der höchsten Konzentration an Sinneszellen. Die sich lösende Netzhaut wird durch das Aufnähen einer Silikonplombe befestigt. Eine andere Methode besteht darin, sie mit einem Laser an der Augenwand zu fixieren. Augenmuskeloperationen sind erforderlich, wenn der Patient schielt, Augenzittern oder eine augenbedingte Zwangshaltung des Kopfes hat. Der ganze Augapfel wird nur als letzter Ausweg entfernt, etwa wenn ein blinder Patient starke Augenschmerzen verspürt. Bevor ein künstliches Auge eingesetzt wird, muss eine Führungsplombe eingenäht werden. Befindet sich am Auge ein bösartiger Tumor, werden noch zusätzlich Bindegewebe und Fett entnommen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Obwohl die meisten Operationen am Auge heute Routine-Eingriffe sind und von erfahrenen Spezialisten und mithilfe modernster Technologie durchgeführt werden, haben viele Patienten Angst vor einem solchen Eingriff. Sie befürchten, danach nie wieder richtig sehen zu können. Wie jeder operative Eingriff ist auch eine Augenoperation mit Risiken verbunden; schwere Komplikationen sind allerdings selten. Bleibende Schäden können nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. Daher sind die operierenden Ärzte auch nach dem chirurgischen Eingriff ständig erreichbar. Zu den häufigsten Komplikationen zählen Netzhautablösung, zystoides Makulaödem, verminderte Sehschärfe, Infektionen, verringertes Kontrastsehen, Halos um Lichtquellen und verstärkte Blendungsempfindlichkeit.
Kommt es zu diesen Operationsfolgen, so ist eine Nachbehandlung erforderlich. Um das Risiko von Komplikationen zu verringern, sollten Kontaktlinsen nach ärztlicher Vorgabe rechtzeitig vor dem Operationstermin abgesetzt und die nach dem Eingriff verordneten Augentropfen angewendet werden. Außerdem sollte der Patient unter keinen Umständen mit den Händen in die Augen fassen oder sie sich reiben. Räume, in denen geraucht wird, werden am besten gemieden, da Tabakrauch den Wundheilungsprozess verzögert. Außerdem müssen die angesetzten Nachkontrollen eingehalten werden.
Vorbereitung & Ablauf am Operationstag
Ein großer Teil der Eingriffe am Auge wird heute ambulant durchgeführt: Der Patient kommt am Morgen in die Klinik oder in ein Operationszentrum und verlässt es am selben Tag. Stationär aufgenommen wird, wer nach dem Eingriff zu Hause nicht versorgt wäre, wer schwere Begleiterkrankungen mitbringt oder bei wem ein größerer Eingriff etwa am Augenhintergrund vorgesehen ist.
Am Operationstag wird zunächst abgeglichen, welches Auge behandelt werden soll; die Seite wird markiert, und das vorgesehene Verfahren wird noch einmal bestätigt. Bei Eingriffen an der Linse wird die Pupille mit Augentropfen weit gestellt, bei anderen Eingriffen im Gegenteil eng. Das Auge und seine Umgebung werden desinfiziert, das Gesicht wird mit einem sterilen Tuch abgedeckt, das nur das Operationsfeld freilässt, und ein Lidsperrer hält die Lider auseinander, damit der Lidschlag den Eingriff nicht stört.
Der Operateur arbeitet unter dem Operationsmikroskop mit sehr feinen Instrumenten; das verwendete Nahtmaterial ist dünner als ein menschliches Haar. Die Zugänge zum Augeninneren sind entsprechend klein und verschließen sich bei vielen Verfahren von selbst, ohne dass genäht werden muss. Nach dem Eingriff wird das Auge je nach Verfahren mit einem Verband, mit einer durchsichtigen Schutzschale oder gar nicht abgedeckt. Vor der Entlassung wird der Befund kontrolliert und ein Termin für die erste Nachkontrolle vereinbart.
Betäubungsverfahren am Auge
Am Auge stehen mehrere Betäubungsverfahren nebeneinander, deren Wahl vom Eingriff, von der Erkrankung und vom Patienten abhängt. Am wenigsten belastend ist die Tropfanästhesie: Ein örtlich wirkendes Betäubungsmittel wird als Augentropfen aufgebracht und macht die Oberfläche des Auges unempfindlich. Sie genügt für kurze Eingriffe an den vorderen Augenabschnitten, unter ihnen ein großer Teil der Operationen am Grauen Star.
Reicht die Betäubung der Oberfläche nicht aus, wird das Betäubungsmittel neben oder hinter den Augapfel gespritzt (Peribulbär- beziehungsweise Retrobulbäranästhesie). Damit wird nicht nur der Schmerz ausgeschaltet, sondern auch die Beweglichkeit des Auges vorübergehend aufgehoben, was bei längeren Eingriffen von Vorteil ist. Ergänzend kann über die Vene ein Beruhigungsmittel gegeben werden, sodass der Patient in einen Dämmerschlaf fällt, ansprechbar bleibt und dennoch entspannt liegt.
Eine Vollnarkose wird gewählt, wenn ein Eingriff lange dauert, wenn der Patient nicht ruhig liegen kann oder wenn eine Betäubung am wachen Auge nicht in Frage kommt. Das betrifft vor allem Kinder, Menschen mit einer Demenz und Patienten mit ausgeprägter Angst vor dem Eingriff. Jeder Narkose geht ein eigenes Aufklärungsgespräch mit dem Narkosearzt voraus, in dem die Vorerkrankungen und die eingenommenen Medikamente besprochen werden.
Nachsorge & Heilungsverlauf
Die erste Kontrolle findet in der Regel am Tag nach dem Eingriff statt. Der Arzt prüft dabei die Sehschärfe, den Augeninnendruck und den Zustand der Wunde und legt fest, wie oft und wie lange die verordneten Augentropfen anzuwenden sind. Meist handelt es sich um die Kombination aus einem entzündungshemmenden und einem keimabtötenden Mittel; die Anwendung wird schrittweise verringert, bis das Auge reizfrei ist.
Der Heilungsverlauf unterscheidet sich stark je nach Verfahren. Nach einer Operation am Grauen Star bessert sich das Sehen häufig schon in den ersten Tagen, während es nach einer Keratoplastik Monate bis über ein Jahr dauern kann, bis sich die Sehschärfe stabilisiert; die Fäden bleiben dabei lange liegen und werden erst nach und nach entfernt. Eine neue Brille wird deshalb erst angepasst, wenn der Befund als stabil gilt — eine früher bestimmte Stärke wäre bald nicht mehr richtig.
Nach dem Ersatz der körpereigenen Linse durch eine Intraokularlinse kann sich die zurückgelassene Linsenkapsel im Lauf der Zeit eintrüben. Die Betroffenen bemerken das an einem erneut langsam schlechter und unschärfer werdenden Sehen. Diese Nachtrübung, im Deutschen Nachstar genannt, ist keine neue Erkrankung der Linse und erfordert keinen zweiten Eingriff im Augeninneren: Die eingetrübte Kapsel wird ambulant mit einem Laser eröffnet.
Bis das Auge verheilt ist, gelten Einschränkungen für alles, was Keime oder Druck ins Spiel bringt. Schwimmbad und Sauna, staubige Arbeiten und schweres Heben werden für einen von der Klinik festgelegten Zeitraum ausgesetzt. Wann ein Patient wieder ein Fahrzeug führen darf, entscheidet sich nach dem Sehvermögen und wird bei den Nachkontrollen beurteilt.
Geschichte der Augenchirurgie
Eingriffe am Auge gehören zu den ältesten überlieferten Operationen. Schon in der Antike und im Mittelalter wurde der Graue Star mit dem sogenannten Starstich behandelt: Die getrübte Linse wurde mit einer Nadel aus der Sehachse in den Glaskörperraum gedrückt. Der Patient sah danach zwar wieder hell, aber unscharf, denn die Brechkraft der Linse fehlte nun vollständig — und Infektionen waren häufig.
Einen Wendepunkt brachte das 18. Jahrhundert: Der französische Chirurg Jacques Daviel entfernte im Jahr 1747 erstmals planmäßig eine getrübte Linse aus dem Auge, statt sie nur zu verlagern. Damit begann die Staroperation im heutigen Sinn. Im Jahr 1905 gelang dem Arzt Eduard Zirm die erste dauerhaft erfolgreiche Übertragung einer menschlichen Hornhaut.
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderte das Fach grundlegend. Der britische Augenarzt Harold Ridley setzte 1949 die erste künstliche Linse in ein menschliches Auge ein, nachdem ihm aufgefallen war, dass Splitter aus Cockpitverglasung in den Augen von Piloten reizlos liegen blieben. Ende der 1960er Jahre entwickelte Charles Kelman die Phakoemulsifikation, bei der die Linse im Auge mit Ultraschall zerkleinert und abgesaugt wird; erst dadurch wurde der kleine Zugang möglich, der die Staroperation heute prägt. Seit den 1980er Jahren wird der Excimerlaser eingesetzt, der Gewebe abträgt, ohne die Umgebung nennenswert zu erwärmen, und der die Grundlage der Verfahren zur Korrektur von Brechungsfehlern bildet.
Wenn ein operativer Eingriff nicht in Frage kommt
Nicht jede Augenerkrankung wird operiert, und nicht jeder Patient ist für einen Eingriff geeignet. Beim Grünen Star steht am Anfang die Behandlung mit drucksenkenden Augentropfen; reicht sie nicht aus, folgt häufig eine ambulante Lasertherapie, und erst danach wird ein operativer Eingriff erwogen. Bei der feuchten Form der Makuladegeneration und bei bestimmten Formen der diabetischen Retinopathie werden Medikamente unmittelbar in den Glaskörper eingebracht; diese Injektionen werden über längere Zeit wiederholt und sollen das Fortschreiten aufhalten.
Bei Fehlsichtigkeiten — Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung — bleiben Brille und Kontaktlinsen die Regelversorgung. Ein Eingriff der refraktiven Chirurgie setzt unter anderem voraus, dass die Werte über längere Zeit stabil geblieben sind und die Hornhaut dick genug ist. Bei zu dünner oder unregelmäßiger Hornhaut, bei sehr trockenen Augen oder bei bestimmten Grunderkrankungen wird davon abgeraten.
Lässt sich das Sehvermögen weder operativ noch mit einer Sehhilfe wiederherstellen, tritt die Rehabilitation an die Stelle der Behandlung. Vergrößernde Sehhilfen, Bildschirmlesegeräte, Vorlesesysteme und eine kontrastreiche Gestaltung der Wohnung erleichtern den Alltag; Schulungen vermitteln Orientierung und Mobilität. Beratung bieten die Praxen der Augenärzte, die Sehbehindertenambulanzen der Augenkliniken sowie die Blinden- und Sehbehindertenvereine der Bundesländer. Eine anerkannte Sehbehinderung eröffnet zudem Nachteilsausgleiche, über die die Versorgungsämter und die Sozialdienste der Kliniken Auskunft geben.
Eingriffe an Lidern & Tränenwegen
Nicht jede Augenoperation betrifft den Augapfel selbst. Ein eigener Bereich der Augenchirurgie befasst sich mit den Lidern, den Tränenwegen und der Augenhöhle. Steht der Lidrand nach innen und scheuern die Wimpern auf der Bindehaut (Entropium), oder hängt das Unterlid nach außen ab (Ektropium), wird die Lidstellung operativ korrigiert; unbehandelt drohen dauerhafte Reizung und Schäden an der Hornhaut. Auch erschlaffte Oberlider werden gestrafft, wenn sie das Gesichtsfeld von oben einengen.
Ist der Abfluss der Tränenflüssigkeit in die Nase verlegt, läuft das Auge dauerhaft über, und der Tränensack entzündet sich wiederholt. In diesem Fall wird zwischen Tränensack und Nasenhöhle eine neue Verbindung angelegt. Ein Gerstenkorn oder ein Hagelkorn, das nicht von selbst abheilt, kann eröffnet und entleert werden. Diese Eingriffe erfolgen meist ambulant und in örtlicher Betäubung.
Quellen
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
ISBN: 9783132454446
- Grehn, F.: Augenheilkunde.
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- Augustin, A. J.: Augenheilkunde.
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- Kampik, A., Grehn, F., Messmer, E. M., Lagrèze, W. A., Schumann, R. G. (Hrsg.): Facharztprüfung Augenheilkunde.
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- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
