Klimatherapie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Urlaub in den Bergen oder an den Küsten bietet nicht nur Erholung vom stressigen Alltag. Bei bestimmten Erkrankungen kann der Aufenthalt im Rahmen einer Klimatherapie die Beschwerden sogar deutlich lindern. Voraussetzung ist jedoch, dass der Aufenthalt vor Ort mehrere Wochen dauert; ein kurzer Urlaub genügt dafür nicht.
Was ist die Klimatherapie?
Bei der Klimatherapie handelt es sich um ein Heilverfahren, bei dem Betroffene eine bestimmte Zeit in Regionen mit spezifischen klimatischen Bedingungen verbringen. Besonders geeignet sind hier zum Beispiel das Meer, das Mittelgebirge oder das Hochgebirge. Die Zeit sollte vor allem in der Natur und weniger in großen Städten verbracht werden, um den medizinischen Effekt zu nutzen. Besonders häufig kommt eine Klimatherapie bei Erkrankungen zum Einsatz, die Auswirkungen auf Haut und Atemwege haben.
Die Besserung hält häufig über den Aufenthalt hinaus an, lässt mit der Zeit aber wieder nach. Auf diese Weise können spezifische Erkrankungen ohne chemische Hilfsmittel gelindert werden. Ein Nachteil sind jedoch die Kosten: Einen privat organisierten Erholungsurlaub bezahlen Betroffene vollständig selbst. Wird eine Klimatherapie dagegen ärztlich verordnet und als Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme bewilligt, beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten. Welche Regionen sich eignen, hängt vor allem von den individuellen Beschwerden ab. Differenziert wird in Meeresklima, Mittelgebirgsklima und Hochgebirgsklima. Das Mittelgebirgsklima umfasst Höhen von etwa 500 bis 1200 Metern, das Hochgebirgsklima die darüberliegenden Lagen.
Funktion, Wirkung & Ziele
So ist es bei der Terrainkur das Ziel, körperliche Betätigung mit klimatischen Reizen zu verbinden. Bei der Heliotherapie hingegen werden erkrankte Hautabschnitte gezielt dem Sonnenlicht ausgesetzt, und zwar für eine ärztlich festgelegte Dauer. Während der Frischluft-Liegetherapie werden kühlere Temperaturen ausgenutzt. Gleichzeitig legen sich die Patienten während der Behandlung hin. Eine Klimatherapie wird bei unterschiedlichen Beschwerdebildern eingesetzt.
Häufig kommt sie bei einer Allergie zum Einsatz. In einem solchen Fall sollte die gewählte Region möglichst im Hochgebirge liegen. Hier können Personen mit Neurodermitis, Asthma oder einer Überempfindlichkeit gegenüber Pollen und Schadstoffen von der Luft profitieren, die in der Regel weitaus sauberer als in Städten ist.
So können insbesondere Hausstaubmilben mit ihrem Kot die Beschwerden bei Neurodermitis verstärken. In Höhenlagen überleben sie wegen der geringeren Luftfeuchtigkeit jedoch kaum. Für so einen Effekt sollten Orte mit einer Höhe von über 1500 Metern aufgesucht werden. Weiterhin lassen sich in solchen Gegenden normalerweise keine Schimmelpilze finden. Diese verursachen vor allem bei Menschen, die unter Asthma leiden, Atembeschwerden. Ein längerer Aufenthalt im Hochgebirge kann bestehende Atembeschwerden verringern. Häufig lässt sich die Medikation während der Klimatherapie in ärztlicher Absprache verringern. Beschwerden aufgrund von Heuschnupfen sind in hohen Lagen seltener zu erwarten. Zum einen ist die Menge der kursierenden Pollen erheblich geringer, zum anderen die Blütephase kürzer.
Bei Hauterkrankungen eignen sich Urlaubsorte, in denen eine direkte Sonneneinstrahlung besteht. Diese kann zum Beispiel bei Schuppenflechte genutzt werden, weil sie die entzündlichen Prozesse in den Zellen hemmt. Dabei soll die Sonne zwar ohne Sonnencreme zur Haut vordringen; die Dauer wird bei der Heliotherapie ärztlich festgelegt und zunächst kurz gehalten. Ein Sonnenbrand ist jedoch auf jeden Fall zu vermeiden. Wie lange die Sonnenstrahlen genossen werden dürfen, hängt somit vor allem vom individuellen Hauttyp ab.
Eine weitere nützliche Klimazone stellt das Meer dar. Hier wirken sich insbesondere der raue Wind und das Salzwasser positiv auf die Gesundheit aus. Das Meeresklima trägt zur Abschwellung der Schleimhäute bei und das Salzwasser in der Luft kann festsitzenden Schleim lösen. Dieser verflüssigt sich und dringt leichter nach außen. Auch bei Schuppenflechte kann das Salzwasser hilfreich sein. Der Salzgehalt hat eine entzündungshemmende Wirkung. Im Mittelgebirge wird der Organismus durch das herrschende Klima entlastet, weil die zahlreichen Bäume die Auswirkung von Hitze und UV-Strahlen weitgehend einschränken. Die Klimatherapie kommt somit bei unterschiedlichen Beschwerden zum Einsatz. Sie kann Symptome lindern, ohne selbst Medikamente einzusetzen; eine bestehende Dauermedikation wird davon unabhängig nur in ärztlicher Absprache verändert.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Jeder Sonnenbrand erhöht nicht nur das Hautkrebsrisiko, er kann bei bestehenden Hautproblemen die Symptome verschlimmern. Dementsprechend sollte die Sonne nicht den ganzen Tag über genossen werden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt empfehlen sich schützende Kleidung sowie gut verträgliche Sonnencreme. Obwohl einige Wochen schnell vorbeigehen, können sie sich nachhaltig auf die Gesundheit auswirken. So lassen sich die positiven Effekte meistens noch nach einigen Wochen oder gar Monaten feststellen.
Reiz-, Schon- und Belastungsfaktoren
Was ein Klima therapeutisch nutzbar macht, lässt sich in drei Gruppen von Einflüssen ordnen. Schonfaktoren sind Eigenschaften, die den Körper entlasten: eine allergen- und schadstoffarme Luft, das Fehlen von Hausstaubmilben und Schimmelpilzen in großer Höhe, gleichmäßige Temperaturen, wenig Lärm. Sie sind der Grund, warum sich Beschwerden oft schon in den ersten Tagen bessern – nicht weil eine Behandlung begonnen hätte, sondern weil die auslösenden Reize wegfallen.
Reizfaktoren wirken in die andere Richtung. Kühle Luft, Wind, Sonnenstrahlung und der geringere Luftdruck in der Höhe fordern den Organismus und zwingen ihn zur Anpassung. Genau darauf zielt die Klimatherapie: Der Körper soll sich an die neuen Bedingungen gewöhnen und dabei seine Regulationsfähigkeit üben. Deshalb werden die Anwendungen in der Regel vorsichtig begonnen und langsam gesteigert.
Belastungsfaktoren schließlich sind Einflüsse, die überfordern können: Schwüle, große Hitze, sehr starke Sonneneinstrahlung oder eine Höhe, die den Sauerstoffgehalt der eingeatmeten Luft merklich verringert. Sie sind der Grund, warum die Auswahl des Ortes ärztlich mitentschieden wird und warum der Aufenthalt bei manchen Vorerkrankungen nicht in jeder Klimazone sinnvoll ist. In den Höhenlagen, die für die Klimatherapie genutzt werden, spielt die Höhenkrankheit allerdings in aller Regel keine Rolle; sie betrifft deutlich größere Höhen.
Kurorte und ihre Prädikate
In Deutschland dürfen sich Orte nur dann Heilklimatischer Kurort, Luftkurort, Seeheilbad oder Seebad nennen, wenn sie dafür anerkannt worden sind. Die Anerkennung erteilen die Bundesländer nach bundesweit abgestimmten Anforderungen; dazu gehören ein Gutachten über das Bioklima und die Luftqualität sowie der Nachweis geeigneter Einrichtungen und einer ärztlichen Betreuung vor Ort. Die Prädikate werden überprüft und können auch wieder entzogen werden. Für Behandelte sind sie ein Anhaltspunkt dafür, dass die klimatischen Angaben eines Ortes nicht bloße Werbung sind.
Für Erkrankungen der Haut und der Atemwege haben sich einzelne Regionen als klassische Ziele herausgebildet. Im Hochgebirge ist dies vor allem der Raum um Davos in der Schweiz, wo seit dem 19. Jahrhundert Kliniken für Atemwegserkrankungen bestehen und sich später ein Schwerpunkt für Neurodermitis und Asthma entwickelt hat. An der Nordsee erfüllen die Inseln diese Rolle; dort verbinden sich kühle, feuchte und salzhaltige Luft mit weitgehender Allergenfreiheit. Bei Schuppenflechte ist zusätzlich der Aufenthalt am Toten Meer verbreitet, wo sich ein sehr salzhaltiges Wasser mit einer besonderen Zusammensetzung der Sonnenstrahlung verbindet.
Ablauf einer verordneten Klimatherapie
Eine ärztlich verordnete Klimatherapie beginnt mit einer Eingangsuntersuchung vor Ort. Aus ihr ergibt sich ein Therapieplan, der festlegt, welche Anwendungen in welchem Umfang durchgeführt werden – etwa Bewegung im Gelände, Liegekuren im Freien, Inhalationen, Bäder oder eine dosierte Besonnung. Die genannten Anwendungen werden ergänzt durch Krankengymnastik, Ergotherapie, Ernährungsberatung oder psychologische Angebote, je nach Erkrankung.
Ein wesentlicher Bestandteil ist die Schulung. Wer mit Neurodermitis anreist, lernt etwas über Hautpflege und über den Umgang mit Juckreiz; wer mit Asthma kommt, übt den Umgang mit dem Inhalationsgerät, das Erkennen einer Verschlechterung und das richtige Verhalten im Anfall. Dieser Teil ist deshalb so wichtig, weil er als Einziger mit nach Hause genommen werden kann.
Wird die Behandlung angepasst, geschieht das durch die betreuenden Ärztinnen und Ärzte vor Ort und in Abstimmung mit der weiterbehandelnden Praxis zu Hause. Am Ende steht eine Abschlussuntersuchung und ein Bericht, der an die behandelnde Praxis geht und die Empfehlungen für die Zeit danach festhält. Wer Medikamente einnimmt, sollte deren aktuelle Liste mitbringen, ebenso Befunde und einen Allergiepass, sofern vorhanden.
Verordnung und Kostenübernahme
Ein privat gebuchter Urlaub in einem günstigen Klima ist keine Klimatherapie im Sinne des Gesundheitswesens; er wird vollständig selbst bezahlt. Eine Kostenbeteiligung kommt nur in Betracht, wenn die Maßnahme ärztlich verordnet, beantragt und vom Kostenträger genehmigt worden ist. Zuständig ist je nach Fall die Krankenkasse oder die Rentenversicherung; bei Kindern und Jugendlichen gibt es eigene Formen der Rehabilitation, bei denen auch eine Begleitperson vorgesehen sein kann.
Unterschieden werden ambulante Vorsorgeleistungen in einem anerkannten Kurort, bei denen Unterkunft und Verpflegung selbst organisiert werden und die Kasse sich an den Behandlungskosten und in bestimmtem Umfang an den übrigen Kosten beteiligt, und stationäre Leistungen in einer Klinik, bei denen Unterbringung und Behandlung aus einer Hand kommen. In beiden Fällen ist ein Eigenanteil vorgesehen, und in beiden Fällen entscheidet der Kostenträger über den Antrag.
Weil sich die Voraussetzungen und die Antragswege unterscheiden, ist der praktische Weg immer derselbe: zunächst das Gespräch mit der behandelnden Praxis, die die medizinische Notwendigkeit begründet, dann die Auskunft des Kostenträgers zu Antrag, Unterlagen und möglichen Zuschüssen. Eine Zusage vor Antritt der Reise ist unverzichtbar, denn nachträglich lässt sich eine Genehmigung in aller Regel nicht mehr erwirken.
Wann eine Klimatherapie nicht infrage kommt
Nicht jede Person und nicht jede Erkrankung ist für einen Klimawechsel geeignet. Bei einem akuten Infekt wird die Anreise verschoben. Gegen einen Aufenthalt in größerer Höhe sprechen eine schwere Herzinsuffizienz, ein instabiler Kreislauf, schlecht eingestellter Bluthochdruck sowie fortgeschrittene Lungenerkrankungen, bei denen bereits im Flachland eine Sauerstofftherapie nötig ist. Auch eine kurz zurückliegende Operation oder eine akute Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems ist ein Grund, den Zeitpunkt zu überdenken.
Für die Besonnung gelten eigene Einschränkungen. Sie kommt nicht infrage bei einer krankhaften Lichtempfindlichkeit der Haut, bei einer Sonnenallergie und bei bestimmten lichtempfindlich machenden Arzneimitteln, zu denen unter anderem einzelne Antibiotika und Entwässerungsmittel gehören. Zurückhaltung gilt außerdem bei sehr hellem Hauttyp, bei zahlreichen Leberflecken, bei einer früheren Hautkrebserkrankung und bei dauerhaft unterdrücktem Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation. In all diesen Fällen entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, ob und in welchem Umfang eine Heliotherapie überhaupt vorgesehen wird.
Zu klären ist schließlich die Belastbarkeit. Eine Klimatherapie besteht aus täglichen Anwendungen und Bewegung im Freien; wer dazu aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, hat von ihr wenig. In diesem Fall kommen andere Formen der Rehabilitation in Betracht.
Abgrenzung zu ähnlichen Verfahren
Von der Thalassotherapie, die gezielt Meerwasser, Meeresschlick und Algen anwendet, unterscheidet sich die Klimatherapie dadurch, dass sie das Klima selbst als Wirkfaktor nutzt und nicht ein daraus gewonnenes Mittel. Von der Hydrotherapie mit ihren Güssen, Wickeln und Bädern trennt sie, dass diese ortsunabhängig ist und keinen Klimawechsel voraussetzt.
Die künstliche Bestrahlung in einer Lichtkabine, wie sie die Phototherapie bei Hauterkrankungen einsetzt, verfolgt ein ähnliches Ziel wie die Heliotherapie, hat gegenüber der Sonne aber den Vorteil einer genau einstellbaren Dosis und ist wohnortnah verfügbar. Sie ersetzt allerdings nicht die übrigen Faktoren eines Klimaaufenthalts – die reizarme Luft, die Bewegung, den Abstand zum Alltag.
Und schließlich ist die Klimatherapie von der ursächlichen Behandlung einer Allergie zu trennen: Die Hyposensibilisierung, bei der der Körper über längere Zeit an ein Allergen gewöhnt wird, setzt an der Ursache an, während der Klimaaufenthalt die Belastung durch Allergene vorübergehend verringert.
Was nach der Rückkehr bleibt
Der Artikel weist weiter oben darauf hin, dass sich die Besserung häufig noch Wochen oder Monate nach der Rückkehr feststellen lässt. Dauerhaft ist sie damit nicht: Zu Hause wirken die alten Auslöser wieder, und viele Beschwerden kehren allmählich zurück. Der Nutzen einer Klimatherapie entscheidet sich deshalb weniger vor Ort als danach.
Übertragbar sind vor allem die Dinge, die während des Aufenthalts gelernt wurden – die Hautpflege, der Umgang mit dem Inhalationsgerät, das frühzeitige Erkennen einer Verschlechterung, ein regelmäßiges Bewegungsprogramm. Sinnvoll ist außerdem, den Abschlussbericht zeitnah in der behandelnden Praxis zu besprechen und zu klären, wie es mit der Medikation weitergeht; die während des Aufenthalts vorgenommenen Anpassungen gelten nicht automatisch auch für zu Hause und werden ausschließlich in ärztlicher Absprache fortgeführt oder zurückgenommen.
Eine Wiederholung ist grundsätzlich möglich, setzt aber erneut Verordnung und Genehmigung voraus. Zwischen zwei Maßnahmen liegt in der Regel ein Mindestabstand, von dem der Kostenträger bei entsprechender Begründung abweichen kann. Auskunft dazu gibt die behandelnde Praxis gemeinsam mit dem Kostenträger.
Quellen
- Gutenbrunner, C., Hildebrandt, G. (Hrsg.): Handbuch der Balneologie und medizinischen Klimatologie.
ISBN: 9783642800481
- Kraft, K., Stange, R. (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren.
ISBN: 9783830453338
- Melchart, D., Brenke, R. (Hrsg.): Naturheilverfahren.
ISBN: 9783794526154
- Crevenna, R. (Hrsg.): Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation.
ISBN: 9783662490341
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446069
