Luftröhrenschnitt
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Beim Wort Luftröhrenschnitt haben viele Menschen schlimme Bilder vor Augen: Unfall, Notärzte, die um das Leben des Opfers kämpfen und es schließlich retten, indem sie ihm die Luftröhre öffnen. Das mag zwar dramatisch klingen, ist aber nach medizinischer Definition kein Luftröhrenschnitt, sondern Koniotomie.
Was ist ein Luftröhrenschnitt?
Ein Luftröhrenschnitt oder auch Tracheotomie wird in der Medizin dann angewendet, wenn ein Mensch über längere Zeit seine oberen Atemwege nicht benutzen kann oder soll.
Es kann sich dabei um einen zeitlich begrenzten und provisorischen Eingriff handeln, wie bei der Perkutanen Punktions- und Dilatationstracheotomie oder um eine dauerhafte Maßnahme, wenn etwa der Kehlkopf entfernt werden muss.
Die Punktionstracheotomie wird auf Intensivstationen auch als Alternative zur Intubation angewendet, also einer Beatmung mit einem Schlauch, der durch Mund oder Nase eingeführt wird.
Einsatz & Indikation
Ein Luftröhrenschnitt, medizinisch als Tracheotomie bezeichnet, wird durchgeführt, um eine freie Luftzufuhr in die Lunge sicherzustellen, wenn die normalen Atemwege blockiert oder eingeschränkt sind. Dieser Eingriff kann bei verschiedenen Erkrankungen oder in Notfallsituationen notwendig werden, in denen schnelles Handeln erforderlich ist, um eine ausreichende Atmung zu gewährleisten.
Die Hauptgründe für einen Luftröhrenschnitt sind unter anderem:
Blockaden der Atemwege: Dies kann durch Fremdkörper, Schwellungen, Tumore oder Verletzungen verursacht werden, die den Luftstrom durch Mund und Nase behindern.
Langzeitbeatmung: Bei Patienten, die aufgrund einer schweren Erkrankung oder eines Traumas über einen längeren Zeitraum künstlich beatmet werden müssen, kann ein Luftröhrenschnitt erforderlich sein, um die Beatmung zu erleichtern und das Risiko von Schäden an den oberen Atemwegen zu minimieren.
Angeborene Fehlbildungen der Atemwege: Manche angeborenen Fehlbildungen erfordern frühzeitig einen Luftröhrenschnitt, um eine angemessene Atmung zu ermöglichen.
Schwere Infektionen: Infektionen, die zu erheblichen Schwellungen im Halsbereich führen, wie etwa eine Epiglottitis oder eine fortgeschrittene Halsentzündung, können ebenfalls eine Tracheotomie notwendig machen.
Die Entscheidung zur Durchführung eines Luftröhrenschnitts hängt von der Dringlichkeit der Situation, den zugrunde liegenden Ursachen und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Ein solcher Eingriff kann sowohl geplant in einer kontrollierten medizinischen Umgebung als auch als Notfallmaßnahme bei akuten Atemwegsobstruktionen erfolgen. Die Tracheotomie ermöglicht es, die Atemwege direkt freizuhalten und stellt somit eine lebensrettende Maßnahme dar.
Vorteile & Nutzen
Ein Luftröhrenschnitt, oder Tracheotomie, bietet mehrere spezifische Vorteile gegenüber anderen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden bei der Sicherung der Atemwege. Diese Vorteile sind besonders bedeutsam in Fällen, in denen eine langfristige Beatmung oder die Überwindung von Atemwegsobstruktionen erforderlich ist.
Direkter Zugang zu den Atemwegen: Im Gegensatz zu Maskenbeatmung oder Intubation, die durch Mund oder Nase erfolgt, bietet die Tracheotomie einen direkten und stabilen Zugang zur Luftröhre. Dies erleichtert die Atmung, wenn die oberen Atemwege durch Verletzungen, Schwellungen oder Blockaden unpassierbar sind.
Komfort für Langzeitpatienten: Für Patienten, die langfristig beatmet werden müssen, ist ein Luftröhrenschnitt oft angenehmer als ein lange liegender Nasen- oder Mundtubus. Er verringert das Risiko von Nasen- und Rachenirritationen sowie von Druckschäden, die durch herkömmliche Tuben verursacht werden können.
Erleichterte Pflege und Hygiene: Ein Tracheostoma – die Öffnung in der Luftröhre – erleichtert die Reinigung und das Absaugen von Sekreten. Dies kann die Pflege erheblich erleichtern und das Risiko von Infektionen senken.
Verbesserte Sprach- und Schluckfunktion: Im Vergleich zu einer endotrachealen Intubation ermöglicht ein Luftröhrenschnitt möglicherweise eine bessere Kontrolle über Sprach- und Schluckfunktionen, sobald der Patient stabil ist. Dies ist besonders wichtig für die Lebensqualität und Rehabilitation.
Reduzierung von Sedierung: Patienten mit einem Luftröhrenschnitt benötigen häufig weniger Sedierung als solche mit einem Tubus durch Mund oder Nase, was das Bewusstsein und die Interaktion mit der Umgebung verbessern kann.
Insgesamt ermöglicht die Tracheotomie eine sicherere, bequemere und effektivere Langzeitbeatmung und Atemwegsmanagement, besonders bei kritisch kranken Patienten oder solchen, die aufgrund anatomischer oder krankheitsbedingter Gegebenheiten nicht anderweitig wirksam behandelt werden können.
Funktion, Wirkung & Ziele
Wenn nach einem Unfall Patienten ins Koma fallen oder ins künstliche Koma gelegt werden müssen, kann auch eine künstliche Beatmung notwendig werden. Wenn dies längere Zeit notwendig ist, dann bietet die Punktionstracheotomie einige Vorteile.
Mit einer Hohlnadel wird die Luftröhre punktiert, um später eine Atemkanüle einzuführen. Aufwändiger ist da schon die chirurgische Tracheotomie, bei der die Gewebebrücke zwischen den beiden Lappen der Schilddrüse zur Seite geschoben oder durchtrennt werden muss. Diese Maßnahme ist für längere Zeit angelegt, das bedeutet auch, dass die Trachealkanüle immer wieder gewechselt wird. Diese Art von Luftröhrenschnitt wird gelegt, wenn zum Beispiel die oberen Atemwege verlegt sind. Die Ursachen dafür können ganz unterschiedlich sein und von einem Insektenstich über Infektionskrankheiten bis zur Tumorbildung reichen. Auch eine Parkinsonerkrankung kann im fortgeschrittenen Stadium das Schlucken und die Atmung so beeinträchtigen, dass eine Tracheotomie notwendig wird.
In den meisten Fällen ist diese Art des Luftröhrenschnitts noch reversibel. Es hängt davon ab, wie lange es dauert, bis der Betroffene wieder gesund wird. Nach erfolgreicher Therapie wird die Luftröhre wieder geschlossen und der Patient kann wieder normal sprechen. Bei einem Luftröhrenschnitt, der durch eine Kehlkopfentfernung bedingt ist, geht das nicht mehr. Die Stimmbänder fehlen dann ganz; gesprochen wird stattdessen mit einer Ersatzstimme, die über ein eingesetztes Stimmventil, über die Speiseröhre oder mit einer elektronischen Sprechhilfe erzeugt wird. Der Eingriff wird dann auch nicht mehr Tracheotomie, sondern Tracheostomie genannt. Dieser Eingriff ist unumkehrbar. Der Patient muss das Sprechen wieder neu erlernen.
Die Tracheotomie bietet einige Vorteile gegenüber einer Intubation. So kann der Schlauch, der durch den Mund eingeführt wird, Stimmbänder und Luftröhre schädigen. Diese Gefahr fällt beim Luftröhrenschnitt weg. Vor allem aber kann der Patient normal essen oder sich die Zähne putzen, was mit einem Schlauch in Mund und Rachen schlechterdings unmöglich ist. Auch müssen weniger Schmerzmittel eingesetzt werden. Mit einem speziellen Aufsatz ist es dem Kranken sogar möglich zu sprechen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verkürzung des sogenannten Totraumes, also des Bereichs, der zwischen dem Eintritt der Luft in den Körper und dem Erreichen der Lunge liegt. Bei einem Luftröhrenschnitt wird diese Strecke deutlich verkürzt. Das bedeutet in der Realität, dass der Kraftaufwand für das Atmen nicht mehr so hoch ist. Der Patient atmet also leichter. Das spielt eine Rolle, wenn der Patient zuvor an ein Beatmungsgerät angeschlossen war und sich nun wieder an eine Eigenatmung gewöhnen muss.
Durchführung & Ablauf
Ein Luftröhrenschnitt, auch als Tracheotomie bezeichnet, ist ein chirurgischer Eingriff, der darauf abzielt, einen direkten Zugang zur Luftröhre zu schaffen. Der Prozess verläuft in mehreren Schritten, wobei sowohl die traditionelle chirurgische als auch die perkutane Technik angewandt werden können. Hier eine Beschreibung des Ablaufs einer chirurgischen Tracheotomie:
Vorbereitung: Der Patient wird in der Regel in Vollnarkose versetzt, obwohl in Notfällen auch eine lokale Betäubung zum Einsatz kommen kann. Der Halsbereich wird gereinigt und desinfiziert, um Infektionen zu vermeiden.
Schnitt: Der Chirurg macht einen horizontalen oder vertikalen Schnitt durch die Haut am unteren Teil des Halses. Die exakte Position hängt von der Anatomie des Patienten und der zugrunde liegenden Erkrankung ab.
Freilegen der Luftröhre: Die darunter liegenden Gewebeschichten, inklusive Muskeln und Weichteile, werden sorgfältig durchtrennt oder beiseitegeschoben, um die Luftröhre freizulegen.
Öffnen der Luftröhre: In der Luftröhre wird ein kleines Loch (Stoma) gemacht, das groß genug ist, um einen Trachealtubus oder eine Trachealkanüle einzuführen.
Einsetzen der Trachealkanüle: Eine Kanüle wird in das Stoma eingesetzt, um den Atemweg offen zu halten. Die Kanüle wird sicher befestigt, um ihre Position zu stabilisieren und eine kontinuierliche Luftzufuhr zu gewährleisten.
Abschluss des Eingriffs: Die Wundwinkel neben der Kanüle werden bei Bedarf mit Nähten versorgt; die Öffnung selbst bleibt frei und wird steril abgedeckt. Die korrekte Platzierung und Funktion der Trachealkanüle wird überprüft.
Die Operation dauert in der Regel etwa 30 bis 60 Minuten. Nach der Operation werden Patienten engmaschig überwacht, um sicherzustellen, dass sie stabil sind und gut atmen können. Eine regelmäßige Pflege und Kontrolle des Stomas sowie der Kanüle sind essentiell, um Komplikationen wie Infektionen oder Blockaden zu vermeiden.
Risiken & Gefahren
Bei allen Vorteilen gibt es auch einige Nachteile, die zu beachten sind. Dadurch dass die Atemluft nicht mehr durch Nase und Mund strömt, gelangen auch keine Geruchsstoffe mehr an die Riechschleimhaut. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die Riechfähigkeit stark nachlässt. Das Riechen hängt jedoch sehr eng mit dem Schmecken zusammen.
Menschen mit einem Luftröhrenschnitt riechen deshalb kaum noch. Die Riechschleimhaut selbst bleibt dabei unversehrt — es fehlt ihr nur der Luftstrom. Schmecken können sie zwar noch, allerdings ist auch das nur noch eingeschränkt möglich. Die Luft, die durch die Kehle fließt, ist auch noch für etwas anderes ungeheuer wichtig: für das Sprechen.
Es ist schließlich die Luft, die die Stimmbänder in Schwingung versetzt. Atmet der Mensch durch einen Luftröhrenschnitt, kommt keine Luft mehr an den Stimmbändern vorbei. Das Problem lässt sich mit einer sogenannten Sprechkanüle lösen; sie führt die Ausatemluft wieder über die Stimmbänder, sodass auch das Riechen und Schmecken teilweise zurückkehrt.
Weil die Atemluft die Nase umgeht, wird sie nicht mehr angewärmt, angefeuchtet und gefiltert. Die Schleimhaut der Luftröhre trocknet aus, das Sekret wird zäh und es bilden sich Borken, die die Kanüle verlegen können; dagegen werden Filteraufsätze eingesetzt, die Wärme und Feuchtigkeit der Ausatemluft zurückhalten. Als Eingriff selbst birgt der Luftröhrenschnitt zudem die Risiken von Blutung, Infektion, Verletzung benachbarter Strukturen und einer späteren Verengung der Luftröhre.
Alternativen
Wenn ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) nicht möglich oder nicht die bevorzugte Option ist, können Ärzte auf alternative Verfahren zurückgreifen, um die Atemwege eines Patienten zu sichern oder die Atmung zu unterstützen:
Endotracheale Intubation: Dies ist eine häufige Alternative zur Tracheotomie und beinhaltet das Einführen eines flexiblen Schlauches (Tubus) durch den Mund oder die Nase in die Luftröhre. Die Intubation wird häufig in Notfällen angewandt oder wenn eine kurzfristige Beatmung benötigt wird.
Nicht-invasive Beatmung (NIV): Techniken wie die CPAP (Continuous Positive Airway Pressure) oder die BiPAP (Bilevel Positive Airway Pressure) sind Optionen, die vor allem bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen oder in Situationen, in denen eine Intubation vermieden werden soll, genutzt werden. Diese Geräte unterstützen die Atmung durch Masken, die über Nase oder Mund und Nase passen.
Krikothyrotomie (Koniotomie): Dies ist ein Notfallverfahren, bei dem ein Schnitt durch die Haut und durch die Membran zwischen Schildknorpel und Ringknorpel des Kehlkopfs gemacht wird, um schnell einen Zugang zu den unteren Atemwegen zu schaffen. Dieses Verfahren wird typischerweise nur in lebensbedrohlichen Notfällen durchgeführt, wenn eine Tracheotomie oder Intubation nicht möglich ist.
Bronchoskopische Verfahren: Diese können eingesetzt werden, um Blockaden in den Atemwegen zu entfernen oder um die Atemwege zu beurteilen, bevor andere invasive Verfahren durchgeführt werden.
Sauerstofftherapie: Wenn die Probleme weniger schwerwiegend sind, kann eine Sauerstofftherapie ausreichend sein, um die Sauerstoffversorgung des Patienten sicherzustellen.
Jede dieser Alternativen hat spezifische Indikationen, Vorteile und Einschränkungen, abhängig von der medizinischen Situation und den Bedürfnissen des Patienten. Die Entscheidung für eine dieser Methoden hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der Dringlichkeit der Situation, des zugrunde liegenden Gesundheitszustands des Patienten und der Verfügbarkeit spezialisierter Ausrüstung und geschulten Personals.
Chirurgische und perkutane Technik im Vergleich
Die beiden gebräuchlichen Wege, einen Zugang zur Luftröhre zu schaffen, unterscheiden sich nicht nur im Aufwand, sondern auch im Ergebnis. Bei der perkutanen Punktions- und Dilatationstracheotomie wird die Luftröhre mit einer Nadel punktiert; über einen eingelegten Führungsdraht wird der Kanal anschließend schrittweise aufgedehnt, bis die Kanüle eingelegt werden kann. Der Eingriff lässt sich am Bett der Intensivstation durchführen, sodass ein kritisch kranker Patient nicht in den Operationssaal verlegt werden muss. Die gleichzeitige Kontrolle mit einem Endoskop von innen gilt dabei als unverzichtbar: Sie hält Lage und Tiefe der Punktion sichtbar, damit die Rückwand der Luftröhre unverletzt bleibt und die Kanüle nicht neben den Atemweg gerät. Vorausgehen soll außerdem eine Ultraschalluntersuchung der Halsweichteile, mit der sich der Verlauf von Gefäßen und Schilddrüse vor der Punktion darstellen lässt.
Die chirurgische Tracheotomie wird dagegen im Operationssaal angelegt, wobei die Luftröhre unter Sicht freipräpariert wird. Weil der Operateur dabei unter Sicht arbeitet, ist das Risiko des Eingriffs selbst geringer als beim Aufdehnen durch die Haut. Vorgezogen wird sie vor allem dann, wenn der Atemweg schwierig ist, wenn sich die Halsweichteile nicht mit Ultraschall beurteilen lassen oder wenn die endoskopische Begleitung nicht sichergestellt werden kann. Auch dann, wenn von vornherein feststeht, dass der Zugang lange bestehen bleiben soll, wird meist chirurgisch vorgegangen. Im Vergleich beider Wege treten schwerwiegende Komplikationen etwa gleich häufig auf; für das Vorgehen durch die Haut sind seltenere Wundinfektionen und weniger auffällige Narben beschrieben.
Für den weiteren Verlauf ist ein Unterschied wesentlich: Beim perkutanen Vorgehen entsteht ein reiner Punktionskanal, dessen Wände nicht mit der Haut vernäht werden. Wird die Kanüle nicht mehr benötigt, zieht sich ein solcher Kanal in der Regel von selbst zusammen und verschließt sich. Wird das Tracheostoma dagegen plastisch angelegt, also Haut und Luftröhre miteinander vernäht, bleibt die Öffnung dauerhaft bestehen und muss, wenn sie überflüssig wird, operativ verschlossen werden. Diese Bauart wird gewählt, wenn ein Zugang über lange Zeit oder auf Dauer gebraucht wird, weil sie den Kanülenwechsel erleichtert und das Risiko verringert, beim Wechsel den Weg in die Luftröhre zu verlieren.
Der Zeitpunkt des Eingriffs
Bei Menschen, die über längere Zeit maschinell beatmet werden müssen, stellt sich die Frage, wann der Wechsel vom Schlauch durch Mund oder Nase zum Zugang über den Hals sinnvoll ist. Der Gedanke dahinter: Ein lange liegender Tubus belastet Kehlkopf und Luftröhre, der Zugang über den Hals ist für den Patienten erträglicher und erleichtert die Entwöhnung vom Beatmungsgerät.
Ob ein früher Zeitpunkt das Überleben verbessert, ist trotz umfangreicher Untersuchungen offen geblieben. Eine große randomisierte Untersuchung fand keinen Unterschied in der Sterblichkeit zwischen einem frühen und einem späteren Eingriff, und auch zusammenfassende Auswertungen kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis; sie deuten allenfalls auf eine kürzere Beatmungsdauer und einen kürzeren Aufenthalt auf der Intensivstation hin. Eine deutsche Übersichtsarbeit rät deshalb ausdrücklich davon ab, grundsätzlich früh zu tracheotomieren, und verweist auf die Entscheidung im Einzelfall.
Diese Entscheidung richtet sich danach, wie sich die Grunderkrankung entwickelt, wie lange eine Beatmung voraussichtlich nötig sein wird, wie gut der Patient den Tubus verträgt und ob er Sekret aus eigener Kraft abhusten kann. Sie wird im Behandlungsteam getroffen und mit den Angehörigen besprochen, wenn der Patient selbst nicht entscheiden kann.
Leben mit der Trachealkanüle
Die Kanüle im Tracheostoma ist kein einheitliches Produkt. Es gibt Kanülen mit einem aufblasbaren Ballon, der die Luftröhre abdichtet und bei maschineller Beatmung sowie bei erheblicher Verschluckungsgefahr gebraucht wird, und Kanülen ohne diesen Ballon, die den Weg an den Stimmlippen vorbei wieder freigeben. Gefensterte Modelle besitzen zusätzlich eine Öffnung in der Vorderwand, durch die Atemluft nach oben strömen kann. Ein Sprechventil, das die Ausatemluft an den Stimmlippen vorbeilenkt, lässt sich nur bei vollständig entlastetem Ballon verwenden — bleibt die Luftröhre abgedichtet, könnte die Ausatemluft nicht entweichen. Viele Kanülen haben eine herausnehmbare Innenkanüle, die sich reinigen lässt, ohne dass der gesamte Zugang bewegt werden muss.
Zur täglichen Versorgung gehören das Absaugen von Sekret, die Reinigung der Innenkanüle, die Pflege der Haut rund um die Öffnung und der regelmäßige Wechsel der gesamten Kanüle. Damit die Atemluft nicht ungefiltert und trocken in die Luftröhre gelangt, werden Aufsätze verwendet, die Wärme und Feuchtigkeit der Ausatemluft zurückhalten und beim nächsten Atemzug wieder abgeben; umgangssprachlich heißen sie „feuchte Nase“. Ergänzend wird die Raumluft befeuchtet und auf ausreichende Trinkmengen geachtet, weil zähes Sekret die häufigste Ursache für eine verlegte Kanüle ist.
Der Alltag verlangt einige Anpassungen. Beim Duschen muss verhindert werden, dass Wasser in die Öffnung gelangt; dafür gibt es Duschschutzvorrichtungen. Schwimmen ist mit einem Tracheostoma nicht möglich, da Wasser unmittelbar in die Atemwege gelangen würde. Wer mit einer Kanüle nach Hause entlassen wird, wird zusammen mit den Angehörigen eingewiesen; häufig übernimmt ein Pflegedienst die Versorgung. Zu den Notfällen, auf die eine solche Einweisung vorbereitet, zählen das Verrutschen oder Herausgleiten der Kanüle und ihre Verlegung durch eingetrocknetes Sekret — beides führt binnen kurzer Zeit zu Atemnot. Eine Ersatzkanüle wird deshalb ständig griffbereit gehalten.
Rückkehr zur normalen Atmung
Solange der Zugang nicht dauerhaft angelegt wurde, ist das Ziel, ihn wieder aufzugeben. Voraussetzung dafür ist, dass der Grund für die Tracheotomie entfallen ist: Der Patient muss ausreichend selbst atmen, wach genug sein, kräftig genug husten, um Sekret allein herauszubefördern, und sicher schlucken können, ohne dass Speisen oder Speichel in die Atemwege geraten. Auch die oberen Atemwege müssen wieder frei durchgängig sein, was sich endoskopisch überprüfen lässt.
Der Rückbau erfolgt schrittweise. Der abdichtende Ballon wird entlastet, sodass Luft wieder an den Stimmbändern vorbeiströmt; anschließend wird auf kleinere Kanülen gewechselt oder die Kanüle zeitweise verschlossen, damit sich Atmung und Schlucken über den natürlichen Weg wieder einspielen. Verträgt der Patient diese Belastungsprobe über einen ausreichenden Zeitraum, wird die Kanüle entfernt und die Öffnung mit einem Verband abgedeckt. Ein Punktionskanal schließt sich danach meist von allein, ein plastisch angelegtes Tracheostoma wird operativ verschlossen.
Stimme und Schlucken sind unmittelbar danach häufig noch schwach, weil beides längere Zeit nicht gebraucht wurde. Hier setzt die Logopädie an, die schon während der Zeit mit der Kanüle einbezogen wird: Sie prüft die Sicherheit des Schluckens, übt den Umgang mit dem Sprechventil und begleitet den Übergang zurück zur Atmung über Mund und Nase. Sobald die Atemluft wieder ihren gewohnten Weg durch die Nase nimmt, bessern sich in aller Regel auch Riechen und Schmecken, denn die Riechschleimhaut selbst hat in der Zwischenzeit keinen Schaden genommen.
Quellen
- Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
ISBN: 9783662581773
- Gürkov, R.: Basics Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.
ISBN: 9783437413735
- Striebel, H. W.: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin.
ISBN: 9783132431041
- Larsen, R.: Anästhesie.
ISBN: 9783437225123
- Hoffmann, H., Ludwig, C., Passlick, B. (Hrsg.): Thoraxchirurgie.
ISBN: 9783662591451
