MERS-CoV
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das MERS-Corona-Virus (MERS-CoV) zählt zu den Coronaviridae und wurde 2012 erstmals in Saudi-Arabien identifiziert. Das Virus kann an menschliche Lungenzellen andocken, ist aber von Mensch zu Mensch nur schwach ansteckend. Der Krankheitsverlauf nach der Infektion reicht von nahezu symptomlos über leichte Erkältungserscheinungen bis hin zu tödlichem Verlauf. Eine sichere antivirale Therapie existiert (noch) nicht. Das Virus wurde mittlerweile in viele weitere Länder verschleppt, ohne bisher eine Pandemie ausgelöst zu haben. Der größte Ausbruch außerhalb der Arabischen Halbinsel ereignete sich 2015 in Südkorea, wo sich in Krankenhäusern 186 Menschen ansteckten.
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Was ist eine MERS-CoV Infektion?
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Über Abgleich des viralen Genoms mit den Nukleotid-Sequenzen bekannter Coronaviren stellte sich heraus, dass das MERS-CoV zur Gattung der Betacoronaviren gerechnet werden muss und dass sein Genom bisher noch nicht bekannt und klassifiziert war. Das Virus ist erstmals 2012 in Saudi-Arabien identifiziert worden. MERS-CoV ist nicht mit SARS-CoV-2 zu verwechseln, dem Erreger von COVID-19: Beide gehören zwar zu den Betacoronaviren, MERS-CoV überträgt sich von Mensch zu Mensch jedoch weit schlechter, verläuft dafür aber deutlich häufiger tödlich. Am 15. Mai 2013 wurde dem Virus durch die dafür zuständige internationale Kommission offiziell der Name MERS-CoV zugewiesen.
Coronaviridae verfügen mit teilweise über 30.000 Nukleotiden über die längsten Genome innerhalb der RNA-Viren, was auf eine hohe Stabilität des Genoms hindeutet und damit auf eine nur geringe Anfälligkeit für Mutationen. Das spielt eine große Rolle in der Abschätzung, ob und wie schnell sich das MERS-CoV an den neuen Wirt Mensch durch Mutationen anpassen kann. Wie die Varianten von SARS-CoV-2 gezeigt haben, können sich Coronaviren dennoch merklich verändern.
Ursachen
Nach Untersuchungen von 2013 zeigte sich, dass bei einzelnen Herden auf der Arabischen Halbinsel bis zu 74 Prozent der Tiere Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Dromedare, die selbst nur milde Symptome nach einer Infektion mit MERS-CoV zeigen, bilden ein großes tierisches Reservoir. Der Sprung des Virus vom Dromedar zum Menschen kann bei Menschen, die sich in engem Kontakt mit den Tieren befinden, durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion erfolgen. Ein weiterer Übertragungsweg könnte im Genuss der im arabischen Raum sehr beliebten Kamelmilch liegen, wenn sie unbehandelt, also nicht pasteurisiert ist. Die Übertragung von Mensch zu Mensch bleibt insgesamt begrenzt; sie ereignete sich bisher fast ausschließlich bei sehr engem Kontakt, vor allem bei Krankenhausausbrüchen unter Personal, Mitpatienten und Angehörigen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Inkubationszeit nach einer Infektion beträgt meist weniger als eine Woche, kann aber auch bis zu zwölf Tage betragen. Die ersten Symptome ähneln denen einer viralen Erkältung mit Husten, Auswurf und Fieber. Bei Menschen mit geschwächtem oder unterdrücktem Immunsystem kann sich etwa in der zweiten Woche eine Lungenentzündung (Pneumonie) mit akuter Atemnot einstellen.
In schweren Verläufen kommt es zu Durchfall und es wurden auch Niereninsuffizienzen beobachtet. Gemäß Statistiken der saudischen Gesundheitsbehörde mit Stand 01. Juni 2015 wurden seit September 2012 insgesamt 1.150 labordiagnostisch bestätigte Infektionen gemeldet, von denen 427 einen tödlichen Verlauf hatten. Inzwischen sind der Weltgesundheitsorganisation weltweit rund 2.600 bestätigte Fälle mit etwa 950 Todesfällen gemeldet worden; damit endet etwa ein Drittel der bestätigten Erkrankungen tödlich.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Ein erster Verdacht auf eine Infektion mit dem MERS-CoV stellt sich bei Personen ein, die nach einer Reise in Risikogebiete oder nach einem Kontakt mit infizierten Personen unter Symptomen wie Husten, Fieber und Atembeschwerden leiden. In obigen Fällen sollte diagnostisch abgeklärt werden, ob eine MERS-CoV-Infektion vorliegt. Die Arztpraxis oder Klinik ist vorab telefonisch zu informieren, damit Schutzmaßnahmen getroffen werden können; bestätigte Fälle sind meldepflichtig und werden isoliert behandelt.
Zum direkten Nachweis des MERS-Virus wird die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion herangezogen, bei der die Erbsubstanz des Virus – wenn er in der Probe vorhanden ist – unter labormäßigen Bedingungen (in vitro) vervielfältigt wird und bestimmte Nukleotidsequenzen mit denen des MERS-Virus verglichen werden können. Als Ausgangsmaterial dienen Rachenabstriche oder Material aus einer Luftröhrenspülung (bronchoalveoläre Lavage). Verfahren zum Nachweis von Antikörpern, die spezifisch auf das MERS-Virus hindeuten, sind nur in eingeschränktem Maße verfügbar.
Komplikationen
Auch eine Lungenentzündung kann dabei auftreten und die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern. Nicht selten kommt es ohne Behandlung auch zu einer Niereninsuffizienz, die unbehandelt schließlich auch zum Tode des Patienten führen kann. Die Betroffenen sind dann vorübergehend auf eine Dialyse angewiesen.
Durch die Atembeschwerden kann es auch zu einem Bewusstseinsverlust kommen, bei welchem sich die Betroffenen durch einen Sturz möglicherweise verletzen können. Eine gegen das Virus selbst gerichtete Behandlung gibt es nicht; Antibiotika wirken ausschließlich gegen bakterielle Zusatzinfektionen. Schwere Verläufe müssen auf einer Intensivstation behandelt werden, wobei etwa ein Drittel der bestätigten Erkrankungen tödlich endet. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Leidet der Betroffene unter einem anhaltenden Husten, Auswurf oder einem Reizgefühl im Hals, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu Störungen der Atemtätigkeit, stellt sich Atemnot ein oder erwacht der Betroffene plötzlich während des Nachtschlafes aufgrund eines Sauerstoffmangels, benötigt er ärztliche Hilfe. Bei schwerer Atemnot, blau verfärbten Lippen oder einer Bewusstseinstrübung ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Bei einem Angsterleben, Herzrasen oder einer Störung des Herzrhythmus ist ein Arzt zu konsultieren. Fieber, Schmerzen oder ein trockenes Gefühl im Rachen sind weitere Hinweise, denen nachgegangen werden sollte.
Halten die Unregelmäßigkeiten über mehrere Tage unvermindert an oder nehmen sie allmählich an Intensität zu, wird ein Arzt benötigt. Bei Beschwerden des Darmtraktes besteht ebenfalls Anlass zur Besorgnis. Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald es zu Durchfall, Schmerzen im Unterleib oder ungewöhnlichen Darmaktivitäten kommt. Störungen beim Wasserlassen sind zusätzliche Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, die beobachtet werden muss. Kommt es zu einer verminderten Urinmenge, Schmerzen in der Nierenregion oder Verfärbungen des Urins, muss ein Arztbesuch stattfinden.
Besonders gefährdet sind Menschen, die in arabischen Ländern leben oder von einem dortigen Aufenthalt zurückkehren. Da es sich bei dem MERS-CoV um eine Viruserkrankung handelt, können jedoch auch Menschen die beschriebenen Symptome zeigen, die in einem unmittelbaren körperlichen Kontakt zu Personen standen, die sich in der Region aufgehalten haben.
Behandlung & Therapie
Mit Stand Mitte 2015 existiert noch keine erprobte antivirale Therapie zur direkten Bekämpfung des MERS-CoV, so dass die Behandlungen auf Linderung der Symptome und auf Stärkung des körpereigenen Immunsystems abzielen. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Ein zugelassenes Medikament gegen MERS-CoV gibt es nach wie vor nicht, schwere Verläufe werden intensivmedizinisch mit Sauerstoffgabe und gegebenenfalls künstlicher Beatmung behandelt. Wichtig ist dabei eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Vermeidung einer bakteriellen Sekundärinfektion, die durch Gabe bestimmter Antibiotika minimiert werden kann.
Es werden mehrere Therapiemöglichkeiten diskutiert, die evtl. auf eine verminderte Replikation des Virus Einfluss haben. Eine derartige Wirkung wird von einer Kombination aus Interferon alfa-2b und Ribavirin erhofft. In Studien ließ sich für diese Kombination bislang allerdings kein eindeutiger Nutzen belegen. Während das Interferon der Unterstützung der körpereigenen Interferonsynthese dient, handelt es sich bei dem Ribavirin um ein Virostatikum, das bei bestimmten Virusinfektionen eingesetzt wird. Ein interessanter theoretischer Ansatz, der bereits in Tierexperimenten erfolgreich war, besteht in der Gabe von Immunglobulinen, die aus dem Serum infizierter Dromedare gewonnen werden.
Aussicht & Prognose
Die Infektionserkrankung hat bei Menschen mit einem grundsätzlich stabilen Immunsystem und ohne weitere Vorerkrankungen eine gute Prognose. In einigen Fällen kann auch eine Heilung stattfinden, ohne dass eine ärztliche Versorgung eingeleitet wird. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Betroffene Maßnahmen der Selbsthilfe einleitet und ein gesundes körpereigenes Abwehrsystem hat. Ohne eine gleichzeitige ausreichende Ruhe und Schonung des Organismus ist mit einer Zunahme der Beschwerden zu rechnen. Da MERS-CoV meldepflichtig ist und schwer verlaufen kann, gehört jeder Verdachtsfall dennoch ärztlich abgeklärt.
In einer medikamentösen Therapie wird das Immunsystem durch die Gabe bestimmter Wirkstoffe unterstützt. Ein Medikament, das das Virus abtötet, gibt es dagegen nicht; die Behandlung stützt Atmung und Kreislauf, bis das Immunsystem den Erreger selbst überwunden hat. Innerhalb weniger Tage ist bei leichten Verläufen bereits eine erhebliche Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands zu dokumentieren. Eine Genesung erfolgt dann binnen weniger Wochen.
Die Prognose verschlechtert sich, wenn die Erkrankung in einem sehr späten Stadium diagnostiziert wird und weitere Vorerkrankungen vorliegen. Der Krankheitserreger hat sich bereits stark ausgebreitet und schwächt die allgemeine Gesundheit. Es kann zur Entwicklung einer Lungenentzündung kommen, die unbehandelt eine potentielle Lebensgefährdung für den Betroffenen birgt. Liegen Störungen der Atemwege vor, ist mit einer zusätzlichen Verschlechterung der Gesundheit zu rechnen. Treten Komplikationen auf, kann es auch zu einem vorzeitigen Ableben des Betroffenen kommen.
Vorbeugung
Vorbeugende Maßnahmen vor einer Infektion für Personen, die sich in Risikogebieten aufhalten, bestehen in erster Linie in der Beachtung besonderer Hygienevorschriften und in der Vermeidung bestimmter Lebensmittel wie rohe Kamelmilch. Das MERS-Virus kann bereits durch Händewaschen und Waschen der Kleidung unschädlich gemacht werden und ist von Mensch zu Mensch nicht besonders ansteckend.
Für Menschen, die sich in Kontakt mit infizierten Personen befinden, empfehlen sich zusätzlich wirksame Atemschutzmasken der Klasse FFP 2 oder FFP 3, um Infektionen durch eingeatmete Aerosole zu vermeiden. Hilfreich ist es, wenn auch die infizierte Person eine Atemschutzmaske tragen kann. An der Entwicklung eines Impfstoffs zur Immunisierung arbeiten international mehrere Institute. Mit Stand Mitte 2015 existiert noch kein wirksamer Impfstoff. Auch heute ist für den Menschen kein Impfstoff zugelassen; mehrere Kandidaten befinden sich in der klinischen Prüfung.
Nachsorge
Bei einer Coronavirus-Infektion durch den MERS-Virus stehen dem Betroffenen meist keine Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. Der Patient ist dabei in erster Linie auf eine frühzeitige Diagnose angewiesen, damit weitere Komplikationen verhindert werden können. Je früher die Coronavirus-Infektion erkannt wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf der Behandlung.
Unbehandelt können sich schwerwiegende Komplikationen einstellen. Strikte Bettruhe und die Vermeidung von übermäßigen Anstrengungen oder von körperlichen Aktivitäten sind angeraten, um den Körper nicht unnötig zu belasten. In einigen Fällen ist auch die Hilfe oder die Unterstützung der eigenen Familie und der Freunde sehr hilfreich, um den Betroffenen zu entlasten.
Der Kontakt zu anderen Menschen sollte während der akuten Nachsorgephase jedoch gering gehalten werden, damit es nicht zu einer Ansteckung kommt. Sollte es durch die Einnahme der Medikamente nicht zu einer Besserung kommen, ist es ratsam, umgehend einen Arzt aufzusuchen, da die Coronavirus-Infektion im schlimmsten Fall auch tödlich verlaufen kann. Etwa ein Drittel der bestätigten Erkrankungen endet tödlich, vor allem bei älteren Menschen und bei Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Niereninsuffizienz. Wer die Infektion übersteht, kann nach einer schweren Lungenentzündung noch längere Zeit unter verminderter Belastbarkeit leiden.
Das können Sie selbst tun
Bei MERS-CoV stehen dem Betroffenen einige Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Verfügung. Antibiotika wirken nicht gegen das Virus; sie werden nur verordnet, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion vorliegt, und müssen dann genau nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden. Um andere Menschen nicht anzustecken, sollten Betroffene engen Kontakt meiden und im Beisein anderer eine Maske tragen. Bei der Einnahme von Antibiotika sollten mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten in Betracht gezogen werden, daher ist die regelmäßige Konsultation eines Arztes anzuraten. Auf den Genuss von Alkohol ist dabei strikt zu verzichten.
Weiterhin sollte der Betroffene bei MERS-CoV keine anstrengenden Tätigkeiten ausüben und den Körper im Allgemeinen nicht unnötig belasten. Bettruhe wirkt sich dabei sehr positiv auf den Krankheitsverlauf aus und kann die Beschwerden lindern.
Da die Erkrankung allerdings auch einen tödlichen Verlauf nehmen kann, sollte sie immer von einem Arzt behandelt werden, wobei auch ein stationärer Aufenthalt notwendig sein kann.
Die erkältungsähnlichen Symptome können dabei mit den gewöhnlichen Hausmitteln gelindert werden. Gegen Husten und Halsschmerzen helfen Halstabletten und Tees. Der Patient sollte auf die Einnahme von genügend Flüssigkeit achten, vor allem wenn MERS-CoV zu Durchfall führen sollte. Im Falle einer Niereninsuffizienz ist allerdings eine Dialyse notwendig. Sollte MERS-CoV zu psychischen Beschwerden führen, so helfen dabei Gespräche mit den engsten Freunden oder mit den Angehörigen.
Siehe auch: COVID-19
Quellen
- Modrow, S., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
ISBN: 9783662617809
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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- Salzberger, B. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Infektionskrankheiten und Impfungen.
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- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin. Reisemedizin – Globale Gesundheit.
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- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
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