Malassimilationssyndrom


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 20. August 2018
Kategorie: Krankheiten

Hinter dem Malassimilationssyndrom wird eine ungenügende Aufnahme und Speicherung von Nährstoffen verstanden, deren Ursachen vielfältig sind. Meist wird eine Symptombekämpfung durch individuelle Therapie zur Behandlung ursächlicher Faktoren ergänzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Malassimilationssyndrom?

Das Malassimilationssyndrom beruht bei Betroffenen auf der Tatsache, dass aufgenommene Nährstoffe nicht in ausreichendem Maß verwertet werden können.

In der Regel drückt sich das Malassimilationssyndrom durch charakteristische Symptome wie starken Durchfall und den Verlust von Körpergewicht aus. Der für das Malassimilationssyndrom typische Durchfall wird in der Medizin auch als sogenannter Fettstuhl bezeichnet; dieser Stuhlgang weist eine lehmartige, glänzende Konsistenz auf und zeichnet sich in der Regel durch seinen charakteristisch scharfen Geruch aus.

Da vom Malassimilationssyndrom Betroffene in der Regel mehrmals täglich größere Mengen Stuhl ausscheiden, stellen sich in der Folge häufig Mangelerscheinungen ein; so fehlen dem Organismus etwa benötigte Mineralstoffe, Vitamine und/oder Eiweiße. Entsprechende, durch ein Malassimilationssyndrom hervorgerufene, Mangelerscheinungen führen in vielen Fällen zu Leistungsabfällen und Müdigkeit bei betroffenen Patienten.

Ursachen

Ein vorliegendes Malassimilationssyndrom kann verschiedene Ursachen haben. So können beim Betroffenen beispielsweise Verdauungsenzyme fehlen, die zur Verwertung aufgenommener Nahrung benötigt werden; ist infolge dessen nur eine eingeschränkte Verdauung möglich, wird dies in der Medizin auch als sogenannte Maldigestion bezeichnet.

Hinter einer eingeschränkten Produktion von Verdauungssäften können sich in diesem Zusammenhang etwa Entzündungen oder Entfernungen der Bauchspeicheldrüse verbergen. Infolge von Lebererkrankungen oder Gallensteinen sowie von Dünndarmerkrankungen kann schließlich auch ein Mangel an (zur Verdauung benötigter) Gallensäure zum Malassimilationssyndrom führen.

Entstehen kann ein Malassimilationssyndrom darüber hinaus auch, wenn der Organismus eines Betroffenen Nährstoffe zwar spalten, aber nicht aufnehmen kann. Möglich ist dies beispielsweise aufgrund von Infekten bzw. chronischen Entzündungen des Darms, bösartigen Erkrankungen des Dünndarms, einer gestörten Darmdurchblutung oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie etwa der Glutenunverträglichkeit.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome eines Malassimilationssyndroms sind vielfältig und unspezifisch. Auf welche Weise es sich zeigt, hängt vor allem von der konkreten Ursache ab. Grundsätzlich macht sich das Malassimilationssyndrom zumeist durch Störungen im Bereich der Verdauung bemerkbar. Dabei zeigt sich oftmals der Stuhl als besonders auffällig. Dieser kann übel riechend und voluminös sein.

Einige Betroffene leiden unter chronischem Durchfall. In manchen Fällen kommt es zu so genannten Fettstühlen, die hell, schmierig und übel riechend sind. Häufig kommt es zu Blähungen. Seltener tritt Verstopfung auf. Vor allem bei einem beginnenden Malassimilationssyndrom kann eine Vielzahl diffuser Verdauungsbeschwerden auftreten.

Dazu gehören etwa Bauchschmerzen, Magenschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit und Erbrechen. Die Beschwerden können sich entweder direkt nach dem Essen oder erst später bemerkbar machen. In manchen Fällen treten sie nur nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel auf. Bei einem fortgeschrittenen Malassimilationssyndrom kommen weitere Symptome wie etwa Muskelschwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder ein allgemeiner Leistungsknick hinzu.

Bedingt durch die Verdauungsstörungen macht sich in der Regel ein Gewichtsverlust bemerkbar. Durch die gestörte Nahrungsaufnahme kommt es zudem zu Mangelerscheinungen. Häufige Symptome sind dabei Haarausfall, Wundheilungsstörungen, Anämie, Mundwinkelrhagaden Muskelschwund, Tetanie (Übererregbarkeit von Muskeln und Nerven), neurologische Störungen, Ödeme, Gerinnungsstörungen, Blutungsneigung, Nachtblindheit sowie trockene Haut und Schleimhäute.

Diagnose & Verlauf

Aufgrund der vergleichsweise unspezifischen Symptome eines Malassimilationssyndrom und der vielfältigen Ursachen, die sich hinter dem Syndrom verbergen können, bedarf es meist verschiedener Untersuchungen, um eine entsprechende Diagnose zu stellen.

Mögliche Untersuchungsmethoden umfassen hier beispielsweise die Sonografie (umgangssprachlich auch als Ultraschalluntersuchung bezeichnet) oder die Computertomografie, um Bereiche des Bauchraums bildlich darzustellen. Auch Untersuchungen von Stuhl und Blut eines Betroffenen können Hinweise auf ein vorliegendes Malassimilationssyndrom geben. Je nach vermuteter Ursache der Erkrankung können auch Entnahmen von Gewebe spezifischere diagnostische Aussagen ermöglichen.

Welchen Verlauf ein Malassimilationssyndrom beim Einzelnen nimmt, ist vor allem abhängig von den Erkrankungsursachen und von den Möglichkeiten, eine entsprechende Ursache medizinisch zu behandeln. Ist eine Behebung der ursächlichen Faktoren eines Malassimilationssyndroms nicht möglich, richtet sich der Verlauf des Syndroms unter anderem nach dem Erfolg einer symptomatischen Behandlung.

Komplikationen

In erster Linie leiden die Betroffenen durch das Malassimilationssyndrom an Störungen der Verdauung und damit an Beschwerden im Magen und im Darm. Es kommt dabei zu starkem Durchfall und in der Regel auch zu Blähungen. Weiterhin leiden die Patienten auch an einem starken Gewichtsverlust, welcher sich im Allgemeinen sehr negativ auf die Gesundheit des Patienten auswirkt.

Durch das Malassimilationssyndrom kommt es auch zu einer Abgeschlagenheit, die eine ständige Müdigkeit des Patienten bewirkt. Auch die Belastbarkeit des Betroffenen wird durch diese Krankheit deutlich verringert, sodass es zu verschiedenen Einschränkungen im Alltag kommt. Weiterhin führt das Malassimilationssyndrom auch zu einem Mangel an Vitaminen und an Mineralien. Daraus können sich verschiedene Komplikationen und Beschwerden einstellen, welche sich sehr negativ auf die Gesundheit des Patienten auswirken.

In der Regel findet immer eine kausale Behandlung des Malassimilationssyndroms statt. Weiterhin kann der Mangel an Nährstoffen auch durch verschiedene Lösungen ausgeglichen werden. Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Dabei kommt es allerdings nicht in jedem Fall zu einem positiven Krankheitsverlauf. Weiterhin kann auch die Lebenserwartung des Patienten durch diese Beschwerde eingeschränkt sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die unter einer nicht erklärbaren Gewichtsabnahme leiden, sollten einen Arzt konsultieren. Kommt es zu Störungen der Verdauung, einer Geräuschentwicklung im Darm oder zu Durchfall, wird ein Arzt zur Abklärung der Ursache benötigt. Bei Fettstuhl, Verstopfungen oder Schmerzen beim Toilettengang sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ein Schmerzerleben im Bauch ist ebenfalls ärztlich untersuchen und behandeln zu lassen. Halten die Beschwerden über mehrere Tage an, liegt eine gesundheitliche Beeinträchtigung vor, die einer medizinischen Versorgung bedarf. Die Einnahme von Schmerzmedikamenten ist zur Vorbeugung vor möglichen Komplikationen grundsätzlich nur in Rücksprache mit einem Arzt vorzunehmen.

Setzt ein Abbau der gewohnten Muskelkraft ein, kommt es zu einer Leistungsschwäche oder leidet der Betroffene unter Abgeschlagenheit, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen sind Hinweise auf eine Unregelmäßigkeit. Treten darüber hinaus Beschwerden wie Sodbrennen, Störungen der Wundheilung oder diffuse Mangelerscheinungen auf, ist ein Arztbesuch erforderlich. Ein Ausfall der Haare, Veränderungen der Sehkraft oder des Hautbildes sind ärztlich abklären zu lassen. Bei Einrissen der Mundwinkel, der Entwicklung von Ödemen sowie einer Neigung zu starken Blutungen bei leichten Verletzungen wird ein Arzt benötigt. Symptome wie Unwohlsein, ein Krankheitsgefühl und eine innere Unruhe sind einem Arzt vorzustellen, sobald sie über mehrere Tage oder Wochen anhalten.

Behandlung & Therapie

Therapeutische Maßnahmen, mit denen einem Malassimilationssyndrom zu begegnen ist, sind zunächst zu unterscheiden nach Interventionen, die die Ursache des Syndroms bekämpfen, und solchen Maßnahmen, die der Linderung auftretender Symptome dienen.

Im Rahmen einer Symptombekämpfung bei vorliegendem Malassimilationssyndrom erfolgt beispielsweise häufig eine Regulation des körpereigenen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts (bei Elektrolyten handelt es sich um vom Organismus benötigte Stoffe wie etwa Salze und Mineralstoffe); Ziel dieses Therapiebausteines ist es, Verlusten entgegenzuwirken, die beim Betroffenen durch den krankheitstypisch starken Durchfall entstehen. Dem Ausgleich symptomatischer Mangelzustände bei vom Malassimilationssyndrom Betroffenen dient darüber hinaus eine ergänzende Gabe von Nährstoffen wie beispielsweise Vitaminen.

Eine symptomatische Syndrombekämpfung geht in der Regel mit begleitenden, ursächlichen Behandlungsschritten einher; erfolgende Therapieschritte orientieren sich dabei am individuellen Beschwerdebild, das zu einem Malassimilationssyndrom geführt hat. Liegen einem Syndrom beispielsweise Gallensteine zugrunde, so können diese auf verschiedene Weise entfernt werden. Entzündliche Darmerkrankungen oder Durchblutungsstörungen des Darms sind je nach Einzelfall und medizinischer Einschätzung etwa medizinisch zu kontrollieren.

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Vorbeugung

Faktoren wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder chronischen Darmerkrankungen, die zu einem Malassimilationssyndrom führen können, ist in der Regel nur eingeschränkt vorzubeugen. Liegen bei einem Betroffenen allerdings entsprechende Grunderkrankungen vor, so können in vielen Fällen frühzeitige und fachkundige Behandlungs- bzw. Interventionsschritte dazu beitragen, ein auftretendes Malassimilationssyndrom zu verhindern; bei bereits vorliegendem Malassimilationssyndrom können entsprechende Behandlungsschritte einer Symptomverschlimmerung entgegenwirken.

Das können Sie selbst tun

Patienten mit dem Malassimilationssyndrom leiden unter den diffusen Symptomen der Krankheit und damit verbunden unter einer verringerten Lebensqualität. Selbsthilfemaßnahmen sind nicht ausreichend, da die Erkrankung dringend eine professionelle medizinische Therapie erfordert. Deshalb wenden sich die Patienten im eigenen gesundheitlichen Interesse an einen Arzt. Die Diagnose gestaltet sich oft langwierig, da die Beschwerden relativ unspezifisch sind und die Krankheit außerdem einer bestimmten Grunderkrankung folgt. Wichtig ist also, dass die Patienten Geduld üben und weitere Untersuchungen durchführen lassen, bis eine genaue Diagnose gestellt ist.

Der Arzt verschreibt je nach Einzelfall unterschiedliche Nährstoffe, Medikamente oder Elektrolyte zur Einnahme. Dabei befolgt der Patient die medizinischen Hinweise, um die Therapie erfolgreich durchzuführen. Generell unterstützt eine gesunde Lebensführung den körperlichen Zustand sowie das Wohlbefinden der Betroffenen. Dazu gehört insbesondere der Verzicht auf Tabak und Alkohol, da diese Genussmittel dem Organismus weitere Nährstoffe entziehen.

Um die Leistungsfähigkeit des Patienten zu verbessern, konsultiert dieser einen professionellen Ernährungsberater. In enger Anlehnung an die individuelle Diagnose entwickelt dieser einen Diätplan für den Patienten. Ziel dieses Planes ist die bestmögliche Versorgung mit relevanten Nährstoffen durch die tägliche Ernährung. Leichte sportliche Aktivitäten unterstützen das körperliche Wohlbefinden und die seelische Stabilität des Patienten.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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