Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Zöliakie, besser bekannt als Glutenunverträglichkeit oder einheimische Sprue, bezeichnet eine Autoimmunerkrankung der Dünndarmschleimhaut. Umgangssprachlich ist auch von einer „Glutenallergie“ die Rede. Dieser Begriff ist jedoch irreführend, denn die Zöliakie ist keine Allergie: Von ihr zu unterscheiden sind die echte Weizenallergie und die nicht-zöliakische Glutensensitivität.
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Was ist Zöliakie?
Zöliakie bzw. Glutenunverträglichkeit ist genetisch bedingt und die betroffenen Menschen haben diese Erkrankung ihr Leben lang.
Sie kann bereits im Kindesalter oder auch erst im Erwachsenenalter auftreten.
Umwelteinflüsse wie Stress und Infektionskrankheiten können eine Zöliakie begünstigen.
Gluten ist in vielen Getreidearten vorhanden, wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Malz, Hafer oder Grünkern.
Hafer wurde lange pauschal zu den glutenhaltigen Getreiden gezählt. Nach heutigem Kenntnisstand vertragen die meisten Betroffenen reinen, nicht mit anderem Getreide verunreinigten Hafer in üblichen Mengen; im Handel ist er eigens als glutenfreier Hafer gekennzeichnet.
Früher wurde unter Medizinern diskutiert, ob nicht auch ein fehlendes Enzym die Ursache für Zöliakie sein kann. Nach heutigem Kenntnisstand beruht die Erkrankung dagegen auf einer Fehlreaktion des Immunsystems bei entsprechender erblicher Veranlagung.
Ursachen
Es kommt dann zu einer Überreaktion des Immunsystems, die sich anders als bei einer Allergie gegen körpereigenes Gewebe richtet. Durch die ständige Abwehrreaktion des Immunsystems gegen das Gluten treten in der Folge Dünndarmschleimhautentzündungen auf.
Bei einem gesunden Menschen vergrößert sich die Oberfläche der Dünndarmschleimhaut durch zahlreiche Schleimhautfalten (Dünndarmzotten), dies sorgt für eine vollständige Aufnahme der Nährstoffe aus unserem Essen in das Blut.
Die Zöliakie schädigt hierbei die Zotten der Dünndarmschleimhaut und diese flachen ab. Bei fortschreitender Zöliakie bilden sich die Dünndarmzotten komplett zurück. Die Nährstoffe können nicht mehr ausreichend aufgenommen und in das Blut transportiert werden. Dadurch können diverse Mangelerscheinungen auftreten.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Zöliakie äußert sich in einer Vielzahl unspezifischer Symptome, die sich von Patient zu Patient beträchtlich unterscheiden können. Mediziner nennen die Krankheit daher „Chamäleon der Gastroenterologie“. Erste Anzeichen sind Verdauungsstörungen wie krampfartige Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung nach dem Genuss glutenhaltiger Speisen.
Zu den am häufigsten auftretenden Beschwerden zählen Gewichtsabnahme, Aufgeblähtheit, Übelkeit und Erbrechen. Oft klagen Betroffene auch über Appetitlosigkeit und Sodbrennen. Bei über 50 Prozent der Zöliakie-Patienten treten Symptome auf, die nicht den Gastrointestinaltrakt betreffen.
Durch die Malabsorption im Dünndarm leiden Erkrankte unter einem Eisenmangel, der Blässe, Müdigkeit und Blutarmut zur Folge hat. Auch die Psyche kann bei dieser immunologischen Erkrankung des Dünndarms in Mitleidenschaft gezogen sein: Manche Betroffene leiden unter Reizbarkeit, Übellaunigkeit, Angstzuständen oder Depressionen.
In direktem ursächlichen Zusammenhang mit der Zöliakie steht die Dermatitis herpetiformis Duhring. Sie ist eine chronische blasenbildende Hauterkrankung, die mit quälendem Juckreiz einhergeht. Der Ausschlag betrifft vor allem die Streckseiten der Extremitäten, Knie und Ellbogen, die behaarte Kopfhaut und das Gesäß.
Erkrankte Kinder, die keine glutenfreie Diät einhalten, haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung geistiger und körperlicher Störungen. Diese können sich in Form von ADHS, Lernschwierigkeiten, Zahnschmelzdefekten und Verzögerungen im Wachstum zeigen.
Diagnose & Verlauf
Bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten auf Zöliakie zu untersuchen. Zum einen kann der Arzt Blut abnehmen, um auf die für eine Zöliakie typischen Antikörper zu testen; entscheidend sind dabei Antikörper gegen die körpereigene Gewebstransglutaminase. Sind diese Antikörper vorhanden, spricht das für eine Zöliakie. Gerade bei Kindern steht der Antikörpertest am Anfang der Diagnostik. Sind die Antikörper gegen die Gewebstransglutaminase stark erhöht und bestätigt eine zweite Blutprobe den Befund, kann bei Kindern und Jugendlichen heute in vielen Fällen sogar auf eine Gewebeprobe verzichtet werden.
Die zweite Möglichkeit, um auf Zöliakie schließen zu können, ist eine Biopsie des Dünndarms. Hierbei wird eine Probe aus der Dünndarmschleimhaut entnommen. Früher schluckte der Patient dazu nach einer örtlichen Betäubung einen Schlauch, an welchem eine Kapsel befestigt war; der Schlauch wurde durch Speiseröhre und Magen in den Dünndarm geführt und dort die Probe entnommen. Heute geschieht die Probenentnahme im Rahmen einer Magenspiegelung: Über ein biegsames Endoskop, das bis in den Zwölffingerdarm vorgeschoben wird, entnimmt der Arzt mehrere kleine Gewebeproben. Sie werden unter dem Mikroskop auf die typischen Veränderungen der Schleimhaut untersucht.
Wichtig ist, vor der Untersuchung nicht auf eigene Faust glutenfrei zu essen: Unter glutenfreier Kost bilden sich sowohl die Antikörper als auch die Schleimhautveränderungen zurück, sodass beide Untersuchungen falsch-negativ ausfallen können. Die Ernährung sollte deshalb bis zum Abschluss der Diagnostik glutenhaltig bleiben.
Zu den Symptomen der Zöliakie gehören Durchfall, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Depressionen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Muskelschmerzen, Kraftlosigkeit und Müdigkeit. Bei Babys und Kleinkindern ist oft das Wachstum gestört, die Zähne unterentwickelt, die Kinder weisen häufig eine weinerliche Mimik auf und können eine Muskelschwäche herausbilden.
Diese Symptome werden oft nicht ernst genommen und schon gar nicht mit Zöliakie in Verbindung gebracht. Aus diesem Grund wird die Erkrankung in vielen Fällen erst spät erkannt. Erschwerend bei der richtigen Diagnosefindung ist, dass auch mehrere Symptome gleichzeitig auftreten können. Deshalb kommt es zu zahlreichen Fehldiagnosen oder falschen Behandlungen der Zöliakie.
Die Symptome der Zöliakie treten meist nicht gleichzeitig auf und sind oft nicht speziell. Sehr häufig leiden Betroffene lediglich unter typischen Magen-Darm-Beschwerden. Falls die Zöliakie zu spät erkannt wird oder keine Behandlung erfolgt, sind häufig Mangelerscheinungen und eine erhöhte Infektanfälligkeit die Folge; unbehandelt kann die Erkrankung den gesamten Organismus schwächen.
Komplikationen
Eine Zöliakie geht vor allem dann mit Komplikationen einher, wenn die Betroffenen die vom Arzt verordnete glutenfreie Diät nicht konsequent einhalten. Unabhängig von der Ernährung treten bei einer Zöliakie häufiger weitere Autoimmunerkrankungen auf, unter anderem Diabetes mellitus Typ 1, rheumatoide Arthritis und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. Darüber hinaus entwickeln Patienten mit Zöliakie, die entgegen aller Empfehlungen glutenhaltige Lebensmittel verzehren, häufiger ein sogenanntes T-Zell-Lymphom, eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems.
Zu Beginn der Therapie klagen viele Betroffene über Komplikationen wie Bauchschmerzen und Durchfall. Diese Beschwerden werden meist durch die im Wiederaufbau befindliche Dünndarmschleimhaut verursacht und sind gut behandelbar – vorausgesetzt, der Patient informiert umgehend den behandelnden Arzt, damit dieser die notwendigen Schritte einleiten kann. Werden die Begleiterscheinungen der Therapie gänzlich ignoriert, ist hingegen mit weiteren Komplikationen wie etwa mit einem Darmverschluss oder mit Störungen im Elektrolythaushalt zu rechnen.
Hält der Patient seine glutenfreie Diät konsequent und vor allem langfristig ein, ist die Prognose sehr gut. In diesem Fall hat die Zöliakie auch keinerlei Einfluss auf die Lebenserwartung. Stattdessen bilden sich die entzündlichen Prozesse im Laufe einiger Wochen bis Monate vollständig zurück. Lediglich dann, wenn es sich um eine sogenannte diätresistente Zöliakie handelt, müssen zusätzlich Immunsuppressiva (Arzneimittel, die das Immunsystem drosseln) verabreicht werden.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Stellen sich nach der Aufnahme von Lebensmitteln gesundheitliche Veränderungen ein, sollten diese weiter beobachtet werden. Bei wiederholten Blähungen, Durchfall, Erbrechen oder Übelkeit sind die Auffälligkeiten mit einem Arzt zu besprechen. Der Betroffene sollte gut resümieren können, welche Nahrungsmittel oder Mahlzeiten er zu sich genommen hat. Werden Auffälligkeiten oder Parallelen bemerkt, sind diese dem Arzt mitzuteilen. Die Entstehung von Krämpfen, ein allgemeines Krankheitsgefühl sowie ein Unwohlsein deuten auf eine gesundheitliche Störung hin. Kommt es zu einer Zunahme der Beschwerden oder treten die gesundheitlichen Beeinträchtigungen in regelmäßigen Abständen auf, ist ein Arzt darüber zu informieren. Bei Appetitlosigkeit, einer Gewichtsabnahme, einer inneren Schwäche und Schlafstörungen benötigt der Betroffene eine medizinische Versorgung.
Zur Abklärung der Ursache müssen medizinische Tests durchgeführt werden. Bei Verstopfungen, einem Völlegefühl, Müdigkeit oder einer inneren Reizbarkeit ist ein Arztbesuch anzuraten. Zustände von Angst, Stimmungsschwankungen oder andere emotionale Auffälligkeiten sind weitere gesundheitliche Störungen, die näher untersucht werden sollten. Bei einem depressiven Zustand, einer Teilnahmslosigkeit oder dem Verlust der Lebensfreude ist die Rücksprache mit einem Arzt zu suchen. Kommt es zu Veränderungen des Hautbildes, einem Juckreiz, kognitiven Beeinträchtigungen oder Störungen des Zahnschmelzes, wird ein Arzt benötigt. Zeigen sich bei Kindern Verzögerungen der Entwicklung oder des Wachstums, ist ebenfalls eine ärztliche Untersuchung anzuraten.
Behandlung & Therapie
Die Zöliakie ist nicht heilbar. Die Ursache lässt sich jedoch behandeln: Wer konsequent auf Gluten verzichtet, bei dem heilt die Darmschleimhaut in der Regel wieder ab. Um die Schleimhaut des Darmes zu unterstützen, ist der Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel notwendig. Getreideprodukte, Teigwaren, Pudding, Kekse, Kuchen, Bier, Pizza und Schokolade enthalten reichlich Gluten.
Für Menschen mit Zöliakie eignen sich Gemüse, Obst, Reis, Salat, Nüsse, Milchprodukte und Pflanzenöle. In Reformhäusern und mittlerweile auch in vielen Supermärkten ist ein umfangreiches Angebot an glutenfreien, verpackten Lebensmitteln erhältlich, welche den Vermerk „glutenfrei“ tragen. Diese Angabe ist freiwillig; sie darf nur verwendet werden, wenn das Lebensmittel höchstens 20 Milligramm Gluten je Kilogramm enthält. Verpflichtend ist dagegen, dass glutenhaltige Getreide im Zutatenverzeichnis hervorgehoben werden. Wer trotz Zöliakie nicht auf Körner verzichten möchte, findet Alternativen in Hirse, Buchweizen, Soja, Johannisbrotmehl, Amarant oder Quinoa.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder von einem an Zöliakie erkrankten Elternteil ebenfalls an Zöliakie erkranken, beträgt 10%. Lange wurde angenommen, dass Stillen und ein bestimmter Zeitpunkt für die Einführung glutenhaltiger Beikost das Auftreten einer Zöliakie verhindern können. Nach heutigem Kenntnisstand ließ sich ein solcher Schutzeffekt jedoch nicht bestätigen.
Es ist bei Zöliakie ratsam, mindestens einmal im Jahr seinen Arzt aufzusuchen, um das Blut auf seinen Gehalt an Vitamin B12 und Vitamin D überprüfen zu lassen und um eine Gewichtskontrolle durchzuführen. Betroffene können auch selbst aktiv Vorsorge betreiben, indem sie sich umfassend über ihre Erkrankung informieren. Orientierungshilfe bietet die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG), welche auch eine Internetpräsenz besitzt.
Vorbeugung
Es gibt bisher keine Verfahren oder Möglichkeiten einer Zöliakie restlos vorzubeugen. Eine Vorbeugeuntersuchung bei Babys und Kleinkindern müssen besorgte Eltern selbstständig beim Kinderarzt einfordern. Weiterhin sollten Menschen mit Verdacht auf Zöliakie auf oben aufgeführte Symptome und Beschwerdebilder achten, um dann einen Arzt aufzusuchen. Stillen ist aus vielen Gründen empfehlenswert, einer Zöliakie beugt es jedoch nicht vor. Eine Empfehlung, nach der die stillende Mutter selbst auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten sollte, gibt es nicht.
Das können Sie selbst tun
Nach einer Diagnose der Zöliakie steht eine große Umstellung der Ernährung an. Dies wirkt auf den ersten Blick beängstigend. Glutenhaltig sind alle Produkte, die Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Urkorn, Kamut oder Emmer enthalten. Handelsüblicher Hafer ist meist mit diesen Getreiden verunreinigt und daher ebenfalls zu meiden; eigens als glutenfrei gekennzeichneter Hafer wird dagegen von den meisten Betroffenen vertragen. Auch die handelsüblichen Teigwaren wie Brötchen, Nudeln, Brot, Kuchen und Gebäck enthalten Gluten. Fertiggerichte und Suppen enthalten häufig Gluten und sind deshalb nur geeignet, wenn sie ausdrücklich als glutenfrei gekennzeichnet sind.
Doch sind 90 Prozent aller Lebensmittel von Natur aus glutenfrei, weshalb die Ernährungsumstellung nicht schwer sein muss. Kartoffeln, Reis, Quinoa, Hirse, Buchweizen und Amaranth sind nur einige Lebensmittel, welche anstelle von Nudeln als Beilage verzehrt werden können - also eine ganze Menge. Auch jegliches Obst, Gemüse und Nüsse enthalten kein Gluten. Somit kann der Alltag auch nach der Diagnose Zöliakie normal verlaufen.
Unterwegs ist es dennoch schwierig, geeignete Speisen zu finden, da in den meisten Soßen Mehl als Verdickungsmittel verwendet wird. Daher empfiehlt es sich, Mahlzeiten am Vortag vorzubereiten und mitzunehmen. Ist man zum Essen eingeladen, wird es ebenso schwierig. Bekannte und Freunde sollten daher über die Krankheit informiert werden, oder man steuert etwas zum Essen bei. Auch sollte man in der Lage sein, erste Anzeichen einer versehentlichen Glutenaufnahme zu erkennen und einzuordnen, falls man doch einmal glutenhaltige Lebensmittel verzehrt hat.
Quellen
- Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
ISBN: 9783132405233
- Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Checkliste Gastroenterologie und Hepatologie.
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- Rosien, U., Berg, T., Layer, P. (Hrsg.): Facharztwissen Gastroenterologie und Hepatologie.
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- Biesalski, H.-K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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