Akupressur
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Probleme mit dem Nacken, Rückenschmerzen, eine beginnende Erkältung, Kopfschmerzen: Für Leute, „die fast alles haben“, gilt die Akupressur oft als geeignete Behandlungsmethode. Akupressur eröffnet auch die Möglichkeit, effektiv selbst Hand anzulegen. Die Akupressur ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Entstanden ist sie am Hof des chinesischen Kaisers vor mehr als 2 000 Jahren, die Ursprünge liegen sogar 6 000 Jahre zurück.
Was ist Akupressur?
Der Name leitet sich vom lateinischen „acus“ für Nadel und „premere“ für drücken ab. Die Medizingelehrten gingen damals davon aus, dass eine Druckmassage auf bestimmten Punkten und Leitbahnen Krankheiten zu lindern und zu heilen vermag. Bis heute nutzen chinesische Hausärzte diese Massagetechnik. Sie sind der Ansicht, dass die Lebensenergie so im Körper besser fließen kann. Nieji heißt die speziell für Kinder entwickelte Akupressur-Methode, die in China bereits im Kindergarten übermittelt wird.
Jeder Punkt befindet sich auf einer der 14 Energiebahnen, den Meridianen, die nach Organen des Körpers benannt sind. Druck auf die Akupressurpunkte soll nach dieser Vorstellung Energie als Signal durch die Muskelhäute des Körpers senden. Sie werden von verschiedenen Geweben und Organen des ganzen Organismus reflektiert. Insgesamt gibt es 361 Akupressurpunkte.
Zur theoretischen Basis der Druckmassage gehört das Verständnis von Qi, Yin und Yang: Innerhalb der TCM bedeutet Krankheit Deregulierung, Mangel, eine Stauung oder einen Überschuss an Energie. Im Umkehrschluss bedeutet Gesundung das Gleichgewicht der Energien. Das kann man mittels Massage bestimmter Punkte, die wie Schalter über dem ganzen Körper verteilt sind, erreichen.
Geschichte & Entwicklung
Die Akupressur hat ihren Ursprung in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und reicht mehrere tausend Jahre zurück. Bereits im zweiten Jahrtausend v. Chr. wurden in China schriftliche Aufzeichnungen über die Stimulation bestimmter Punkte des Körpers zur Förderung der Gesundheit angefertigt. Die Methode basiert auf der Theorie der Meridiane, unsichtbarer Energiebahnen, durch die die Lebensenergie (Qi) fließt. Durch Druck auf bestimmte Punkte soll das Gleichgewicht von Yin und Yang wiederhergestellt und der Energiefluss harmonisiert werden.
In der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) wurden erste systematische Texte über Akupunktur und Akupressur wie der Huangdi Neijing (Der Klassiker des Gelben Kaisers) verfasst. Diese Schriften legten die theoretische Grundlage für die Meridiane und Akupunkte.
Mit der Verbreitung der TCM gelangte das Wissen über Akupressur im Mittelalter nach Korea und Japan, wo sie weiterentwickelt wurde. In Japan entstand die Shiatsu-Technik, eine spezifische Form der Akupressur. Im 20. Jahrhundert wurde die Akupressur zunehmend wissenschaftlich untersucht und in westliche Therapiekonzepte integriert. Heute wird sie weltweit als komplementäre Heilmethode geschätzt, sowohl zur Schmerzlinderung als auch zur Förderung der Entspannung.
Einsatz & Indikation
Wann wird Akupressur durchgeführt?
Akupressur wird durchgeführt, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und das Gleichgewicht von Körper und Geist zu fördern. Sie ist eine sanfte, nicht-invasive Methode, die in vielen Bereichen der Gesundheitsförderung und Prävention Anwendung findet. Häufig wird sie eingesetzt, um Schmerzen zu lindern, die Durchblutung zu fördern, Verspannungen zu lösen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
Wann wird Akupressur notwendig?
Akupressur kann bei einer Vielzahl von Beschwerden sinnvoll sein, insbesondere bei:
Chronischen Schmerzen: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Gelenkschmerzen sollen durch gezielte Druckstimulation gelindert werden.
Stress und Schlafproblemen: Akupressur soll das Nervensystem beruhigen und Entspannung fördern, was bei Schlaflosigkeit oder innerer Unruhe unterstützen soll.
Verdauungsproblemen: Sie soll die Funktion von Magen und Darm anregen und bei Blähungen oder Übelkeit helfen.
Menstruationsbeschwerden: Akupressur soll Schmerzen und Krämpfe während der Periode verringern.
Übelkeit: Besonders bei Reisekrankheit, Schwangerschaftsübelkeit oder nach einer Chemotherapie ist sie eine beliebte Ergänzungstherapie.
Auch zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge oder als unterstützende Maßnahme in der Rehabilitation wird Akupressur eingesetzt. Ihre nicht-invasive Natur macht sie besonders geeignet für Menschen, die sanfte Alternativen zur Schulmedizin suchen.
Vorteile & Nutzen
Die Akupressur bietet zahlreiche Vorteile, die sie zu einer attraktiven Option gegenüber anderen Behandlungsmethoden machen. Einer der größten Vorteile ist ihre Nicht-Invasivität: Im Gegensatz zu Akupunktur oder chirurgischen Eingriffen erfordert sie keinen Hautkontakt mit Nadeln oder andere invasive Maßnahmen, wodurch das Risiko von Infektionen oder Verletzungen durch Nadeln entfällt.
Ein weiterer Vorteil ist, dass die Akupressur ohne Medikamente auskommt. Sie bietet eine natürliche Möglichkeit zur Schmerzlinderung oder Symptomkontrolle, wodurch Nebenwirkungen, wie sie bei vielen Arzneimitteln auftreten können, vermieden werden. Dies macht sie besonders geeignet für Menschen, die empfindlich auf Medikamente reagieren oder diese nicht einnehmen können.
Die Akupressur ist zudem flexibel und überall anwendbar. Sie kann ohne spezielles Equipment durchgeführt werden und ist leicht zu erlernen, was es Patienten ermöglicht, bestimmte Techniken selbst anzuwenden. Dies fördert die Selbstständigkeit und die aktive Teilnahme am Heilungsprozess.
Darüber hinaus wird sie häufig als ganzheitliche Methode geschätzt, da sie Körper und Geist gleichermaßen anspricht. Sie soll nicht nur körperliche Beschwerden lindern, sondern auch die Entspannung und das emotionale Wohlbefinden unterstützen. Diese ganzheitliche Wirkung unterscheidet sie von vielen schulmedizinischen Ansätzen, die oft auf einzelne Symptome fokussiert sind.
Funktion, Wirkung & Ziele
Anwendung findet die Akupressur vor allem bei leichteren, akuten Beschwerden. Schwerere oder chronische Krankheiten gehören in ärztliche Behandlung; die Akupressur kann dort allenfalls begleitend eingesetzt werden. Innerhalb der Heilmassage kommen verschiedene Verfahren zur Anwendung, erlernbar ist die Technik durch Übung verhältnismäßig schnell. Manche Akupressurpunkte liegen dort, wo auch Triggerpunkte beschrieben werden; die beiden Punktsysteme werden allerdings verschieden begründet. Triggerpunkte sind die Ausgangspunkte für Schmerzen der Muskulatur.
Gegen Kopfschmerzen massiert man Punkte am Hinterkopf und knapp über dem Auge. Ein leichter Schmerz beim Drücken zeigt, dass der richtige Punkt getroffen ist. Der feste Druck mit der Fingerkuppe ist die Basis der Akupressur. Dabei benutzt man den Daumen oder andere einzelne Finger. Auch die Handkante kann zur Druckausübung benutzt werden. Die Druckpunkte sollen im Allgemeinen nicht taub werden. Es werden die Punkte konstant für 1 bis 2 Minuten bis kurz vor der Schmerzgrenze gedrückt. So sollen auch Augenbeschwerden, Abgespanntheit und Nasennebenhöhlenbeschwerden positiv beeinflusst werden.
Ein empfindlicher Punkt an der Oberseite der Hand, genau im Dreieck zwischen Zeigefinger und Daumen, kann bei allen Schmerzzuständen am Kopf und bei beginnenden Erkältungen bearbeitet werden. Mit etwas Übung wird man den Punkt finden, auch weil eine Nervenbahn unmittelbar daneben verläuft. Zusätzlich soll ein ansteigendes Fußbad Energie in den Körper bringen. Die Temperatur des Bades kann bis auf 42° C hochgehen. Dies soll der Erkältung den Garaus machen, natürlich in Kombination mit den richtigen Akupressurpunkten.
Einer davon liegt auch auf dem Unterarm, ein anderer auf dem Handrücken. Linderung soll auch der Druck auf Punkte direkt neben den Nasenflügeln und knapp über der Nasenwurzel verschaffen. Viele leiden unter Verspannungen im Rücken. Hier befindet sich der wichtigste Akupressurpunkt am Fuß unterhalb des Knöchels. Die gleichzeitige Bearbeitung dieser Punkte an beiden Füßen ist bestens geeignet, aber auch die Bearbeitung nach und nach ist effektiv.
Für Laien liegen die Fußpunkte weit weg vom Rücken. Dennoch befinden sie sich auf dem sogenannten Blasenmeridian, der vom Kopf zweimal über den Rücken durch den Körper verläuft. Dieser Meridian bestimmt den Zustand des Rückens wesentlich. Alle Verspannungen und schmerzende Stellen werden über diesen Meridian behandelt. Auf ihm liegen auch zwei Druckpunkte am Rücken zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt. Ihre Akupressur soll viele Arten von Kopfschmerzen lindern. Die als entspannend und wohltuend beschriebene Massage gerade dieser beiden Punkte wird auch bei einem steifen Nacken angewendet.
Wie oft und wie lange kann man die Akupressur anwenden? Bei leichten, akuten Erkrankungen muss man nicht wochenlang therapieren. Man wendet die Heilmassage über wenige Tage an, bis die Symptome abgeklungen sind, und wiederholt sie dabei mehrmals täglich.
Durchführung & Ablauf
Eine Akupressur beginnt in der Regel mit einem kurzen Vorgespräch, bei dem der Therapeut die Beschwerden und Bedürfnisse des Patienten erfragt. Dies hilft, die geeigneten Druckpunkte festzulegen. Die Druckpunkte liegen entlang der sogenannten Meridiane, den Energiebahnen des Körpers, und sind mit bestimmten Organen oder Funktionen verbunden.
Während der Behandlung liegt oder sitzt der Patient entspannt. Der Therapeut lokalisiert die relevanten Punkte auf der Haut und übt gezielten Druck aus, entweder mit den Fingern, Daumen, Handballen oder speziellen Hilfsmitteln wie Akupressurstäben. Der Druck wird sanft, kreisend oder statisch ausgeführt, je nach Ziel der Behandlung. Manche Punkte können kurzfristig empfindlich sein, was jedoch ein Zeichen dafür ist, dass der richtige Punkt getroffen wurde.
Die Intensität und Dauer variieren je nach Beschwerden, oft dauert die Behandlung pro Punkt 1–3 Minuten. Während der Sitzung können Patienten Wärme, ein Kribbeln oder tiefe Entspannung spüren. Manchmal werden Atemtechniken integriert, um die Wirkung zu verstärken. Eine Akupressursitzung dauert insgesamt etwa 30 bis 60 Minuten.
Nach der Behandlung wird empfohlen, viel Wasser zu trinken und sich auszuruhen, um den Körper bei der Verarbeitung der gelösten Blockaden zu unterstützen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Die Akupressur gilt als risikoarm, weil sie die Haut nicht verletzt; völlig frei von Nebenwirkungen ist sie jedoch nicht. Wer nach der Akupressur ein geringes Schwindelgefühl verspürt, soll einige Minuten lang liegen oder sitzen bleiben. Nach der Heilmassage wird man sich dann entspannt und gelöst fühlen.
Ob nun bei Kopfschmerzen, Erkältungen, Schlafstörungen, Magenproblemen oder bei Rückenschmerzen, soll die Akupressur sanft bei vielen Beschwerden helfen.
Alternativen
Wenn Akupressur nicht möglich ist, stehen zahlreiche alternative Verfahren zur Verfügung, die ähnliche Ziele verfolgen und auf eine ganzheitliche Unterstützung von Körper und Geist abzielen.
Akupunktur ist die bekannteste Alternative und arbeitet mit Nadeln, die an den gleichen Punkten wie bei der Akupressur angesetzt werden. Sie kann tiefere Reize setzen und wird vor allem bei chronischen Schmerzen oder komplexeren Beschwerden eingesetzt.
Reflexzonentherapie, insbesondere die Fußreflexzonenmassage, zielt auf die Stimulation bestimmter Bereiche des Körpers über Reflexpunkte an den Füßen. Sie eignet sich besonders für Patienten, bei denen eine direkte Berührung der Akupressurpunkte nicht möglich ist.
Shiatsu, eine japanische Druckmassage, verwendet ähnliche Techniken wie die Akupressur, integriert jedoch Bewegung und Dehnung, um den Energiefluss zu fördern.
Physiotherapie bietet eine westliche Alternative mit Fokus auf gezielte Übungen, Mobilisation und Massagen, die ebenfalls Verspannungen lösen und Schmerzen lindern können.
Biofeedback-Therapie ermöglicht es Patienten, ihre physiologischen Prozesse wie Muskelspannung oder Herzfrequenz zu kontrollieren und auf diese Weise Stress oder Schmerzen zu reduzieren.
Progressive Muskelentspannung und autogenes Training sind hilfreiche nicht-berührungsbasierte Methoden, die durch mentale Techniken und Entspannung körperliche Blockaden lösen können.
Diese Alternativen bieten flexible Optionen, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden können.
Abgrenzung zu verwandten Verfahren
Die Akupressur teilt ihr Punktesystem mit der Akupunktur; unterschieden werden beide Verfahren durch die Art des Reizes. Wo die Akupunktur die Haut mit einer Nadel durchdringt, bleibt die Akupressur an der Oberfläche und arbeitet mit Fingerdruck. Daraus ergibt sich der praktische Unterschied: Die Akupressur setzt keine sterilen Einmalnadeln und keinen entsprechend ausgestatteten Behandlungsraum voraus, kann aber auch keinen Reiz in der Tiefe setzen.
Innerhalb der chinesischen Medizin steht die Akupressur der Tuina nahe, einer manuellen Therapie, die neben dem Druck auf einzelne Punkte auch Streichungen, Knetungen und Gelenkbewegungen umfasst. Das japanische Shiatsu hat sich aus derselben Tradition entwickelt und ordnet den Druck in einen festgelegten Ablauf ein, der den ganzen Körper einbezieht; gearbeitet wird dort häufig mit dem Körpergewicht der behandelnden Person und nicht allein mit der Fingerkraft.
Von der klassischen Massage unterscheidet sich die Akupressur durch ihren Bezugsrahmen: Die Massage behandelt Muskulatur und Bindegewebe als solche, während die Akupressur ihre Druckpunkte einem Meridiansystem zuordnet. Die Triggerpunkttherapie der westlichen manuellen Medizin wiederum begründet ihre Punkte anatomisch, nämlich mit tastbaren Verhärtungen in der Muskulatur und mit Schmerzen, die von dort in andere Körperregionen ausstrahlen.
Ausbildung & Qualifikation
Für die Akupressur gibt es in Deutschland keine staatlich geregelte Ausbildung, und „Akupressurtherapeut“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Wer sie im Rahmen der Heilkunde ausübt, benötigt jedoch eine entsprechende Erlaubnis: Das sind Ärztinnen und Ärzte mit Approbation sowie Heilpraktiker, die eine Überprüfung beim zuständigen Gesundheitsamt bestanden haben. Angeboten wird die Akupressur außerdem von Fachkräften der Physiotherapie und von Masseuren, die sie im Rahmen ihrer beruflichen Befugnisse und meist auf ärztliche Veranlassung hin einsetzen.
Vermittelt werden die Grundlagen in Kursen von Berufsverbänden, Volkshochschulen, Wellnessakademien und privaten Schulen. Umfang, Inhalte und Prüfungsanforderungen unterscheiden sich dort erheblich, und die ausgestellten Zertifikate haben untereinander keine einheitliche Bedeutung. Wer eine Behandlung sucht, kann sich deshalb an der zugrunde liegenden Grundqualifikation orientieren, an einer nachgewiesenen Ausbildung in traditioneller chinesischer Medizin und an der Mitgliedschaft in einem Fachverband. Anbieter, die die Heilung schwerer Erkrankungen in Aussicht stellen oder von einer laufenden ärztlichen Behandlung abraten, überschreiten die Grenzen, die auch die Fachverbände dieser Methode ziehen.
Kostenübernahme
Die Akupressur gehört nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung; die Kosten einer Behandlung tragen die Patienten in aller Regel selbst. Einzelne Krankenkassen bezuschussen Leistungen aus dem Bereich der Naturheilverfahren im Rahmen freiwilliger Satzungsleistungen oder erstatten Kurse zur Gesundheitsförderung. Was darunterfällt, entscheidet jede Kasse für sich, und die Regelungen ändern sich mit den Satzungen. Wird die Akupressur von einem Arzt oder einem Heilpraktiker erbracht, richtet sich die Rechnung nach dem jeweils geltenden Gebührenverzeichnis.
Bei privaten Krankenversicherungen und bei Zusatzversicherungen für Naturheilverfahren hängt die Erstattung vom vereinbarten Tarif ab; häufig sind ein Leistungsverzeichnis und eine jährliche Höchstsumme vereinbart. Wird die Akupressur als Bestandteil einer verordneten physiotherapeutischen Behandlung erbracht, kann sie in dieser Verordnung aufgehen. Da die Regelungen uneinheitlich sind, ist eine Klärung mit dem Kostenträger vor Behandlungsbeginn üblich.
Forschungslage
Die Akupressur ist deutlich seltener untersucht worden als die Akupunktur. Die meisten klinischen Untersuchungen liegen zur Stimulation eines Punktes an der Innenseite des Unterarms vor, der in der chinesischen Systematik als Perikard 6 (Neiguan) geführt und bei Übelkeit und Erbrechen eingesetzt wird – etwa bei Reiseübelkeit, in der Schwangerschaft oder nach Operationen. Für diesen Zweck werden auch elastische Armbänder mit einem aufgesetzten Knopf angeboten, die den Druck dauerhaft ausüben sollen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden unterschiedlich beurteilt.
Methodisch ist die Akupressur schwer zu prüfen. Eine Kontrollgruppe müsste eine Behandlung erhalten, die sich für die Behandelten nicht von der echten unterscheidet; Druck auf andere Körperstellen oder eine deutlich leichtere Berührung sind aber keine wirkungslosen Reize im strengen Sinn. Hinzu kommt, dass weder die behandelnde noch die behandelte Person darüber im Unklaren gelassen werden kann, was gerade geschieht. Zuwendung, Berührung und die Erwartung an die Behandlung lassen sich deshalb kaum von dem trennen, was dem Druck auf die Punkte selbst zugeschrieben wird. Aussagen darüber, ob gerade die Auswahl der Punkte nach der Meridianlehre den Ausschlag gibt, sind aus den vorliegenden Untersuchungen nicht abzuleiten.
Grenzen der Methode
Die Akupressur ist ein Behandlungs- und kein Diagnoseverfahren: Sie kann Beschwerden begleiten, deren Ursache aber nicht klären. Treten Schmerzen erstmals, sehr heftig oder ohne erkennbaren Anlass auf, halten sie über längere Zeit an oder verändern sie ihren Charakter, steht die ärztliche Abklärung an erster Stelle. Dasselbe gilt, wenn Beschwerden von Zeichen wie Fieber, ungewolltem Gewichtsverlust, Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen oder Atemnot begleitet werden.
Nicht gedrückt wird über entzündeter, verletzter oder frisch operierter Haut, über offenen Wunden, über Krampfadern und über Hautveränderungen unklarer Ursache. Bei Menschen mit Gerinnungsstörungen oder unter gerinnungshemmenden Medikamenten ist mit Blutergüssen zu rechnen. Bei Diabetes mellitus und bei Durchblutungsstörungen kann das Schmerzempfinden an Füßen und Beinen herabgesetzt sein, so dass ein zu starker Druck oder ein zu heißes Fußbad nicht rechtzeitig bemerkt wird. In der Schwangerschaft meiden Behandelnde bestimmte Punkte, weil ihnen nach der Lehre der chinesischen Medizin eine wehenfördernde Wirkung zugeschrieben wird.
Bei schweren, fortschreitenden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen kann die Akupressur eine ärztliche Behandlung nicht ersetzen. Wird sie begleitend eingesetzt, ist es sinnvoll, die behandelnden Ärzte darüber zu informieren – schon deshalb, weil eine Besserung der Beschwerden sonst als Erfolg der laufenden Therapie gedeutet werden könnte.
Quellen
- Focks, C. (Hrsg.): Leitfaden chinesische Medizin.
ISBN: 9783437550584
- Focks, C., März, U., Hosbach, I.: Atlas Akupunktur.
ISBN: 9783437551239
- Hecker, H.-U., Steveling, A., Peuker, E. T., Liebchen, K. (Hrsg.): Taschenatlas Akupunktur und Triggerpunkte.
ISBN: 9783830478416
- Hecker, H.-U., Steveling, A., Peuker, E. T. (Hrsg.): Praxis-Lehrbuch Akupunktur.
ISBN: 9783132400245
- Hammes, M., Kuschick, N., Christoph, K.-H.: Akupunktur kompakt.
ISBN: 9783965436336
