Miktionsurosonografie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Miktionsurosonografie ist eine spezielle Ultraschalldiagnostik von Harntrakt und Niere unter Einsatz von Kontrastmittel. Ihr Hauptziel ist es, ein eventuelles Zurückfließen von Urin aus der Blase in die Nieren zu entdecken. Meist wird diese Untersuchung bei Kindern durchgeführt, die einen Harnwegsinfekt durchgemacht haben, bei dem aufgrund begleitenden Fiebers eine Nierenbeteiligung vermutet wurde.
Was ist die Miktionsurosonografie?
Im Begriff der Miktionsurosonografie (MUS) stecken die Miktion (das Entleeren der Blase), die Urologie (medizinische Fachrichtung, die sich mit den harnableitenden Organen beschäftigt) und die Sonografie (Ultraschalluntersuchung von Organen). Die häufig bei Kindern durchgeführte Untersuchung hat den Zweck, mithilfe von Kontrastmittel einen vesico-uretero-renalen Rückfluss (VUR), also das Zurückfließen des Harns aus der Blase über die Harnleiter bis zur Niere zu diagnostizieren.
Sie ergänzt klassische Untersuchungen wie die normale Ultraschalldiagnostik sowie die Labordiagnostik, zum Beispiel die Untersuchung des Urins auf Keime sowie spezielle Blutuntersuchungen. Um die physiologischen Vorgänge im Harntrakt des Patienten nicht nur als Momentaufnahme, sondern auch im Hinblick auf die funktionelle Aktivität zu erfassen, wird die Untersuchung auch während des Wasserlassens beziehungsweise der anschließenden Wiederfüllung der Harnblase durchgeführt.
Häufig wird die Darstellung eines möglichen VUR mithilfe der farbcodierten Doppler-Sonographie durchgeführt, da hier der Verlauf des Kontrastmittels besonders exakt dargestellt und auf diese Weise eine sehr genaue Diagnose gestellt werden kann.
Funktion, Wirkung & Ziele
Um einer Nierenschädigung durch häufige Erkrankungen dieser Art vorzubeugen, ist ein eventueller Rückfluss zeitnah festzustellen. Da die klassische Sonografie dies allein nicht leisten kann, wird die Genauigkeit der Diagnostik durch die Miktionsurosonografie erheblich verbessert. Bei Untersuchungsbeginn wird den Patienten ein dünner Katheter in die Blase eingeführt und ein herkömmlicher Ultraschall vom Zustand der Niere und Harnorgane durchgeführt. Anschließend wird die Harnblase mit einer körperwarmen physiologischen Kochsalzlösung gefüllt und das zur Darstellung notwendige Kontrastmittel hinzugegeben.
Bereits an dieser Stelle kann die Miktionsurosonografie unter Umständen schon erste wichtige Hinweise liefern: Ist hier schon ein Zurückfließen der mit Kontrastmittel angereicherten Flüssigkeit zu erkennen, kann von einem Niederdruckreflux, also einem Reflux bereits bei Blasenfüllung, ausgegangen werden. Im weiteren Verlauf der Untersuchung wird die Bewegung des Kontrastmittels während der Miktion sonografisch beobachtet. Fließt hierbei Urin zu den Nieren zurück, spricht man von einem Hochdruckreflux, da sich der Druck innerhalb der Blase beim Wasserlassen erhöht. Mitunter ist es für eine zuverlässige Diagnosesicherung wichtig, den Vorgang des Füllens und Entleerens der Blase in der Miktionsurosonografie mehrmals zu überprüfen.
In der gleichen Untersuchung ist es auch möglich, die Harnblase mit Luft zu füllen, um zu sehen, ob Luftbläschen in die Nierenregion hinaufsteigen. Mit der Untersuchung kann nicht nur festgestellt werden, ob ein Reflux vorliegt. Durch die seitengetrennte Darstellung der Funktion von Harnleiter und Nieren kann – im Gegensatz zu Laboruntersuchungen – das für den Rückfluss verantwortliche Areal oft bereits erkannt werden. Bei der Refluxerkennung erreicht die Miktionsurosonografie eine der Miktionszystourethrografie vergleichbare Treffsicherheit, ohne Röntgenstrahlung einzusetzen – besonders bei der Beobachtung mehrerer Miktionen und bei Verwendung eines Farbdopplers. Ein unauffälliger Befund schließt einen VUR allerdings nicht sicher aus.
Es empfiehlt sich jedoch bei befundloser Untersuchung, beim Auftreten weiterer Harnwegsinfekte mit Fieber konsequent den Urin auf Keimbelastung zu untersuchen und eventuell die Miktionsurosonografie erneut mit der Fragestellung auf einen Reflux durchzuführen. Der Nutzen, einer eventuellen Nierenschädigung vorzubeugen, ist hier in der Regel größer als die Unannehmlichkeiten, die mit dieser Untersuchung verbunden sind.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Die verwendeten Ultraschallwellen gelten als gefahrlos, solange die empfohlenen Grenzwerte eingehalten werden und das Schallfeld weder Kavitation noch eine bedenkliche Erwärmung des Gewebes hervorruft; die Untersuchung lässt sich deshalb auch wiederholen. Das Kontrastmittel wird in der Regel gut vertragen. Für die Einbringung in die Harnblase steht inzwischen ein Ultraschallkontrastmittel zur Verfügung, das eigens für die Anwendung bei Kindern zugelassen ist. Um gerade Kindern die Angst oder das Unbehagen bei der etwas unangenehmen Untersuchung zu nehmen, ist eine leichte Sedierung möglich, die ebenfalls in der Regel gut toleriert wird. Bis das beruhigende Medikament im Körper abgebaut ist, muss das Kind gut beobachtet werden, damit es sich beispielsweise durch eine leichte Einschränkung der Koordinationsfähigkeit keine Verletzung durch einen Sturz zuzieht.
Die Sedierung bringt auch den Vorteil mit sich, dass eine Verletzung beim Einführen des Katheters durch einen unruhigen Patienten vermieden werden kann. Eine mögliche, aber seltene Nebenwirkung der Miktionsurosonografie kann es sein, dass es trotz sorgfältiger und vorschriftsmäßiger Desinfektion zu einem Einbringen von Keimen und einem daraus resultierenden Harnwegsinfekt kommt. Aus diesem Grund ist es wichtig, in den Tagen nach der Untersuchung auf typische Symptome, vor allem auf Fieber, zu achten. Beim Verdacht auf einen Infekt ist rasch eine Urinuntersuchung durchzuführen und bei Keimen im Urin die notwendige Antibiotikagabe einzuleiten.
Vorbereitung und Rahmen der Untersuchung
Die Miktionsurosonografie wird in aller Regel ambulant durchgeführt, meist in einer kinderradiologischen, kindernephrologischen oder kinderurologischen Einrichtung, die Erfahrung mit Kontrastmitteluntersuchungen bei Kindern hat. Ein stationärer Aufenthalt ist dafür nicht erforderlich.
Der Termin wird üblicherweise so gelegt, dass zu diesem Zeitpunkt kein akuter Harnwegsinfekt mehr besteht; vorab wird der Urin daraufhin kontrolliert. Der Grund ist praktischer wie medizinischer Natur: Eine entzündete Blase ist empfindlicher, und die Einlage eines Katheters soll Keime nicht weiter nach oben verschleppen. Nüchtern bleiben muss ein Kind für die Untersuchung selbst nicht. Anders liegt der Fall, wenn eine Beruhigungsgabe geplant ist – dann gelten die Nüchternzeiten, die das Team vorher mitteilt.
Für Kinder ist die Vorbereitung vor allem eine Frage der Erklärung. Hilfreich ist, wenn Eltern altersgerecht und ohne Beschönigung ankündigen, was geschieht: dass ein dünner Schlauch gelegt wird, dass es dabei zwickt, dass danach der Bauch voll wird und dass am Ende in eine Schale oder Windel Wasser gelassen werden darf. Vertraute Dinge – ein Kuscheltier, ein Hörspiel, ein Bildschirm – helfen über die Wartezeiten hinweg. Eltern dürfen in aller Regel im Raum bleiben; das ist meist die wirksamste Beruhigung.
Wie die Untersuchung erlebt wird
Der unangenehmste Teil ist für die meisten Kinder das Einlegen des Katheters durch die Harnröhre. Es dauert nur kurz, wird aber als Brennen und Druck empfunden. Verwendet wird ein möglichst dünner Katheter und ein Gleitmittel, das ein örtlich betäubendes Mittel enthalten kann. Danach spürt das Kind vor allem das zunehmende Füllungsgefühl in der Blase, das dem natürlichen Harndrang gleicht.
Belastend ist für kleinere Kinder oft weniger der Katheter als das Stillhalten und Festgehaltenwerden. Deshalb arbeiten viele Einrichtungen mit ruhiger Ansprache, Ablenkung und, wo nötig, einer leichten Sedierung. Eine Narkose ist für die Untersuchung nicht üblich. Wasserlassen im Liegen, vor fremden Menschen und mit einem liegenden Katheter fällt vielen Kindern schwer; gelingt es zunächst nicht, wird gewartet und die Blase gegebenenfalls erneut gefüllt. Der Zeitbedarf hängt vor allem davon ab, wie viele Füllungs- und Entleerungsvorgänge beurteilt werden sollen.
Was der Befund bedeutet
Beurteilt wird, ob Kontrastmittel aus der Blase zurück in die Harnleiter und weiter in das Nierenbecken gelangt, und wenn ja, auf welcher Seite, in welchem Ausmaß und in welcher Phase – bei der Füllung oder erst beim Wasserlassen. Ein Rückfluss wird üblicherweise in fünf Schweregrade eingeteilt: von einem Rückfluss, der nur den Harnleiter erreicht, über einen Rückfluss bis in das Nierenbecken ohne Erweiterung der Hohlräume bis hin zu ausgeprägten Formen mit erweitertem, geschlängeltem Harnleiter und aufgeweiteten Nierenkelchen. Diese Einteilung ist keine bloße Beschreibung: Von ihr hängt ab, wie eng die weiteren Kontrollen gelegt werden und ob überhaupt ein Eingriff erwogen wird.
Ein unauffälliges Ergebnis ist ein gutes, aber kein absolutes Zeichen. Ein Rückfluss kann zeitweise auftreten und in der untersuchten Phase gerade nicht sichtbar werden; deshalb wird die Untersuchung bei wiederholten fieberhaften Harnwegsinfekten unter Umständen ein zweites Mal angesetzt. Ebenso wenig sagt die Miktionsurosonografie etwas darüber aus, ob die Niere durch frühere Entzündungen bereits Schaden genommen hat – dafür ist die Nierenszintigraphie das geeignete Verfahren, die vernarbtes von funktionstüchtigem Nierengewebe unterscheiden kann.
Was aus dem Befund folgt
Ein nachgewiesener Rückfluss führt nicht zwangsläufig zu einer Operation. Viele Formen, insbesondere die geringer ausgeprägten, bilden sich im Laufe des Wachstums von selbst zurück, weil der Einmündungsbereich des Harnleiters in die Blase reift. Das übliche Vorgehen ist deshalb zunächst abwartend und beobachtend: regelmäßige Kontrollen, rasche Untersuchung des Urins bei Fieber unklarer Ursache und die konsequente Behandlung auftretender Infekte mit Antibiotika.
Ob zusätzlich eine dauerhafte vorbeugende Antibiotikagabe sinnvoll ist, wird je nach Schweregrad, Alter und Verlauf entschieden und in der Fachwelt unterschiedlich beurteilt; die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin gemeinsam mit den Eltern. Liegt zugleich eine Störung der Blasenfunktion vor – etwa ein zu spätes oder unvollständiges Entleeren –, gehört deren Behandlung mit zum Konzept, weil sie den Druck in der Blase beeinflusst.
Bleiben trotz dieser Maßnahmen fieberhafte Infekte bestehen oder ist der Rückfluss stark ausgeprägt, kommen eingreifende Verfahren in Betracht. Bei der endoskopischen Behandlung wird über die Harnröhre ein Füllmaterial unter die Einmündung des Harnleiters gespritzt, um sie zu verengen. Bei der offenen oder minimalinvasiven Antirefluxplastik wird der Harnleiter neu in die Blasenwand eingepflanzt, sodass er auf einer längeren Strecke schräg durch die Wand verläuft und beim Anstieg des Blasendrucks zugedrückt wird.
Grenzen und Gegenanzeigen
Gegen die Untersuchung sprechen ein akuter, noch nicht behandelter Harnwegsinfekt, eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber dem verwendeten Kontrastmittel sowie Verletzungen oder Engstellen der Harnröhre, die das Einlegen des Katheters unmöglich machen oder gefährden würden.
Auch inhaltlich hat das Verfahren Grenzen. Die Harnröhre selbst lässt sich mit Ultraschall weniger vollständig darstellen als mit dem Röntgenverfahren. Besteht bei einem Jungen der Verdacht auf eine angeborene Verlegung der Harnröhre, wird deshalb häufig weiterhin die röntgenologische Miktionszystourethrografie gewählt oder ergänzt. Wie jede Sonografie hängt zudem die Aussagekraft von der Erfahrung der untersuchenden Person und von den Untersuchungsbedingungen ab – ungünstige Schallverhältnisse oder ein unruhiges Kind schränken die Beurteilbarkeit ein. Und schließlich beantwortet die Untersuchung nur die Frage nach dem Rückfluss; Aussagen über die Nierenfunktion, über Nierennarben oder über Stoffwechselvorgänge liefert sie nicht.
Abgrenzung zu ähnlichen Verfahren
Die gewöhnliche Ultraschalluntersuchung der Nieren und der Harnwege steht am Anfang jeder Abklärung. Sie zeigt Größe, Form und Aufstau der Nieren und kann auf ein Problem hinweisen, einen Rückfluss aber nicht sichtbar machen, weil sie ohne Kontrastmittel und ohne Beobachtung des Wasserlassens auskommt.
Die röntgenologische Miktionszystourethrografie beantwortet dieselbe Frage wie die Miktionsurosonografie und stellt die Harnröhre besser dar, arbeitet dafür aber mit Röntgenstrahlung im Bereich der Geschlechtsorgane. Die Nierenszintigraphie beurteilt Funktion und Narbenbildung der Nieren und ergänzt die Refluxdiagnostik, ersetzt sie jedoch nicht. Kernspintomografische Verfahren der Harnwege kommen bei besonderen anatomischen Fragestellungen zum Einsatz; sie sind aufwendig und erfordern bei kleinen Kindern häufig eine Sedierung oder Narkose. In der Praxis entscheidet über die Wahl weniger ein allgemeiner Vorrang eines Verfahrens als die konkrete Fragestellung, das Alter des Kindes und die Erfahrung der untersuchenden Einrichtung.
Nach der Untersuchung
Der Katheter wird am Ende der Untersuchung entfernt. Danach darf das Kind normal essen und trinken; reichliches Trinken ist erwünscht, weil es die Blase spült. Das erste Wasserlassen nach der Untersuchung kann brennen, und im Urin kann sich vorübergehend eine geringe Beimengung von Blut zeigen. Beides klingt üblicherweise rasch ab.
Wichtig ist die Beobachtung in den folgenden Tagen: Treten Fieber, Bauch- oder Flankenschmerzen, deutliches Brennen beim Wasserlassen oder ein auffällig riechender Urin auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob sich ein Harnwegsinfekt entwickelt hat. Wurde das Kind sediert, bleibt es so lange unter Beobachtung, bis es wieder wach und sicher auf den Beinen ist. Der Befund wird meist unmittelbar im Anschluss besprochen; wie es weitergeht, richtet sich danach, ob und in welchem Ausmaß ein Rückfluss nachweisbar war.
Entwicklung des Verfahrens
Möglich wurde die Miktionsurosonografie durch die Entwicklung von Ultraschallkontrastmitteln, die aus winzigen, von einer Hülle stabilisierten Gasbläschen bestehen und den Schall stark zurückwerfen. Seit den 1990er-Jahren werden solche Mittel in die Harnblase eingebracht, um den Weg der Flüssigkeit sichtbar zu machen. Ihre Einführung fiel zusammen mit dem Bestreben, bei Kindern Röntgenuntersuchungen dort zu vermeiden, wo eine gleichwertige Auskunft anders zu erhalten ist.
Seither hat sich das Verfahren technisch weiterentwickelt: Moderne Ultraschallgeräte stellen Kontrastmittel in eigenen Betriebsarten dar, die das Signal der Bläschen von dem des Gewebes trennen, und für die Anwendung in der Harnblase stehen inzwischen eigens für Kinder zugelassene Kontrastmittel zur Verfügung. In vielen kinderradiologischen Abteilungen gehört die Untersuchung heute zum Standardangebot der Refluxdiagnostik.
Quellen
- Deeg, K.-H., Hofmann, V., Hoyer, P. F. (Hrsg.): Ultraschalldiagnostik in Pädiatrie und Kinderchirurgie.
ISBN: 9783132424685
- Hautmann, R., Gschwend, J. E. (Hrsg.): Urologie.
ISBN: 9783642343193
- Görg, C., Schmidt, G., Becker, D., et al.: Kursbuch Ultraschall.
ISBN: 9783132035164
- Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F. C. (Hrsg.): Pädiatrie.
ISBN: 9783131253347
- Debus, J., Delorme, S., Jenderka, K.-V.: Duale Reihe Sonografie.
ISBN: 9783131519139
