Morbus Bechterew

Morbus Bechterew, die auch als Spondylitis ankylosans oder bechterewsche Krankheit bekannt ist, ist eine rheumatische Erkrankung mit chronischem Verlauf. Bei Morbus Bechterew sind zumeist die Genlenke betroffen, im Besonderen die Wirbelsäulengelenke.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew oder auch Spondylitis ankylosans' und bechterewsche Krankheit genannt, ist eine chronisch entzündliche-rheumatische Krankheit, die hauptsächlich die Gelenke betrifft.

Dabei sind vor allem die Wirbelsäulengelenke betroffen, die sich im Verlauf der Krankheit zunehmend versteifen.

Zudem entstehen entzündliche Veränderungen in den Sehnen, Augen, in den großen Gelenken sowie im Herzmuskel, da im Blut keine Rheumafaktoren vorhanden sind. Innere Organe sind selten betroffen.

Ursachen

Die Ursache für Morbus Bechterew ist ein gestörtes Wechselspiel zwischen Umwelteinflüssen und Erbanlagen. Dabei findet sich bei ungefähr 95 Prozent der Betroffenen das Erbmerkmal HLA-B27, dass zu einer fehlerhaften Immunreaktion führt und somit die Entstehung der chronischen Entzündungen begünstigt.

Dieses Erbmerkmal weist daraufhin, dass die Ursache der Krankheit teilweise auf einer Vererbung beruht. Zudem kann das Erbmerkmal HLA-B27 dazu führen, dass sich das menschliche Immunsystem mit den normalen Keimen in der Darmflora so auseinandersetzt, dass dies ebenfalls zu einer chronischen Entzündung führt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Hauptsymptome bei Morbus Bechterew sind tief sitzende Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und nächtliche Schmerzen. Wenn diese Beschwerden mindestens drei Monate lang anhalten, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Morbus Bechterew vorliegt. Im Laufe des Tages wird der Körper wieder beweglicher. Besonders bei Bewegung bessern sich die Symptome.

Bei Ruhe nehmen dagegen die Schmerzen und die Steifigkeit wieder zu. Die Schmerzen sitzen meist im unteren Bereich der Wirbelsäule und strahlen ins Gesäß und die Oberschenkel aus. Frühzeichen für Morbus Bechterew können solche uncharakteristischen Symptome wie gelegentliche Fersen-, Hüft-, Knie- oder Schulterschmerzen sein.

Außerdem kann es im Frühstadium auch vermehrt zu Müdigkeit, Schmerzen beim Niesen oder Husten sowie Gewichtsverlust kommen. Auch Schleimbeutelentzündungen und andere Sehnenerkrankungen sind möglich. Morbus Bechterew tritt in Schüben auf. Zwischen den Schüben ist der Patient fast beschwerdefrei. Die Körperhaltung der Betroffenen ändert sich im Laufe der Zeit typischerweise durch Krümmung der Brustwirbelsäule (Buckel) und gleichzeitiger Abflachung der Lendenwirbelsäule.

Mit der Zeit können auch Hüft- und Kniegelenke sowie Schulter und Ellenbogen von schmerzhaften Bewegungseinschränkungen betroffen sein. Ein kleinerer Teil der Patienten entwickelt Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen oder Niereninsuffizienz. Seltener kommt es auch zu Entzündungen der Hauptschlagader oder zu anderen Herzkreislauferkrankungen. Vermutet wird auch, dass manche Darm- oder Harnwegsentzündungen im Zusammenhang mit Morbus Bechterew stehen.

Krankheitsverlauf

Der Verlauf von Morbus Bechterew zeigt sich sehr uneinheitlich. In einigen Fällen können innere Organe, Gelenke oder Gliedmaßen mitbetroffen sein und teilweise äußert sich die Krankheit nur im Bereich der Wirbelsäule.

Die Entzündungsschmerzen sind dabei in einigen Fällen vorherrschend, die über viele Jahre hinweg in Schüben auftreten. In anderen Fällen hingegen steht die Versteifung der Wirbelsäule im Vordergrund, die gerade in den ersten 30 Jahren zunehmend fortschreitet. Jedoch ist eine vollständige Steifigkeit der Wirbelsäule sowie eine Invalidität infolge der Krankheit selten.

Nimmt allerdings die Krankheit einen schweren Verlauf, kann es zu Schädigungen an Organen und Gelenken und somit zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen kommen. So kann beispielsweise eine Arthritis im Hüftgelenk das Gelenk zerstören und einen Hüftgelenkersatz nötig machen. Morbus Bechterew ist derzeit nicht heilbar, jedoch lässt sich der Verlauf durch eine geeignete Therapie beeinflussen.

Komplikationen

Durch den Morbus Bechterew kommt es bei den Patienten in erster Linie zu starken Schmerzen am Rücken. Diese Schmerzen können sich auch weiterhin in andere Regionen des Körpers ausbreiten und zu starken Schmerzen führen. Vor allem in der Nacht kann es durch Ruheschmerzen zu starken Schlafbeschwerden oder zu Schlafstörungen kommen. Die beeinträchtigen die Lebensqualität enorm und führen zu einer Gereiztheit des Patienten.

Im Allgemeinen können dauerhafte Schmerzen zu psychischen Beschwerden und zu Depressionen führen. Ebenso versteift der Rücken des Patienten, sodass es zu Einschränkungen in der Bewegung und bei der Ausführung verschiedener Sportarten kommt. Ebenso kommt es nicht selten zu Herzbeschwerden und zu einem Herzrasen.

Die Herzbeschwerden wirken sich in der Regel negativ auf die Lebenserwartung des Patienten aus und können diese deutlich verringern. Auch die Hüften können dabei ohne Behandlung irreversibel geschädigt werden. Die Behandlung von Morbus Bechterew findet durch die Einnahme verschiedener Medikamente und durch die Durchführung von Physiotherapien statt. Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf. Allerdings können nicht in jedem Fall alle Beschwerden eingeschränkt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Rückenschmerzen oder Beschwerden der Gelenke sollten einem Arzt vorgestellt werden, sobald sie an Intensität zunehmen oder über mehrere Tage unvermindert anhalten. Wurden die Beschwerden nicht durch eine körperliche Überlastung ausgelöst, besteht Anlass zur Besorgnis. Können die alltäglichen Anforderungen oder gewohnte sportliche Aktivitäten nicht mehr erfüllt werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine Gewichtsabnahme, grippeähnliche Symptome wie Husten oder Schnupfen sowie eine erhöhte Müdigkeit sind von einem Arzt untersuchen zu lassen. Kommt es zu Einschränkungen der Mobilität, einer Morgensteifheit oder erwacht der Betroffene in der Nacht aufgrund bestehender Schmerzen, wird ein Arzt benötigt.

Eine innere Unruhe, ein Gefühl der Schwere oder ein vermindertes Wohlbefinden weisen auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung hin. Ein Arztbesuch ist notwendig, damit eine Diagnosestellung erfolgen kann und ein Behandlungsplan konzipiert wird. Schmerzen der Fersen, der Knie oder der Hüfte sind charakteristisch für Morbus Bechterew. Unregelmäßigkeiten entlang der Wirbelsäule bis hin zur Schulter sollten ärztlich versorgt werden. Erlebt der Betroffene eine Verbesserung der Beschwerden bei Bewegung und eine Zunahme der Schmerzen in einer Ruheposition, ist ein Arztbesuch anzuraten. Eine gekrümmte Körperhaltung, Störungen des Sehvermögens und des Herzrhythmus sind Warnhinweise des Organismus. Stellen sich Beschwerden beim Wasserlassen ein, kommt es zu Entzündungen sowie einer inneren Unruhe, ist ein Arztbesuch vonnöten.

Behandlung & Therapie

Der erste Anhaltspunkt für die Diagnose von Morbus Bechterew ist der typische Kreuzschmerz. Zusätzliche Symptome, wie zum Beispiel eine Entzündung der vorderen Augenkammer sowie der Regenbogenhaut können diesen Verdacht noch unterstützen.

Vor allem ist bei der Diagnose wichtig, eine Entzündung der Iliosakralgelenke nachzuweisen. Hierzu testet ein Arzt das „Menellsche Zeichen“, welches auf entzündete Iliosakralgelenke hindeutet. Röntgenaufnahmen sowie die Magnetresonanztomographie kann die Diagnose für Morbus Bechterew ebenfalls bestätigen.

Die Therapie bei Morbus Bechterew zielt hauptsächlich darauf ab, den Schmerz zu bekämpfen sowie die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten. Hierbei ist die regelmäßige Physiotherapie unabdingbar. Zudem können auch stationäre Behandlungen in einer entsprechenden Rheumaklinik hilfreich sein. Des Weiteren kommt eine medikamentöse Therapie mit nicht-steriodalen Antirheumatika zum Einsatz. Daneben kommt auch Sulfasalazin oder Methotrexat als Basismedikament hinzu, um den Krankheitsverlauf zu beeinflussen.

Bei einer sehr aktiven Form von Morbus Bechteres kann eine medikamentöse Behandlung mit dem entzündungsfördernden Botenstoff TNF-alpha zum Einsatz kommen. Dieser biologische Hemmstoff kann die Aktivität der Krankheit mindern und somit das Fortschreiten verzögern oder sogar verhindern. Dagegen kommt eine Operation nur selten zum Einsatz und auch nur dann, wenn ein Hüftgelenk durch eine Entzündung mitbetroffen ist und ein künstliches Hüftgelenk nötig wird.

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Das können Sie selbst tun

An Morbus Bechterew erkrankte Menschen können der Krankheitsentwicklung durch eigenes Verhalten entgegenwirken. Dazu zählt das alltägliche Bemühen um eine möglichst aufrechte Haltung. Eine positive, selbstbewusste Lebenseinstellung fördert die Einstellung „sich nicht beugen zu wollen“. In diesem Bewusstsein können ständige hilfreiche Korrekturen der Körperhaltung erfolgen.

Zur Bewegungs- und Haltungsverbesserung sind ein Training der Muskulatur, gymnastische Dehnungsübungen vorteilhaft. Zur Stärkung der Kondition und der Atemkapazität ist außerdem Ausdauersport empfehlenswert. Beim Sitzen während der Arbeitszeit oder in der Freizeit sollte ebenfalls ein krummer Rücken vermieden werden, auch wenn es mit Anstrengungen verbunden ist. Weiche, niedrige Sessel sollten gemieden werden. Während des Autofahrens kann ein Sitzkeil oder ein passendes Kissen im Rückenbereich die anzustrebende Haltung unterstützen.

Die eingeschränkte Elastizität der Wirbelsäule kann beim Gehen auf einem harten Bodenbelag wie Teer, Stein oder Beton Probleme verursachen. Das Tragen von Schuhen mit federnden Sohlen oder dämpfenden Einlagen sowie elastischen Absätzen reduziert die Beschwerden. Das Bett sollte auf keinen Fall mit einer weichen Matratze ausgestattet sein. Falls die Möglichkeit besteht, entspannt beim Hinlegen in der Mittagszeit die Wirbelsäule und richtet sich wieder gerader. Auch im Liegen sollte auf eine möglichst gerade Wirbelsäule geachtet werden. Schonhaltungen sind in allen Alltagsbereichen zu vermeiden. Eine vernünftige Lebensweise mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung ist ebenfalls sinnvoll.

Video: Morbus Bechterew mit Ernährung behandeln

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 26. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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