Paraproteinämie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei einer Paraproteinämie handelt es sich um einen Zustand, bei dem sogenannte Paraproteine im Blut vorkommen. Insbesondere ein spezielles monoklonales Immunglobulin sowie entsprechende Immunglobulin-Leichtketten sind vermehrt im Blut vorhanden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Paraproteinämie?

Paraproteinaemie
Prinzipiell ist jede festgestellte Paraproteinämie zunächst als Multiples Myelom beziehungsweise Plasmozytom zu betrachten, bis dieser Verdacht widerlegt ist. Dadurch ist es nötig, die Immunglobuline sowohl im Urin als auch im Serum quantitativ zu bestimmen.
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Paraproteinämien werden auch als monoklonale Gammopathien bezeichnet. Sie beschreiben das Vorkommen eines homogenen Immunglobulins im menschlichen Blut. In früheren Zeiten wurde eine Paraproteinämie, die nicht gleichzeitig mit einem Multiplen Myelom oder weiteren klonalen lymphoproliferativen Krankheiten einherging, als 'benigne Gammopathie' oder auch als 'benigne Paraproteinämie' bezeichnet.

Jedoch hat sich in den vergangenen Jahren für diese Erkrankungen der Begriff 'monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz' unter Medizinern etabliert. Die Abkürzung für diese Bezeichnung lautet MGUS und wird in vielen Fällen verwendet. Bei der MGUS handelt es sich laut Definition um eine Krankheit, bei der Personen während eines längeren Zeitraums ein monoklonales Immunglobulin im Urin oder im Serum aufweisen.

Dieses Immunglobulin muss dabei in konstanter Konzentration vorhanden sein und die Krankheit asymptomatisch verlaufen. Das monoklonale Immunglobulin bildet sich im Knochenmark. Verantwortlich für die Produktion des Stoffes sind dabei bestimmte Plasmazellen, die langsam proliferieren und kein malignes Verhalten aufweisen. Sehr häufig kann die Krankheit erst nach einer langen Verlaufsbeobachtung diagnostiziert werden.

Die MGUS ist mit Abstand die häufigste Form der Paraproteinämie und selbst keine Krebserkrankung. Nach Langzeituntersuchungen an Betroffenen geht sie bei etwa einem Prozent der Fälle pro Jahr in ein Multiples Myelom oder eine verwandte bösartige Erkrankung über; dieses Risiko bleibt über die Jahre bestehen und summiert sich entsprechend auf. Eine Behandlung ist bei der MGUS deshalb in der Regel nicht nötig, regelmäßige ärztliche Kontrollen dagegen schon.

Ursachen

Paraproteinämien stehen in der Regel in Zusammenhang mit diversen anderen Erkrankungen und Symptomen. In Abhängigkeit von der jeweiligen Krankheit unterscheiden sich auch die Ursachen für das Auftreten einer Paraproteinämie. Um einen besseren Überblick über häufige Krankheitsbilder und deren Ursachen zu erhalten, wurden Untergruppen gebildet.

Diese Gruppen beziehen sich jeweils auf ein Protein, dessen Konzentration aus verschiedenen Gründen den Normwert übersteigt. Die Untergruppen nehmen in der Regel Bezug auf das Multiple Myelom, das Osteosklerotische Multiple Myelom, die IgG Deposition Disease sowie Morbus Waldenström. Weitere Untergruppen umfassen die Monoklonale Gammopathie unbekannter Signifikanz und die Heavy Chain Disease. Zu beachten ist, dass einige dieser Krankheiten zu den sogenannten Non-Hodgkin-Lymphomen zählen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome und Beschwerden einer Paraproteinämie äußern sich auf vielfältige Weise und variieren von Patient zu Patient sowie in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Erkrankung. Ein typisches Merkmal einer Paraproteinämie ist zum Beispiel die Hyperviskosität des Blutes.

Die Zähflüssigkeit ist bedingt durch die erhöhte Anzahl an Proteinen im Blut stärker ausgeprägt als üblich. Infolge einer solchen Hyperviskosität sind weitere Beschwerden möglich. Dazu zählen beispielsweise Neuropathien, eine Amyloidose sowie Störungen der Gerinnung des Blutes. Darüber hinaus werden zur gleichen Zeit mitunter auch sogenannte Kälteagglutinine nachgewiesen.

Gleichzeitig besteht im Rahmen einer Paraproteinämie in vielen Fällen ein Mangel an normalen Immunglobulinen. Dies kann eine gesteigerte Infektanfälligkeit bei den betroffenen Personen hervorrufen. Nicht jede Paraproteinämie bedeutet allerdings eine bösartige Erkrankung. Von einem Multiplen Myelom wird erst dann gesprochen, wenn der Anteil der krankhaft vermehrten Plasmazellen im Knochenmark bei mindestens zehn Prozent liegt und zusätzlich Organschäden wie Knochenherde, Blutarmut, ein erhöhter Kalziumspiegel oder eine Nierenschwäche vorliegen.

Auch wenn ein Tumor, der sich aus Plasmazellen zusammensetzt, im Rahmen einer Gewebsbiopsie nachgewiesen wird, handelt es sich um eine bösartige Plasmazellerkrankung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Im Hinblick auf die Diagnose einer Paraproteinämie stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Prinzipiell ist jede festgestellte Paraproteinämie zunächst als Multiples Myelom beziehungsweise Plasmozytom zu betrachten, bis dieser Verdacht widerlegt ist. Dadurch ist es nötig, die Immunglobuline sowohl im Urin als auch im Serum quantitativ zu bestimmen.

Zudem ist die Immunfixation zu analysieren. Darüber hinaus sind das Blutbild und insbesondere die Stoffe Kalzium und Kreatinin im Serum zu untersuchen. Im Rahmen einer Röntgenuntersuchung werden unter anderem Wirbelsäule, Schädel und Becken bildlich dargestellt. In bestimmten Fällen ist eine MRT-Untersuchung der Wirbelsäule angezeigt. Lange Zeit war eine konventionelle Röntgenaufnahme des gesamten Skeletts der übliche Weg, Knochenherde aufzuspüren. Heute wird stattdessen eine Ganzkörper-Computertomographie in Niedrigdosistechnik bevorzugt, weil sie Veränderungen am Knochen deutlich früher erkennt.

Beim Knochenmark ist unter Umständen eine Biopsie durchzuführen. Die Patienten müssen sich regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unterziehen, um vorhandene Paraproteine sowie weitere Parameter kontinuierlich zu überwachen. Insbesondere bei jüngeren Patienten wird der Knochenmarksbefund oft jährlich kontrolliert.

Sämtliche Schmerzen, die am Bewegungsapparat auftreten, sind mittels bildgebender Verfahren zu untersuchen. Ganz besonders eignen sich Urinproben zur Diagnose von Paraproteinämien. Denn hier lässt sich ein zu hoher Gehalt an Proteinen leicht feststellen. Scheidet ein Patient mehr als ein Gramm monoklonaler Leichtketten (Bence-Jones-Protein) pro 24 Stunden mit dem Urin aus, spricht das für eine bösartige Plasmazellerkrankung. Ergänzend werden heute die freien Leichtketten direkt im Blut bestimmt; diese Untersuchung ist empfindlicher und hat das umständliche Sammeln des Urins über 24 Stunden in vielen Fällen ersetzt.

Komplikationen

Aufgrund der Paraproteinämie können die Betroffenen an verschiedenen Beschwerden leiden. Vor allem bei hohen Paraproteinmengen – etwa beim Morbus Waldenström – kann das Blut zähflüssig werden, und die Blutgerinnung kann gestört sein. Weiterhin wird auch das Immunsystem des Patienten deutlich abgeschwächt, wodurch dieser anfälliger für verschiedene Infektionen und Krankheiten wird. Die Lymphknoten des Patienten sind bei der Paraproteinämie nicht selten angeschwollen und die Betroffenen fühlen sich krank und abgeschlagen.

Weiterhin kann es im schlimmsten Fall auch zu einem Tumor kommen. Sollte dieser unentdeckt bleiben und nicht behandelt werden, kommt es in vielen Fällen zum Tod des Betroffenen. Die Paraproteinämie kann mittels einer Chemotherapie oder mit der Einnahme anderer Medikamente behandelt werden. Dabei kommt es allerdings zu verschiedenen Nebenwirkungen, die sich sehr negativ auf das Leben des Betroffenen auswirken können.

Auch eine Bestrahlung oder die Transplantation von Stammzellen kann die Paraproteinämie lindern. Ein operativer Eingriff ist dagegen nur in Sonderfällen sinnvoll, etwa bei einem einzelnen Plasmazelltumor oder zur Stabilisierung bruchgefährdeter Knochen. Eventuell wird durch die Erkrankung auch die Lebenserwartung des Betroffenen verringert. Weiterhin sind viele Patienten auf eine psychologische Behandlung angewiesen, falls es zu Depressionen oder zu anderen psychischen Problemen kommt.

Behandlung & Therapie

Grundsätzlich steht bei Paraproteinämien die Therapie der jeweiligen Symptome im Vordergrund. Der behandelnde Facharzt entscheidet je nach Einzelfall über die therapeutischen Maßnahmen. Ziel ist es, die Ursache für die krankhafte Erhöhung des Proteins zu eliminieren. Zu diesem Zweck stehen diverse Möglichkeiten der Behandlung zur Auswahl.

Dazu zählen zum Beispiel eine Chemotherapie, eine Bisphosphonatbehandlung oder eine Immunmodulation. Auch eine Bestrahlungstherapie, eine Stammzelltransplantation und operative Eingriffe sind möglich. Ein einzelner proteinbildender Tumorherd kann dabei chirurgisch entfernt werden; bei einem Befall des gesamten Knochenmarks hilft eine Operation dagegen nicht weiter.

Die Prognose der Erkrankung richtet sich nach verschiedenen Kriterien. Steigt zum Beispiel die Paraproteinmenge kontinuierlich an, verschlechtert dies die Prognose. In seltenen Fällen entsteht bei den betroffenen Patienten Morbus Waldenström, ein malignes Non-Hodgkin-Lymphom oder eine Amyloidose.


Aussicht & Prognose

Die Prognose bei einer Paraproteinämie ist stark abhängig von der auslösenden Grunderkrankung. Bei einem Teil der Patienten liegt der Paraproteinämie eine chronische, bösartige Erkrankung des Knochenmarks oder der Lymphzellen zugrunde. Da die bösartigen Grunderkrankungen oftmals nicht geheilt werden können, ist die weitere Aussicht für die Entwicklung der Paraproteinämie in diesen Fällen ungünstig. Vielmehr benötigen die Betroffenen eine lebenslange medikamentöse Behandlung, um keine akuten gesundheitlichen Zustände auszulösen. Für die häufigste Form, die monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz, gilt das jedoch nicht: Sie wird nicht mit Medikamenten behandelt, sondern lediglich in regelmäßigen Abständen kontrolliert, und die meisten Betroffenen bleiben zeitlebens beschwerdefrei.

Zudem sind Folgeerkrankungen erwartbar. Bei Patienten mit einer Paraproteinämie kommt es häufig zu einer Zunahme der Infektanfälligkeit. Der Organismus ist insgesamt geschwächt und kann nicht mehr wie gewohnt ausreichend auf Krankheitserreger reagieren. Bei einer sehr ungünstigen Entwicklung kommt es bei dem Patienten zu der Entwicklung eines Tumors. Dadurch besteht eine potentielle Gefährdung der voraussichtlichen Lebenserwartung und die Bewältigung des Alltags ist stark eingeschränkt. Eine Krebstherapie ist nötig, um eine Linderung der vorhandenen Beschwerden zu erreichen. Trotz aller Bemühungen endet bei den meisten Patienten die Tumorerkrankung in einem vorzeitigen Ableben. Lange Zeit galt das Multiple Myelom dabei als rasch tödlich verlaufende Krankheit. Durch neuere Medikamente wie Proteasomhemmer, immunmodulierende Wirkstoffe und Antikörper hat sich die Überlebenszeit seit den 2000er Jahren jedoch deutlich verlängert; viele Betroffene leben heute über zehn Jahre mit der Erkrankung.

Zu berücksichtigen ist bei der Stellung einer Prognose ebenfalls, dass aufgrund der emotionalen Belastungen durch den allgemeinen Gesundheitszustand psychische Folgestörungen auftreten können. Auch diese führen insgesamt zu einer schwierigen weiteren Entwicklung und können sehr langwierig sein. In den meisten Fällen kommt es dadurch auch zu einer weiteren Verschlechterung der körperlichen Gesundheit.

Vorbeugung

Konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung einer Paraproteinämie sind nach dem derzeitigen Stand der medizinischen Forschung nicht bekannt. Aus diesem Grund sollte schon bei den geringsten Symptomen oder Anzeichen der Erkrankung ein geeigneter Facharzt konsultiert werden. Denn je zeitiger die Diagnose gestellt wird, desto günstiger fällt zum Teil auch die Prognose einer Paraproteinämie aus.

Nachsorge

Bei der Paraproteinämie besteht die Nachsorge vor allem aus regelmäßigen Kontrollen des Blutes und des Urins, bei denen die Menge des Paraproteins über die Jahre verfolgt wird. Dabei sollte der Betroffene idealerweise schon frühzeitig einen Arzt aufsuchen, damit es nicht zu anderen Komplikationen und Beschwerden beim Betroffenen kommt. Je früher dabei ein Arzt konsultiert wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf der Erkrankung.

Nur ein Teil der Patienten benötigt einen operativen Eingriff. Nach einer solchen Operation sollte der Körper geschont werden; von einer längeren Bettruhe wird heute jedoch abgeraten, weil sie das Risiko für Thrombosen und Lungenentzündungen erhöht. Von starken Anstrengungen ist abzusehen, um den Körper nicht unnötig zu belasten. Ebenso sollten regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen von einem Arzt durchgeführt werden, um Veränderungen schnell zu erkennen und zu behandeln.

Nicht selten ist auch die psychologische Unterstützung der eigenen Familie sehr wichtig, wobei sich vor allem liebevolle und intensive Gespräche positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung auswirken können. Der weitere Verlauf der Paraproteinämie hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab, sodass eine allgemeine Voraussage in der Regel nicht möglich ist. Eventuell schränkt diese Erkrankung auch die Lebenserwartung des Betroffenen ein.

Das können Sie selbst tun

Bei dieser Diagnose muss der Patient gründlich untersucht werden, damit festgestellt werden kann, was der Paraproteinämie zugrunde liegt. Diese zugrundeliegende Erkrankung ist möglicherweise ein Tumor und muss entsprechend behandelt werden. Auch die im weiteren Verlauf der Erkrankung fälligen Kontrolluntersuchungen sollten eingehalten und hinzukommende körperliche Beschwerden ernst genommen werden.

Die Patienten, die an einer Paraproteinämie leiden, fühlen sich meist müde und abgeschlagen. Hinzu kommt eine verstärkte Infektanfälligkeit. Um diese Beschwerden zu minimieren, ist ein entsprechender Lebensstil hilfreich. Dieser Lebensstil setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Zum einen ist das die Ernährung, die aus frischen Zutaten bestehen und vitamin- und ballaststoffreich sein sollte. Eventuell bestehendes Übergewicht sollte schonend abgebaut werden. Um Giftstoffe aus dem Körper ausschwemmen zu können, ist es zudem ratsam, viel zu trinken. Hier haben sich stille Mineralwasser, Tees und dünne Saftschorlen bewährt.

Neuesten Forschungen zufolge hat eine gesunde Ernährung auch einen positiven Einfluss auf eventuell bestehende Depressionen. Da Paraproteinämie eine sehr belastende Diagnose ist, ist möglicherweise eine zusätzliche psychotherapeutische Begleitung angezeigt. Ein Paraproteinämie-Patient profitiert ebenso von einem geregelten Schlaf- und Wachrhythmus. Auf Alkohol und Nikotin sollte er verzichten und sich stattdessen regelmäßig sportlich betätigen. Hier haben sich lange Waldspaziergänge oder Radtouren an der frischen Luft bewährt.

Quellen

  • Kreuzer, K.-A. (Hrsg.): Referenz Hämatologie.
    ISBN: 9783132400535
  • Engelhardt, M., Reinhardt, H., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch.
    ISBN: 9783662736135
  • Andreesen, R., Heimpel, H. (Hrsg.): Klinische Hämatologie.
    ISBN: 9783437295904
  • Thomas, L.: Labor und Diagnose.
    ISBN: 9783981620801
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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