Morbus Waldenström

Der Morbus Waldenström, auch unter dem Namen Waldenströms Makroglobulinämie bekannt, gehört zu den Leukämien, genauer gesagt zu den Lymphomen. Die langsam fortschreitende Erkrankung ist eher selten und betrifft meist ältere Patienten, Patienten unter 40 Jahren sind nur in Ausnahmefällen betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Waldenström?

Die Makroglobulinämie Waldenström ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die nach dem schwedischen Arzt Jan Waldenström benannt wurde. Dieser beschrieb die Krankheit erstmalig in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Beim Morbus Waldenström kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von den B-Lymphozyten, welche zu den weißen Blutkörperchen, den Leukozyten, gehören. Dabei entstehen sehr viele, aber funktionsgestörte B-Lymphozyten. B-Lymphozyten spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr. Sie sind für die Produktion von Antikörpern, den sogenannten Immunglobulinen, zuständig. Die gestörten B-Lymphozyten beim Morbus Waldenström produzieren eins dieser Immunglobuline, das Immunglobulin M (IgM) in großen Mengen.

Dieses von den entarteten Zellen produzierte IgM ist allerdings funktionslos. Man spricht in diesem Fall von einem Paraprotein und bei dem vermehrten Auftreten von Paraproteinen im Blut von einer Paraproteinämie. B-Lymphozyten werden ebenso wie die meisten anderen Blutzellen im Knochenmark gebildet. Da beim Morbus Waldenström aber abnormal viele B-Lymphozyten gebildet werden, infiltrieren diese das Knochenmark und verdrängen die Stammzellen, aus denen die anderen Blutzellen gebildet werden. Die entarteten B-Lymphozyten können aber auch andere Organe wie die Milz, die Lymphknoten oder die Leber infiltrieren.

Ursachen

Der Morbus Waldenström ist eine seltene Erkrankung. Sie tritt etwa einmal pro 100.000 Einwohner pro Jahr in Deutschland auf. Die meisten Patienten sind bei der Diagnosestellung über 60 Jahre alt, nur selten wird die Diagnose Morbus Waldenström bei Patienten gestellt, die jünger als 40 Jahre sind.

Die Ursache für die Makroglobulinämie Waldenström ist wie bei den meisten Leukämieformen noch ungeklärt. Diskutiert werden allerdings verschiedene auslösende Faktoren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass verschiedene Chemikalien, darunter vor allem Benzol, zu Störungen in der Blutbildung führen können. Dasselbe gilt für Zytostatika. Nicht selten erkranken Tumorpatienten nach einer Behandlung mit zytostatischen Medikamenten an einer Leukämie. Ähnliches wird bei ionisierender Strahlung beobachtet. In der Medizin kommt ionisierende Strahlung zum Beispiel beim Röntgen oder bei der Strahlentherapie in der Krebsbehandlung zum Einsatz.

Viren stehen ebenfalls in Verdacht bei der Entwicklung von Leukämien und Tumoren eine wichtige Rolle zu spielen. Hier sind vor allem Hepatitis-B- und –C-Viren, humane Papillomviren und das Epstein-Barr-Virus zu nennen. Eine genetische Vorbelastung und psychogene Faktoren werden ebenfalls als Auslöser oder Ursache für Leukämien diskutiert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Morbus Waldenström bleibt häufig unentdeckt und ist in der Regel eine Zufallsdiagnose bei Routineblutuntersuchungen. Die Symptome der Erkrankung werden einerseits durch die Infiltration des Knochenmarks und der Organe und andererseits durch die Paraproteinämie verursacht.

Durch die Infiltration des Knochenmarks ist die Produktion der anderen Blutzellen stark eingeschränkt. Durch den Mangel an roten Blutkörperchen kommt es zu einer Anämie mit den typischen Anämiesymptomen wie starker Müdigkeit, Blässe, Frösteln, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder Schwindel. Auch Thrombozyten werden nicht mehr ausreichend produziert. Thrombozyten sind Blutplättchen und wichtiger Teil der Blutgerinnung.

Sind zu wenige Thrombozyten im Blut kommt es wie beim Morbus Waldenström zu einer erhöhten Blutungsneigung. Diese zeigt sich beispielsweise in häufigem Nasenbluten oder dem vermehrten Auftreten von blauen Flecken. Beim Morbus Waldenström werden zwar Immunglobuline produziert, diese sind aber funktionslos. Es fehlt an funktionierenden Antikörpern. Die Folge ist eine verstärkte Infektneigung. Etwa zwei Drittel aller Morbus Waldenström Patienten klagen über Polyneuropathien, das heißt Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Brennen, Ameisenlaufen oder fehlende Wahrnehmung, in den Extremitäten.

Dies wird verursacht durch die gestörten Immunglobuline, die sich in den Nerven absetzen. Die Immunglobuline können auch eine Leberschwellung, eine Lymphknotenschwellung oder punktförmige Hauteinblutungen verursachen. Durch die Überproduktion der Paraproteine wird zudem das Blut verdickt, sodass es nicht mehr so schnell fließen kann. Dies äußert sich unter anderem in unspezifischen Symptomen wie Schwäche, Müdigkeit oder Appetitverlust. Auch Seh- oder Hörverlust kann durch dieses sogenannte Hyperviskositätssyndrom verursacht werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose Morbus Waldenström wird durch verschiedene laborchemische, genetische und immunologische Untersuchungen gestellt. Im Labor wird mittels Eiweißelektrophorese das abnormale und stark erhöhte Immunglobulin M nachgewiesen. Es wird eine Knochenmarkspunktion durchgeführt, wobei das Knochenmarkspunktat eine starke Vermehrung der B-Lymphozyten zeigt. Diese Lymphozyten weisen auch eine spezielle genetische Mutation auf. Um das Ausmaß der Infiltrationen im Körper zu bestimmen, kommen bildgebende Verfahren wie die Computertomographie oder die Magnetresonanztomographie zum Einsatz.

Die Erkrankung schreitet ohne Behandlung nur langsam voran. Mit Behandlung beträgt die mittlere Überlebenszeit 7,7 Jahre, das heißt, dass innerhalb dieser Zeit ab der Diagnosestellung die Hälfte aller Patienten verstorben ist.

Komplikationen

In den meisten Fällen wird der Morbus Waldenström nur durch eine zufällige Untersuchung diagnostiziert, sodass eine frühzeitige Behandlung in der Regel nicht möglich ist. Die Betroffenen leiden dabei an einer stark ausgeprägten Anämie und damit auch an einer Müdigkeit und an einer Blässe. Auch die Belastbarkeit des Betroffenen wird durch die Beschwerden deutlich verringert und es tritt eine Abgeschlagenheit auf.

Weiterhin leiden die Patienten auch an Störungen der Konzentration und an starken Schwindelgefühlen. Es kommt zu Kopfschmerzen, wobei vor allem Kinder in ihrer Entwicklung durch diese Beschwerden beeinträchtigt werden können. Die Lebensqualität des Patienten wird durch den Morbus Waldenström deutlich eingeschränkt. Nicht selten leiden die Betroffenen auch an Nasenbluten und an Lähmungen oder anderen Empfindungsstörungen.

Auch Hautblutungen oder ein Appetitverlust können auftreten und dabei den Alltag des Betroffenen weiterhin einschränken. Eine ursächliche Therapie des Morbus Waldenström ist leider nicht möglich. Die Beschwerden können allerdings mit Hilfe von Medikamenten relativ gut eingeschränkt werden. Komplikationen treten hierbei nicht auf und es kommt stets zu einem positiven Krankheitsverlauf. Auch die Lebenserwartung wird bei einer erfolgreichen Behandlung in der Regel nicht verringert oder eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einem anhaltenden oder zunehmenden Krankheitsgefühl sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu einem diffusen Unwohlsein, einer innere Unruhe oder einem Verlust des Wohlbefindens, ist ein Arztbesuch anzuraten. Da die Erkrankung meist nur durch einen Zufallsbefund entdeckt wird, ist eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber körperlichen Veränderungen und Beeinträchtigungen bei der Alltagsbewältigung notwendig. Zur Risikogruppe von Morbus Waldenström gehören Frauen in einem Alter ab 40 Jahren. Insbesondere sie sollten bei Unregelmäßigkeiten oder Veränderungen einen Arzt konsultieren. Kommt es zu Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder einer Abnahme der geistigen wie körperlichen Leistungsfähigkeit, besteht Anlass zur Besorgnis.

Bei Störungen der Konzentration und Aufmerksamkeit, Schwindel oder Erbrechen ist eine Abklärung der Beschwerden notwendig. Die Bildung von blauen Flecken oder anderen Hautveränderungen, eine plötzliche Blutungsneigung sowie Unregelmäßigkeiten des Monatszyklus sind mit einem Arzt zu besprechen. Abgeschlagenheit, Mattigkeit sowie eine schnelle Ermüdung weisen auf gesundheitliche Störungen hin und sollten untersucht werden. Steigt die Neigung zu Infekten, kommt es zu Sensibilitätsstörungen auf der Haut, einem Taubheitsgefühl oder einer kribbelnden Wahrnehmung am Körper, wird ein Arzt benötigt. Ein blasses Erscheinungsbild, Störungen der Durchblutung oder Veränderungen des Herzrhythmus geben Anlass zur Besorgnis. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen unvermindert an, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Therapie & Behandlung

Eine Therapie erfolgt erst dann, wenn die Erkrankung Symptome verursacht. Das Ziel der Therapie ist beim Morbus Waldenström nicht die Heilung der Erkrankung, sondern die Beseitigung beziehungsweise Linderung der Symptome. Man spricht hier von einem palliativen Therapieansatz. Zum Einsatz kommt eine Kombination aus Zytostatika und Kortison.

Sind sehr viele IgM im Blut vorhanden und beeinträchtigen so die Fließeigenschaften des Blutes, kann auch eine Plasmapherese durchgeführt werden. Dabei wird das Blutplasma und damit auch die darin enthaltenen Paraproteine mit einem Plasmapheresegerät ausgetauscht.

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Vorbeugen

Da die Ursachen des Morbus Waldenström immer noch nicht ausreichend geklärt sind, gibt es auch keine Präventionsmaßnahmen gegen die Krankheit. Um das Risiko einer Erkrankung zu senken, sollte der Kontakt mit chemischen Schadstoffen wie beispielsweise Benzol gemieden werden. Auch auf überflüssige Strahlenbelastungen, beispielsweise durch vermehrte Röntgenuntersuchungen, sollte verzichtet werden.

Das können Sie selbst tun

Morbus Waldenström ist eine sehr seltene Erkrankheit, die zunächst ärztlich abgeklärt und behandelt werden muss. Gegen die Folgen, die eine Infiltration des Knochenmarks hat, kann unter Umständen selbst vorgegangen werden. Betroffene sollten zudem Maßnahmen ergreifen, um die mit der Erkrankung einhergehende seelische Belastung zu reduzieren.

Begleitend zur ärztlichen Physiotherapie können Krankengymnastik oder Yoga durchgeführt werden. Körperliche Übungen helfen, den Bewegungsapparat zu stärken und die Schmerzen zu lindern. Daneben ist allerdings auch ausreichend Ruhe und Entspannung wichtig. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich die Beschwerden nicht verstärken. Liegt begleitend zu den Hauptsymptomen ein Hyperviskositätssyndrom zugrunde, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Der Patient kann diese unterstützen, indem er etwaige Neben- und Wechselwirkungen in einem Beschwerdetagebuch notiert und die Ergebnisse dem Arzt mitteilt.

Zuletzt muss bei Morbus Waldenström immer auch therapeutische Hilfe gesucht werden. So können die Patienten zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe aufsuchen und mit anderen Betroffenen sprechen. Auch in Internetforen oder in Fachzentren für entsprechende Erkrankungen finden Erkrankte Unterstützung und Aufklärung. Sämtliche Maßnahmen sollten in Rücksprache mit dem zuständigen Orthopäden oder Internisten erfolgen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Murphy, K., Travers, P., Walport, M.: Janeway – Immunologie. Spektrum, Heidelberg, 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Knut kommentierte am 18.04.2017

Ich habe einen, vor ca. drei Jahren entdeckten, Morbus Waldenström. Eine der unangenehmsten Nebenwirkungen ist eine ständige, heftige Müdigkeit. Diese Krankheit ist nicht oder nur mit immens teuren Medikamenten bzw. Medi-Kombinationen zu bekämpfen - allerdings wohl im Endeffekt nicht heilbar. Ich habe jetzt mehrfach von der Kombination mit Methadon gehört. Ich musste früher schon einmal fast 15 Monate Oxycodon nehmen und bin nach einer OP dann innerhalb von vier Wochen durch langsames Ausschleichen ohne jedes Problem davon abgekommen. Ich habe während der Zeit mit dem Opiad-Auszug aber ständig gearbeitet und bin auch lange Strecken gefahren. Ohne dass ich das weiter realisiert habe, erhielt ich wegen einer Zahngeschichte vor vielen Jahren schon Methadon für einen kürzeren Zeitraum. Allerdings konnte man sich damals immer nur für Schmerzfreiheit (dann totale Müdigkeit) oder für starke Schmerzen entscheiden. Meine Frage geht dahin, ob die Methadon-Entdeckung der Ärztin der Uniklinik Ulm, bzw. die Entdeckungen der Ärzte in der Charité, auch für meine Krebsart anwendbar wären. Bei der Gelegeheit: Dass die Pharmaindustrie in abgelaufene Patente nichts mehr hereinsteckt - vor allem, wenn keine Medikamente mit einem Grundpreis von tausenden Euro herauskommen können - ist klar. Allerdings gehöre ich zu den früher selbstständigen Rentnern mit einer Minirente von
ca. 920,- € und mtl. Krankenkassenbeiträgen (DKV) von über 800,- €. So lange ich noch Freelancer bin, kann ich mir private Arztbesuche usw. erlauben, aber das wird in überschaubarer Zeit nicht mehr möglich sein. Wenn ich also lese, dass z.B. bestimmte Medikamente (Rituximab bzw. dieses ersetzende, wohl oral anzuwendende Mittel wie Ibrutinib) helfen können, dann sehe ich gleichzeitig, dass ich mir diese Mittel nicht "leisten kann". Ich war bis vor ca. anderthalb Jahren in Mainz bei einem Hämatologen in Behandlung - damals waren Medikamente nach Aussage des Arztes noch nicht sinnvoll. Meine Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Nachtschwitzen usw. werden aber immer heftiger und ich bin jetzt in Berlin und würde gerne einen Beratungstermin dazu haben. Die alten Patientendaten aus Mainz könnte ich natürlich anfordern. Wer kann mich zu der Sache konkret beraten und mir den weiteren Weg aufzeigen?