Peritonsillarabszess

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Der Peritonsillarabszess ist in der Regel die Komplikation einer bakteriellen Infektion im Hals-Rachen-Bereich. Am häufigsten wird das krankhafte Geschehen von Bakterien der Spezies Streptokokkus Typ A hervorgerufen. Die Behandlung entspricht einer Abszess-Entleerung mit anschließender Entfernung der Mandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Peritonsillarabszess?

Der Musculus constrictor pharyngis ist ein mehrteiliger Muskel, der zur Rachenmuskulatur zählt und sich unweit der Gaumenmandeln befindet. Im Bereich zwischen Gaumenmandel und Musculus constrictor pharyngis können sich Abszesse bilden. Dabei handelt es sich um abgekapselte Ansammlungen von Eiter, die sich in einem präformierten Gewebehohlraum befinden. An der Bildung von Abszessen sind meist Bakterien beteiligt.

Der Eiter entspricht in diesem Fall einer Mischung aus abgestorbenen Körperzellen, Bakterien und Immunzellen. Wenn ein Abszess zwischen den Mandeln und dem Musculus constrictor pharyngis entsteht, ist von einem Peritonsillarabszess die Rede. Mit einem unbehandelten Peritonsillarabszess ist akute Lebensgefahr assoziiert, da der Abszess in das Spatium parapharyngeum einbrechen und ins Mediastinum absinken könnte.

Wie jeder Abszess besteht auch der Peritonsillarabszess aus einer Abszesshöhle aufgrund von entzündlichen Einschmelzungen des Gewebes und dem darin liegenden Eiter. Bei jedem Abszess besteht die Gefahr, dass er sich entlang von Spalträumen weiter ausbreitet und so beträchtlich an Größe zunimmt. Oft bilden Abszesse Fisteln, die den Abszess in Form eines Gangsystems mit inneren oder äußeren Körperflächen verbinden. Der Peritonsillarabszess entspricht in der Regel einen bakteriellen Abszess und ist damit eher nicht als steriler Abszess zu verstehen.

Ursachen

Bakterielle Abszesse entstehen in Folge einer bakteriellen Infektion. Eine solche Infektion ist die Angina lacunaris. Dabei handelt es sich um eine Form der Mandelentzündung, bei der die bakteriellen Beläge über die Struktur der Mandeln hinausreichen. Meist sind solche Entzündungen die Folge einer Infektion mit dem Bakterium Streptokokkus Typ A.

Der Peritonsillarabszess kann die Komplikation einer Angina lacunaris sein. Die Entzündung und mit ihr die Bakterien breiten sich zunächst im Bindegewebe zwischen den Gaumenmandel und dem Musculus constrictor pharyngis aus, was zu einer Peritonsillitis führt. Diese Peritonsillitis hat schließlich die Abszessbildung zur Folge. Der Abszess muss nicht zwingend mit dieser Ätiologie entstehen.

Auch nach einer Pharyngitis acuta und Behandlungen wie der Tonsillektomie kann sich ein Peritonsillarabszess bilden, soweit die Mandeln nicht vollständig entfernt wurden. Da die Streptokokken Typ A allerdings die bevorzugten Erreger des Abszesses bleiben, ist beim Peritonsillarabszess häufig von einer aerob-anaeroben Mischinfektion die Rede, die als Komplikation der Angina lacunaris und seltener auch der Pharyngitis acuta zu erwarten ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Peritonsillarabszess bildet sich als Spätfolge einer Angina lacunaris und tritt dementsprechend nicht in der akuten Phase, sondern einige Tage nach der Entzündung auf. Die Patienten leiden an einseitigen Schluckbeschwerden, die ihnen die Nahrungsaufnahme erschweren. Aufgrund der verminderten Nahrungsaufnahme befinden sich die Betroffenen in einem eher schlechten Allgemeinzustand, wobei ihre Körpertemperatur infektiös erhöht ist.

Die Sprache der Patienten wirkt kloßig. Oft klagen die Betroffenen in der Anamnese über stechende Ohrenschmerzen, die auch als Otalgie bekannt sind. Eine übermäßige Speichelproduktion im Sinne einer Hypersalivation stellt sich ein. In manchen Fällen können die Patienten kaum mehr den Mund öffnen, sodass sich eine Kieferklemme beobachten lässt. Eine der schwerwiegendsten Komplikation des Abszesses stellt sich mit dem Einbruch ins Spatium parapharyngeum ein.

Der Abszess und mit ihm die ursächlichen Bakterien sinken so ins Mediastinum ab und rufen eine Mediastinitis hervor, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Außerdem stellt sich als ein Komplikationsrisiko der Abszess-Übergriff auf Venen der Halsregion und schließlich die Bakteriämie, die eine Sepsis hervorrufen kann. Wie alle Infektionen kann auch ein Peritonsillarabszess von allgemeinen Infektionsanzeichen wie Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit begleitet werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnostik eines Peritonsillarabszesses inspiziert der Arzt den weichen Gaumen, der auf einer Seite in der Regel von Einschränkungen betroffen ist. Oft ist der Gaumenbogen im vorderen Bereich gerötet oder wölbt sich nach vorne. Eine vergrößerte, seitlich abgedrängte Uvula vervollständigt das Krankheitsbild.

Außerdem sind die Lymphknoten infektiös vergrößert und berührungsempfindlich. Durch eine Sonographie des Halsbereichs sichert der Arzt seinen ersten Verdacht ab. Auch ein Röntgenbild dient der Absicherung der Diagnose. Falls sich der Abszess die Halsfaszien entlang ausbreitet, wird zusätzlich ein CT angefertigt. Differenzialdiagnostisch schließt der Arzt ein Uvula-Ödem aus. Eine frühe Diagnostik des Peritonsillarabszesses ist mit einer günstigen Prognose assoziiert. Falls die oben genannten Komplikationen bereits eingetreten sind, ist die Prognose wesentlich ungünstiger.

Komplikationen

In den meisten Fällen kann diese Krankheit relativ gut behandelt werden. Vor allem bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung treten keine besonderen Komplikationen auf und es kommt zu einem stets positiven Krankheitsverlauf. Die Patienten leiden bei dieser Erkrankung in erster Linie an starken Schluckbeschwerden sowie an Halsschmerzen.

Die Schluckbeschwerden können dabei zu Einschränkungen bei der Einnahme von Nahrung und Flüssigkeiten führen, sodass es zu einem Untergewicht und eventuell auch zu Mangelerscheinungen kommen kann. Auch Ohrenschmerzen oder Kopfschmerzen treten bei dieser Krankheit auf. Die Betroffenen können nicht mehr ohne Weiteres sprechen, sodass es zu erheblichen Einschränkungen im Alltag des Patienten kommt.

Weiterhin können sich die Bakterien ohne Behandlung auch in das Blut ausbreiten, sodass es im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung und damit zum Tod des Betroffenen kommen kann. Ebenso leiden die Patienten in den meisten Fällen an den Beschwerden einer Grippe, sodass es zu einer Müdigkeit und zu einer Abgeschlagenheit des Betroffenen kommt.

Mit Hilfe von Antibiotika können die Beschwerden dieser Erkrankung eingeschränkt werden. Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf und es kommt auch nicht zu einer verringerten Lebenserwartung.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Peritonsillarabszess muss immer durch einen Arzt behandelt werden. Sollte keine Behandlung eingeleitet werden, so kann es durch diese Erkrankung sogar zum Tod des Betroffenen kommen. Je früher die Behandlung beginnt, desto höher sind die Chancen auf eine vollständige Heilung. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn es zu starken Schluckbeschwerden oder zu einer Entzündung im Bereich des Mundes kommt, wobei diese Beschwerden nicht wieder von alleine verschwinden und in der Regel stärker ausfallen als sonst. Ebenso kann es zu Fieber und zu den allgemeinen Beschwerden einer Grippe kommen.

Häufig weisen auch Sprachbeschwerden auf einen Peritonsillarabszess hin und sollten daher untersucht werden. Viele Patienten können nicht mehr ohne Weiteres atmen und leiden an Schnappatmung oder an Hyperventilierung. Es kommt ebenso zu Abgeschlagenheit oder zu Schüttelfrost, wobei viele Patienten auch eine Appetitlosigkeit aufweisen.

Die Krankheit wird meist durch einen Allgemeinarzt oder durch einen HNO-Arzt diagnostiziert und behandelt. Es kommt meist zu einem positiven Krankheitsverlauf und die Lebenserwartung wird nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Da der Peritonsillarabszess aufgrund von Komplikationen oder einer zu späten Diagnose lebensgefährlich werden kann, muss so schnell wie möglich mit der Behandlung und damit Bekämpfung der ursächlichen Bakterien begonnen werden. Schon bei den ersten Anzeichen einer Peritonsillitis ist die Gabe von oralem oder parentalem Penicillin indiziert.

Auf diese Weise kann die Bildung des Abszesses unter Umständen noch verhindert werden, Als Alternative zur Penicillin-Gabe stehen Medikamente wie Clindamycin oder Cefuroxim zur Verfügung. Falls sich bereits ein voller Abszess gebildet hat, findet eine Inzision und Spreizung statt. Der Arzt verwendet dazu eine Kornzange. Einige Tage nach dem Eingriff wird nachgespreizt. Diese Behandlung soll eine hinzureichende Leerung des Abszesses bedingen.

Falls sich der Abszess nicht in ausreichendem Maß entleert, wird eine invasive Abszesstonsillektomie im Sinne einer heißen Tonsillektomie durchgeführt. Eine Tonsillektomie ist auch dann angezeigt, wenn eine zufriedenstellende Leerung erreicht werden konnte. Wird diese Behandlung rund vier Tage nach der Inzision nicht durchgeführt, bleibt ein hohes Risiko für Rezidive bestehen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Einer Peritonsillitis lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie der Angina vorzubeugen ist. Dem Peritonsillarabszess ist wiederum vorzubeugen, indem einer beginnenden Peritonsillitis mit Penicillin begegnet wird.

Das können Sie selbst tun

Ein Peritonsillarabszess muss unbedingt ärztlich eröffnet und entleert werden. Gleichzeitig werden möglicherweise die Mandeln entfernt. Die verschriebenen Medikamente, meist Penicillin, sind nach ärztlicher Anweisung konsequent einzunehmen.

Die Patienten benötigen Bettruhe, damit die Infektion abklingen kann. Gleichzeitig müssen sie ausreichend essen, auch wenn Schluckbeschwerden und Appetitlosigkeit die Nahrungsaufnahme erschweren. Hier empfiehlt sich besonders eine selbstgemachte Hühnersuppe, da sie zum einen nahrhaft ist und zum anderen auch einen eventuellen Flüssigkeitsmangel ausgleicht. Zudem kann sie erfahrungsgemäß Fieber senken. Hühnerfleisch enthält leicht verdauliches Eiweiß und das mitgekochte Gemüse bringt zusätzlich Vitamine. Selbstverständlich sind Nikotin und Alkohol für Patienten mit einem Peritonsillarabszess tabu.

Da Bakterien die Erkrankung ausgelöst haben, ist sowohl während des Heilungsverlaufs als auch zur Prophylaxe eine intensive Mundhygiene wichtig. Auch kleinere Schäden an den Zähnen und am Zahnfleisch können Bakterien beherbergen und sollten frühzeitig zahnärztlich behandelt werden. Bei der täglichen Mundhygiene werden die Zähne mindestens zweimal gründlich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt. Einmal täglich sind auch die Zahnzwischenräume zu reinigen. Dazu eignen sich Zahnseide sowie Zwischenraumbürstchen.

Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt nicht nur das Immunsystem im Kampf gegen weitere bakterielle Infektionen, sondern trägt auch dazu bei, dass die Mundflora intakt bleibt und Bakterien abwehren kann.

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009


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