Piriformis-Syndrom

Beim Piriformis-Syndrom komprimiert der Musculus piriformis den Nervus ischiadicus. Die Patienten klagen über eine starke Schmerzsymptomatik, die vom Gesäß aus in die Beine ausstrahlt. Zur Behandlung kommen vor allem Massagen und Dehnübungen zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Piriformis-Syndrom?

Das Piriformis-Syndrom zählt zu den sogenannten Nervenkompressionssyndromen. Bei diesen Syndromen wird ein Nerv komprimiert und so in seiner Funktion beeinträchtigt. Eine andere Bezeichnung für diese Art von Syndromen ist Engpasssyndrom. Das Piriformis-Syndrom bezieht sich auf eine Kompression des Ischiasnervs, der auch als Nervus ischiadicus bekannt ist.

Dabei handelt es sich um einen peripherer Nerv der unteren Extremitäten, der dem Plexus sacralis entspringt und Fasern aus den Rückenmarkssegmenten L4 bis S3 enthält. Der Ischiasnerv ist mitunter der stärkste Nerv im menschlichen Körper. Die Kompression dieses Nervs wurde erstmals 1947 beschrieben. Als Erstbeschreiber gilt Robinson. Bis zum aktuellen Zeitpunkt handelt es sich beim Piriformis-Syndrom um ein kontrovers diskutiertes Thema der Neurologie.

Verschiedene Auffassungen existieren zum Beispiel bezüglich der Definition, der Pathogenese und der Therapie des Symptomkomplexes. Aufgrund der verschiedenen Auffassungen in Bezug auf die Definition gleicht sich das diagnostische Vorgehen mitunter nicht. Damit sind Aussagen zur Epidemiologie kaum zu treffen. Spekulationen zufolge ist das Piriformis-Syndrom allerdings ein eher häufiges Syndrom, von dem Frauen weitaus häufiger betroffen sind als Männer.

Ursachen

Das Piriformis-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben. Die Kompression des Nervs ist vor allem an den Engpässen wahrscheinlich, die der Strang in seinem Verlauf überwinden muss. In der engeren Definition ist nur dann von einem Piriformis-Syndrom die Rede, wenn der Nervus ischiadicus vom Musculus piriformis komprimiert wird. Dieser Muskel entspricht einem flach pyramidalen bis birnenförmigen Muskel der Skelettmuskulatur, der zur tiefen Hüftmuskulatur zählt.

Die Innervation des Muskels erfolgt durch den Plexus sacralis oder den Nervus ischiadicus. Eine Verklemmung des Ischiasnervs unter dem Muskel kann zum Beispiel nach einem Trauma vorliegen. Mitunter am häufigsten werden Traumata im Bereich der Regio glutealis als Ursache für die Nervenkompression genannt. Unter Umständen können auch heftige Bewegungen zu einer Nervenkompression führen.

Andere Ursachen sind chronisch falsche Körperhaltungen, so vor allem inform von lang andauerndem und einseitigem Sitzen. Abhängig von der Ursache tritt das Piriformis-Syndrom entweder plötzlich ein, oder baut sich in seinen Symptomen eher schleichend auf. In einigen Fällen wurde das Syndrom ursächlich mit Geldtaschen in der Gesäßtasche, mit Überanstrengung oder dem Heben schwerer Gegenstände in Verbindung gebracht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Menschen mit dem Piriformis-Syndrom leiden vor allem an einer Schmerzsymptomatik, die sich in ihrer Stärke von Fall zu Fall unterscheiden kann. Als eines der Hauptsymptome für die Nervenkompression gelten starke Schmerzsymptome im Bereich des Gesäßes. In den meisten Fällen beschreiben die Patienten ausstrahlende Schmerzen, die zum Beispiel bis über den dorsalen Anteil des Oberschenkels abstrahlen können.

Zum Teil strahlen die Schmerzen bis über das Knie hinaus. Bei bestimmten Bewegungen werden die Schmerzen schlimmer. Zu diesen Bewegungen zählt vor allem die Drehbewegung, wie sie beim Umdrehen im Bett vollzogen wird. Auch das Übereinanderschlagen ihrer Beine verstärkt die Schmerzen der Patienten oft. Auch bewegungs- und belastungsunabhängig persistiert ein Schmerz gewissen Grades.

Zusätzlich klagen die Patienten aufgrund der Nervenkompression mitunter über Sensibilitätsstörungen, die vor allem die Beine betreffen. Diese Sensibilitätsstörungen können von einem Taubheitsgefühl bis hin zu kribbelnden Missempfindungen verschiedener Art sein. Teilweise liegen darüber hinaus auch Schmerzen im Bereich der Lenden vor.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Piriformis-Syndrom gleicht in seinen Symptomen auf den ersten Blick einer Nervenwurzelreizung des Nervus ischiadicus. Auch ein Bandscheibenvorfall kann ähnliche Symptome hervorrufen. Daher muss der Arzt bei der Diagnostik diese beiden Phänomene differentialdiagnostisch zum Ausschluss bringen. Zur Diagnose des Piriformis-Syndroms stehen verschiedene Tests zur Verfügung.

Dazu zählt zum Beispiel der Muskeltest. Bei gestreckter Hüfte fungiert der komprimierende Muskel als Außenrotator. Bei gebeugter Hüfte fungiert er dagegen als Abduktor. Wenn diese Bewegungen gegen Widerstand vom Patienten ausgeführt werden, werden damit charakteristischerweise die Schmerzen des Piriformis-Syndroms provoziert. Neben diesem Provokationstest steht ein schmerzprovozierender Dehntest als diagnostisches Instrument zur Verfügung. Die Prognose für Patienten mit dem Syndrom hängt von der Ursache ab.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es durch das Piriformis-Syndrom zu sehr starken und unangenehmen Schmerzen im Gesäß. Diese Schmerzen können sich dabei nicht selten auch in den Rücken oder in andere Regionen des Körpers ausbreiten. Sie treten vor allem beim Sitzen oder im Liegen auf und können dabei die Lebensqualität des Betroffenen erheblich verringern. Eventuell ist auch die Ausführung verschiedener Tätigkeiten für den Patienten nicht mehr ohne Weiteres möglich.

Ebenso kann es dabei zu Lähmungen oder zu anderen Störungen der Sensibilität kommen. Auch sportliche Betätigungen sind für den Betroffenen in vielen Fällen nicht mehr möglich. Weiterhin sind die Patienten nicht selten gereizt und leicht depressiv. In der Regel kann beim Piriformis-Syndrom die Ursache der Schmerzen nicht direkt lokalisiert werden. Aus diesem Grund ist auch eine gezielte Behandlung nicht möglich.

Die Schmerzen und Symptome können mit Hilfe von Therapien oder Massagen behandelt und eingeschränkt werden. Dabei treten auch keine besonderen Komplikationen auf. Auch verschiedene Dehnübungen können die Beschwerden des Piriformis-Syndroms beseitigen. Das Syndrom beeinflusst dabei in der Regel nicht die Lebenserwartung des Patienten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es beim Piriformis-Syndrom nicht zu einer Selbstheilung kommt, muss diese Krankheit in jedem Fall durch einen Arzt untersucht und behandelt werden. Nur durch eine ärztliche Behandlung können die Schmerzen eingeschränkt werden. Der Arzt ist beim Piriformis-Syndrom dann aufzusuchen, wenn es im Bereich des Gesäßes zu starken Schmerzen kommt. Die Schmerzen können sporadisch und ohne einen besonderen Grund auftreten und damit das Leben des Betroffenen erschweren und die Lebensqualität verringern. Vor allem in der Nacht kann es zu starken Schmerzen und zu Schlafbeschwerden kommt. Der Arzt ist auch dann aufzusuchen, wenn die Schmerzen sich bis in die Oberschenkel ausbreiten. Weiterhin ist ein Besuch bei einem Arzt beim Piriformis-Syndrom dann notwendig, wenn der Betroffene an Störungen der Sensibilität oder an verschiedenen Missempfindungen leidet.

Das Piriformis-Syndrom kann durch einen Orthopäden oder durch einen Sportmediziner behandelt werden. Ob es zu einer vollständigen Heilung kommt, kann nicht im Allgemeinen vorhergesagt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Krankheit jedoch nicht negativ beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Therapie des Piriformis-Syndroms hat eine Befreiung des komprimierten Nervs zum Ziel. Diese Befreiung findet möglichst früh genug statt, um bleibende Schädigungen des Nervs zu unterbinden. Die Therapie entspricht einer kausalen Therapie. Die Ursache der Schmerzsymptomatik soll durch die einzelnen Therapieschritte behoben werden. In der Regel finden zur Dekomprimierung des Ischiasnervs zunächst keine invasiven Therapien statt.

Die Behandlung setzt sich vielmehr aus konservativen Schritten zusammen. Zu diesen konservativen Behandlungsschritten zählen zum Beispiel gezielte Massagen, die Verspannungen des Musculus piriformis lösen sollen und den Nerv damit aus seiner komprimierten Lage befreien. Zusätzlich zu den Massagen kann eine sogenannte Triggerpunktbehandlung stattfinden. Auch diese Behandlung löst myofasziale Triggerpunkte im Sinne von lokal begrenzten Muskelverhärtungen der Skelettmuskulatur auf.

In Kombination zu diesen Behandlungen findet im Rahmen des Piriformis-Syndroms meist eine Bewegungstherapie statt, die vorwiegend aus Dehnübungen besteht. Die Dehnung des Muskels kann den komprimierten Nerv in seine physiologische Position zurückbefördern. Gegen ihre Schmerzen erhalten die Patienten in der Regel schmerzstillende Medikamente. Falls sich der Nerv durch konservative Therapieschritte auf lange Sicht nicht aus der Kompression befreien lässt, kann unter Umständen ein operativer Eingriff stattfinden. Zu derartigen Eingriffen kommt es allerdings annähernd nie.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeuguung

Dem Piriformis-Syndroms lässt sich durch Haltungsschulungen und regelmäßige Dehnungen des Musculus piriformis zumindest in Maßen vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Dieses Syndrom ist unterschiedlich stark ausgeprägt und kann dementsprechend zu unterschiedlich starken Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen führen. Je nach Stärke der Beschwerden wird der Arzt Massagen verschreiben, die Verspannungen und Engpässe auflösen und damit das Beschwerdebild verbessern sollen. Auch Dehnübungen helfen, den Engpass im Bereich des Nervus ischiadicus zu beheben. Die Patienten können sich entsprechende Übungen von ihrem Physiotherapeuten zeigen lassen. Auch im Yoga finden sich viele Dehnübungen, die das Piriformis-Syndrom lindern, wie beispielsweise „die Taube“.

Wer die Schmerzen nicht ausschließlich mit Medikamenten bekämpfen möchte, kann die schmerzenden Stellen auch einreiben. Dabei können verschiedene Salben oder Gele zum Einsatz kommen, die Diclofenac oder Ibuprofen enthalten. Es gibt auch Salben, denen homöopathische Mittel beigemischt sind und sich beim Piriformis-Syndrom ebenfalls bewährt haben. Dazu gehören beispielsweise Salben mit Schüssler-Salzen oder mit Mischungen aus Heilpflanzen. Schmerzgele haben den Vorteil, dass sie die schmerzenden Bereiche angenehm kühlen. Werden sie jedoch häufig angewendet, trocknen sie die Haut aus. Salben hingegen pflegen die Haut zusätzlich und sind daher für Dauereinsatz empfehlenswerter.

All diese klassischen Behandlungsmaßnahmen brauchen ihre Zeit, bis sie greifen. Das Piriformis-Syndrom muss aber nur in den seltensten Fällen operativ behandelt werden. Geduld und die nötige Compliance zahlen sich daher für den Patienten aus.

Video: Was tun beim Piriformis-Syndrom?

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 29. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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