Piriformis-Syndrom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Beim Piriformis-Syndrom komprimiert der Musculus piriformis den Nervus ischiadicus. Die Patienten klagen über eine starke Schmerzsymptomatik, die vom Gesäß aus in die Beine ausstrahlt. Zur Behandlung kommen vor allem Massagen und Dehnübungen zum Einsatz.
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Was ist das Piriformis-Syndrom?
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Das Piriformis-Syndrom zählt zu den sogenannten Nervenkompressionssyndromen. Bei diesen Syndromen wird ein Nerv komprimiert und so in seiner Funktion beeinträchtigt. Eine andere Bezeichnung für diese Art von Syndromen ist Engpasssyndrom. Das Piriformis-Syndrom bezieht sich auf eine Kompression des Ischiasnervs, der auch als Nervus ischiadicus bekannt ist.
Dabei handelt es sich um einen peripheren Nerv der unteren Extremitäten, der dem Plexus sacralis entspringt und Fasern aus den Rückenmarkssegmenten L4 bis S3 enthält. Der Ischiasnerv ist der stärkste Nerv im menschlichen Körper. Die Kompression dieses Nervs wurde erstmals 1947 beschrieben. Als Erstbeschreiber gilt Robinson. Bis zum aktuellen Zeitpunkt handelt es sich beim Piriformis-Syndrom um ein kontrovers diskutiertes Thema der Neurologie.
Verschiedene Auffassungen existieren zum Beispiel bezüglich der Definition, der Pathogenese und der Therapie des Symptomkomplexes. Aufgrund der verschiedenen Auffassungen in Bezug auf die Definition gleicht sich das diagnostische Vorgehen mitunter nicht. Damit sind Aussagen zur Epidemiologie kaum zu treffen. Spekulationen zufolge ist das Piriformis-Syndrom allerdings ein eher häufiges Syndrom, von dem Frauen weitaus häufiger betroffen sind als Männer.
Ursachen
Die Innervation des Muskels erfolgt durch den Plexus sacralis oder den Nervus ischiadicus. Eine Verklemmung des Ischiasnervs unter dem Muskel kann zum Beispiel nach einem Trauma vorliegen. Mitunter am häufigsten werden Traumata im Bereich der Regio glutealis als Ursache für die Nervenkompression genannt. Unter Umständen können auch heftige Bewegungen zu einer Nervenkompression führen.
Andere Ursachen sind chronisch falsche Körperhaltungen, so vor allem in Form von lang andauerndem und einseitigem Sitzen. Abhängig von der Ursache tritt das Piriformis-Syndrom entweder plötzlich ein, oder baut sich in seinen Symptomen eher schleichend auf. In einigen Fällen wurde das Syndrom ursächlich mit Geldtaschen in der Gesäßtasche, mit Überanstrengung oder dem Heben schwerer Gegenstände in Verbindung gebracht.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Menschen mit dem Piriformis-Syndrom leiden vor allem an einer Schmerzsymptomatik, die sich in ihrer Stärke von Fall zu Fall unterscheiden kann. Als eines der Hauptsymptome für die Nervenkompression gelten starke Schmerzsymptome im Bereich des Gesäßes. In den meisten Fällen beschreiben die Patienten ausstrahlende Schmerzen, die zum Beispiel bis über den dorsalen Anteil des Oberschenkels abstrahlen können.
Zum Teil strahlen die Schmerzen bis über das Knie hinaus. Bei bestimmten Bewegungen werden die Schmerzen schlimmer. Zu diesen Bewegungen zählt vor allem die Drehbewegung, wie sie beim Umdrehen im Bett vollzogen wird. Auch das Übereinanderschlagen ihrer Beine verstärkt die Schmerzen der Patienten oft. Auch bewegungs- und belastungsunabhängig persistiert ein Schmerz gewissen Grades.
Zusätzlich klagen die Patienten aufgrund der Nervenkompression mitunter über Sensibilitätsstörungen, die vor allem die Beine betreffen. Diese Sensibilitätsstörungen können von einem Taubheitsgefühl bis hin zu kribbelnden Missempfindungen verschiedener Art sein. Teilweise liegen darüber hinaus auch Schmerzen im Bereich der Lenden vor.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Das Piriformis-Syndrom gleicht in seinen Symptomen auf den ersten Blick einer Nervenwurzelreizung des Nervus ischiadicus. Auch ein Bandscheibenvorfall kann ähnliche Symptome hervorrufen. Daher muss der Arzt bei der Diagnostik diese beiden Phänomene differentialdiagnostisch zum Ausschluss bringen. Zur Diagnose des Piriformis-Syndroms stehen verschiedene Tests zur Verfügung.
Dazu zählt zum Beispiel der Muskeltest. Bei gestreckter Hüfte fungiert der komprimierende Muskel als Außenrotator. Bei gebeugter Hüfte fungiert er dagegen als Abduktor. Wenn diese Bewegungen gegen Widerstand vom Patienten ausgeführt werden, werden damit charakteristischerweise die Schmerzen des Piriformis-Syndroms provoziert. Neben diesem Provokationstest steht ein schmerzprovozierender Dehntest als diagnostisches Instrument zur Verfügung. Ein bildgebendes Verfahren oder ein Labortest, der das Piriformis-Syndrom beweisen könnte, existiert nicht. Die Diagnose ist daher eine Ausschlussdiagnose: Sie wird erst gestellt, wenn ein Bandscheibenvorfall und andere Ursachen einer Ischiasreizung ausgeschlossen sind. Das ist auch der Grund, warum die Behandlung von der eines Bandscheibenvorfalls abweicht - sie richtet sich auf den verspannten Muskel und nicht auf die Wirbelsäule. Die Prognose für Patienten mit dem Syndrom hängt von der Ursache ab.
Komplikationen
Ebenso kann es dabei zu Lähmungen oder zu anderen Störungen der Sensibilität kommen. Auch sportliche Betätigungen sind für den Betroffenen in vielen Fällen nicht mehr möglich. Weiterhin sind die Patienten nicht selten gereizt und leicht depressiv. In der Regel kann beim Piriformis-Syndrom die Ursache der Schmerzen nicht direkt lokalisiert werden. Die Behandlung setzt deshalb an dem verspannten Muskel an, auch wenn der genaue Auslöser offenbleibt.
Die Schmerzen und Symptome können mit Hilfe von Therapien oder Massagen behandelt und eingeschränkt werden. Massagen und Dehnübungen können die Beschwerden allerdings vorübergehend verstärken, und zu kräftig ausgeführt belasten sie den gereizten Nerv zusätzlich. Die wichtigste Komplikation besteht darin, dass hinter den Beschwerden in Wirklichkeit eine andere Erkrankung steckt - etwa ein Bandscheibenvorfall - und diese dadurch unbehandelt bleibt. Das Syndrom beeinflusst dabei in der Regel nicht die Lebenserwartung des Patienten.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Leichte Beschwerden klingen häufig von selbst wieder ab, wenn die auslösende Belastung - etwa langes einseitiges Sitzen - wegfällt. Halten die Schmerzen jedoch an, kehren sie immer wieder oder sind sie stark, muss das Piriformis-Syndrom ärztlich untersucht und behandelt werden. Das ist auch deshalb wichtig, weil dieselben Beschwerden von einem Bandscheibenvorfall herrühren können, der anders behandelt wird. Der Arzt ist beim Piriformis-Syndrom dann aufzusuchen, wenn es im Bereich des Gesäßes zu starken Schmerzen kommt. Die Schmerzen können sporadisch und ohne einen besonderen Grund auftreten und damit das Leben des Betroffenen erschweren und die Lebensqualität verringern. Vor allem in der Nacht kann es zu starken Schmerzen und zu Schlafbeschwerden kommen. Der Arzt ist auch dann aufzusuchen, wenn die Schmerzen sich bis in die Oberschenkel ausbreiten. Weiterhin ist ein Besuch bei einem Arzt beim Piriformis-Syndrom dann notwendig, wenn der Betroffene an Störungen der Sensibilität oder an verschiedenen Missempfindungen leidet.
Das Piriformis-Syndrom kann durch einen Orthopäden oder durch einen Sportmediziner behandelt werden. Ob es zu einer vollständigen Heilung kommt, kann nicht im Allgemeinen vorhergesagt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Krankheit jedoch nicht negativ beeinflusst.
Behandlung & Therapie
Die Therapie des Piriformis-Syndroms hat eine Befreiung des komprimierten Nervs zum Ziel. Diese Befreiung findet möglichst früh genug statt, um bleibende Schädigungen des Nervs zu unterbinden. Die Therapie entspricht einer kausalen Therapie. Die Ursache der Schmerzsymptomatik soll durch die einzelnen Therapieschritte behoben werden. In der Regel finden zur Dekomprimierung des Ischiasnervs zunächst keine invasiven Therapien statt.
Die Behandlung setzt sich vielmehr aus konservativen Schritten zusammen. Zu diesen konservativen Behandlungsschritten zählen zum Beispiel gezielte Massagen, die Verspannungen des Musculus piriformis lösen sollen und den Nerv damit aus seiner komprimierten Lage befreien. Zusätzlich zu den Massagen kann eine sogenannte Triggerpunktbehandlung stattfinden. Auch diese Behandlung löst myofasziale Triggerpunkte im Sinne von lokal begrenzten Muskelverhärtungen der Skelettmuskulatur auf.
In Kombination zu diesen Behandlungen findet im Rahmen des Piriformis-Syndroms meist eine Bewegungstherapie statt, die vorwiegend aus Dehnübungen besteht. Die Dehnung des Muskels kann den komprimierten Nerv in seine physiologische Position zurückbefördern. Gegen ihre Schmerzen erhalten die Patienten in der Regel schmerzstillende Medikamente. Falls sich der Nerv durch konservative Therapieschritte auf lange Sicht nicht aus der Kompression befreien lässt, kann unter Umständen ein operativer Eingriff stattfinden. Zu derartigen Eingriffen kommt es allerdings annähernd nie.
Aussicht & Prognose
Das Piriformis-Syndrom ist keine erblich bedingte Erkrankung, sondern geht auf eine Verspannung, eine Verletzung oder eine dauerhafte Fehlbelastung des Muskels zurück. Bei einem großen Teil der Betroffenen bilden sich die Beschwerden unter konservativer Behandlung vollständig zurück; bei anderen kehren sie wieder, solange die auslösende Belastung fortbesteht. Der weitere Verlauf ist dabei stark von der Ausprägung und auch von der Art der Schmerzen abhängig, sodass ein allgemeiner Verlauf dabei nicht vorhergesagt werden kann.
Je früher dabei allerdings ein Arzt aufgesucht wird, desto besser ist auch der weitere Verlauf der Erkrankung. Sollte das Syndrom nicht behandelt werden, so leiden die Betroffenen an starken Schmerzen im Gesäß und im Bein. Da dabei in erster Linie die Beine betroffen sind, kommt es zu deutlichen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen.
Häufig können die Beschwerden des Piriformis-Syndroms durch Massagen und durch Maßnahmen der Physiotherapie gelindert und eingeschränkt werden. Ebenso können auch Dehnübungen hilfreich sein. Das Syndrom wird dabei nur sehr selten durch einen operativen Eingriff behandelt und schränkt auch nicht die Lebenserwartung des Betroffenen ein. Durch eine richtige Haltung und das regelmäßige Dehnen der betroffenen Partien kann dem Syndrom auch vorgebeugt werden.
Vorbeugung
Dem Piriformis-Syndrom lässt sich durch Haltungsschulungen und regelmäßige Dehnungen des Musculus piriformis zumindest in Maßen vorbeugen.
Nachsorge
Beim Piriformis-Syndrom stehen den Patienten nur sehr wenige oder nur sehr eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. In erster Linie sollte dabei schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen der Erkrankung ein Arzt kontaktiert werden, damit es zu einer frühen Diagnose und zu einer anschließenden Behandlung kommt.
Länger bestehende Beschwerden klingen selten von allein ab, sodass der Betroffene dann auf die medizinische Untersuchung und Behandlung angewiesen ist. Die meisten Patienten sind bei dieser Krankheit auf die Maßnahmen einer Krankengymnastik oder einer Physiotherapie angewiesen. Dabei können auch einige der Übungen aus diesen Therapien im eigenen Zuhause durchgeführt werden, wodurch die Behandlung häufig beschleunigt wird.
Dabei ist häufig auch die Pflege und die Unterstützung durch die eigene Familie im Alltag notwendig. Dadurch können auch Depressionen oder andere psychische Verstimmungen verhindert werden. Ebenso sollten die Betroffenen starke Anstrengungen vermeiden, um die Muskeln nicht unnötig zu belasten. Im Allgemeinen wirkt sich eine gesunde Lebensweise mit einer gesunden Ernährung positiv auf den weiteren Verlauf dieser Krankheit aus. In der Regel verringert das Piriformis-Syndrom nicht die Lebenserwartung des Betroffenen.
Das können Sie selbst tun
Dieses Syndrom ist unterschiedlich stark ausgeprägt und kann dementsprechend zu unterschiedlich starken Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen führen. Je nach Stärke der Beschwerden wird der Arzt Massagen verschreiben, die Verspannungen und Engpässe auflösen und damit das Beschwerdebild verbessern sollen. Auch Dehnübungen helfen, den Engpass im Bereich des Nervus ischiadicus zu beheben. Die Patienten können sich entsprechende Übungen von ihrem Physiotherapeuten zeigen lassen. Auch im Yoga finden sich viele Dehnübungen, die das Piriformis-Syndrom lindern, wie beispielsweise „die Taube“.
Wer die Schmerzen nicht ausschließlich mit Medikamenten bekämpfen möchte, kann die schmerzenden Stellen auch einreiben. Dabei können verschiedene Salben oder Gele zum Einsatz kommen, die Diclofenac oder Ibuprofen enthalten. Es gibt auch Salben, denen homöopathische Mittel beigemischt sind und die von manchen Betroffenen beim Piriformis-Syndrom ebenfalls angewendet werden. Dazu gehören beispielsweise Salben mit Schüssler-Salzen oder mit Mischungen aus Heilpflanzen. Für homöopathische Zubereitungen und für Schüßler-Salze ist eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung wissenschaftlich nicht belegt. Schmerzgele haben den Vorteil, dass sie die schmerzenden Bereiche angenehm kühlen. Werden sie jedoch häufig angewendet, trocknen sie die Haut aus. Salben hingegen pflegen die Haut zusätzlich und sind daher für Dauereinsatz empfehlenswerter.
All diese klassischen Behandlungsmaßnahmen brauchen ihre Zeit, bis sie greifen. Das Piriformis-Syndrom muss aber nur in den seltensten Fällen operativ behandelt werden. Geduld und die nötige Compliance zahlen sich daher für den Patienten aus.
Quellen
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ISBN: 9783132443150
- Müller-Vahl, H., Tegenthoff, M. (Hrsg.): Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome.
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- Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., et al. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Casser, H.-R., Hasenbring, M., Becker, A., Baron, R. (Hrsg.): Rückenschmerzen und Nackenschmerzen.
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