Pneumatosis coli
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Pneumatosis coli ist eine Sonderform der Pneumatosis intestinalis, die durch Gaseinlagerungen in der Wand des Colon gekennzeichnet ist. Das Phänomen geht häufig mit Zystenbildung einher. Sie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Befund, dessen Bedeutung von harmlos und zufällig entdeckt bis zum Warnzeichen einer lebensbedrohlichen Durchblutungsstörung des Darms reicht. Die Behandlung richtet sich nach der primären Ursache und kann von Antibiotikagabe bis hin zur therapeutischen Endoskopie reichen.
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Was ist Pneumatosis coli?
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Eine Pneumatosis intestinalis liegt bei einer intramuralen Gasansammlung im Verdauungstrakt vor. In der Medizin und der Radiologie handelt es sich bei diesem Phänomen um einen höchst seltenen Befund, der vorwiegend das Colon betrifft. Die Gasansammlung liegt dabei in der Wand des Dickdarms oder des weiteren Verdauungstrakts und kann in unterschiedlichen Schichten der Organe vorkommen.
Die subseröse Form unterhalb der Serosa wird von einer submukösen Form unterhalb der Mukosa differenziert. Pneumatosis intestinalis lässt sich außerdem nach betroffenem Organ einordnen. Eine intramurale Gasansammlung im Colon wird in diesem Zusammenhang Pneumatosis coli genannt. Bei einer Pneumatosis cystoides coli liegen die Gase in der Dickdarmwand in Form von zystischen Einschlüssen vor.
Die erste Begriffsverwendung der Krankheitsgruppe Pneumatosis intestinalis stammt von Lerner und Gazin und ist auf das Jahr 1946 datiert. Die genaue Ursache der Erkrankung konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Da es sich bei der Krankheit um eine extrem seltene Erkrankung handelt und somit nur wenige Fallberichte existieren, wird die Ursachenforschung vermutlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Ursachen
Die Bildung von gashaltigen Zysten ist in diesem Zusammenhang denkbar. Ebenso denkbar sind mechanische Faktoren. In einigen sekundären Fällen ist die Pneumatosis coli außerdem mit obstruktiven Lungenerkrankungen in Zusammenhang gebracht worden, so zum Beispiel mit Asthma bronchiale oder dem chronisch-obstruktiven Lungenemphysem.
Darmnekrosen infolge von Ischämien, nekrotisierende Enterokolitis, eine Sepsis und intraluminal erhöhter Druck durch Magengeschwüre sind aktuell als Ursachen im Gespräch. Außerdem konnte ein Zusammenhang mit immunsupprimierten Patienten beobachtet werden. Die Immunsuppression geht Spekulationen zufolge mit einer herabgesetzten Darmwandintegrität einher, sodass es sekundär zum Gaseintritt kommen kann.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Pneumatosis coli kann sich durch eine Reihe unterschiedlicher Symptome und Beschwerden äußern. Viele Betroffene haben allerdings überhaupt keine Beschwerden; die Gaseinschlüsse fallen dann als Zufallsbefund bei einer Untersuchung aus anderem Anlass auf. Häufig ist die Erkrankung mit einer akuten und heftigen Diarrhö verbunden. Der Durchfall tritt zu Beginn der Erkrankung auf und wird im Verlauf stärker. Begleitend dazu treten Magenschmerzen, Blähungen und gelegentlich auch blutige Ausscheidungen auf.
In Einzelfällen kann es infolge des hohen Flüssigkeitsverlusts zu Mangelerscheinungen kommen. Im Verlauf der Erkrankung kommen weitere Beschwerden hinzu, vor allem im Bereich des Magen-Darm-Traktes. Dadurch wird die Lebensqualität der Betroffenen erheblich reduziert. In der Folge entwickeln sich häufig auch psychische Beschwerden wie Depressionen oder Ängste.
Bei chronischem Verlauf können sich zusätzlich Minderwertigkeitskomplexe und ein verringertes Selbstwertgefühl entwickeln. Auf körperlicher Seite kann eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie der Morbus Crohn die Ursache einer Pneumatosis coli sein. Dann treten chronische Magen-Darm-Beschwerden auf, etwa Flatulenzen und ein aufgeblähter Bauch, die eine weitere gesundheitliche Belastung für den Betroffenen darstellen.
Wird die Erkrankung frühzeitig behandelt, kann ein solch schwerer Verlauf im Normalfall abgewendet werden. Wie schnell die Beschwerden abklingen, hängt von der Grunderkrankung ab; die Gaseinschlüsse selbst können sich über Wochen bis Monate zurückbilden. Bleibt eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung dagegen unbehandelt, entwickeln sich chronische Beschwerden, welche Lebensqualität und Lebenserwartung des Erkrankten stark einschränken.
Verlauf
Das klinische Bild von Patienten mit Pneumatosis coli hängt vom Einzelfall ab und wird vor allem bei der sekundären Form von der Primärursache geprägt. So sind Schmerzen zum Beispiel ebenso denkbar wie eine gestörte Verdauung oder Darmbewegung. Allen Patienten gemein ist die Gasansammlung in der Darmwand. Bei den meisten Patienten liegt diese Ansammlung in Form von Zysten vor und betrifft meist den Bereich des rechten Colons.
Seltener ist der linke oder transversale Colon betroffen. Im späteren Verlauf kann es im Darm zu mehr oder weniger schweren Komplikationen kommen. Obstruktionen des Colons stehen dabei im Vordergrund. Denkbar sind aber auch gastrointestinale Blutungen. In Extremfällen wurde eine Perforation des Darms beobachtet.
Als solche wird in der Medizin eine Durchstoßung der gesamten Darmwand bezeichnet, durch die Darminhalt in die Bauchhöhle gelangt. Außerdem sind immunologische Entzündungen des Colons im Rahmen von Komplikationen denkbar.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Das wichtigste Kriterium für eine Diagnose auf Pneumatosis coli sind die Gase in der Darmwand oder gegebenenfalls die gasgefüllten Zysten. Der Arzt weist die Gasansammlungen mittels abdominaler Röntgenuntersuchung nach. Differentialdiagnostisch sind im Fall von Zysten Pseudopolypen auszuschließen. Die Unterscheidung kann mittels einer Gasanalyse erbracht werden.
Meist enthalten die Zysten Gas in einer Zusammensetzung von fünf bis fünfzehn Prozent O2, bis zu neunzig Prozent N2 und zwischen 0,3 und fünf Prozent CO2. Fälschlich positive Befunde können sich durch Blähsucht ergeben. Zur sicheren Abgrenzung gilt die Computertomographie als Methode der Wahl, da mittels dieser Bildgebung zwischen intramuraler und extramuraler Gasansammlung unterschieden werden kann. Bis auf die weiter oben genannten Komplikationen gilt der Verlauf der primären, also ohne erkennbare Grunderkrankung auftretenden Pneumatosis coli als benigne. Bei der sekundären Form entscheidet dagegen die Grunderkrankung über den Verlauf: Sind die Gaseinschlüsse Ausdruck einer Durchblutungsstörung des Darms (Darmischämie) oder einer Darmnekrose, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, der sofort behandelt werden muss. Der Arzt beurteilt deshalb nie den Bildbefund allein, sondern immer zusammen mit den Beschwerden und den Laborwerten des Betroffenen.
Komplikationen
Es kommt dabei zu Entzündungen und damit zu verschiedenen Komplikationen. In der Darmwand können sich Gase ansammeln, sodass es zur Ausbildung von Zysten kommen kann. Sollte eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung nicht behandelt werden, kann es zu einer deutlichen Verringerung der Lebenserwartung kommen. Auch Geschwüre im Magen können dabei auftreten und sich ebenso negativ auf die Verdauung auswirken. In vielen Fällen nehmen die Betroffenen dann absichtlich weniger Nahrung zu sich und leiden dabei an Untergewicht oder an verschiedenen Mangelerscheinungen.
Auch die Behandlung selbst ist nicht risikofrei. Mit Hilfe von operativen Eingriffen können die Zysten zwar gut entfernt werden, doch sind dabei Blutungen, Wundinfektionen, Verwachsungen im Bauchraum und ein Undichtwerden der Darmnaht möglich. Bei einer endoskopischen Behandlung besteht das Risiko einer Verletzung der Darmwand. Wird ein Antibiotikum wie Metronidazol gegeben, sind Übelkeit, ein metallischer Geschmack, Durchfall und eine Störung der Darmflora häufige Begleiterscheinungen. Ob es aufgrund der Pneumatosis coli zu einer verringerten Lebenserwartung kommt, kann nicht universell vorhergesagt werden.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn Magen-Darm-Beschwerden und andere Anzeichen einer Pneumatosis intestinalis oder Pneumatosis coli auftreten, empfiehlt sich in jedem Fall ein Arztbesuch. Der Mediziner kann die seltene Darmerkrankung diagnostizieren und weitere Maßnahmen vorschlagen. Wer Anzeichen eines Darmverschlusses oder sogar eines Darmdurchbruchs bemerkt, muss den Notarzt rufen. Die Symptome müssen umgehend abgeklärt und gegebenenfalls intensivmedizinisch behandelt werden. Betroffene Personen können den Hausarzt oder den Gastroenterologen einschalten. Weitere Ansprechpartner sind der Internist oder ein Lungenfacharzt.
Sollte es infolge der Magen-Darm-Probleme zu psychischen Problemen gekommen sein, kann außerdem ein Therapeut hinzugezogen werden. Besonders gefährdet sind Menschen, die kürzlich eine Magen-Darm-Infektion erlitten haben oder an Darmzysten leiden. Auch obstruktive Lungenerkrankungen stehen mit der Pneumatosis coli in Verbindung. Wer zu den Risikopatienten zählt, sollte Rücksprache mit dem Arzt halten, wenn die genannten Symptome auftreten. Eine weitere ärztliche Abklärung ist nötig, wenn nach der Genesung plötzlich wieder Magen-Darm-Beschwerden oder andere Symptome auftreten, die darauf hindeuten, dass die Erkrankung zurückgekehrt ist oder nicht vollständig auskuriert wurde.
Behandlung & Therapie
Die Therapie einer Pneumatosis coli in sekundärer Form richtet sich vorwiegend nach der primären Erkrankung. Eine primäre Pneumatosis coli muss nicht zwingend therapiert werden, sondern kann unter Umständen auch weiter beobachtet werden. Das gilt insbesondere für Fälle mit geringer Gasansammlung, die keine Symptome hervorrufen. Falls zystische Einschlüsse vorliegen, werden die Zysten idealerweise durch minimal-invasive Verfahren entfernt.
Als solches Verfahren steht zum Beispiel die therapeutische Endoskopie zur Verfügung, die zu Darm-Eingriffen wie der Entfernung von Polypen häufig angewandt wird. Die Körperhülle wird dabei geschont. Unter Umständen kann zusätzlich zur Entfernung der Zysten und bei zystenlosen Gaseinlagerungen eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich werden. Diese Behandlung stützt sich vorzugsweise auf die Gabe von Metronidazol.
Bei anhaltenden Beschwerden ist die mehrtägige Gabe von Sauerstoff ein anerkanntes konservatives Verfahren; sie kommt vor allem bei mittelschweren bis schweren Verläufen infrage, die keine sofortige Operation erfordern. Falls Komplikationen auftreten, sollte der behandelnde Arzt möglichst schnell handeln, um eine Perforation des Darms zu verhindern. In diesem Zusammenhang kann eine chirurgische Intervention die Therapie der Wahl sein. Kleinere Blutungen erfordern dagegen nicht zwingend die chirurgische Intervention und müssen vom Arzt in Anbetracht von Nutzen und Risiken diskutiert werden.
Vorbeugung
Bislang sind bis auf die Zusammenhänge mit bestimmten Primärerkrankungen keine Ursachen für die Pneumatosis coli bekannt. Das schränkt die Vorbeugemaßnahmen auf die jeweils genannten Primärursachen ein. Zur idiopathischen Pneumatosis coli stehen bislang keine vorbeugenden Schritte zur Verfügung.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen bei Pneumatosis coli in den meisten Fällen nur sehr wenige oder auch nur sehr eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Da es sich dabei um eine sehr seltene Krankheit handelt, wird diese meistens nur zufällig erkannt. Daher steht im Vordergrund bei dieser Krankheit eine schnelle und vor allem eine frühzeitige Diagnose, damit es im weiteren Verlauf nicht zu Komplikationen oder zu anderen Beschwerden beim Betroffenen kommt.
Die Gaseinschlüsse können sich bei der primären Form zwar von selbst zurückbilden, die Ursache muss aber in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Ein operativer Eingriff ist nur bei einem Teil der Patienten nötig, etwa wenn die Zysten Beschwerden verursachen oder Komplikationen auftreten. Nach einem solchen Eingriff sollte sich der Betroffene auf jeden Fall ausruhen und seinen Körper schonen.
Dabei ist von Anstrengungen oder von stressigen und körperlichen Tätigkeiten auf jeden Fall abzusehen. Ebenso sollte direkt nach dem Eingriff nur leichte Nahrung eingenommen werden. Es kann dabei nicht im Allgemeinen vorhergesagt werden, ob die Pneumatosis coli die Lebenserwartung des Betroffenen verringert.
Das können Sie selbst tun
Da es sich bei dieser sehr seltenen Erkrankung um eine Form der Pneumatosis intestinalis handelt, gelten hier die gleichen Empfehlungen zur Selbsthilfe im Alltag. Zunächst einmal gilt aber auch hier, dass es möglicherweise eine Grunderkrankung gibt, die die Pneumatosis coli ausgelöst hat. Sie sollte gefunden und behandelt werden.
Weil die Krankheit oft mit Lungenerkrankungen assoziiert ist, sollten die Patienten unbedingt das Rauchen aufgeben. Bewegung und sportliches Training an der frischen Luft unterstützt die Lungenfunktion. Liegt bereits ein Bronchialasthma oder gar ein Lungenemphysem vor, müssen diese Erkrankungen leitliniengerecht behandelt werden.
Bei der Pneumatosis coli ist es wichtig, das körpereigene Immunsystem zu unterstützen, denn die Immunabwehr der betroffenen Patienten ist häufig geschwächt. Sind die Durchfälle heftig, kann es hilfreich sein, wenn der Betroffene eine entsprechende Diät hält. Der Flüssigkeitsverlust sollte zudem unbedingt ausgeglichen werden. Bis zu drei Liter Flüssigkeitsaufnahme am Tag sind dazu notwendig. Es empfehlen sich Getränke wie Wasser ohne Kohlensäure, milde Kräutertees oder Gemüsebrühen. Ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus mit ausreichend Ruhestunden unterstützt ebenfalls das Immunsystem. Präparate mit lebenden Darmbakterien können die Darmflora unterstützen; bei geschwächtem Immunsystem oder immunsuppressiver Behandlung sollte ihre Einnahme vorher mit dem Arzt besprochen werden.
Quellen
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