Pyridoxinmangel

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Fehlendes Pyridoxin kann schwerwiegende Folgen für den Stoffwechsel haben. Ein Pyridoxinmangel wird nur selten durch fehlendes Vitamin B6 in der Nahrung verursacht; häufiger sind Medikamente, eine Alkoholkrankheit oder Erkrankungen die Ursache, die die Aufnahme des Vitamins stören. Therapie- und Präventionsmöglichkeiten sind die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und der Verzehr von Vitamin-B6-haltigen Lebensmitteln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pyridoxinmangel?

Pyridoxinmangel
Die häufigsten Symptome eines Pyridoxinmangels sind Wachstumsstörungen, Akrodynie, mikrozytäre hypochrome Anämie (Blutmangel) sowie Hand-, Fuß- und Armtaubheit, Schuppenbildung und Ekzeme.
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Unter Pyridoxinmangel versteht man einen Vitamin B6-Mangel, auch Pyridoxin genannt. Vitamin B6 gehört zur Gruppe der wasserlöslichen Vitamine des B-Komplexes. Es regelt den Aminosäurestoffwechsel und ist somit essentiell für die Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratverwertung, die Bildung von roten Blutkörperchen, die Herz-, Muskel- und Kreislauftätigkeit. Darüber hinaus stärkt Vitamin B6 Nerven und Sehkraft, die Balance des Natrium- und Kaliumhaushalts, den Blutzuckerspiegel, den Wasserhaushalt, Haarwuchs und das Immunsystem. Es übernimmt außerdem die Regelung wichtiger Nerven- und Hirnfunktionen.

Mangelt es dem Körper an Vitamin B6, sind diese Funktionen beeinträchtigt. Aminosäuren können nicht weiterverarbeitet werden und es kommt zu Eiweißmangel. Kinder leiden bei Pyridoxinmangel hauptsächlich unter Wachstumsstörungen, da der Stoffwechsel verlangsamt und gehemmt wird. Ein akuter Pyridoxinmangel kann nicht nur körperliche Auswirkungen wie Wachstumsstörungen und Ekzembildung haben.

Auch das Nervensystem und die Hirnfunktion können beeinträchtigt werden. Zwar wird die Diagnose eines Pyridoxinmangels am häufigsten bei Säuglingen und Kleinkindern gestellt, doch auch Erwachsene und ältere Menschen können an einem Mangel von Vitamin B6 erkranken.

Ursachen

Ein Pyridoxinmangel allein durch fehlendes Vitamin B6 in der Nahrung ist bei ausgewogener Ernährung selten. Die bekannteste Ursache ist die Einnahme des Tuberkulose-Medikaments Isoniazid, das Vitamin B6 im Körper bindet und unwirksam macht; deshalb wird während einer Tuberkulosebehandlung vorbeugend Vitamin B6 gegeben. Häufiger sind hierzulande eine Alkoholkrankheit, eine Dialysebehandlung sowie chronische Darmerkrankungen, bei denen die Aufnahme von Nährstoffen gestört ist. Im Normalfall braucht ein Erwachsener nach den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung pro Tag etwa 1,4 (Frauen) bis 1,6 Milligramm (Männer) Pyridoxin. Bei Stress, vor der Regelblutung, in der Schwangerschaft, bei Herzbeschwerden oder bei Krankheiten im Alter, bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel kann der Bedarf erhöht sein. Ein früher beschriebener Mehrbedarf unter der Antibabypille bezog sich auf die hoch dosierten Präparate früherer Jahrzehnte; für die heutigen niedrig dosierten Pillen ist er nicht belegt.

Gefährdet, an einem Pyridoxinmangel zu erkranken, sind Personen auf proteinreichen Diäten. Kinder, die mit stark erhitztem Milchpulver ernährt wurden, leiden ebenfalls an Mangelerscheinungen. Dieser Zusammenhang wurde in den 1950er Jahren beobachtet, als bei der Herstellung von Säuglingsnahrung durch zu starkes Erhitzen Vitamin B6 zerstört wurde; heutige Säuglingsnahrung enthält vorgeschriebene Mindestmengen des Vitamins. Ebenso haben Kinder mit Leukämie, Menschen mit chronischer Urämie und ältere Menschen, die finanziell und gesundheitlich beeinträchtigt sind, einen deutlich niedrigeren Pyridoxinspiegel.

All diese Personen gehören zu Risikogruppen einer Vitamin-B6-Mangelerscheinung. Der Bedarf sollte durch ausgewogene, Vitamin-B6-haltige Ernährung gedeckt werden, noch bevor erste Mangelerscheinungen auftreten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die häufigsten Symptome eines Pyridoxinmangels sind Wachstumsstörungen, Akrodynie, mikrozytäre hypochrome Anämie (Blutmangel) sowie Hand-, Fuß- und Armtaubheit, Schuppenbildung und Ekzeme. Häufig sind auch Anomalien an Schleimhäuten und im Blut, Nervenbeschwerden sowie Hautkrankheiten wie das seborrhoische Ekzem. Hierbei treten trockene, schuppige Hautveränderungen auf, die flockig um die Schleimhäute von Nase und Mund und im Bereich der Augen angeordnet sind.

Bei ernstem Vitamin-B6-Mangel kann es zu starken Krampfanfällen kommen. Ebenso kann ein Mangel die Nerven- und Hirnleistung beeinträchtigen, sich negativ auf die Stimmung auswirken, Depressionen verursachen, Verwirrtheit und Schlaflosigkeit auslösen oder Müdigkeit fördern. Erhöhte Zittrigkeit kann ebenso ein Symptom von Pyridoxinmangel sein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein Pyridoxinmangel bei Säuglingen lässt sich bereits in den ersten zwölf Monaten erkennen. Er zeichnet sich hier durch schlechtes Wachstum, Wachstumsverzögerung und schlechte Heilung aus. Zur Analyse der Wachstumsgeschwindigkeit werden Größe, Gewicht und Kopfumfang mit Durchschnittswerten eines normalen Wachstums verglichen.

Werden Wachstumsanomalien bei Säuglingen und Kleinkindern festgestellt, müssen diese von einem Arzt abgeklärt werden. Auch bei Erwachsenen sollte beim Auftreten der oben genannten Symptome ein Arzt aufgesucht werden, bevor sich die Symptome verstärken oder weitere Mangelerscheinungen auftreten können.

Komplikationen

Ein Pyridoxinmangel wirkt sich in der Regel sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus und kann diese erheblich verringern. Die Patienten leiden dabei an Wachstumsstörungen und Entwicklungsstörungen, was vor allem bei Kindern zu Beschwerden und Komplikationen im Erwachsenenalter führen kann. Die Komplikationen treten allerdings in der Regel erst dann auf, wenn der Pyridoxinmangel über einen längeren Zeitraum vorherrscht.

Auch eine Anämie kann durch den Pyridoxinmangel bedingt sein. Die Haut der Betroffenen ist dabei von Schuppen betroffen und es kommt mitunter zu verschiedenen Störungen der Sensibilität oder zu einer Taubheit der Finger und Füße. Ebenso kann sich der Mangel negativ auf den psychischen Zustand des Betroffenen auswirken, sodass die meisten Patienten dabei auch an Verwirrung oder an innerer Unruhe leiden.

Auch Schlafbeschwerden, dauerhafte Müdigkeit und Zittrigkeit können mit der Krankheit einhergehen. Die Betroffenen erkranken dabei nicht selten an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen. Der Pyridoxinmangel kann mit Hilfe von Ergänzungsmitteln sehr gut eingeschränkt werden. Die Dosierung gehört dabei allerdings in ärztliche Hand. Denn auch eine dauerhafte Überdosierung von Vitamin B6 schädigt die Nerven und erzeugt genau jene Missempfindungen und Taubheitsgefühle an Händen und Füßen, gegen die das Vitamin eingenommen wird. Von hoch dosierten Präparaten in Eigenregie ist deshalb abzuraten. Mögliche psychische Beschwerden müssen dann von einem Psychologen behandelt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch den Pyridoxinmangel nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Pyridoxinmangel sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. Es kommt bei dieser Erkrankung nicht zu einer Selbstheilung, sondern in der Regel zu einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden, falls keine Behandlung eingeleitet wird. Je früher die Diagnose und die Behandlung des Pyridoxinmangels erfolgt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Heilung. Ein Arzt ist beim Pyridoxinmangel dann aufzusuchen, wenn es zu Anomalien im Blut oder an den Schleimhäuten des Betroffenen kommt. Dabei kommt es schon sehr leicht zu starken Verletzungen, wobei vor allem die Schleimhäute im Bereich der Nase oder der Augen betroffen sind. In einigen Fällen kommt es durch den Mangel auch zu starken Krämpfen.

Ein Krampfanfall sollte durch einen Notarzt behandelt werden, wobei auch direkt das Krankenhaus aufgesucht werden kann. Ebenfalls weist eine starke Zittrigkeit des Betroffenen auf den Pyridoxinmangel hin und sollte durch einen Arzt untersucht werden. Nicht selten sind die Betroffenen auch verwirrt und leiden an einer starken Schlaflosigkeit. Der Pyridoxinmangel kann durch den Allgemeinarzt diagnostiziert und behandelt werden.

Hört ein Krampfanfall nicht von selbst wieder auf, folgt ein zweiter Anfall unmittelbar auf den ersten oder bleibt der Betroffene danach bewusstlos, ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Behandlung & Therapie

Eine der effektivsten Behandlungen eines Pyridoxinmangels ist eine Verabreichung von Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungen. Die Menge variiert hierbei und liegt bei Werten zwischen 100 bis 300 mg pro Tag. Abhängig ist die zu verabreichende Tagesdosis von der biologischen Verwertbarkeit von Pyridoxin, die von Person zu Person unterschiedlich ist, sowie vom Grad des Mangels. Hierfür gibt es spezielle Präparate wie Vitamin B6 ratiopharm. Der Vitamin-B6-Spiegel muss während der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Solch hohe Dosierungen sind nur zeitlich begrenzt und unter ärztlicher Aufsicht vertretbar, denn Vitamin B6 kann über längere Zeit hoch dosiert eingenommen selbst Nervenschäden mit Kribbeln, Taubheitsgefühl und Gangunsicherheit verursachen.

Außerdem gibt es Vitamin B6 in Multivitaminpräparaten, als Vitamin-B-Komplex und Vitamin-B6-Nahrungsergänzungen in Form von Pyridoxin-Hydrochlorid. Wird ein nachgewiesener Mangel ausgeglichen, bilden sich die dadurch verursachten Beschwerden in der Regel zurück, etwa die Blutbildveränderungen, die Hautveränderungen und die Nervenbeschwerden. Für Menschen ohne Mangel ist dagegen kein Nutzen einer zusätzlichen Einnahme belegt: Sie senkt weder den Blutzucker noch stärkt sie das Immunsystem, und ein Mittel gegen Depressionen ist sie nicht. Psychosen und Krampfanfälle, die durch das Tuberkulosemedikament Isoniazid hervorgerufen werden, können ebenfalls verhindert werden.


Vorbeugung

Um einem akuten Pyridoxinmangel entgegenzuwirken, sollten am Tag etwa 1,4 bis 1,6 mg des Vitamins B6 aufgenommen werden. Oft kann die Wahl von Lebensmitteln, die genug Vitamin B6 enthalten, einen akuten Mangel verhindern und vorbeugen. Um eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B6 zu gewährleisten, wird empfohlen, unterschiedliche Obst- und Gemüsearten, Vollkornprodukte und fettreduzierte Milch und Milchprodukte sowie fettarmes Fleisch, Geflügel, Bohnen, Eier und Nüsse zu verzehren.

Gesättigte Fette und Trans-Fette, Salz und zusätzlicher Zucker sollten gemieden und die Ernährung innerhalb der individuell benötigten täglichen Kalorienmenge gehalten werden. Besonders Vitamin-B6-haltige Lebensmittel sind Fischsorten wie Lachs, Sardinen, Heilbutt, Hering, Kabeljau und Scholle, Geflügel wie Huhn und Gans sowie Obst- und Gemüsesorten wie Bananen, Avocado, Sojabohnen, Walnüsse und Cashewnüsse, Kartoffeln, Paprika, Grünkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Spinat und Porree.

Nachsorge

Nach einem erfolgreich behandelten Pyridoxinmangel sollte eine intensive Nachsorgebehandlung erfolgen, um einen erneuten Pyridoxinmangel zu vermeiden. Die Nachsorge besteht dabei vor allem aus regelmäßigen Kontrollen der Vitamin-B6-Werte im Blut, die beim Hausarzt erfolgen können. Dadurch kann ein erneuter Pyridoxinmangel rechtzeitig erkannt und therapiert werden.

Da in Folge eines Pyridoxinmangels Anämien auftreten können, sollten dabei außerdem die Eisen- sowie Hämoglobinwerte im Blut kontrolliert werden. Eisen sollte dabei nur nach ärztlicher Anordnung eingenommen werden, denn die Blutarmut bei Pyridoxinmangel beruht auf einer gestörten Blutbildung und nicht auf einem Eisenmangel; sie bessert sich durch die Gabe von Vitamin B6. Darüber hinaus sollte zudem Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verabreicht werden, um einen erneuten Pyridoxinmangel zu vermeiden.

Wenn bereits ein Pyridoxinmangel bestand, sollten bestimmte Tuberkulosemedikamente (Isoniazid) nach Möglichkeit vermieden werden. Ist eine Therapie mit solchen Medikamenten unbedingt erforderlich, muss begleitend Vitamin B6 in der vom Arzt festgelegten Dosierung eingenommen werden, um einen erneuten Pyridoxinmangel zu vermeiden.

Gegebenenfalls sind hier auch Infusionen mit Vitamin B6-haltiger Lösung notwendig. Die Blutwerte sollten in einem solchen Fall außerdem in einem sehr engen Rhythmus (14-tägig) überwacht werden. Zusätzlich sollte jeder, der einen Pyridoxinmangel hatte, auf eine Vitamin-B6- und eisenhaltige Ernährung achten. Dazu gehören Fleisch und Fisch, insbesondere Geflügel, Rindfleisch und Lachs. Auch mit vegetarischer oder veganer Ernährung lässt sich der Bedarf decken, etwa über Vollkornprodukte, Kartoffeln, Bananen, Hülsenfrüchte und Nüsse.

Quellen

  • Biesalski, H.-K., Bischoff, S.C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
    ISBN: 9783132445956
  • Zschocke, J., Hoffmann, G.F.: Vademecum metabolicum.
    ISBN: 9783132435506
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488

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