Reinke-Ödem

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Reinke-Ödem ist nach dem Anatomen Friedrich Reinke benannt, der 1895 den flüssigkeitsarmen Verschiebespalt unter der Schleimhaut der Stimmlippen beschrieb, den heute sogenannten Reinke-Raum. Die gutartige Schwellung an den Stimmlippen führt zur Beeinträchtigung des Sprechens. Ist das Reinke-Ödem nicht chronisch, kann es durch einfache Maßnahmen wie Stimm-Schonung und den Verzicht auf Rauchen und Alkohol zum Abklingen gebracht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Reinke-Ödem?

Reinke Oedem
Das Anschwellen der Stimmlippen verursacht je nach Ausmaß der Schwellung eine leicht raue bis extrem heisere Stimme. Sie ist manchmal auch tiefer als gewöhnlich.
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Das Reinke-Ödem ist eine Gewebe-Schwellung der Stimmlippen, die zur Beeinträchtigung der Stimmbänder führt. Unter deren Schleimhaut sammelt sich das aus den Kapillargefäßen austretende Gewebe-Wasser. Das Reinke-Ödem kann ein- oder beidseitig sein. Durch die Verdickung der Stimmbänder kommt es zu einer eingeschränkten Bewegung der Stimmlippen im Luftstrom.

Das führt zu einer heiseren Stimme (Dysphonie). Im Extremfall versagt sie (Aphonie) oder rutscht in der Stimmlage aus. Vom Reinke-Ödem sind meist Frauen zwischen 40 und 60 Jahren betroffen. Es kann als akutes Ödem auftreten, wenn beispielsweise die Stimme kurzzeitig überbelastet wird. In einem solchen Fall geht die wässrig-durchsichtige Schwellung meist schon einige Stunden später wieder zurück.

Entzündete Ödeme sind nicht mehr durchsichtig, sondern gerötet. Bleibt der Reiz bestehen, verfestigt sich die Schwellung und die Stimmlippen werden dauerhaft plump und schwer beweglich; die Stimme bleibt dann tief und heiser.

Ursachen

Wie das Reinke-Ödem genau entsteht, ist noch ungeklärt. Der mit Abstand wichtigste Risikofaktor ist starkes jahrelanges Rauchen: Das Reinke-Ödem tritt fast ausschließlich bei Raucherinnen und Rauchern auf. Als weiterer Risikofaktor gilt überhöhter Alkoholgenuss. Außerdem ist eine übermäßige oder falsche Stimm-Belastung (Sänger, Lehrer) ursächlich. Auch Menschen, die aus beruflichen Gründen länger Feinstaub, chemischen Dämpfen und anderen die Atemwege reizenden Substanzen ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko, an einem Reinke-Ödem zu erkranken.

Neuere klinische Studien zeigen, dass es eventuell sogar einen hormonell bedingten Zusammenhang zwischen der Einlagerung von Hyaluronsäure in das Stimmlippen-Epithel und dem Entstehen des Reinke-Ödems gibt. Wird die falsche Atemtechnik eingesetzt, werden die Stimmbänder ebenfalls zusätzlich belastet. Welchen Einfluss in den Mund-Rachen-Raum hochsteigende Magensäure (Reflux) hat, ist noch nicht geklärt; sie wird als möglicher zusätzlicher Reizfaktor diskutiert, nicht als Folge des Ödems. Erschwerend wirkt sich auch zu trockene Raumluft aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Anschwellen der Stimmlippen verursacht je nach Ausmaß der Schwellung eine leicht raue bis extrem heisere Stimme. Sie ist manchmal auch tiefer als gewöhnlich. Längeres Sprechen wird von den Betroffenen als zu anstrengend empfunden und daher oft unterlassen. Bei stärkeren Ödemen kann es sogar zum Stimmverlust kommen oder die Stimme kippt wie beim pubertären Stimmbruch um.

Wird die Glottis noch mehr verengt, sind Atemprobleme (Kurzatmigkeit) die Folge. Es kommt zu verstärkter Schleimbildung, häufigem Abhusten, Druck und einem Kloß im Hals. Da der Stimm-Fluss durch die Verengung der Stimmritze behindert wird, haben die Patienten mit Reinke-Ödem noch zusätzlich Artikulationsschwierigkeiten. Mitunter taucht die Erkrankung auch als Symptom im Rahmen einer chronisch-unspezifischen Laryngitis auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Beim Reinke-Ödem werden die Hals-Lymphknoten und der Kehlkopf abgetastet, um Schwellungen zu erfassen und Hinweise auf eine bösartige Erkrankung nicht zu übersehen; eine Halsentzündung lässt sich dabei mit beurteilen. Dann erfolgt eine genaue Untersuchung des Mund-Rachenraums und der Stimmbänder mithilfe der Kehlkopfspiegelung. Eine Gewebeentnahme (Biopsie) dient dazu, andere Ursachen wie beispielsweise ein Granulom, Infiltration oder bösartige Tumore auszuschließen.

Komplikationen

Ein Reinke-Ödem kann je nach Ausmaß der Schwellung zu Heiserkeit oder sogar zum Stimmverlust führen. Bei einer weiteren Verengung der Glottis kommt es zu Atemproblemen wie Kurzatmigkeit und Atemnot. Außerdem können eine verstärkte Schleimbildung, ein ständiger Hustenreiz und der bekannte Kloß im Hals auftreten. Die Verengung der Stimmritze hat häufig Artikulationsschwierigkeiten zur Folge.

Tritt die Erkrankung als Symptom einer chronisch-unspezifischen Kehlkopfentzündung auf, können schwere Entzündungen und akute Atemnot hinzukommen. Auch anhaltende Stimmstörungen sind je nach Ausmaß der Entzündung nicht auszuschließen. Sind Bakterien ursächlich für die Laryngitis, breitet sich die Entzündung mitunter weiter aus. Dabei bilden sich Abszesse und Phlegmone im Kehlkopf. In Verbindung mit einem Reinke-Ödem stellen sich oftmals starke Schmerzen und weitere Komplikationen ein.

Bei der früher üblichen vollständigen Abtragung der Stimmlippenschleimhaut entstehen Narben an der Stimmlippe. Typischerweise kommt es zu Blutergüssen, Verhärtungen und gelegentlich auch zu Infektionen und Wundheilungsstörungen. Weitere mögliche Folgen sind narbige Verwachsungen zwischen den Stimmlippen und eine dauerhaft raue oder schwache Stimme; selten kommt es durch das eingeführte Rohr zu Verletzungen an Zähnen oder Rachenschleimhaut.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Reinke-Ödem sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. Nur durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können weitere Beschwerden vermieden und ein bösartiger Kehlkopftumor rechtzeitig ausgeschlossen werden. Ein Arzt ist beim Reinke-Ödem dann aufzusuchen, wenn der Patient dauerhaft eine sehr heisere oder raue Stimme hat und daher nur tief sprechen kann. Als feste Regel gilt: Eine Heiserkeit, die länger als drei Wochen anhält, muss durch eine Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) abgeklärt werden. Das gilt besonders für Raucherinnen und Raucher, denn dieselben Beschwerden können auch von einem Kehlkopfkrebs stammen.

In schwerwiegenden Fällen kann es auch zu einem vollständigen Stimmenverlust kommen; bei einigen Betroffenen kippt die Stimme wie beim pubertären Stimmbruch um. Auch Kurzatmigkeit kann ein Hinweis sein. Nimmt die Atemnot in Ruhe zu oder tritt beim Einatmen ein pfeifendes Geräusch auf, ist das ein Notfall: Dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Dauerhaftes Sodbrennen kann die Beschwerden zusätzlich verstärken und sollte ebenfalls von einem Arzt untersucht werden, falls die Beschwerden länger anhalten und nicht wieder von alleine verschwinden.

In erster Linie kann das Reinke-Ödem durch einen HNO-Arzt untersucht und behandelt werden. In schwerwiegenden Fällen sind allerdings auch Vorsorgeuntersuchungen bezüglich Krebs sinnvoll, um diesen früh zu erkennen und zu behandeln. In der Regel wird die Lebenserwartung des Betroffenen durch das Reinke-Ödem nicht negativ beeinflusst und es kommt zu einem positiven Krankheitsverlauf.

Behandlung & Therapie

Starke chronische Reinke-Ödeme, bei denen noch zusätzlich die Atmung eingeschränkt ist, müssen chirurgisch entfernt werden. Das geschieht mithilfe des Stripping: Der Phonochirurg entfernt die Gewebe-Schwellung nach örtlicher Betäubung oder Vollnarkose mithilfe winziger Zangen oder mit Lasertechnologie. Lange Zeit wurde dabei die Schleimhaut der Stimmlippe vollständig abgetragen. Heute wird dieses vollständige Stripping vermieden, weil es Narben und eine dauerhaft raue Stimme hinterlassen kann. Stattdessen eröffnet der Operateur unter dem Mikroskop die Schleimhaut nur mit einem feinen Schnitt, saugt die eingelagerte Flüssigkeit ab und trägt lediglich den Schleimhautüberschuss sparsam ab; sind beide Stimmlippen betroffen, wird meist zeitversetzt operiert.

Eine nur lokale Betäubung ist besser geeignet, da der Patient während der Operation noch im Wachzustand ist und seine Stimme dann besser beurteilt werden kann: Das Schwingungsverhalten der Stimmlippen-Schleimhaut kann dann stroboskopisch kontrolliert werden. Ob die Operation den gewünschten Erfolg gebracht hat, ist frühestens zwei bis drei Monate nach dem Eingriff erkennbar, da erst dann der Wundheilungsprozess vollständig abgeschlossen ist.

Sind beide Stimmlippen von dem Ödem betroffen, ist die Stimme des Patienten erst dann wieder normal, wenn auch die zweite operiert wurde. Mit ein- und derselben Narkose können beide Stimmlippen jedoch nur dann operiert werden, wenn die Schwellungen unbedeutend sind: Sie könnten sonst beim Heilungsvorgang miteinander verwachsen. Bei einer unter Vollnarkose durchgeführten Operation bleibt der Patient in der Regel ein bis zwei Tage in der Klinik.

Nach dem chirurgischen Eingriff sollte er sich umgehend einer logopädischen Stimmtherapie zur Verbesserung des Sprechens, der Atemtechnik und Körperhaltung unterziehen. Akute Fälle von Reinke-Ödem werden vom HNO-Arzt mit einem kortisonhaltigen Spray behandelt. Außerdem sollte der Betroffene unbedingt eine Raucherentwöhnung durchführen und auch seinen Alkoholgenuss einschränken. Dasselbe gilt für die Zeit nach dem chirurgischen Eingriff.

Fängt der Patient wieder mit dem Rauchen oder Trinken von Alkohol an, kommt es zur erneuten Schwellung der Stimmlippen. Generell gilt, dass der Betroffene unbedingt seine Stimme schonen sollte - egal, ob er nur ein akutes oder kleines chronisches Ödem hat oder gerade operiert wurde. Geringere Schwellungen bilden sich in der Regel von selbst zurück, sobald die Stimme geschont und der auslösende Reiz, vor allem das Rauchen, gemieden wird.

Für eine homöopathische Behandlung des Reinke-Ödems gibt es dagegen keinen Wirksamkeitsnachweis. Ein Mittel wie Arum triphyllum C5 ist so stark verdünnt, dass in der Regel kein Molekül des Ausgangsstoffes mehr enthalten ist; es kann deshalb weder die Schwellung beeinflussen noch eine Schleimhautentzündung hervorrufen. Die verlorene Zeit ist das eigentliche Risiko: Eine anhaltende Heiserkeit gehört fachärztlich abgeklärt.


Vorbeugung

Eine Vorbeugung könnte bei Personen, die beruflich viel sprechen und singen müssen, darin bestehen, dass sie viel Flüssigkeit zu sich nehmen, ihre Stimme nur in warmen Räumen häufiger einsetzen und immer zwischendurch Emser-Salz-Pastillen lutschen. Außerdem sollten sie nicht rauchen und wenig Alkohol konsumieren.


Das können Sie selbst tun

Ein Reinke-Ödem muss nur bei ausgeprägten Schwellungen chirurgisch entfernt werden; in den übrigen Fällen stehen Stimmschonung, Logopädie und der Verzicht auf das Rauchen im Vordergrund. Nach einer Operation sind die Stimmlippen in der Folgezeit gereizt und dürfen nicht durch Sprechen oder den Verzehr reizender Lebensmittel gereizt werden. In den ersten Tagen sollte der Patient auf sehr scharfe, sehr heiße oder sehr saure Speisen und auf Alkohol verzichten, weil sie die Schleimhaut zusätzlich reizen. Eine besondere Diät oder ein Ernährungsplan sind darüber hinaus nicht erforderlich.

Begleitend dazu müssen die Auslöser für das Leiden behoben werden. Ist der Konsum von Alkohol oder Zigaretten ursächlich, gilt der Verzicht auf diese Substanzen. Kleine Schwellungen bilden sich häufig von selbst zurück, wenn die Stimme konsequent geschont wird. Homöopathische Mittel wie Arum triphyllum C5 sind dafür nicht geeignet, denn eine Wirksamkeit beim Reinke-Ödem ist nicht belegt. Der Patient setzt sich stattdessen am besten mit dem Hausarzt oder direkt mit einem HNO-Arzt in Verbindung, damit eine geeignete Therapie eingeleitet werden kann. Das ist auch deshalb wichtig, weil hinter einer anhaltenden Heiserkeit ein bösartiger Kehlkopftumor stecken kann, der nur bei einer Kehlkopfspiegelung auffällt.

Das Reinke-Ödem ist keine schwerwiegende Erkrankung, bedarf jedoch der dauerhaften Überwachung durch einen Facharzt. Nach Abschluss der initialen Behandlung sind regelmäßige Verlaufskontrollen angezeigt. Der Patient nimmt am besten Kontakt mit einem Facharzt auf und informiert diesen über etwaige Symptome und Beschwerden.

Nachsorge

Inwiefern eine Nachsorge notwendig wird, hängt davon ab, ob die typischen Beschwerden des Reinke-Ödems vollständig behoben werden können. Gelingt dieses, sind angesichts der Symptomfreiheit keine weiteren Behandlungen notwendig. In allen anderen Fällen ergibt sich die Notwendigkeit einer Dauerbehandlung. Angesichts eines drohenden Stimmverlusts ist gerade in Sprechberufen eine ärztliche Begleitung wichtig.

Darin erfahren Betroffene den Umgang mit verschiedensten Verhaltensweisen und Übungen, um eine erneute Flüssigkeitsansammlung zu verhindern oder zu reduzieren. Diese müssen sie eigenverantwortlich ausführen. Wesentlich sind die Vermeidung von Feinstaub und das Einstellen des Rauchens. Patienten nehmen ferner an logopädischen Sitzungen teil, durch die sie eine Fehlbelastung der Stimmbänder vermeiden.

Wie lange planmäßige Nachuntersuchungen notwendig werden und wie intensiv sie ausfallen müssen, hängt vom Grad der Beschwerden ab. Auch die Frage einer uni- und bilateralen Verortung der Beschwerden spielt eine Rolle. Grundsätzlich dient die Kontrolle auch dazu, einen chirurgischen Eingriff zu erörtern. Hierbei handelt es sich aber meist um die letzte denkbare Maßnahme.

Ärzte vertrauen in der Regel logopädischen Therapien. Meist führen sie zum gewünschten Behandlungserfolg. Im Rahmen einer Untersuchung wird der Rachenraum ausgiebig inspiziert. Das Hauptaugenmerk gilt den Stimmbändern, die man über die Laryngoskopie untersucht.

Quellen

  • Wendler, J., Seidner, W., Eysholdt, U. (Hrsg.): Lehrbuch der Phoniatrie und Pädaudiologie.
    ISBN: 9783131022950
  • Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783662581773
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783131521231
  • Guntinas-Lichius, O., Klußmann, J. P., Lang, S.: Referenz HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783132422421
  • Strutz, J., Mann, W. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.
    ISBN: 9783132454606

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