Stripping

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter dem Stripping versteht der Venenarzt die operative Entfernung von Krampfadern mittels einer Spezialsonde. Die krankhaften Venen werden beim Stripping aus dem betroffenen Bereich herausgezogen. Zu den Risiken des Verfahrens gehört insbesondere ein Lymphstau aufgrund von verletzten Lymphgefäßen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Stripping?

Stripping
Unter dem Stripping versteht der Venenarzt die operative Entfernung von Krampfadern mittels einer Spezialsonde.

Das Stripping ist eine Operation zur Entfernung von Krampfadern. Das Verfahren ist auch als Venenstripping bekannt. Diese Operation war über Jahrzehnte die Standardtherapie zur Behandlung von Patienten mit Krampfadern. Heute stehen daneben endovenöse Verfahren zur Verfügung, bei denen die erkrankte Vene über einen Katheter von innen verschlossen wird; die deutsche Leitlinie sieht sie und das Stripping als gleichwertige Möglichkeiten an, deren Wahl sich nach dem Befund richtet. Bei Krampfadern handelt es sich um knotig erweiterte Venen. Meist sind die Venen der Beine und ihre Hauptstämme von der Erscheinung betroffen. Rund 23 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben Krampfadern und damit ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und Durchblutungsstörungen.

Die Durchblutungsstörungen können im Verlauf unter Umständen das gesamte Bein schädigen. Die Entfernung von Krampfadern ist wegen dieser Risiken bei ausgeprägten Befunden angezeigt. Wird operiert, so werden vor allem Stammvenenkrampfadern über das Stripping entfernt. Alle erweiterten und veränderten Venen werden dabei aus dem oberflächlichen Venensystem entnommen. Stripping wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts angewandt. Mittlerweile gibt es allerdings auch minimal-invasive Möglichkeiten zur Entfernung von Krampfadern. Ein Beispiel für eine solche Methode ist die Chiva-Methode. Am weitesten verbreitet sind heute die Radiofrequenz- und die Laserablation, bei denen die Stammvene durch Hitze von innen verödet wird, sowie die Sklerotherapie mit einem aufgeschäumten Verödungsmittel.

Verständlich wird der Eingriff erst über den Aufbau des Venensystems im Bein. Zwischen der Muskulatur liegt das tiefe Venensystem, das den weitaus größten Teil des Blutes zum Herzen zurückführt; dicht unter der Haut verläuft daneben das oberflächliche System, aus dem beim Stripping entfernt wird. Verbindungsvenen, die die Muskelhülle durchbohren, koppeln beide aneinander. Da der Rückstrom im Stehen gegen die Schwerkraft erfolgt, ist er auf zwei Hilfen angewiesen: auf die Wadenmuskulatur, die die tiefen Venen bei jedem Schritt zusammendrückt, und auf Klappen im Inneren der Venen, die sich hinter dem weitergeschobenen Blut schließen. Versagen diese Klappen, fließt Blut nach unten zurück, der Druck im oberflächlichen System steigt, und die betroffenen Abschnitte weiten und verlängern sich zu dem geschlängelten Bild, das als Krampfader sichtbar wird.

Von den oberflächlichen Venen sind zwei besonders bedeutsam, weil sie als Hauptstämme das Blut aus großen Bezirken sammeln. Die eine zieht an der Innenseite des Beins vom Fuß bis zur Leiste, die andere an der Rückseite des Unterschenkels bis zur Kniekehle. Genau dort, wo sie in das tiefe System einmünden, beginnt in den meisten Fällen der krankhafte Rückfluss. Das erklärt, warum der Eingriff an dieser Einmündung ansetzt und weshalb die Schnitte in der Leiste oder in der Kniekehle liegen: Bleibt die Mündung offen, bleibt auch die Quelle des Rückflusses bestehen. Dieser Teil der Operation trägt einen eigenen Namen, die Krossektomie, und wird gemeinsam mit dem Herausziehen der Stammvene ausgeführt.

Das Herausziehen der Stammvene mit einer eingeführten Sonde geht auf den amerikanischen Chirurgen William Wayne Babcock zurück; die Methode trägt bis heute seinen Namen. Vorausgegangen waren im späten 19. Jahrhundert Verfahren, bei denen die Stammvene an der Leiste lediglich durchtrennt wurde. Für die Einteilung des Befundes hat sich international die sogenannte CEAP-Klassifikation durchgesetzt, die den sichtbaren und den funktionellen Zustand des Beins in Stufen fasst – von bloß erweiterten kleinsten Gefäßen ohne Beschwerden über Schwellung und Hautveränderungen bis hin zum abgeheilten und schließlich offenen Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris). Sie ist der Bezugsrahmen, in dem sich Befunde vergleichen und Behandlungsergebnisse beurteilen lassen.

Nicht jede Krampfader muss entfernt werden. Für die Entscheidung zählt weniger das äußere Bild als die Frage, ob ein krankhafter Rückfluss vorliegt, wie weit er reicht und ob er Beschwerden oder Folgeschäden verursacht. Schweregefühl und Spannen der Beine gegen Abend, geschwollene Knöchel, wiederkehrende Venenentzündungen, Hautverfärbungen und Verhärtungen am Unterschenkel oder eine bereits eingetretene Venenschwäche sprechen für eine Behandlung; ein rein kosmetisch störender Befund ohne nachweisbaren Rückfluss tut das nicht.

Eine Frage, die sich Betroffenen regelmäßig stellt, betrifft den Verbleib des Blutes: Fehlt die entfernte Vene dem Bein nicht? Sie fehlt ihm nicht, weil sie ihre Aufgabe schon zum Zeitpunkt der Operation nicht mehr erfüllt. Eine Stammvene mit undichten Klappen befördert kein Blut mehr herzwärts, sondern lässt es zurücksacken und belastet den Kreislauf des Beins damit zusätzlich. Der Abtransport läuft bereits vorher überwiegend über das tiefe System, und dieses übernimmt nach dem Eingriff vollständig. Genau deshalb hängt die Entscheidung so stark daran, ob die tiefen Venen frei durchgängig sind: Sind sie es nicht, wäre die oberflächliche Vene trotz ihrer Schwäche ein benötigter Umgehungsweg, und ihre Entfernung würde dem Bein schaden statt nützen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Das Stripping befreit Patienten mit Krampfadern von knotig erweiterten Venen. Um eine Behandlungsmethode gegen Krampfadern festzulegen, wird der Patient vom Venenarzt zunächst gründlich untersucht. Zu dieser Untersuchung zählen vor allem Ultraschallverfahren und Venenfunktionstests. Ungeeignet für das Stripping sind zum Beispiel Patienten, deren innere Beinvenen von Funktionsstörungen betroffen sind.

Dasselbe gilt für Patienten, deren Krampfadern thrombotische Ursache haben. Auch bei schwereren Allgemeinerkrankungen wird in der Regel vom Stripping abgeraten. Bei Frauen in der Schwangerschaft wird das Stripping meist hinausgeschoben, um etwaige Risiken auszuschließen. Wenn bei Stammvenenkrampfadern die Entscheidung für ein Stripping gefallen ist, wird der Eingriff unter Vollnarkose, Teilnarkose oder Lokalanästhesie durchgeführt. Welche Narkoseform angewandt wird und ob eine stationäre Aufnahme erforderlich ist, hängt vom Allgemeinzustand des Patienten und der Schwere des Befunds ab.

Abhängig von der Position der Krampfadern setzt der Operationsarzt nach der Narkose entweder in der Leistenregion oder der Kniekehle einen rund fünf Zentimeter langen Schnitt. Dieser Schnitt dient als Zugang zum Venensystem. Durch den Zugang lokalisiert der Arzt die Einmündung der verknoteten Vene in die tiefe Vene. Diese Einmündung wird unterbunden. Ebenso unterbunden werden Einmündungen kleinerer Blutgefäße in die betroffene Region. Durch den Schnitt führt der Arzt danach eine Spezialsonde ein, die einem dünnen Draht entspricht. Dieser dünne Draht wird durch den Zugang bis in den erkrankten Bereich vorgeschoben. Ein zweiter Hautschnitt lässt den Draht wieder nach außen dringen. Die betroffene Vene wird jetzt an der Sonde fixiert. Erst danach findet das eigentliche Stripping statt. Nach unten hin wird die fixierte Vene aus dem Bein herausgezogen.

Kleinere Seitenäste mit krankhaften Veränderungen werden im Anschluss daran durch winzige Hautstiche entfernt. Nach dem Stripping verschließt der Arzt den Zugang. Meist verwendet er dazu einen selbst auflösenden Faden, der unter der Haut vernäht wird. Für drei bis sechs Wochen trägt der Patient nach einem Stripping Kompressionsstümpfe, um Thrombosen vorzubeugen. Meist findet zusätzlich eine gerinnungshemmende Behandlung mit Heparin statt, die sich über mehrere Tage zieht.

Unter Umständen bilden sich nach dem Stripping wieder Krampfadern. Studien zufolge hängt die Rückfallrate mit der Professionalität des operierenden Arztes zusammen. Wiederauftretende Krampfadern gehen so beispielsweise oft auf eine unvollständig entfernte Stammvene zurück.

Nicht jeder Rückfall geht dabei auf handwerkliche Mängel zurück. An der verschlossenen Mündung können mit der Zeit neue, feine Gefäße nachwachsen, und die Veranlagung, die zur ersten Krampfader geführt hat, wirkt nach der Operation weiter; sie kann Venen betreffen, die zum Zeitpunkt des Eingriffs noch unauffällig waren. Aus diesem Grund gehört zur Nachbetreuung eine Verlaufskontrolle des Venensystems, und aus diesem Grund ist auch nach einem gelungenen Eingriff nicht ausgeschlossen, dass Jahre später erneut behandelt werden muss.

Die eingangs erwähnte Untersuchung des Venensystems geschieht heute vor allem mit der farbkodierten Doppler-Sonographie. Sie zeigt am liegenden und am stehenden Patienten, welche Klappen undicht sind, an welcher Stelle der Rückfluss beginnt und wie weit nach unten er reicht. Ebenso beantwortet sie die Frage, ob die tiefen Beinvenen frei durchgängig sind, denn sie müssen den Abtransport übernehmen, sobald eine oberflächliche Vene entfernt ist. Aus dem Ergebnis leitet sich nicht nur die Entscheidung für oder gegen den Eingriff ab, sondern auch sein Umfang: Reicht der Rückfluss nur bis zum Knie, wird auch nur dieser Abschnitt gezogen. Diese Beschränkung auf den tatsächlich erkrankten Abschnitt hat sich gegenüber dem früher üblichen Entfernen der ganzen Stammvene durchgesetzt, weil im Unterschenkel ein Hautnerv unmittelbar neben der Vene verläuft und bei einer Entfernung dieses Abschnitts leicht mitgeschädigt wird.

Für das Ziehen selbst stehen mehrere Techniken zur Verfügung. Bei der ursprünglichen Form zieht ein Kopf am Ende der Sonde die Vene vor sich her. Beim Invaginationsverfahren wird die Vene stattdessen an der Sonde umgestülpt und gleichsam in sich selbst hineingezogen; sie nimmt dabei weniger Raum ein und reißt weniger an den umliegenden Strukturen. Eine weitere Variante kühlt die Sondenspitze so stark ab, dass die Vene an ihr festfriert und mitgeführt wird. Allen Techniken gemeinsam ist, dass die Vene nicht über einen langen Schnitt freigelegt, sondern über zwei kleine Zugänge herausgeführt wird.

Für den Patienten stellt sich der Ablauf im Wesentlichen als ein Tag dar. Vor dem Eingriff werden die zu entfernenden Venen im Stehen auf der Haut angezeichnet, weil sie sich im Liegen entleeren und dann nicht mehr zu erkennen sind. Nach der Operation wird das Bein gewickelt oder gleich mit dem Kompressionsstrumpf versorgt; das Aufstehen und Umhergehen ist ausdrücklich erwünscht und beginnt noch am Operationstag, weil Bewegung der Bildung von Gerinnseln entgegenwirkt. Blutergüsse entlang des Verlaufs der gezogenen Vene treten regelmäßig auf und gehören zum erwarteten Verlauf; sie verfärben sich im Lauf der Zeit und bilden sich zurück. Wann die Arbeit wieder aufgenommen werden kann, hängt vom Befund und von der körperlichen Belastung im Beruf ab – eine sitzende Tätigkeit ist deutlich früher möglich als eine, die langes Stehen verlangt.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Das Stripping hinterlässt sichtbare Narben, da ein Einschnitt von fünf Zentimetern für die Operation erforderlich ist. Der Einschnitt wird zwar in diskrete Regionen gesetzt, aber die bleibenden Narben bewegen Patienten heute trotzdem häufig zur Bevorzugung minimal-invasiver Krampfaderbehandlungen. Verfahren wie die Chiva-Methode haben dem Stripping im Hinblick auf die Narbenbildung einiges voraus.

Wie jede andere Operation ist auch das Stripping mit Risiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Blutergüssen und damit zusammenhängenden Verhärtungen verbunden. Neben diesen konventionellen Operations- und Narkoserisiken birgt das Stripping zusätzlich vor allem Risiken wie Lymph- oder Nervenverletzungen. Falls die Lymphgefäße der betroffenen Region verletzt werden, kann sich beispielsweise ein Stau der Lymphflüssigkeit einstellen. Das Bein schwillt infolgedessen an und die Flüssigkeit muss unter Umständen abgelassen werden. Wenn dagegen Nerven bei der Operation verletzt werden, können sich Sensibilitätsstörungen im betroffenen Bereich einstellen.

Häufig tritt leichte Taubheit auf, die sich in der Regel aber zurückbildet. Insgesamt wird das Risiko für Komplikationen bei dieser Operation äußerst gering eingeschätzt. Ein leichter Schmerz kann nach der Operation auftreten. Bis auf diese Erscheinungen kommen schwerwiegende Nebenwirkungen aber nur selten vor, da die Operation heute einem Standardverfahren entspricht. Das Risiko für Gerinnsel in den entsprechenden Venenabschnitten wird beispielsweise über Verfahren wie die Kompressionstherapie gering gehalten.

Die Kompressionsstrümpfe nicht zu tragen, könnte allerdings mit schwerwiegenden Folgen verbunden sein und Thrombosen begünstigen. Da zum Verschluss der Einschnitte beim Stripping meist selbst auflösende Fäden benutzt werden, muss sich der Patient nach der Operation in der Regel keine Fäden ziehen lassen. Nichtsdestotrotz stehen Kontrolltermine zur Überprüfung der Wundheilung an.

Die weiter oben genannten Nervenverletzungen betreffen fast ausschließlich Hautnerven, nicht die Nerven, die die Muskulatur versorgen; eine Lähmung ist von ihnen nicht zu erwarten. Bemerkbar machen sie sich als taubes oder pelziges Gefühl an einem umschriebenen Bezirk der Haut, am häufigsten an der Innenseite des Unterschenkels oder am äußeren Fußrand, je nachdem, welche Stammvene entfernt wurde. In der Mehrzahl der Fälle bildet sich die Empfindungsstörung über Wochen bis Monate zurück, weil benachbarte Nerven das Gebiet mitversorgen; ein kleiner Rest kann bleiben.

Unter den ernsteren, aber seltenen Ereignissen steht die tiefe Beinvenenthrombose an erster Stelle, aus der sich eine Lungenembolie entwickeln kann. Ihr gilt die gerinnungshemmende Behandlung ebenso wie die Kompression und das frühe Umhergehen. Auf sie deuten eine zunehmende einseitige Schwellung des Beins, ein ziehender Wadenschmerz sowie plötzliche Atemnot oder atemabhängige Schmerzen im Brustkorb hin; solche Zeichen können auch erst Tage nach der Entlassung auftreten und sind dann ebenso abklärungsbedürftig.

Die Frage nach dem geringeren Risiko lässt sich zwischen den Verfahren nicht pauschal beantworten. Die endovenösen Techniken kommen ohne Schnitt in der Leiste aus und verursachen weniger Blutergüsse und weniger Wundschmerz; dafür setzen sie voraus, dass die Vene gerade genug verläuft, um einen Katheter aufzunehmen, und sie sind an entsprechende Geräte und Erfahrung gebunden. Das Stripping wiederum entfernt die Vene tatsächlich, statt sie an Ort und Stelle zu verschließen. Welches Verfahren bei einem bestimmten Befund vorzuziehen ist, richtet sich deshalb nach dem Ultraschallbefund, nach Verlauf und Durchmesser der Stammvene und nach dem, wofür sich der Patient nach Aufklärung über die jeweiligen Vor- und Nachteile entscheidet.

Quellen

  • Noppeney, T. (Hrsg.): Varikose.
    ISBN: 9783662591161
  • Hirsch, T., Schick, K., Stücker, M. (Hrsg.): Referenz Phlebologie.
    ISBN: 9783132455634
  • Noppeney, T., Nüllen, H.: Repetitorium Phlebologie.
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  • Rabe, E. (Hrsg.): Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie.
    ISBN: 9783934371682
  • Debus, E. S., Gross-Fengels, W. (Hrsg.): Operative und interventionelle Gefäßmedizin.
    ISBN: 9783662533789

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