Reisedurchfall

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 14. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Es ist keine angenehme Vorstellung: Der Flug zum Reiseziel ist überstanden, die Koffer sind ausgepackt. Plötzlich beginnt ein starker Reisedurchfall bzw. Reisediarrhoe. Was ist zu tun? Und muss ich mir Sorgen machen?

Inhaltsverzeichnis

Was ist Reisedurchfall?

Reisedurchfall äußert sich durch dünnen, wässrigen Stuhl, der mehrmals am Tag abgeht. Häufig wird der Reisedurchfall von Krämpfen während der Darmentleerung begleitet.
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Reisedurchfall - in Fachkreisen auch Reisediarrhoe genannt - bezeichnet eine Infektion des Darms. Es handelt sich hierbei um die häufigste Reisekrankheit.

Reisedurchfall macht sich bereits innerhalb weniger Stunden bis Tage nach der Ankunft im fremden Land bemerkbar. Neben Übelkeit und Erbrechen äußert sich der Reisedurchfall in mindestens vier Stuhlentleerungen pro Tag, deren Konsistenz verformt bis wässrig ist.

Zuweilen kann beim Reisedurchfall auch Blut im Stuhl nachgewiesen werden. In schweren Fällen gesellen sich Fieber oder Magen-Darm-Krämpfe hinzu. Manchmal kann Reisedurchfall auch erst wenige Tage nach der Heimkehr vom Urlaubsort auftreten.

Ursachen

Beim Reisedurchfall ist die Darmflora der Betroffenen aus dem Gleichgewicht geraten. Schuld daran sind Viren oder Bakterien, am bekanntesten hierbei Salmonellen, Kolibakterien oder Norovirus. Die Keime können durch die Nahrung aufgenommen werden.

Eine große Rolle beim Reisedurchfall spielen rohe Lebensmittel (Obst, Salat, Fleisch, Fisch) oder verseuchtes Trinkwasser. Ursächlich für Reisedurchfall können auch die schlechten Hygienebedingungen in fremden Ländern sein. Probleme mit der Zeitumstellung sowie Klimawechsel tun ihr Übriges.

Selbst Stress, zum Beispiel durch eine hektische Reisevorbereitung, kann am Entstehen des Reisedurchfalls mitwirken. Reisedurchfall tritt am ehesten in Ländern mit niedrigen Hygienestandards (z.B. Indien) auf. Auch Reisen in Gruppen oder Rucksacktouristen erleiden schneller den typischen Reisedurchfall.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Reisedurchfall äußert sich durch dünnen, wässrigen Stuhl, der mehrmals am Tag abgeht. Häufig wird der Reisedurchfall von Krämpfen während der Darmentleerung begleitet. Der Durchfall kann übelriechend sein und unverdaute Essenbestandteile enthalten, da oftmals ungewohnte, unverträgliche Nahrung die Ursache für Durchfall im Urlaub sind. Auch Keime kommen als Grund für Reisedurchfall in Betracht und verursachen bei den Betroffenen entsprechend Bauchschmerzen, Übelkeit und allgemeines Unwohlsein.

Auch Fieber kann als Begleitsymptom auftreten. Beschwerden wie Bauchweh kann schon Stunden vor Einsetzen des eigentlichen Durchfalls vorhanden sein. Oftmals klingen die Beschwerden schlagartig ab, sobald der Durchfall den Körper verlassen hat. Möglich ist aber auch, dass die Beschwerden tagelang anhalten.

In diesem Fall kommen häufig Anzeichen einer beginnenden Dehydrierung dazu. Beschwerden im Rahmen einer Dehydrierung können Kopfschmerzen, Schwindel und allgemeine Kreislaufschwäche sein. Beschwerden bei Reisedurchfall können unterschiedliche Intensität haben.

Leichtes Unwohlsein ist ebenso möglich wie schweres Krankheitsgefühl aufgrund des starken Wasserverlustes und beginnenden Problemen mit dem Elektrolythaushalt. Während die Symptome des eigentlichen Durchfalls, der wässrige Stuhl, sehr leicht zu erkennen sind, können die Anzeichen für eine damit verbundene Austrocknung bei Kindern oder älteren Menschen nicht immer eindeutig sein.

Diagnose & Verlauf

Der Mythos, dass Cola mit Salzstangen gegen Durchfall helfen, ist medizinisch nicht belegt. Ein Teelöffel Bentonit mit einem Glas Mineralwasser zeigt eine bessere Wirkung.

Die Diagnose Reisedurchfall kann gestellt werden, wenn kurz nach Reisebeginn der typisch wässrige Durchfall auftritt. Beim Reisedurchfall existieren zwei verschiedene Verläufe: Der akute und der chronische Reisedurchfall.

Fast alle Patienten erkranken am akuten Reisedurchfall. In der Regel ist Reisedurchfall nach wenigen Tagen bis zu einer Woche überstanden. Sollten die Symptome jedoch anhalten oder sich verstärken, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Einige Betroffene leiden an so starkem Durchfall, dass ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig wird. Jede fünfte Betroffene wird in dieser Zeit bettlägerig. Die meisten erkranken jedoch nur leicht an Reisedurchfall. Bei rund zehn Prozent der Patienten geht der akute Reisedurchfall in einen chronischen Reisedurchfall über. Das bedeutet, dass der Durchfall bis zu vier Wochen lang bestehen bleiben kann.

Komplikationen

Reisedurchfall kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht das Risiko einer Dehydration, die mit körperlichen und geistigen Ausfallerscheinungen verbunden ist und bei Kindern, älteren Menschen und Erkrankten unter Umständen tödlich endet. Bei akuter Diarrhö kommt es auch zu einem stark ausgeprägten Nährstoff-Verlust, der ebenfalls mit Mangelerscheinungen einhergeht.

Im Extremfall kann beides – Dehydration und Nährstoffmangel – zu Nierenversagen und in der Folge zum Tod führen. Die ungewisse Hygiene-Situation am Reiseort kann dazu führen, dass die Beschwerden über mehrere Tage bestehen bleiben – umso gefährlicher wird der Flüssigkeitsverlust. Meist verläuft Reisedurchfall jedoch weniger problematisch. Der Betroffene leidet lediglich unter einem starken Unwohlsein und dem typischen Krankheitsgefühl.

Die Behandlung eines Reisedurchfalls birgt ebenfalls Risiken. Rezeptfreie Durchfall-Medikamente wie Racecadotril können vereinzelt Nebenwirkungen wie Hautausschläge, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen hervorrufen. Selten treten schwere Hautreaktionen, Schwellungen, Nesselsucht oder Ödeme auf. Ist eine Infusion vonnöten, kann es zu Entzündungen und Verletzungen im Bereich der Einstichstelle kommen. Gelegentlich schwillt der Bereich um den Einstich an und es treten Beschwerden wie Juckreiz und Schmerzen auf. Selten treten Blutgerinnsel und andere schwerwiegende Komplikationen auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einem Reisedurchfall wird normalerweise keine ärztliche Konsultation benötigt. Die Beschwerden basieren auf einem inneren Stresserleben und sind von vorübergehender Natur. Meist halten sie für wenige Stunden oder Tage an. Im Anschluss kommt es zu einer Spontanheilung. Die Nahrungsmittelzufuhr ist umzustellen, damit sich der allgemeine Gesundheitszustand nicht weiter verschlechtert. Zudem ist eine ausreichende Menge an Flüssigkeit aufzunehmen, damit sich keine lebensbedrohliche Situation entwickelt.

Greifen die Maßnahmen der Selbsthilfe nicht, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei Blut im Stuhl, einer Störung des Bewusstseins oder einem Gefühl der inneren Trockenheit herrscht Alarmbereitschaft. Ein Arztbesuch ist notwendig, damit eine medizinische Versorgung eingeleitet werden kann. Kommt es zu einer Dehydration oder einem Verlust des Bewusstseins, muss ein Rettungsdienst alarmiert werden. Der Betroffene befindet sich in einem lebensbedrohlichen Zustand und benötigt schnellstmöglich einen Arzt.

Muss die Reise aufgrund der Beschwerden abgesagt oder unterbrochen werden, ist ein Arztbesuch notwendig. Eine Zunahme der Unregelmäßigkeiten, eine innere Schwäche und völlige Kraftlosigkeit müssen untersucht werden. Kreislaufbeschwerden oder der Kontrollverlust über den Schließmuskel sind von einem Arzt abklären zu lassen.

Wer regelmäßig unter einem Reisedurchfall leidet, sollte rechtzeitig vor Antritt einer Reise die Rücksprache mit einem Arzt oder Therapeuten suchen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Vorbeugung, die genutzt werden können.

Behandlung & Therapie

Treten die ersten Symptome des Reisedurchfalls auf, sollten die Betroffenen sehr viel trinken. Am besten eignen sich hierfür Tee und abgepacktes Trinkwasser. Begleitend kann Reisedurchfall auch durch Medikamente aus der Apotheke behandelt werden. Sie enthalten lebenswichtige Elektrolyte, die der Körper durch die Durchfälle ausgeschieden hat.

Gibt es vor Ort keine Elektrolyte zu kaufen, kann problemlos selbst eine Lösung hergestellt werden. Dazu einen Liter Wasser abkochen und fünf Esslöffer Zucker, einen oder zwei Esslöffel Salz sowie ein Glas Orangensaft hinzufügen. Ansonsten muss keine spezielle Diät beim Reisedurchfall eingehalten werden.

Trotzdem ist es sinnvoll, schwere und fettige Speisen zu meiden. Bei starkem Flüssigkeitsverlust hilft nur eine Einweisung ins Krankenhaus. Für Kinder, ältere und schwache Menschen kann ein anhaltender Reisedurchfall auch lebensbedrohlich werden. Werden Reisedurchfälle von Fieber, blutigem Stuhl oder von Magen-Darm-Krämpfen begleitet, muss so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden.

In solchen Fällen sollte unbedingt das Blut untersucht werden, ob es sich wirklich nur um den vermuteten Reisedurchfall handelt. Denkbar wären auch Cholera oder Typhus, die dann gesondert behandelt werden müssten.


Vorbeugung

Von Reisedurchfall sind am häufigsten Reisende nach Asien, Afrika und Lateinamerika betroffen. Aus diesem Grunde ist es sinnvoll, bereits vor der Abfahrt an geeignete Durchfall-Medikamente zu denken. Eine vorbeugende Impfung gegen Reisedurchfall existiert nicht. Trinkwasser sollte stets abgekocht werden. Auch alle Nahrungsmittel bitte nur durchgegart genießen.

Frischer Salat und rohes Gemüse sollten tabu sein. Vorsicht gilt auch bei Obst. Um Reisedurchfall zu vermeiden, sollten Früchte entweder ausreichend gewaschen oder geschält werden. Beim Putzen der Zähne nur abgepacktes Trinkwasser verwenden. Selbstverständlich sollten aus Schutz vor Reisedurchfall regelmäßig die Hände gewaschen werden.

Nachsorge

Bei einem Reisedurchfall, der bedingt durch Nahrungsunverträglichkeiten in ungewohnten Umgebungen auftritt, ist keine besondere Nachsorge erforderlich. Dies gilt ebenso bei Durchfällen, die zum Beispiel durch unsauberes Wasser in der Urlaubsregion aufgetreten sind. Wenn es sich bei den Betroffenen um keine besonders geschwächten Personen handelt, werden kurzzeitig andauernde Reisedurchfälle meistens vom Körper gut verkraftet und können durch Selbsthilfe auch zum Stillstand gebracht werden.

Sofern der Durchfall also schnell zum Stillstand kommt und keine besondere körperliche Schwäche oder Schmerzen auftreten, sind spezielle Maßnahmen der Nachsorge also nicht erforderlich. Eine Nachsorge kann aber notwendig sein, wenn der Reisedurchfall sehr heftig und lange andauernd war. Hier droht vor allem bei Kindern und älteren Menschen eine Austrocknung. Diese sollte auch in der Aktphase des Reisedurchfalls ärztlich untersucht werden.

Wenn der Durchfall überstanden ist, dient die Nachsorge der Kontrolle, ob nun wieder ausreichend Flüssigkeit im Körper vorhanden ist und ob alle Blutwerte sich normalisiert haben. Bei extremen Durchfällen ist diese Nachsorge wichtig, um Organschäden frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls sofort behandeln zu können. Stellt der Arzt fest, dass der Flüssigkeitshaushalt weiter nicht in Ordnung ist und Schäden drohen, so kann er Infusionen verordnen oder weitere internistische Untersuchungen veranlassen.

Das können Sie selbst tun

Reisedurchfall ist ein lästiges Phänomen, das häufig verbreitet, durch Selbsthilfe aber sowohl vermeidbar als auch behandelbar ist.

Die Vorbeugung beim Reisedurchfall ist äußerst wichtig. Hier gilt die Regel, dass Speisen möglichst gekocht oder geschält, aber zumindest mit hygienisch einwandfreiem Wasser abgewaschen sein sollten. Bei Bedarf ist die Flasche Wasser bei Entdeckungen in Ländern mitzunehmen, bei denen Trinkwasser nicht den Standards der modernen Medizin entspricht. Obst und Gemüse ist besonders sorgsam zu säubern. Auch bei Eiswürfeln in Getränken ist in südlichen Ländern besonders zu achten, da diese oft nicht hygienisch produziert werden und so auch in Flaschen versiegelte Getränke zu einer Quelle vom Keimen für den Reisedurchfall werden lassen. Die Hände sind immer zu waschen, bevor sie den Mund berühren oder Speisen mit den Fingern gegessen werden.

Ist der Reisedurchfall eingetreten, gibt es ebenfalls Mittel der Selbsthilfe. Der Durchfall vergeht in der Regel nach ein bis zwei Tagen, wenn die Keime aus dem Darm gespült sind, von selber. Bis dahin ist Flüssigkeit, die dem Körper verlorengeht, durch stilles Wasser einwandfreier Herkunft oder Kräutertees wieder aufzufüllen. Kohletabletten können akute Durchfälle lindern. Auch Flohsamenschalen sind eine nebenwirkungsfreie Möglichkeit, auf der Reise den Durchfall nachhaltig zu lindern. Blähende, fette und scharfe Speisen sind für die Zeit des Reisedurchfalls besser zu vermeiden.

Quellen

  • Diesfeld, H.J., Krause, G., Teichmann, D.: Praktische Tropen- und Reisemedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Kretschmer, H., Kusch, G., Scherbaum, H. (Hrsg.): Reisemedizin. Beratung in der ärztlichen Praxis. Urban & Fischer, München 2005
  • Netter, F.H. et. al.: NETTERs Allgemeinmedizin. Thieme, Stuttgart 2006

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