Typhus


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 15. Oktober 2018
Kategorie: Krankheiten

Typhus ist bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts bekannt und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer weiter erforscht. Es handelt sich um eine Krankheit, die bis heute weltweit verbreitet ist und hauptsächlich auf mangelhafte Hygienezustände zurückzuführen ist. Weltweit erkranken jährlich ca. 20 Millionen Menschen an Typhus, für ca. 200.000 nimmt die Krankheit ein tödliches Ende.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Typhus?

Infogramm zur Anatomie und Symptomatik bei Typhus. Klicken, um zu vergrößern.

Die Krankheit ist hauptsächlich in Entwicklungsländern verbreitet und spielt in Europa und Nordamerika eine untergeordnete Rolle. Es handelt sich um eine Infektionskrankheit, die sich als Fieber- und Durchfallerkrankung äußert.

Sie wird durch die „Salmonella Typhi“ Bakterien übertragen. Während der Inkubationszeit (in der Regel ca. 6-30 Tage) dringen die Erreger in die Darmwand ein. Im Anschluss gelangen sie über das lymphatische System in die Blutbahn und lösen die eigentliche Erkrankung aus. Der Name der Salmonellen leitet sich von dem altgriechischen Wort „typhos“ ab, dessen Bedeutung „Dunst“ oder „Nebel“ ist. Diese Bezeichnung wurde verwendet, da Patienten über einen „benebelten Geisteszustand“ klagten.

Der Name des Erregers wurde im Laufe der Zeit offiziell zu „Salmonella enterica ssp. enterica Serovar Typhi“ geändert, wobei nach wie vor beide Bezeichnungen Verwendung finden. Die Krankheit wird häufig auch als „Fleckfieber“ bezeichnet. Eine Unterscheidung wird zwischen dem eigentlichen „Typhus abdominalis“ (Bauchtyphus oder Unterleibstyphus) und einer schwächeren Form der Erkrankung, dem sogenannten „Paratyphus“ getroffen.

Ursachen

Wie bereits erwähnt, erfolgt die Infektion durch Bakterien. Nach größeren Typhus-Epidemien Anfang des 20. Jahrhunderts, wurde bei der Erforschung der Krankheit festgestellt, dass die Übertragung der Bakterien hauptsächlich „fäkal-oral“ erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt war das Bewusstsein der Menschheit in Bezug auf Hygiene noch nicht sehr ausgeprägt.

Das Bakterium wurde häufig über Nahrungsmittel und das Trinkwasser verbreitet. Ein praktisches Beispiel hierfür ist die nicht oder nur schlecht vorhandene Trennung von Latrinen zu Kochbereichen, Trinkwasserversorgung oder Vorratsaufbewahrung. Ferner wurde dem Händewaschen erst wenig Bedeutung beigemessen. Die intensive Reinigung der Hände nach dem Toilettengang, vor Operationen oder in Bezug auf Küchenhygiene wurde erst nach dieser Erkenntnis obligatorisch.

Dies sind auch die Gründe dafür, dass Typhus heutzutage hauptsächlich in ärmeren sogenannten Dritte-Welt-Ländern, die über eine schlechtere Infrastruktur verfügen auftritt. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist zwar möglich aber sehr unwahrscheinlich. Die größte Gefahr einer Infektion besteht durch Schmierinfektionen über Lebensmittel oder Wasser. Bei Kindern bis zum neunten Lebensjahr oder Personen mit geschwächtem Immunsystem besteht eine erhöhte Infektionsgefahr.

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Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die häufigsten Symptome einer Typhuserkrankung sind Kopfschmerzen, Fieber, Mattigkeit und erhebliche Magen-Darm-Beschwerden. Der Krankheitsverlauf wird grundsätzlich in vier Stadien unterteilt, in denen die Symptome teils variieren.

Im anfänglichen Stadium beschränken sich die Symptome oft auf gewöhnliche Symptome einer Erkältung wie Kopf- und Gliederschmerzen und leicht erhöhte Temperatur. In den folgenden Stadien verstärkt und festigt sich das Fieber auf einem hohen Niveau. Hinzu kommt eine Verstärkung der Magen-Darm-Beschwerden in Form von Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall.

Häufig leiden Patienten unter Appetitlosigkeit und Teilnahmslosigkeit oder in seltenen Fällen sogar unter Bewusstseinsstörungen. Ein charakteristisches Symptom während dieses Zeitraumes ist eine gräulich belegte Zunge, welche „Typhuszunge“ genannt wird. Im finalen, kompliziertesten Stadium kommt es meist zu einer Verschlimmerung der Darmbeschwerden und zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes aufgrund von Flüssigkeitsverlust und Gewichtsreduktion.

In diesem Stadium tritt eine typische Form des Durchfalls auf, der sogenannte „erbsbreiartige“ Durchfall. Mit diesem scheidet der Patient die Erreger nach und nach aus. Zu dieser Zeit besteht daher eine hohe Ansteckungsgefahr. Ein eher seltenes aber äußerst charakteristisches Symptom sind „Roseolen“. Hierbei handelt es sich um einen rötlichen Hautausschlag in Form von Flecken an Bauch und Oberkörper. In seltenen Fällen tritt eine Milzschwellung auf.

Komplikationen

Komplikationen während des unbehandelten Krankheitsverlaufs sind vor allem in den letzten beiden Stadien nicht ausgeschlossen. Insbesondere der Darmtrakt ist eine große Gefahrenquelle. Durch die starke Beanspruchung dieses Bereiches (Geschwächt durch Einnisten des Erregers, Durchfall oder Verstopfung) besteht die erhöhte Gefahr von Darmblutungen oder einer Darmperforation (Darmdurchbruch).

Letzteres birgt ein hohes Risiko eines letalen Ausgangs. Weitere unter Umständen auftretende Komplikationen sind die Bildung von Blutgerinnseln bzw. Thrombose, Entzündungen des Knochenmarks oder Herzmuskels und Meningitis (Gehirnhautentzündung). Ein allgemeiner Schaden des Muskel- oder Knochensytems aufgrund Erschöpfung sind ebenfalls nicht ausgeschlossen. Bei Kindern unter einem Jahr handelt es sich um eine besondere Risikogruppe. Bei Infizierten dieser Altersgruppe treten trotz Behandlung häufig Komplikationen auf.

Eine besondere Gefahr stellen die „Dauerausscheider“ dar. Für gewöhnlich scheidet ein Patient nach Überwinden der Krankheit (unabhängig ob mit oder ohne Behandlung) noch bis zu 6 Monaten Typhuserreger aus. Bei „Dauerausscheidern“ handelt es sich um Personen, die meist bis an ihr Lebensende Erreger ausscheiden, ohne selbst weiterhin an der Krankheit zu leiden. Dies birgt eine ständige Infektionsgefahr von sich selbst und anderen.

Vereinzelt kommt es vor, dass Infizierte zu „Dauerausscheidern“ werden, ohne je selbst Symptome der Krankheit zu entwickeln. Laut Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind ca. 3-5 Prozent der Infizierten „Dauerausscheider“.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Verdacht einer Typhus-Infektion ist es von größter Wichtigkeit umgehend einen Arzt zu konsultieren. Dabei ist es unerheblich ob sich der Verdacht auf Symptomen oder der möglichen Ansteckung während einer Reise in ein besonders gefährdetes Land begründet.

Eine möglichst frühzeitige Behandlung ist von enormer Bedeutung für den Verlauf der Krankheit. In diesem Zusammenhang ist auch die Verantwortung, gegenüber Mitmenschen zu beachten, da es sich um eine ansteckende Krankheit handelt. Im Normalfall genügt es, bei einem Hausarzt vorstellig zu werden. Sollte im Verlauf der Krankheit das Hinzuziehen eines Spezialisten erforderlich werden, kann eine Überweisung erfolgen.

Dies kann im Falle der zuvor genannten Komplikationen unter Umständen notwendig werden. Wie bereits erwähnt stellen Kinder unter einem Jahr eine besondere Risikogruppe dar. In einem solchen Fall ist das anfängliche Hinzuziehen eines Spezialisten für diese Erkrankung bei Kindern empfehlenswert.

Diagnose

Im Anfangsstadium der Infektion zeigt sich die Diagnose zunächst schwierig. Die Symptome ähneln zunächst harmloseren Erkrankungen wie Erkältung, gewöhnlichem Fieber oder Magen-Darm-Infekten. Bei Erscheinen der ersten Symptome ist es daher äußerst wichtig, den behandelnden Arzt über eine eventuell zurückliegende Reise in eines der zuvor genannten Länder zu unterrichten.

Mit dieser Information, und dem somit vorhandenen Verdacht auf eine Typhuserkrankung, können frühzeitig Therapiemaßnahmen ergriffen werden. Andernfalls ist eine anfängliche Fehldiagnose nicht ausgeschlossen. Die Typhus-Diagnose erfolgt hauptsächlich durch den Nachweis des Erregers im Blut. Dies ist jedoch erst nach der Inkubationszeit und dem Eindringen des Erregers in die Blutbahn möglich. Im späteren Verlauf der Krankheit, bei einsetzendem Ausscheiden der Bakterien im Stuhlgang, lassen sich diese auch bei der Untersuchung des Stuhls feststellen. Am Anfang der Inkubationszeit kann eine verminderte Anzahl an Leukozyten (weißen Blutkörperchen) auftreten und Hinweis auf eine Infektion sein.

Behandlung & Therapie

Grundsätzlich erfolgt die Behandlung von Typhus durch ein Antibiotikum. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich allerdings eine teils sehr starke Resistenz bei dem Erreger auf bestimmte Medikamente gebildet. Daher werden heutzutage ständig neue Wirkstoffe entwickelt und verwendet.

Abseits der Medikation wird Patienten zu einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme geraten, um das Ausscheiden des Erregers zu beschleunigen. Von einer Einnahme durchfallhemmender Medikamente ist abzusehen, da hierdurch ein Ausscheiden der Bakterien erheblich erschwert wird.

Eine Besonderheit bei der Behandlung bilden die „Dauerausscheider“. Häufig setzen sich die Erreger bei diesen Personen in der Gallenblase fest. Verhelfen in einem solchen Fall Antibiotika nicht zu einer Besserung, muss eine operative Entfernung der Gallenblase in Betracht gezogen werden.

Aussicht & Prognose

In Europa, Nordamerika und weiteren Ländern mit guter medizinischer Versorgung ist die Prognose für eine Typhus-Erkrankung sehr gut. Bei frühzeitiger und richtiger medikamentöser Behandlung liegt die Sterberate bei unter einem Prozent. In diesem Falle verläuft die Krankheit mit keinen oder geringen Komplikationen.

Folge- oder Langzeitschäden treten nur in den seltensten Fällen ein. Ohne entsprechende Behandlung fällt die Prognose wesentlich schlechter aus. Es besteht die Gefahr des Eintretens der zuvor genannten Komplikationen und deren Folgen. Ferner ist zu beachten, dass „Dauerausscheider“ ohne Behandlung eine langfristige Infektionsgefahr für Mitmenschen darstellen. Die Sterberate erhöht sich in diesen Fällen erheblich auf bis zu zwanzig Prozent.

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Vorbeugung

Eine Typhus-Infektion kann prinzipiell überall erfolgen, daher ist jede Person einem gewissen Risiko ausgesetzt. Vorbeugend besteht die Möglichkeit einer Impfung. Diese kann entweder oral als Schluck-Impfung oder in Spritzenform erfolgen. Bei der Schluck-Impfung handelt es sich um eine Lebendimpfung.

Hierbei werden abgeschwächte Formen der Bakterien eingebracht, die im Falle einer Infizierung dem eigentlichen Erreger entgegenwirken. Die zweite Variante beinhaltet einen Totimpfstoff, der hauptsächlich aus abgestorbenen Zellteilen der Bakterien besteht, die der Bekämpfung einer Infektion dienen. Beide Varianten bieten keinen garantierten Schutz.

Etwa bei sechzig Prozent der geimpften Personen besteht nachweislich ein Schutz. Dieser hält im Regelfall für den Zeitraum eines Jahres. Eine Impfung ist insbesondere bei Reisen in Regionen mit schlechtem Hygienezustand sinnvoll. Hierzu zählen unter anderem Asien, Indien, Teile Südamerikas und Nordafrika. Während einer solchen Reise kann eine erhöhte Umsicht bezüglich der Hygiene vorbeugend wirken.

Hierzu zählen Maßnahmen wie regelmäßiges, gründliches Händewaschen, Abkochen des Trinkwassers und Verzicht auf den Verzehr von rohen Speisen. Durch Beachtung dieser Verhaltensweisen kann das Risiko einer Infektion jedoch nicht ausgeschlossen, sondern lediglich verringert werden.

Das können Sie selbst tun

Während des Krankheitsverlaufs bieten sich für Patienten nur sehr geringe Möglichkeiten diesen zu verbessern oder angenehmer zu machen. Neben des rechtzeitigen Aufsuchens eines Arztes und der anschließenden medizinischen Behandlung durch diesen, kann lediglich auf ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit geachtet werden.

Wie bereits erwähnt ist dies für die Linderung von Beschwerden des Magen-Darm-Traktes und für das Ausscheiden der Bakterien von großer Bedeutung. Die Bildung eines Bewusstseins für die hohe Ansteckungsgefahr der Mitmenschen ist wichtig. Diesbezüglich sind aktive Maßnahmen des Patienten erforderlich.

Um eine Übertragung auf andere oder eine Verschlimmerung der Infektion zu verhindern ist es empfehlenswert den Kontakt zu anderen Menschen auf das geringste mögliche Maß zu reduzieren, und nach dem Stuhlgang eine akribische Desinfektion der Toilette durchzuführen.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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