Schirmer-Test
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Um festzustellen, ob die Augen genügend Tränenflüssigkeit haben, wird der Schirmer-Test angewendet. Dabei kommen spezielle Streifen aus Filterpapier zum Einsatz, die sich in einem bestimmten Zeitraum mit der Flüssigkeit vollsaugen.
Der Augenarzt kann dann, wenn die Augen zu trocken sind, ein sogenanntes Sicca-Syndrom diagnostizieren. In diesem Fall wird nicht ausreichend Tränenflüssigkeit gebildet und auch bei ihrer Zusammensetzung gibt es Mängel. Die Hornhaut des Auges kann so nicht genügend befeuchtet und geschützt werden. Der Schirmer-Test kann ebenso Hinweise auf das nach einem schwedischen Mediziner benannte Sjögren-Syndrom liefern, bei dem Bindehaut und Schleimhäute im Bereich der Augen von der Fehlfunktion der Tränendrüsen betroffen sind. Die Teststreifen weisen gewöhnlich ein Maß von fünf mal 35 Millimeter auf und haben eine entsprechende Skalierung.
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Was ist der Schirmer-Test?
Die Testmethode mit dem Filterpapier trägt den Namen des deutschen Augenarztes und Hochschullehrers Otto Wilhelm Schirmer (1864-1917). Er stammte aus Greifswald und studierte an der dortigen Universität sowie in München und Freiburg.
Im Jahr 1896 übernahm der inzwischen promovierte und habilitierte Arzt den Lehrstuhl für Augenheilkunde in Greifswald. Später hatte Schirmer Lehrämter in Kiel und Straßburg inne, ehe er in die Vereinigten Staaten übersiedelte und in mehreren Kliniken New Yorks arbeitete. Der erstmals im Jahr 1903 durchgeführte Test der Tränendrüsenfunktion wird bis heute unter Schirmers Namen angewendet. Üblich sind zwei verschiedene Varianten des Schirmer-Tests. Im Verfahren Schirmer 1 wird an beiden Augen je ein kleiner Teststreifen in den unteren Bindehautsack vorsichtig eingehängt.
Der Behandelte schließt dann die Augen und das Filterpapier saugt innerhalb von fünf Minuten die jeweilige Menge von Tränenflüssigkeit auf. Ist der Streifen voll mit Flüssigkeit, ändert er seine Farbe. Anhand der Länge der so eingefärbten Strecke kann der Augenarzt seine Einschätzungen vornehmen. Diese Variante ist bis heute die gebräuchlichste. Seltener kommt Schirmer 2 zum Einsatz. Hier werden beide Augen zunächst lokal betäubt, damit der Reiz durch das Filterpapier selbst das Ergebnis nicht verfälscht. Zusätzlich wird dabei die Nasenschleimhaut gereizt, um zu prüfen, ob die Tränendrüse auf einen solchen Reiz überhaupt noch mit vermehrter Absonderung antwortet. Ist beim Test ohne Betäubung die durchtränkte Strecke auf dem Teststreifen nach fünf Minuten kürzer als zehn Millimeter, liegt der Tränenfluss in einem zu niedrigen Bereich.
Fünf Millimeter oder weniger Feuchtstrecke deuten auf einen dringenden Fall trockener Augen hin. Sodann untersucht der Augenarzt, ob dieser Mangelerscheinung eventuelle Entzündungen der Bindehaut oder anderer Bereiche des Auges zu Grunde liegen. Er muss jedoch beachten, dass die Testergebnisse ungenau sein können. Die Augen werden bei dem Test unter Umständen so stark gereizt, dass sie stärker tränen als gewöhnlich und somit die Gefahr der Austrocknung unerkannt bleibt. Ein Patient soll außerdem zwei Stunden nach dem Schirmer-Test keine Kontaktlinsen einsetzen, um die Augen zu schonen.
Die Bedingungen, unter denen gemessen wird, beeinflussen das Ergebnis erheblich, weshalb sie möglichst gleich gehalten werden. Der Streifen wird an einem vorgefalteten Knick über den Lidrand gehängt, und zwar im äußeren Drittel des Unterlids, damit er nicht auf der empfindlichen Hornhaut aufliegt. Kontaktlinsen werden vorher herausgenommen; Augentropfen und Salben sollten vor dem Termin nicht angewendet worden sein, da sie die Messung verfälschen. Auch der Raum spielt eine Rolle: Zugluft, ein Ventilator, sehr trockene Heizungsluft oder grelles Licht steigern oder mindern die Tränenbildung. Aus demselben Grund sitzt der Untersuchte ruhig und wird während der Messung nicht in ein Gespräch verwickelt.
Die beiden Varianten des Tests beantworten dabei unterschiedliche Fragen. Ohne Betäubung erfasst der Streifen die gesamte Absonderung: die Grundsekretion, die das Auge fortlaufend feucht hält, zusammen mit der reflexhaften Tränenbildung, die das Papier selbst auslöst. Wird zuvor betäubt, entfällt dieser Reiz weitgehend, und es bleibt im Wesentlichen die Grundsekretion übrig. Die anschließende Reizung der Nasenschleimhaut prüft schließlich die entgegengesetzte Frage, nämlich ob die Tränendrüse auf einen kräftigen Anstoß hin überhaupt noch zu einer vermehrten Absonderung fähig ist. Fällt auch diese Antwort aus, spricht das für einen Ausfall der Drüse selbst oder ihrer Nervenversorgung.
Aussagekräftig ist der Test dennoch nur begrenzt. Die Werte schwanken beim selben Menschen von Messung zu Messung, im Tagesverlauf und je nach Jahreszeit deutlich; ein einzelnes auffälliges Ergebnis wird deshalb nicht als Diagnose gewertet, sondern in der Zusammenschau mit den Beschwerden und weiteren Befunden gelesen. Umgekehrt schließt ein unauffälliger Streifen ein trockenes Auge nicht aus, denn der Test misst allein die Menge der wässrigen Absonderung, nicht die Zusammensetzung des Tränenfilms und nicht dessen Verweildauer auf der Augenoberfläche.
Dass sich ein derart einfaches Verfahren über mehr als ein Jahrhundert gehalten hat, liegt an seiner Sparsamkeit. Es braucht keinen Strom und kein optisches Gerät, es ist in jeder Praxis und in jeder Ambulanz binnen Sekunden einsatzbereit, und die Streifen sind als genormtes Filterpapier mit aufgedruckter Skala fertig konfektioniert erhältlich. Damit ist der Schirmer-Test bis heute die am weitesten verbreitete Methode, die Tränenmenge überhaupt in einer Zahl auszudrücken.
Für die Dokumentation gelten allerdings ein paar Regeln, ohne die die Zahl wertlos wäre. Festgehalten wird für jedes Auge getrennt die befeuchtete Strecke, und dazu wird stets vermerkt, ob mit oder ohne Betäubung gemessen wurde, denn beide Varianten liefern nicht vergleichbare Werte. Ebenso gehört die Messdauer in den Befund. Wird der Verlauf über Jahre beobachtet, sollten die Bedingungen möglichst gleich bleiben; ein Vergleich zwischen einer betäubten und einer unbetäubten Messung führt sonst zu Scheinveränderungen, die keiner tatsächlichen Verschlechterung entsprechen.
Funktion, Wirkung & Ziele
Oft kommt es vor, dass der aus drei Schichten gebildeten Tränenflüssigkeit ihre öligen Bestandteile fehlen und sich somit der Schutz des Auges verschlechtert. Darüber hinaus wird das Tränenwasser nicht mehr gleichmäßig verteilt. Für diese Untersuchung eignet sich allerdings der Schirmer-Test nicht. Außerdem treten unterhalb einer Befeuchtungsstrecke von acht Millimetern im Schirmer-Test größere Probleme mit dem Tragen von Kontaktlinsen auf.
Die Linsen werden in solchen Fällen von den Schutzmechanismen des Auges als unverträglich empfunden. Entsprechende Reaktionen wie Rötung, Entzündung oder übermäßiger Tränenfluss verstärken sich noch, wenn Betroffene oft und lange Zeit am Computerbildschirm arbeiten, ihnen ein unangenehmes Raumklima entgegenschlägt oder starker und böiger Wind weht. Sobald die Augen erkennbar trocken werden oder sich sogar zu röten beginnen, empfehlen die Augenärzte und Optiker daher das Tragen einer Brille statt der Kontaktlinsen.
Um zu verstehen, was der Test erfasst und was nicht, hilft ein Blick auf den Aufbau des Tränenfilms. Die innerste, dem Auge zugewandte Lage besteht aus Schleimstoffen, die von Becherzellen der Bindehaut gebildet werden; sie sorgt dafür, dass die wässrige Flüssigkeit auf der Augenoberfläche überhaupt haftet. Darüber liegt die eigentliche wässrige Schicht aus der Tränendrüse, die den größten Teil des Volumens ausmacht und Nährstoffe sowie Abwehrstoffe transportiert. Den Abschluss bildet ein hauchdünner Fettfilm aus den Meibom-Drüsen der Lidkanten, der das Verdunsten bremst. Der Schirmer-Test misst allein die mittlere, wässrige Lage. Fehlt dagegen der Fettfilm, weil die Lidranddrüsen verstopft oder entzündet sind, verdunstet der Tränenfilm zu schnell – die Beschwerden entsprechen einem trockenen Auge, obwohl die Absonderung mengenmäßig ausreichen würde.
Aus diesem Grund wird der Test heute regelmäßig mit anderen Verfahren kombiniert. Mit einem Farbstoff lässt sich beurteilen, wie lange der Tränenfilm nach einem Lidschlag geschlossen bleibt, bevor er aufreißt; ein rasches Aufreißen deutet auf einen Mangel der Fettschicht hin. Derselbe oder ein zweiter Farbstoff macht geschädigte Zellen auf Hornhaut und Bindehaut sichtbar. Ergänzend werden die Lidkanten und die Ausführungsgänge der Meibom-Drüsen betrachtet, der Lidschluss geprüft und, je nach Ausstattung, die Salzkonzentration der Tränenflüssigkeit bestimmt. Erst dieses Bündel erlaubt eine Aussage darüber, ob zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet wird, ob sie zu schnell verdunstet oder ob beides zusammentrifft.
Angeordnet wird der Test daher bei einer Reihe unterschiedlicher Anlässe. Am häufigsten steht das anhaltende Fremdkörper-, Sand- oder Brenngefühl am Anfang, oft begleitet von Lichtempfindlichkeit, rasch ermüdenden Augen und einem verschwommenen Sehen, das sich nach kräftigem Blinzeln kurz bessert. Ein weiterer, für Laien überraschender Anlass ist das ständige Tränen: Ist die Augenoberfläche gereizt, kann die Tränendrüse mit einem Schwall reagieren, der ebenso schnell wieder abläuft, sodass Trockenheit und Tränen einander abwechseln. Weiterhin wird der Test vor der Anpassung von Kontaktlinsen, vor einem Eingriff der refraktiven Chirurgie zur Korrektur der Fehlsichtigkeit und im Rahmen rheumatologischer Abklärungen eingesetzt. Bei Verdacht auf ein Sjögren-Syndrom gehört ein solcher Nachweis der verminderten Tränenbildung zu den Merkmalen, die zusammen mit dem Speicheldrüsenbefund und bestimmten Antikörpern im Blut zur Einordnung der Erkrankung herangezogen werden.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Das Trachom, eine durch Bakterien herbeigeführte Entzündung der Augen, beeinflusst weiterhin die Tränenproduktion. Hier kann sich sogar eine Erblindung entwickeln, wenn nicht rechtzeitig medizinisch eingegriffen wird. Verschiedene Arten der Gesichtslähmung können auch Einfluss auf die Versorgung des Auges mit Tränenflüssigkeit haben, insofern sie die betreffende Muskulatur beeinträchtigen. Ausgetrocknete Augen sind auch oftmals Folge von Erkrankungen wie Diabetes, chronischem Rheumatismus oder einer Schilddrüsenfehlfunktion. Schon ein Raum mit zu geringer Luftfeuchtigkeit kann bei empfindlichen Menschen zu trockenen und schmerzenden Augen führen.
Wer darunter leidet, ist mit Luftbefeuchtern gut beraten, die in diesen Räumen angebracht werden. Bei häufiger und intensiver Arbeit am Bildschirm sollten regelmäßig längere Pausen eingelegt werden, um die Augen etwas zu entlasten. Der Schirmer-Test wird übrigens auch dann durchgeführt, wenn sich eine Fehlsichtigkeit herausgebildet hat, die mit dem Einsetzen von Kontaktlinsen behoben werden soll. Eine wichtige Aufgabe erfüllt der Test auch in der Veterinärmedizin, denn insbesondere Hunde, Pferde und Rinder leiden häufig unter vertrockneten Augen. Die Testprozedur am Tier ist prinzipiell die gleiche wie bei einem Menschen und für den Vierbeiner absolut schmerzfrei.
Beim Menschen geht vom Schirmer-Test selbst kaum eine Gefahr aus. Das Einhängen des Streifens wird als kratzendes oder drückendes Gefühl empfunden, das mit dem Herausnehmen endet; eine leichte Rötung des Auges kann für kurze Zeit zurückbleiben. Verletzungen der Augenoberfläche durch die Papierkante sind sehr selten und treten am ehesten auf, wenn der Untersuchte während der Messung heftig reibt oder der Streifen verrutscht. Wird in der betäubten Variante gearbeitet, ist der Lidschlussreflex für eine Weile herabgesetzt: In dieser Zeit sollte das Auge weder gerieben noch Staub oder Zugluft ausgesetzt werden, weil eine Verletzung sonst unbemerkt bleiben könnte.
Neben den bereits genannten Erkrankungen kommen weitere Ursachen für ein auffälliges Ergebnis in Betracht, und ein Teil davon ist gut zu beheben. Häufig unterschätzt wird der Einfluss von Arzneimitteln: Antihistaminika gegen Allergien, entwässernde Mittel, Betablocker, bestimmte Mittel gegen Depressionen, hormonelle Verhütungsmittel und Präparate gegen schwere Akne können die Tränenbildung mindern. Auch Augentropfen selbst tragen dazu bei, wenn sie über lange Zeit angewendet werden und Konservierungsstoffe enthalten. Eine weitere Gruppe von Ursachen liegt an den Lidern: Eine Lidrandentzündung, ein nach außen gekipptes (Ektropium) oder nach innen gerolltes Lid (Entropium) und ein unvollständiger Lidschluss – etwa im Schlaf oder bei einer Lähmung des Gesichtsnervs – lassen das Auge austrocknen, obwohl die Drüse arbeitet. Ein weltweit bedeutsamer, in Mitteleuropa aber seltener Grund ist ein ausgeprägter Mangel an Vitamin A, der zur sogenannten Xerophthalmie führt.
Unbehandelt bleibt ein dauerhaft trockenes Auge nicht folgenlos. Die ungeschützte Oberfläche wird rau, es kommt leichter zu einer Bindehautentzündung, und in schweren Fällen können auf der Hornhaut Defekte entstehen, die vernarben und die Sehschärfe dauerhaft mindern. Für die Betroffenen zählt daneben die alltägliche Einschränkung: Bildschirmarbeit, Autofahren in der Dunkelheit und das Tragen von Kontaktlinsen werden mühsam. Ein auffälliger Schirmer-Test ist deshalb weniger ein beunruhigender Befund als ein Anlass, die Ursache zu suchen, denn viele der genannten Auslöser lassen sich beeinflussen – vom Wechsel eines Medikaments über die Pflege der Lidränder bis zur Änderung der Bedingungen am Arbeitsplatz.
Auch in der Veterinärmedizin hat der Befund unmittelbare Folgen. Bei Hunden ist die Keratoconjunctivitis sicca, das trockene Auge, eine verbreitete Erkrankung, die in einigen Rassen gehäuft vorkommt und häufig auf einer Fehlleitung des Immunsystems gegen die Tränendrüse beruht. Weil Tiere ihre Beschwerden nicht schildern können, kommt dem Messstreifen dort ein größeres Gewicht zu als beim Menschen: Er liefert eine der wenigen Zahlen, an denen sich der Verlauf und das Ansprechen einer Behandlung ablesen lassen. Auffällig werden die Tiere für ihre Halter meist über andere Zeichen: zäher, gelblicher Ausfluss am inneren Augenwinkel, ein stumpf wirkendes Auge, häufiges Blinzeln und Reiben mit der Pfote. Da die Beschwerden nicht von selbst zurückgehen, gehört der Streifentest in der Kleintierpraxis zu den Untersuchungen, die bei jedem länger bestehenden Augenproblem früh durchgeführt werden. Bei Pferden und Rindern ist die Anwendung seltener, folgt aber demselben Grundgedanken.
Quellen
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
ISBN: 9783132454446
- Grehn, F.: Augenheilkunde.
ISBN: 9783662591536
- Salmon, J. F.: Kanskis Klinische Ophthalmologie.
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- Lang, G. K., Lang, G. E., Auw-Hädrich, C. (Hrsg.): Entzündliche Augenerkrankungen.
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- Pfeiffer, N., Cursiefen, C., Holz, F. G., et al. (Hrsg.): Die Augenheilkunde.
ISBN: 9783662658239
