Sexualkopfschmerzen


Aktualisiert am 28. Februar 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Sexualkopfschmerzen sind Kopfschmerzen, die während des Geschlechtsakts auftreten. Sie werden meist durch zu schnell gesteigerte Erregung ausgelöst. In der Regel treten die Sexualkopfschmerzen nur temporär auf, das heißt sie verschwinden nach einigen Wochen oder Monaten wieder von selbst.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Sexualkopfschmerzen?

Als Sexualkopfschmerzen bezeichnet man Kopfschmerzen, die während des Geschlechtsverkehrs auftreten. Dabei kommt es entweder vor dem Orgasmus (Präorgasmuskopfschmerz) oder direkt während des sexuellen Höhepunkts (Orgasmuskopfschmerz) zu den Schmerzen im Kopf.

Die Sexualkopfschmerzen treten in der Regel episodenhaft auf, das heißt, sie lassen nach kurzer Zeit von selbst wieder nach. Männer sind häufiger davon betroffen als Frauen. Menschen, die an Migräne leiden, sind besonders oft unter den Patienten zu finden. Etwa jeder zweite ist ein Migränepatient.

Insgesamt schätzt man in Deutschland die Zahl der von diesen speziellen Kopfschmerzen betroffenen Menschen auf etwa 80.000. Das typische Alter liegt zwischen 25 und 50 Jahren, wobei die Sexualkopfschmerzen öfters bei jüngeren Menschen auftreten als bei älteren.

Ursachen

Die Ursache für Sexualkopfschmerzen ist noch nicht genau bekannt. Man vermutet, dass das Gehirn von Betroffenen die Reizüberflutung während einer schnell einsetzenden körperlichen Erregung nicht verarbeiten kann.

Weiterhin geht man davon aus, dass der Regulierungsvorgang in den Gefäßen nicht richtig funktioniert. Durch die schnelle Erregungssteigerung erhöht sich der Blutdruck in sehr kurzer Zeit. Die Gefäße können sich nicht so schnell anpassen und der Orgasmuskopfschmerz setzt explosionsartig direkt während des Höhepunkts ein. Diese Störung bei der Regulierung der Gefäßweite würde auch das häufige Auftreten der Sexualkopfschmerzen bei Migränepatienten erklären, denn Migräne ist eine Gefäßerkrankung.

Der Präorgasmuskopfschmerz dagegen tritt eher schleichend auf. Man nimmt an, dass hier die Ursache in einer zu starken Belastung der Kopf- und Nackenmuskulatur liegt. Allgemein vermutet man, dass auch Stress, Müdigkeit, zu häufiger Geschlechtsverkehr oder chronisch erhöhter Blutdruck Auslöser für den Sexualkopfschmerz sein können.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Sexualkopfschmerzen können aufgrund jeglicher sexueller Aktivität hervorgerufen werden. Dabei unterscheiden sich die möglichen Symptome der beiden Sexualkopfschmerzen leicht voneinander. Beim Orgasmuskopfschmerz treten heftige und plötzliche Kopfschmerzen auf, die unmittelbar beim Höhepunkt des Aktes entstehen.

Betroffene Personen beschreiben den Schmerz als blitzartig und einschießend, sodass er völlig unerwartet eintritt. Die Länge des auftretenden Schmerzes kann dabei zwischen einer Minute und mehreren Stunden variieren. Kopfschmerzen, Übelkeit oder auch Erbrechen sind weiter Symptome, die bei einem Orgasmuskopfschmerz auftreten können. Der Präorgasmuskopfschmerz breitet sich hingegen im Hinterkopf aus, der bis zum Nacken reichen kann.

Dabei kommt es zu einem dumpfen und langanhaltenden Schmerz, der von betroffenen Personen als sehr unangenehm beschrieben wird. Sexualkopfschmerzen treten sehr selten auf, wobei die Symptome ziemlich eindeutig sind. Eine effektive Behandlung mit Medikamenten schlägt nur bedingt an. Allerdings sollte ein Besuch beim Arzt nicht auf die lange Bank geschoben werden, damit eventuelle Grunderkrankungen ausgeschlossen werden können.

Die expliziten Ursachen für Sexualkopfschmerzen konnten noch nicht geklärt werden, sodass die auftretenden Symptome nur bedingt behandelt werden können. Allerdings kann auf die Einnahme von Kopfschmerztabletten zurückgegriffen werden, um die nachträglichen Symptome zu lindern.

Diagnose & Verlauf

Es kommen zwei Arten von Sexualkopfschmerz vor. Während der Präorgasmuskopfschmerz langsam im Nacken beginnt, sich bis zum Kopf hin ausbreitet und mit zunehmender Erregung immer stärker wird, tritt der Orgasmuskopfschmerz explosionsartig und sehr heftig ein.

Die Dauer des Sexualkopfschmerzes kann zwischen ein paar Minuten und 2-3 Stunden liegen. Ein Schmerzanfall kann von Übelkeit und Erbrechen und, ähnlich wie bei Migräne, von Schwindel und extremer Lichtempfindlichkeit begleitet sein. Häufig bleibt nach Abklingen der Hauptschmerzen noch eine Zeit lang ein leichter diffuser Nackenschmerz bestehen. Der Verdacht auf die Diagnose Sexualkopfschmerzen kommt bereits durch die Schilderung der Symptome auf und durch die Tatsache, dass die Schmerzen immer während des Geschlechtsverkehrs stattfinden.

Der Arzt wird dennoch eine neurologische Untersuchung durchführen, da andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen. Mithilfe einer CT (Computertomografie) kann überprüft werden, ob eventuell ein Schlaganfall oder eine Gehirnblutung der Auslöser für den Schmerz war. Auch ein Schmerztagebuch kann helfen, die Diagnose Sexualkopfschmerzen abzusichern.

Komplikationen

In aller Regel ist bei Sexualkopfschmerzen nicht mit Komplikationen zu rechnen. Den Betroffenen wird meist empfohlen, kurz vor dem Geschlechtsverkehr ein leichtes Schmerzmittel einzunehmen, was sehr häufig dazu führt, dass die Symptome nicht mehr auftreten. Medikamente können aber mit Nebenwirkungen einhergehen. Meist wird Acetylsalicylsäure oder Paracetamol verordnet.

Insbesondere Acetylsalicylsäure kann den Magen angreifen und die Magenschleimhaut schädigen. Wird Koffein verabreicht, um die Gefäße zu weiten, kann dies bei empfindlichen Personen zu Herzrasen und Schlafstörungen führen. Werden bei schwereren Formen von Sexualkopfschmerzen Betablocker verordnet, steht zu fürchten, dass das sexuelle Empfinden beeinträchtigt wird.

Unbehandelt oder bei schweren Verlauf sind auch noch andere Komplikationen denkbar. Die Schmerzen können zum Beispiel sehr intensiv werden und einen migräneähnlichen Verlauf zeigen. In diesen Fällen leiden die Betroffenen nicht nur unter heftigen Kopfschmerzen, es kommt dann zusätzlich zu Übelkeit, Schwindel und Erbrechen.

Aufgrund der belastenden Begleiterscheinungen des Geschlechtsverkehrs entwickeln viele Betroffenen entweder Ängste oder sexuelle Unlust, die die Beziehung schwer belasten können. Die aus den Kopfschmerzen resultierenden Beziehungsstörungen können zu weiteren therapiebedürftigen seelischen Störungen führen. Manche Betroffene benötigen mitunter eine Psychotherapie. In manchen Fällen wird auch eine Paartherapie erforderlich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Sexualkopfschmerzen sind in der Regel nicht gefährlich, können bei wiederholtem Auftreten das Sexualleben aber stark beeinträchtigen. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn während des Liebesspiels immer wieder Kopfschmerzen spürbar sind, die sich in der Intensität langsam steigern (Präorgasmuskopfschmerz) oder explosionsartig während des Orgasmus auftreten (Orgasmuskopfschmerz). Eine ärztliche Untersuchung ist auch empfehlenswert, wenn sich während einer sexuellen Aktivität Kopfschmerzen entwickeln und darüber hinaus anhalten: Der typische Sexualkopfschmerz verschwindet im Allgemeinen innerhalb kurzer Zeit, lediglich ein dumpfes Druckgefühl im Kopf kann über mehrere Stunden anhalten.

Kopfschmerzen in Verbindung mit Sehstörungen, Lichtempfindlichkeit und Übelkeit bis hin zum Erbrechen können im Zusammenhang mit sexuellen Aktivitäten auf Sexualkopfschmerzen hindeuten, treten aber auch bei Migräne auf. Nach einer eingehenden Befragung und Untersuchung, zu der gegebenenfalls auch eine neurologische Abklärung zählt, kann der Mediziner eine genaue Diagnose stellen und im Bedarfsfall die medikamentöse Behandlung einleiten.

Patienten, die unter Bluthochdruck leiden, sollten bereits beim erstmaligen Auftreten einer Kopfschmerzattacke ihren behandelnden Arzt zu einer Blutdruckkontrolle aufsuchen - unter Umständen ist eine Neueinstellung der Blutdruckmedikamente erforderlich. Sind die Kopfschmerzen außergewöhnlich stark oder gehen mit Sprachstörungen, Empfindungsstörungen, Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühlen in einer Körperhälfte einher, muss zum Ausschluss eines Schlaganfalls oder einer Gehirnblutung umgehend ein Arzt aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden.

Behandlung & Therapie

Sexualkopfschmerzen können durchaus behandelt werden und Betroffene müssen nicht befürchten, dass ihnen sexuelle Abstinenz verordnet wird. Es besteht die Möglichkeit, etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr ein leichtes Schmerzmittel einzunehmen.

In der Regel wird Acetylsalicylsäure oder Paracetamol verordnet. Auch Koffein kann helfen, da es die Gefäße weitet. In schwereren Fällen werden Betablocker verschrieben, um das Auftreten von Sexualkopfschmerzen zu verhindern. Man kann aber auch den Ablauf des Geschlechtsverkehrs derart verändern, dass man die Erregung nur langsam steigert. Dies ermöglicht dem Gehirn die Reize besser zu verarbeiten und die Gefäße können sich allmählich und ausreichend weiten.

Ist man gestresst, müde oder ausgepowert, ist die Gefahr, dass Sexualkopfschmerzen auftreten größer, als wenn man ausgeruht und ausgeglichen ist. Sanfter Sex und eine langsam steigende Erregung ist die beste Therapie bei Sexualkopfschmerzen. In der Regel verschwinden die Schmerzanfälle aber sowieso nach einem gewissen Zeitraum von selbst wieder.

Hier finden Sie Ihre Medikamente

Vorbeugung

Man kann gegen die Sexualkopfschmerzen vorbeugen, indem man die Erregung beim Geschlechtsverkehr nur langsam steigert. Besonders wenn man bereits von Migräne oder Bluthochdruck betroffen ist, empfiehlt es sich, keine Sexualtechniken. die zu schneller Erregung führen, zu praktizieren.

Nachsorge

Bei Sexualkopfschmerzen stehen dem Patienten in den meisten Fällen nur eingeschränkte Maßnahmen einer direkten Nachsorge zur Verfügung. Betroffene sollten daher bei den ersten Symptomen und Anzeichen dieser Krankheit einen Arzt aufsuchen. Der weitere Verlauf ist stark von der genauen Ursache und auch von der Ausprägung dieser Kopfschmerzen abhängig, sodass ein allgemeiner Verlauf nicht vorhergesagt werden kann.

Allerdings ist häufig keine Behandlung notwendig, da die Sexualkopfschmerzen von selbst wieder verschwinden können. Der Betroffene sollte dabei die Umstände genau notieren, die zu den Beschwerden geführt haben, um diese im weiteren Verlauf zu vermeiden und damit auch die Kopfschmerzen einzuschränken.

In vielen Fällen können liebevolle und intensive Gespräche mit dem eigenen Partner sehr sinnvoll sein und damit auch die Beschwerden lindern. Ebenso kann sich auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Erkrankung positiv auf den weiteren Verlauf auswirken. Es kommt dadurch häufig zu einem Austausch an Informationen, welcher den Alltag des Betroffenen deutlich erleichtern kann. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Sexualkopfschmerzen in der Regel nicht negativ eingeschränkt.

Das können Sie selbst tun

Sexualkopfschmerzen können durch die Selbsthilfe der Betroffenen oft gut gelindert werden. Dazu gehört jedoch zunächst die exakte Diagnostik durch den Arzt, wodurch andere Ursachen als den Geschlechtsverkehr zur Beruhigung der betroffenen Frauen und Männer ausgeschlossen werden können. Allein die Beruhigung, dass es sich um eine vergleichsweise harmlose Ursache handelt, kann die lästigen Schmerzen beim Geschlechtsakt oft schon verringern. Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten der Selbsthilfe, die sich in der Praxis häufig als hilfreich erwiesen haben.

Dazu gehört, beim Geschlechtsakt bestmöglich auf Stellungen zu verzichten, die den Blutfluss ins Gehirn nicht noch verstärken. Kopf nach unten ist in diesem Zusammenhang eine eher problematische Position, die im Idealfall einfach vermieden wird. Hierzu ist vorab jedoch das verständnisvolle Gespräch mit dem Partner nötig, der von den Problemen der Sexualkopfschmerzen in bestimmten Stellungen natürlich wissen sollte, um sich selbst während des Liebesspiels entsprechend zu verhalten. Dies ist auch wichtig, um Orgasmusspitzen nicht allzu ausgeprägt zu gestalten, indem ein vielleicht eher ruhiges Vorspiel und ein beruhigendes Kuscheln nach dem Geschlechtsakt einzubauen sind.

Die Kopfschmerzen beim Sex können manchmal auch dadurch entstehen, dass durch Schwitzen Flüssigkeit und die darin befindlichen Elektrolyte im Körper verringert werden. Hier hilft eine ausreichende Trinkmenge, wobei auf eine ausreichende Zufuhr von Wasser, nicht aber von Alkohol geachtet werden sollte. Auch Medikamente können Auslöser für die Kopfschmerzen sein. Pozenzsteigernde Mittel sind in diesem Zusammenhang besonders anzuführen. Diese sollten bei Sexualkopfschmerzen nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zum Einsatz kommen.

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013


Das könnte Sie auch interessieren

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Sexualkopfschmerzen?

Name oder Pseudonym:

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Mit dem Abschicken Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten (Datenschutzerklärung) durch diese Website einverstanden.

Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

MrSteveSny kommentierte am 26.06.2015

Hallo an alle die, die auch schonmal solche Hirnkrämpfe erlebt haben.
Das erste mal in meinem Leben erlebte ich diese Krämpfe als ich ca. 19 Jahre alt war. Völlig überraschend hatte ich mit dem kommenden Orgasmus bzw. beim Orgasmus extrem starke Hirnschmerzen. War ich zu gierig odere wollte ich meine damalige Freundin beeindrucken? Das schoß mir damals durch den Kopf. Jedenfalls hörten diese extrem starken Schmerzen nicht auf, ca. 2-4 Stunden hielten sie an und hörten erst auf, als der Notarzt kam und mir etwas spritzte. Ich denke, es diente der allgemeinen Entspannung.
Mittlerweile bin ich 44 Jahre und es kam immer wieder mal vor, dass es zu Hirnkrämpfen kam. Bin eigentlich kein Migränepatient. Zwar hatte ich als ich ca. 25j Jahre alt war ein Migräneanfall, aber das war es dann auch.
Nun zu meinem Anliegen: Seit etwa 3-4 Monaten wiederholt sich das Spiel mit den besagten Hirnkrämpfen. Es war vorher auch noch nie der Fall, dass ich Krämpfe bekam, wenn ich mich selbst befriedigt habe.
Doch leider ist es zur Zeit der Fall. Ich habe seit vier Jahren eine Partnerin und frage mich, warum es urplötzlich wieder auftaucht und über einen solangen Zeitraum anhält.
Ich kann darauf warten, um so stärker die Errektion und umso näher ich an den Orgasmus komme, umso stärker werden die Schmerzen (Krämpfe), bis ich vor der Entscheidung stehe, entweder ein Orgasmus mit starken Hirnkrampfschmerz oder aufhören und ruhig bleiben, bis der Kopfdruck verschwindet.
Nunmehr bekomme ich langsam ein wenig Angst, weil es über so ein langen Zeitraum anhält und keine anzeichen macht, dass es besser wird.
Habe einen Termin beim Neurologen gemacht und hoffe nun, dass die Schmerzen lokalisiert werden können.
Der Gedanke nur noch Sex unter starken Schmerzen geniessen zu können, ist echt nicht schön.