Spermatitis

Von einer Spermatitis spricht die Medizin, wenn die Samenstränge eines Mannes oder eines männlichen Säugetiers entzündet sind. Die Spermatitis wird auch als Funiculitis bezeichnet und kann auftreten, wenn eine Entzündung der Samenleiter (Deferentitis genannt) oder Hoden (Orchitis) nicht behandelt wird oder aus anderweitigen Gründen zu weit voranschreitet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Spermatitis?

Die Symptome einer Spermatitis ähneln denen einer Entzündung der Samenleiter oder der Hoden stark – auch, weil sie oft mit diesen einhergehen.
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Eine Spermatitis oder auch Funiculitis bezeichnet eine Entzündung der Samenleiter des Mannes. Meistens tritt diese infolge einer Entzündung der Hoden, der Nebenhoden oder der Samenleiter auf. Eine weitere und häufige Ursache kann eine Gonorrhö (umgangssprachlicher ein Tripper genannt) sein.

Die Spermatitis ist meistens mit großen Schmerzen und Symptomen wie Fieber verbunden und muss unbedingt von einem Arzt begutachtet und behandelt werden. Denn recht häufig tritt die Spermatitis auf, wenn die grundsätzliche Ursache von dieser nicht rechtzeitig oder nicht fachgerecht behandelt wurde. Spätfolgen wie eine dauerhafte Schädigung des betroffenen Samenstranges durch eine Verwachsung und eine darauf folgende Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit sind nicht ausgeschlossen.

Ursachen

Da sie meistens auf eine Entzündung der Samenleiter, der Hoden oder der Nebenhoden folgt, findet sich die grundlegende Ursache für eine Funiculitis oft bei diesen. Diese entstehen jedoch in der Regel durch eine bakterielle Entzündung der Harnwege oder der Prostata, sodass die Grundursache der Spermatitis auch in diesen zu finden ist.

Dabei tritt eine Hodenentzündung zahlreichen medizinischen Aufzeichnungen und Studien nach deutlich häufiger auf als eine Entzündung der Nebenhoden. Noch häufiger tritt allerdings eine Entzündung der Samenleiter auf, da sich die Erreger von den Harnwegen oder der Prostata über diese in den männlichen Geschlechtsorganen ausbreiten. Oft tritt eine Spermatitis also nicht erst nach, sondern bereits während einer Entzündung der Hoden, der Prostata oder der Samenleiter auf.

Eine weitere Ursache für Entzündungen der männlichen Geschlechtsorgane und somit oftmals auch der Samenstränge sind bei Männern unter dem 35. Lebensjahr übrigens Chlamydien. Bei Männern über dem 35. Lebensjahr tritt die Spermatitis hingegen häufiger bei Männern auf, die einen Blasenkatheter tragen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer Spermatitis ähneln denen einer Entzündung der Samenleiter oder der Hoden stark – auch, weil sie oft mit diesen einhergehen. In der Regel treten die ersten starken Beschwerden bei einer Funiculitis innerhalb von 7 bis 14 Tagen nach dem Krankheitsbeginn auf. Da es sich bei einer Entzündung der Samenstränge aber meist um eine Folgeerkrankung leidet, gehen die Beschwerden der Grundentzündung oft in die Symptome der Funiculitis über.

Häufig vermelden Patienten, dass die Beschwerden stärker werden oder erst abklangen und dann wieder auftraten. Typische Symptome einer Spermatitis sind hohes Fieber (bis 40 °C), eine leichte Schwellung der Hoden, eine warme und gerötete Haut sowie Schmerzen im Bereich der Hoden, des Unterbauchs und der Leiste.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da eine Spermatitis in der Regel gemeinsam mit einer anderweitigen Entzündung der männlichen Geschlechtsorgane auftritt und die Symptome sich stark ähneln, ist es mitunter schwer, diese alleinig zu diagnostizieren. Dennoch ist es wichtig, einen Facharzt der Urologie aufzusuchen – rechtzeitig, wenn die ersten Beschwerden auftreten. Nur dieser kann die Symptome anhand ihrer Art und Lage genau einschätzen und so eine geeignete Therapie in die Wege leiten.

Dies kann eventuell sogar geschehen, bevor sich die Grundentzündung auf die Samenstränge ausbreitet. Für die Diagnose stehen dem Facharzt heute übrigens Mittel wie Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen des Unterbauchs, der Leisten und der Hoden, aber auch Blut- und Urintests zur Verfügung. Darüber hinaus wird der Arzt durch eine Befragung des Patienten sowie durch eine körperliche Untersuchung eine Diagnose stellen.

Komplikationen

In der Regel kann eine Spermatitis gut mit Antibiotika behandelt werden. Gleichzeitig werden Schmerzmittel verabreicht, da die Entzündung der Samenstränge mit starken und quälenden Schmerzen verbunden ist. Die Schmerzen können auch durch kühle Umschläge im Bereich des Unterleibs gemildert werden.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Umschläge auf keinen Fall zu kalt sein sollten. Die Funktion der Hoden und Samenstränge ist auf Wärme angewiesen. Bei einer zu kalten Behandlung kann das zu dauerhaften Funktionseinschränkungen führen. Im Rahmen der Antibiotikabehandlung sollte die Spermatitis nach zwei Wochen abgeklungen sein. In seltenen Fällen bleiben die Beschwerden jedoch trotz der Therapie bestehen.

Dann haben sich unter Umständen eiterhaltige Entzündungen gebildet, welche die Funktion der Hoden und der Samenstränge bedrohen. In diesen Fällen treten dann extrem schmerzhafte Samenstrangschwellungen auf, die zu Fibrosen und Verwachsungen führen können. Das stellt eine Komplikation der Spermatitis dar, in deren Folge die Gefahr der Unfruchtbarkeit droht. Unter diesen Umständen ist eine Operation notwendig.

Wen diese rechtzeitig durchgeführt wird, kann die Fruchtbarkeit erhalten bleiben. In sehr seltenen Fällen geht es jedoch manchmal nicht nur darum, die Fruchtbarkeit zu erhalten, sondern sogar das Leben zu retten. Besonders bei Personen mit anderen Grundkrankheiten oder bei immungeschwächten Patienten kann sich die Infektion auf den gesamten Körper ausdehnen und zu lebensgefährlichen Komplikationen führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Spermatitis sollte immer durch einen Arzt behandelt werden. In den meisten Fällen kann es nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass der Betroffene auf eine ärztliche Diagnose und Untersuchung angewiesen ist. Nur durch eine frühzeitige medizinische Untersuchung und Behandlung können weitere Komplikationen verhindert werden. Aus diesem Grund sollte schon bei den ersten Anzeichen einer Spermatitis ein Arzt aufgesucht werden. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene am Penis oder an den Hoden starke Schmerzen verspürt.

In vielen Fällen treten diese Schmerzen ohne einen besonderen Grund auf und verschwinden nicht von alleine. Ebenfalls können starke Schwellungen in diesen Bereichen auf eine Spermatitis hindeuten. Die meisten Patienten leiden dabei auch an Fieber oder an starken Schmerzen im Bereich des Bauches und der Flanken. Treten diese Beschwerden dauerhaft auf, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

In den meisten Fällen kann die Spermatitis durch einen Urologen oder durch einen Allgemeinarzt relativ gut behandelt werden. Es kommt zu keinen besonderen Komplikationen und in der Regel auch zu einer vollständigen Heilung.

Therapie & Behandlung

Üblicherweise wird eine Funiculitis wie beispielsweise auch eine Entzündung der Hoden mit Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt. Zudem wird dem betroffenen Patienten für die Zeit der Genesung, die bis zu zwei Wochen betragen kann, viel Ruhe oder sogar Bettruhe verordnet. Schmerzen und Wärmegefühle können zudem nicht nur mit Schmerzmitteln, sondern auch durch kalte Umschläge in der Unterleibsregion gelindert werden – was auch für eine schnellere Genesung sorgen kann.

Allerdings sollten die Umschläge keinesfalls zu kalt sein. Eispackungen, die zum Beispiel bei verstauchten und verletzten Gelenken verwendet werden, sollten hier nicht zum Einsatz kommen. Der erfolgreiche Prozess der Heilung zeigt sich dadurch, dass die Schmerzen und die Symptome bereits nach kurzer Zeit nach und nach abklingen. Ist dies nicht der Fall, sollte unbedingt der behandelnde Facharzt informiert werden. Und: In seltenen Fällen, etwa wenn sich eine starke eiterartige Entzündung im Hoden an oder in den Samensträngen gebildet hat, ist ein operativer Eingriff notwendig.

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Vorbeugung

Einer Spermatitis lässt sich wie auch den Auslösern meistens nicht entgegenwirken. Allerdings kann eine solche eventuell durch eine rechtzeitige Behandlung der Ursache vermieden oder in ihrer Schwere positiv beeinflusst werden. Das heißt, dass eine Entzündung der Hoden, der Samenleiter oder der Samenstränge mit der richtigen fachärztlichen Behandlung meistens schneller und unproblematischer abläuft, als wenn sie nicht oder zu spät behandelt wird. Tritt eine Funiculitis allerdings häufiger auf, sollte unbedingt nach Ursachen gesucht werden, die diese begünstigen könnten. Auch hier ist allerdings der Urologe des Vertrauens der beste und erste Ansprechpartner.

Nachsorge

In den meisten Fällen sind bei einer Spermatitis Nachsorgeuntersuchungen notwendig. Die konkreten Maßnahmen zur Nachsorge hängen jedoch von der jeweiligen Grunderkrankung ab. Bei einem Verlauf ohne Komplikationen sind zumeist nur wenige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Besonders bei Betroffenen mit einer Immunschwäche ist eine engmaschige Kontrolle nach Abheilen der Spermatitis empfehlenswert.

Je nach Ursache der Erkrankung sind mehrere Untersuchungen beim Urologen oder beim Hausarzt notwendig. In der Regel werden dabei zumindest Tastuntersuchungen durchgeführt. Bei bakteriellen Infektionen werden zudem oftmals Blut- und Urintests angefordert. Manchmal sind auch Röntgen- sowie Ultraschalluntersuchen erforderlich.

Grundsätzlich sollten die betroffenen Patienten in den ersten Monaten nach der Entzündung der Samenleiter darauf achten, ein stabiles und gesundes Immunsystem aufzubauen und zu erhalten. Dafür ist vor allem eine gesunde Ernährung essenziell. Zudem sollte auf ungesunde Gewohnheiten wie etwa Rauchen oder übermäßiger Konsum von Alkohol verzichtet werden. Leichte sportliche Betätigung ist ebenfalls hilfreich.

Die betroffenen Männer sollten aber zumindest ein halbes Jahr lang auf anstrengende Ausdauerübungen sowie Hochleistungssport verzichten. Geschlechtsverkehr und Masturbation sind grundsätzlich möglich. Der Patient sollte allerdings unbedingt einen Urologen aufsuchen, wenn dabei Schmerzen auftreten. Eine fortgeschrittene Spermatitis wird in vielen Fällen operativ behandelt. In diesem Fall ist eine besondere Schonung notwendig.

Das können Sie selbst tun

Zur Linderung von Entzündungserkrankungen benötigt der Organismus ein stabiles und gesundes Immunsystem. Im Kampf gegen die Krankheitserreger sollte das körpereigene Abwehrsystem unterstützt und mobilisiert werden. Notwendig ist dafür eine gesunde Lebensführung. Eine ausgewogene Ernährung ist dabei ebenso hilfreich wie die Vermeidung von Schadstoffen. Der Konsum von Nikotin oder Alkohol sollte daher unterlassen werden. Ausreichende Bewegung im Freien, das Einhalten eines Normalgewichts sowie eine optimale Schlafhygiene helfen dem Körper im Heilungsprozess.

Bereits bei den ersten gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten sollte die Unterstützung eines Arztes gesucht werden. Die Selbstheilungskräfte des Körpers können gemeinsam mit den verschriebenen Arzneien eine bestmögliche Genesung erreichen. Je fortgeschrittener die Erkrankung ist, desto mehr Komplikationen können auftreten und der Heilungsweg ist verlängert. Insbesondere Menschen mit einer bekannten Immunschwäche sollten im Alltag jedwede Mobilisierung des Abwehrsystems fördern. Zur Vermeidung von sexuellen Funktionsstörungen sollten die kognitiven Muster überprüft werden.

Vorwürfe, Schuldzuweisung oder ein vermindertes Selbstwertgefühl sind wenig hilfreich bei der Verbesserung der Gesamtsituation. Zum Abbau von kreisenden Gedanken können kognitive Trainings verwendet werden oder Entspannungstechniken Anwendung finden. Diese können eigenverantwortlich Zuständen der Belastung genutzt werden. Als hilfreich erwiesen haben sich Yoga, Meditation oder autogenes Training. Darüber hinaus sind Hektik und Stress im Alltag insbesondere in intimen Situationen zu vermeiden

Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 29. Juni 2020

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