Darmgeräusche

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 29. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Darmgeräusche sind ein Ausdruck der Peristaltik von Magen und Darm. Anhand des Vorliegens und der Intensität der Darmgeräusche kann ein Arzt die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten wie einer Durchfallerkrankung oder eines Darmverschlusses einschätzen. Zum Nachweis sind jedoch stets weitere Untersuchungen nötig.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Darmgeräusche?

Wenn die Peristaltik nun schwere, noch unzureichend zerkleinerte Nahrungsbestandteile und dünne Flüssigkeiten vermischt und weiter transportiert, kommt es zu den blubbernden Geräuschen, die man als Darmgeräusche kennt.

Die Feststellung der Darmgeräusche gehört zu jeder ärztlichen Untersuchung des Bauches.

Mit dem Stethoskop kann der Untersucher dabei Feststellen, ob Darmgeräusche überhaupt vorliegen, ob sie sich normal "blubbernd" anhören oder ob sie in einzelnen Bereichen des Bauches vielleicht verändert klingen, ob beispielsweise ein Darmverschluss vorliegt.

Auch ohne Stethoskop kann man Darmgeräusche mit aufgelegtem Ohr oder - wenn der Magen knurrt - auch auf einige Meter Entfernung hören.

Ursachen

Damit der Magen-Darm-Trakt seiner täglichen Arbeit, dem Transport und der Aufnahme von Flüssigkeiten und Nährstoffen, nachkommen kann, muss er sehr aktiv sein. Das Wort Peristaltik beschreibt die Fähigkeit der Darmwand, wellenförmig zu kontrahieren und damit den Inhalt des Darmrohres weiter Richtung Darmausgang zu bewegen.

Peristaltik liegt auf der gesamten Länge des Magen-Darm-Traktes vor und ist damit unter anderem dafür verantwortlich, dass man auch im Kopfstand essen und schlucken kann, ohne dass einem der Inhalt von Magen und Speiseröhre wieder aus dem Mund herausfällt.

Wenn die Peristaltik nun schwere, noch unzureichend zerkleinerte Nahrungsbestandteile und dünne Flüssigkeiten vermischt und weiter transportiert, kommt es zu den blubbernden Geräuschen, die man als Darmgeräusche kennt.

Das Knurren des Magens ist ein Beispiel dafür, das Gluckern des Bauches nach dem Essen oder bei Durchfall ein anderes. Auch Blähungen machen sich als Darmgeräusche bemerkbar, wenn Luftblasen durch den Darminhalt bewegt werden.


Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Verlauf

Während diese Darmgeräusche gut mit dem Ohr durch Auflegen auf die Bauchdecke oder gar auf einige Meter Entfernung gehört werden können, benutzt ein Arzt aus hygienischen Gründen sein Stethoskop als "verlängertes Ohr". Hiermit werden die Geräusche gut gefiltert und der Untersucher kann sich ganz auf das konzentrieren, was er hören will.

Zur Untersuchung des Bauches mit dem Stethoskop, auch Auskultation genannt, gehört stets das Abhören aller vier Quadranten der Bauchdecke, also aller vier Felder rechts und links, jeweils oben und unten einer gedachten Linie auf Höhe des Bauchnabels, da an den verschiedenen Orten jeweils verschiedene Krankheiten vorliegen können. Zum Erfassen der Darmgeräusche ist oft mindestens eine halbe Minute Hinhören pro Quadrant nötig. Ist der Darm sehr aktiv, reicht oft auch eine kürzere Auskultationszeit aus.

Der Arzt beschreibt die normalen Darmgeräusche als "lebhaft" oder "rege" und "über allen vier Quadranten". Ist das Blubbern und Gurgeln auffällig heftig, so kann dies auf eine Durchfallerkrankung, zum Beispiel eine Infektion durch Viren und Bakterien hindeuten. Auch bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie der Laktoseintoleranz sind unter Umständen kräftige Darmgeräusche zu hören. Aufgrund des Vorliegens anderer Symptome ist die Auskultation der Darmgeräusche in diesen Fällen aber nur von geringer Bedeutung.

Anders ist dies bei Vorliegen des Gegenteils: Hört man über der gesamten Bauchdecke keine Darmgeräusche, so kann dies auf einen Darmverschluss (Ileus) durch Darmwandlähmung hindeuten, einen sogenannten paralytischen Ileus. Bei Vorliegen von Bauchschmerzen und Ausbleiben des Stuhlganges oder blutigen Stühlen kann der fehlende Nachweis von Darmgeräuschen somit ein wichtiger Bestandteil der ärztlichen Diagnostik und Therapieentscheidung sein.

Es gibt noch eine zweite Variante des Darmverschlusses: Ist der Ileus mechanisch bedingt, so versucht die Darmwand gegen die Verschlussstelle anzuarbeiten, die Darmgeräusche klingen dann verstärkt, der Arzt beschreibt sie als "hochgestellt" oder "klingend". Das hört sich dann über das Stethoskop im Prinzip so an, als würde jemand mit einem Eisen gegen ein Heizungsrohr schlagen.

Ursache für solch einen mechanischen Ileus kann ein Fremdkörper sein oder auch ein Krebsgeschwür, welches die Darmpassage behindert. Seltenere Gelegenheiten, bei denen der Auskultation der Darmgeräusche unmittelbare Bedeutung vorkommt, sind Fehlbildungen im Kleinkindesalter, wenn beispielsweise aufgrund einer Durchlässigkeit des Zwerchfells Darmgeräusche im Brustkorb nachgewiesen werden können.

Komplikationen

Darmgeräusche sind ein vorübergehendes Symptom, können allerdings verschiedene Komplikationen verursachen. Dazu zählen unter anderem Hauterkrankungen und Störungen der Nerven, die als Folge einer Mangelernährung auftreten können sowie rheumatische Entzündungen der Gelenke, die als Folge typischer Allergien auftreten, die Darmgeräusche verursachen. Betroffene, die ihre Ernährung in Folge der Blähungen umstellen, leiden oft unter Mangelerscheinungen, bei Kindern kann es zu Gedeihstörungen kommen.

Werden die Darmgeräusche zusätzlich von starken Bauchschmerzen und Schocksymptomen begleitet, besteht die Gefahr eines akuten Abdomens. Auch Darmverschluss, Blinddarm- oder Magendurchbruch sind mögliche Komplikationen. Darmgeräusche hängen meist also mit gastrischen Beschwerden zusammen und können auf eine Aerokolie oder eine Aerogastrie im Darmtrakt hindeuten. In der Regel sind Darmgeräusche allerdings harmlos und deuten auf eine unproblematische Verstimmung des Magen-Darm-Traktes hin. Durchfall, Magenschmerzen und Verstopfung sind meist die Folge, ebenso kommt es oft zu einer Einschränkung der Lebensqualität, da die begleitenden Symptome die Mobilität der Betroffenen bisweilen sehr stark einschränken können.

Vor allem ein Reizdarm kann das Wohlbefinden durch die auftretenden Folgesymptome negativ beeinträchtigen. Aufgrund der empfindlichen Bakterienkulturen im Magen-Darm-Trakt kann die Behandlung selbst, vor allem durch Medikamente, eine Umstellung der Ernährung oder die Verwendung von Hausmitteln, die Darmgeräusche zunächst ebenfalls verschlimmern. Eine fachlich betreute Behandlung führt meist jedoch zu einem Abklingen der Beschwerden ohne langfristige Komplikationen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Darmgeräusche sollten von einem Arzt abgeklärt werden, wenn sie zusammen mit anderen Beschwerden auftreten, sich durch eine Umstellung der Ernährung nicht besser oder sich sogar zu einem chronischen Problem entwickeln. Wenn übermäßig häufig und viel Darmgas entweicht, welches mitunter auch einen unangenehmen Geruch aufweist, ist dies ein Hinweis auf eine Lebensmittelintoleranz, die in jedem Fall von einem Facharzt (z.B. Gastroenterologe) untersucht werden sollte, um die Entstehung von Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Kommt es begleitend zu Erbrechen, Übelkeit oder Bauchkrämpfen oder tritt auch bei leerem Magen ein Völlegefühl auf, liegt womöglich eine ernsthafte Ursache zugrunde, die einer Abklärung bedarf. Dasselbe gilt, wenn der Appetit ohne erkennbaren Grund abnimmt oder es bei normaler Ernährung zu einer übermäßigen Gewichtsabnahme kommt. Gehen die Darmgeräusche mit Blähungen oder gar Durchfall einher, liegt womöglich eine Störung im Magen-Darm-Trakt vor – eine ärztliche Untersuchung verschafft Klarheit über deren Ursache und kann wichtige Hinweise für eine rasche Behandlung liefern.

Indikatoren für eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes sind etwa plötzlich veränderte Stuhleigenschaften, starke Flatulenzen oder Schmerzen im Bereich des Magens. Unproblematisch sind Darmgeräusche dann, wenn sie in unregelmäßigen Schüben und ohne Begleitsymptome auftreten. Der Arzt sollte allerdings auch hier feststellen, ob möglicherweise eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vorliegt oder ob eine anderweitige Erkrankung ursächlich für die Darmgeräusche ist.

Behandlung & Therapie

Fast immer folgt jedoch weitergehende apparative Diagnostik, um den genauen Ursachen der veränderten Darmgeräusche auf die Spur zu kommen und eventuelle Krankheitsverdachte zu erhärten oder zu widerlegen.

Je nach Darmerkrankung kommen schließlich medikamentöse oder operative Verfahren für die Therapie in Frage. Ein paralytischer Ileus kann oftmals eine gewisse Zeit beobachtet werden, solange ihm kein Darminfarkt zugrunde liegt; beim mechanischen Ileus, beispielsweise durch einen wachsenden Tumor, kommt man um eine OP nicht herum.

Aussicht & Prognose

Darmgeräusche können Personen stören oder in bestimmten Situationen unangenehmen sein. Sie müssen allerdings nicht sofort auf eine Fehlfunktion hindeuten. Darmgeräusche sind in der Regel ein Zeichen für einen gut funktionierenden Darm. Die Behandlung findet meistens nicht durch einen Arzt statt, da der Patient in diesem Fall selbst die Entstehung dieser Geräusche steuern kann.

Sie müssen nicht zwingend zu weiteren Problemen führen und stellen oft natürliche Geräusche dar, die bei der Verdauung entstehen. Sollten sie allerdings mit Schmerzen oder mit Übelkeit verbunden sein, sollte ein Arzt zur Behandlung konsultiert und die Essgewohnheiten geändert werden.

Die Umstellung der Nahrung auf eine leichte und für den Magen einfach zu verdauende Kost kann dazu führen, dass die Darmgeräusche verschwinden. Oft treten sie auch nur bei bestimmten Lebensmitteln auf, sodass auf diese verzichtet werden kann. In solchen Fällen ist eine gezielte Behandlung möglich, die oft zum Erfolg führt.

Eine Behandlung mit Medikamenten ist optional. Diese beruhigen den Darm und verhindern somit die Entstehung der Darmgeräusche. Allerdings beheben sie nicht die Ursache des Problems und können nur temporär eingesetzt werden. In den meisten Fällen ergibt sich bei Darmgeräuschen ein positiver Krankheitsverlauf.


Vorbeugung

Wer Darmerkrankungen im Allgemeinen vorbeugen möchte, sollte auf eine gesunde Ernährung in Maßen mit ausreichend Ballaststoffen achten. Zur Prophylaxe von Magen-Darm-Infekten ist gute Hygiene entscheidend: Nahrungsmittel waschen bzw. über Nacht kühl lagern, nichts möglicherweise Verdorbenes essen, Hände waschen oder desinfizieren bei Kontakt mit anderen an Durchfall Erkrankten. Fehlbildungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten lassen sich derweil natürlich nicht verhüten.

Das können Sie selbst tun

Darmgeräusche sind meist harmlos, aber immer peinlich. Patienten, die hierunter leiden, können aber selber viel dazu beitragen, damit diese Störung gar nicht erst auftritt.

Beim hektischen Essen gelangt viel Luft in den Magen-Darm-Trakt. Betroffene sollten deshalb langsam essen und gut kauen. Neben dem wie, spielt auch das was wir essen eine große Rolle bei Verdauungsstörungen. Schwerverdauliches wie tierische Fette und rotes Fleisch sollte vermieden werden. Auch blähendes Gemüse und Hülsenfrüchte, insbesondere Zwiebeln, alle Kohlsorten sowie Bohnen und Linsen, sind allenfalls gut gekocht und in kleinen Portionen verträglich. Alkohol, saure Getränke wie Fruchtsäfte oder Kaffee können den Magen reizen und bereits bestehende Verdauungsstörungen noch verschlimmern. Auch viele Süßstoffe wie Milchzucker, Fructose oder Sorbit können die Verdauung irritieren.

Gehen die Darmgeräusche mit einer Flatulenz einher, sorgen einfache Hausmittel schnell für Besserung. Fencheltee beruhigt, entspannt den Magen und wirkt gegen Blähungen. Gleiches gilt auch für Kümmel- und Pfefferminzöl. Sanfte Massagen im Uhrzeigersinn entspannen den Bauch und helfen so, das Magengurgeln zu mildern. Das Auflegen einer Wärmflasche hat oftmals den gleichen Effekt. Regelmäßige Bewegung bekämpft Verdauungsschwäche und Verstopfung und damit zwei der häufigsten Ursachen für Darmgeräusche.

Video: Darmgeräusche

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2011

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