Therapeutische Hyperthermie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die therapeutische Hyperthermie ist ein Verfahren zur Tumorbekämpfung im Körper durch Überwärmung der betreffenden Körperstelle. Für einzelne Tumorarten liegen gute Ergebnisse vor, für die meisten ist die Beleglage aber noch dünn. Es wird dabei nicht allein angewendet, sondern ergänzend zu einer Strahlen- oder Chemotherapie, deren Wirkung es verstärken soll. Nebenwirkungen der Behandlungen sind selten, wenn keine anderen körperlichen Beeinträchtigungen vorliegen. In der ambulanten Regelversorgung ist es in Deutschland nicht vorgesehen.
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Was ist die Therapeutische Hyperthermie?
Therapeutische Hyperthermie kennzeichnet die Überwärmung bestimmter Körperteile zur Behandlung von Krebs. Dabei basiert die Hauptwirkung auf einer indirekten Beeinflussung des Gewebes. Durch die lokale Aufwärmung wird die Durchblutung des betreffenden Gewebes erhöht, sodass die Chemotherapie effektiver wirken kann. Eine direkte Einwirkung besteht in der Hinsicht, dass bei längerer Wärmeeinwirkung das behandelte Gewebe abstirbt.
Allerdings sind diese Effekte bei der therapeutischen Hyperthermie gering, denn dazu müsste eine höhere Temperatur angewendet werden, die auch das Nachbargewebe schädigen würde. Es gibt drei Anwendungsformen der künstlichen Hyperthermie. Das sind die lokale Hyperthermie, die regionale Hyperthermie und die Ganzkörperhyperthermie. Früher wurde noch die sogenannte Fiebertherapie durchgeführt, bei welcher Wärme erzeugende Wirkstoffe zur Anregung des Stoffwechsels eingesetzt wurden. Aufgrund der schlechten Steuerbarkeit und der erheblichen Nebenwirkungen wird diese Methode heute nicht mehr eingesetzt. Heute beruht die therapeutische Hyperthermie auf der Zuführung äußerlicher Wärme, wobei die zu behandelnden Körperregionen auf eine Temperatur von 40 bis 45 Grad aufgewärmt werden.
Der Gedanke, Krebs mit Wärme zu behandeln, ist alt. Schon im 19. Jahrhundert fiel Ärzten auf, dass Geschwülste bei einzelnen Patienten zurückgingen, nachdem diese eine fieberhafte Infektion – etwa eine Wundrose – überstanden hatten. Aus dieser Beobachtung entstanden Versuche, künstlich Fieber zu erzeugen, und aus ihnen wiederum die erwähnte Fiebertherapie. Was damals fehlte, war die Möglichkeit, die Wärme dorthin zu bringen, wo sie wirken sollte, und sie dort auch zu messen. Erst die Technik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Geräte zur gezielten Abstrahlung elektromagnetischer Energie, Temperatursonden und bildgebende Verfahren zur Kontrolle – machte aus dem alten Gedanken ein steuerbares Verfahren.
Zu unterscheiden ist die therapeutische Hyperthermie von der Wärmetherapie, wie sie bei Verspannungen oder Gelenkbeschwerden zum Einsatz kommt: Dort geht es um Durchblutung und Schmerzlinderung in gesundem Gewebe, hier um die Beeinflussung eines Tumors. Ebenfalls abzugrenzen ist die hypertherme Chemotherapie des Bauchraums, bei der im Anschluss an eine Operation eine erwärmte Spüllösung mit Zytostatika in die Bauchhöhle eingebracht wird. Erwärmt wird dabei nicht das Gewebe von außen, sondern das Medikament selbst; zu den drei genannten Formen der Überwärmung zählt dieses Verfahren deshalb nicht, auch wenn es die Wärme auf verwandte Weise nutzbar machen soll.
Funktion, Wirkung & Ziele
Oberflächliche Tumoren wie Brustkrebs oder Hautkrebs können mit der lokalen Hyperthermie behandelt werden. Dazu wird die betroffene Stelle von außen mit Applikatoren durch elektromagnetische Abstrahlung erwärmt. Die regionale Hyperthermie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die lokale Anwendung. Allerdings werden hier größere Körperareale behandelt. Auf diese Weise kann beispielsweise ein Mastdarmkrebs behandelt werden. Als dritte Form kann eine Ganzkörperhyperthermie durchgeführt werden. Dazu wird der gesamte Körper für 60 Minuten auf 42 Grad von außen aufgewärmt. Die Körperkerntemperatur wird dabei fortlaufend mit Sonden überwacht. Angeboten wird diese Form vor allem bei Krebserkrankungen, die bereits im ganzen Körper gestreut haben; ein belegter Nutzen liegt dem nicht zugrunde. Für Weichgewebesarkome etwa hält die zugehörige S3-Leitlinie fest, dass die systemische Ganzkörperhyperthermie keinen Stellenwert hat und außerhalb von Studien nicht eingesetzt werden soll.
Wie die Wärme erzeugt wird, hängt ebenfalls von der Tiefe ab. Bei oberflächlich gelegenen Geschwülsten kommen vor allem Radio- und Mikrowellen infrage, daneben auch Ultraschall; für tiefer gelegene Bereiche werden vorwiegend Radiowellen eingesetzt, weil sie weiter in den Körper eindringen. Die eigentliche Schwierigkeit des Verfahrens liegt allerdings nicht darin, Wärme zu erzeugen, sondern darin, sie im Zielgebiet gleichmäßig zu halten. Durchblutetes Gewebe führt Wärme ab, unterschiedlich zusammengesetzte Körperregionen nehmen sie unterschiedlich auf, und Knochen oder luftgefüllte Hohlräume verändern ihre Ausbreitung. Aus diesem Grund gehören eine Planung der Behandlung und eine fortlaufende Messung zwingend dazu; ohne beides ließe sich weder sicherstellen, dass der Tumor die angestrebte Temperatur erreicht, noch, dass das umliegende Gewebe verschont bleibt.
Grundsätzlich kann eine Hyperthermie invasiv oder nichtinvasiv durchgeführt werden. Bei der nichtinvasiven Form erfolgt die Wärmezufuhr von außen; auch tiefer liegende Tumoren im Becken oder Bauchraum werden auf diesem Weg erwärmt, und zwar über Antennen, die ringförmig um den Patienten angeordnet sind. Sonden in Enddarm, Blase oder Scheide dienen dabei der Temperaturmessung. Nur bei kleinen Tumoren in Hohlorganen wird die Wärme über Applikatoren im Körperinneren zugeführt. Die Wirkung der Hyperthermie funktioniert hauptsächlich indirekt. Der erwärmte Gewebeabschnitt wird durch die Aufwärmung besser durchblutet. Dadurch können die bei der Chemotherapie eingesetzten Wirkstoffe effektiver wirken und die Abtötung der Krebszellen beschleunigen.
Des Weiteren funktionieren bei der Aufwärmung die zelleigenen Reparaturmechanismen für die DNA-Reparatur nicht mehr. Das macht diese Tumorzellen noch anfälliger gegen die Strahlentherapie. Die Anhäufung von schwerwiegenden Mutationen in den erkrankten Zellen lässt diese schneller absterben. Insgesamt kann eine therapeutische Hyperthermie also die Chemo- und Strahlentherapie bei der Krebsbehandlung unterstützen. Selbstverständlich findet auch eine direkte Wärmewirkung auf die Zellen statt. Zu stark erwärmte Zellen werden langfristig geschädigt und sterben bereits aus diesem Grunde ab.
Allerdings ist die direkte Wärmewirkung zu schwach, um den Tumor zu bekämpfen. Dazu müssten längerfristig höhere Temperaturen angewendet werden, welche das Nachbargewebe beeinträchtigen würden. Vor einer therapeutischen Hyperthermie muss selbstverständlich in einem Gespräch die allgemeine körperliche Situation des Patienten abgeklärt werden. Während der Behandlung wird mithilfe bildgebender Verfahren das betroffene Areal beobachtet, die Temperaturverteilung berechnet und selbstverständlich mittels Sonden die Temperatur gemessen. Die Wärme wird meist durch Abstrahlung elektromagnetischer Energie erzeugt.
Für die Empfindlichkeit des Gewebes gegenüber Wärme spielen die Bedingungen im Tumor selbst eine Rolle. Bereiche mit schlechter Durchblutung sind sauerstoffarm und übersäuert; gerade solche Zellen sprechen auf eine Bestrahlung schlechter an, reagieren auf Wärme jedoch empfindlicher. Darin liegt der Gedanke hinter der Kombination: Was das eine Verfahren schlecht erreicht, soll das andere ausgleichen. Hinzu kommt, dass erwärmte Zellen vermehrt bestimmte Eiweiße bilden, die sogenannten Hitzeschockproteine, denen ein Einfluss auf die Erkennung der Tumorzellen durch das Immunsystem zugeschrieben wird. Wie stark dieser Anteil ist und unter welchen Bedingungen er zum Tragen kommt, ist Gegenstand der laufenden Forschung.
Was der Patient während einer Sitzung erlebt, hängt von der Form der Anwendung ab. Bei der lokalen und der regionalen Hyperthermie liegt er auf einer Liege, umgeben von der Apparatur; er bleibt ansprechbar und kann mitteilen, wenn eine Stelle zu heiß wird. Diese Rückmeldung ist Teil der Steuerung, weil sich damit Verbrennungen vermeiden lassen. Wärmegefühl, Schwitzen sowie ein Anstieg von Puls und Atemfrequenz sind während der Behandlung zu erwarten; eine Betäubung ist bei diesen beiden Formen nicht erforderlich. Die Ganzkörperbehandlung ist demgegenüber die aufwendigste Form und verlangt eine entsprechend engmaschige Überwachung.
Zeitlich wird die Überwärmung eng an die Bestrahlung oder an die Gabe der Medikamente gekoppelt, denn die verstärkende Wirkung beruht gerade auf diesem Zusammenspiel. In der Praxis bedeutet das für den Patienten einen zusätzlichen Termin an den Behandlungstagen und einen entsprechend längeren Aufenthalt in der Klinik. Durchgeführt wird die Hyperthermie nicht für sich, sondern in Abstimmung mit denjenigen, die die Bestrahlung oder die Chemotherapie verantworten; die Planung der Feldeinstellung, die Lagerung des Patienten und die Festlegung der Messpunkte gehören zu den Vorbereitungen, die vor der ersten Sitzung stehen.
Die gesamte Behandlung dauert ca. 60 bis 90 Minuten. Sie kann bis zu zwölf Wochen durchgeführt werden, wobei wöchentlich ein bis zwei Behandlungen durchgeführt werden. Wie gut das Verfahren wirkt, ist je nach Tumorart unterschiedlich gut belegt. Die genaue Wirkungsweise ist noch nicht abschließend geklärt. Gegenwärtige wissenschaftliche Untersuchungen klären noch die Möglichkeiten einer noch effektiveren Nutzung.
Ein Standardverfahren der Krebsbehandlung ist die Hyperthermie in Deutschland nicht. In der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung ist sie ausdrücklich ausgeschlossen: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat sie am 18. Januar 2005 den nicht anerkannten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zugeordnet, und zwar ausdrücklich einschließlich der Ganzkörperhyperthermie, der regionalen Tiefenhyperthermie, der Oberflächenhyperthermie sowie der Kombination mit Strahlentherapie oder Chemotherapie. Begründet wurde der Beschluss unter anderem damit, dass sich die Technik noch im Stadium der Forschung und Entwicklung befinde und es an einer Verständigung über Temperatur, Einwirkdauer, Temperaturmessung und begleitende Behandlungsprotokolle fehle. In der Richtlinie zu den Methoden der vertragsärztlichen Versorgung steht dieser Eintrag bis heute unverändert.
Gesetzlich Versicherte müssen die Behandlung deshalb im Regelfall selbst bezahlen; eine Kostenübernahme kommt allenfalls im Einzelfall zustande. Fachlich wird empfohlen, die Hyperthermie möglichst im Rahmen klinischer Studien einzusetzen, damit sich die offenen Fragen zur Wirksamkeit überhaupt beantworten lassen. Wer eine solche Behandlung erwägt, sollte die Kostenfrage vorab schriftlich mit seiner Krankenkasse klären und sich vom behandelnden Arzt der Onkologie sagen lassen, für welche Tumorart und in welcher Kombination die Anwendung geprüft ist.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Auch Verbrennungen kommen selten vor. Die hauptsächlichen Nebenwirkungen werden durch die Chemo- und Strahlentherapie hervorgerufen. Da die Ganzkörperhyperthermie zuweilen auch unter Narkose durchgeführt wird, sind eventuelle Auswirkungen der Narkose zu beachten. Schwere Verbrennungen können Schmerzen auslösen. Diese Anzeichen sollten beachtet werden, um ihre Folgen zu mindern. Die schonende Anwendung ist jedoch nur bei Personen gewährleistet, welche ansonsten keine weiteren Erkrankungen aufweisen. Das gilt besonders bei der Anwendung der Ganzkörperhyperthermie. So sind Schwangere, Patienten mit metallischen Gelenkprothesen sowie Patienten mit Herzschrittmachern oder mit Defibrillatoren von der Behandlung auszuschließen.
Implantiertes Material kann sich sehr stark aufheizen und somit geschädigt werden. Bei Schwangeren ist die Auswirkung der Wärmebehandlung auf den wachsenden Embryo nicht abzusehen. Grundsätzlich darf die therapeutische Hyperthermie auch nicht bei Patienten mit bestimmten körperlichen Vorbelastungen angewendet werden. Dazu zählen solche Erkrankungen wie Herzschwäche, Lungenerkrankungen, Knochenmarksschädigungen, Immunschwäche, schwere Infektionen, Thrombosen, Epilepsie, Lymphödeme, Niereninsuffizienz oder Schilddrüsenüberfunktion. Die Belastungen durch eine Hyperthermie sind allerdings geringer als beim Einsatz von Chemo- und Strahlentherapie. Da diese Therapien jedoch durch ihren Einsatz effektiver werden, sinkt in der Regel die allgemeine Belastung für den Patienten.
Vor der Behandlung wird deshalb nach implantiertem Material gefragt und danach, welche Erkrankungen sonst noch vorliegen. Metallische Fremdkörper im Behandlungsgebiet, Herzschrittmacher und ähnliche Geräte sind dabei nicht nur wegen der Erwärmung von Bedeutung, sondern auch, weil die eingesetzten elektromagnetischen Felder ihre Funktion stören können. Ebenso gehört zur Vorbereitung, den Kreislauf zu beurteilen: Die Überwärmung belastet Herz und Kreislauf ähnlich wie eine körperliche Anstrengung, und was ein gesunder Kreislauf ohne Weiteres ausgleicht, kann bei vorgeschädigtem Herzen zum Problem werden.
Druckstellen können außerdem auftreten, weil der Patient über längere Zeit ruhig liegen muss. Wärmegefühl, Unruhe und Schwitzen während der Sitzung sind zu erwarten und klingen anschließend ab. Bei der Ganzkörperbehandlung kommen die Belastung des gesamten Kreislaufs sowie, wo eine Betäubung erfolgt, deren eigene Risiken hinzu; sie wird deshalb nur unter entsprechender Überwachung durchgeführt.
Ein Risiko besonderer Art liegt außerhalb der Behandlung selbst. Weil die Hyperthermie oft in einer Lage angeboten wird, in der die üblichen Möglichkeiten ausgeschöpft scheinen, trifft sie auf Menschen, denen viel daran liegt, noch etwas unversucht zu lassen. Wird sie ihnen als eigenständige, besonders schonende Krebsbehandlung dargestellt, entsteht eine Erwartung, die die vorliegende Beleglage nicht deckt – und im schlimmsten Fall wird eine wirksame Behandlung deswegen verschoben. Für Patienten empfiehlt es sich daher, jedes Angebot mit dem behandelnden Onkologen abzustimmen, statt es unabhängig von der laufenden Behandlung wahrzunehmen.
Hilfreich ist dabei die Unterscheidung zwischen dem Verfahren und seinem Namen. Unter Bezeichnungen, die das Wort Hyperthermie oder Wärme enthalten, werden sehr unterschiedliche Geräte und Vorgehensweisen angeboten – von der in Studien untersuchten regionalen Tiefenhyperthermie bis zu Anwendungen, die weder eine Temperaturmessung im Zielgebiet noch eine Anbindung an eine Strahlen- oder Chemotherapie vorsehen. Wer ein Angebot beurteilen will, sollte deshalb nachfragen, welche Form gemeint ist, wie und wo die Temperatur gemessen wird, mit welcher anderen Behandlung sie kombiniert werden soll und welche Erfahrung die Einrichtung mit der eigenen Tumorart hat. Vier Fragen, die sich beantworten lassen müssen, bevor über Kosten gesprochen wird.
Quellen
- Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
ISBN: 9783662607473
- Christiansen, H., Bremer, M. (Hrsg.): Strahlentherapie und Radioonkologie aus interdisziplinärer Sicht.
ISBN: 9783965432475
- Kraft, K., Stange, R. (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren.
ISBN: 9783830453338
- Crevenna, R. (Hrsg.): Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation.
ISBN: 9783662490341
- Engelhardt, M., Reinhardt, H., Mertelsmann, R., Duyster, J. (Hrsg.): Das Blaue Buch.
ISBN: 9783662736135
