Triple-Test
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Behandlungen Triple-Test
Bei einem Triple-Test handelt es sich um eine Abschätzung der Risiken, ob ein Fötus unter einer Chromosomenanomalie oder einer Neuralrohrfehlbildung leidet. Der Test erzielt keine gesicherte Diagnose, sondern wird durchgeführt, um zu beurteilen, ob gegebenenfalls eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt werden sollte.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist der Triple-Test?
Der Triple-Test ist eine Blutuntersuchung zur pränatalen Diagnostikhilfe bei Patientinnen mit einer Risikoschwangerschaft. Er dient zur Abschätzung, ob ein erhöhtes Risiko besteht, ein Kind mit Trisomie 21, Trisomie 18 (Chromosomenstörung) oder einer Spina bifida (offener Rücken) zu bekommen.
Dafür wird beim Triple-Test die Konzentration des Alpha-Fetoproteins (AFP), des Hormons Östriol und die des Hormons Humanes Chorion-Gonadotropin (hCG) im Blut der werdenden Mutter bestimmt. Die drei Werte der Konzentration im Verhältnis zum Alter der Schwangeren und der gesundheitlichen Vorgeschichte ermöglichen eine Risikoabschätzung. Das daraus resultierende Ergebnis ist entscheidend für mögliche weitere Untersuchungen, wie beispielsweise eine Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung).
Der Test wird zwischen der 14. und 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt und ein Testergebnis liegt bereits nach wenigen Tagen vor. Langzeitstudien haben ergeben, dass die Risikoabschätzung und deren Prognose häufig falsch sind, daher gilt der Triple-Test heute als unzuverlässig und wird nur noch selten durchgeführt. In der Pränataldiagnostik haben ihn zwei Verfahren weitgehend abgelöst: das Ersttrimesterscreening, das zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche eine Ultraschallmessung der Nackentransparenz mit zwei Blutwerten der Mutter verbindet, und der nichtinvasive Pränataltest (NIPT), bei dem kindliche Erbgutbruchstücke aus dem Blut der Schwangeren untersucht werden. Beide erkennen eine Trisomie 21 deutlich zuverlässiger als der Triple-Test; der NIPT kann in Deutschland seit 2022 im begründeten Einzelfall nach ärztlicher Beratung zulasten der gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden.
Der Test steht in einer längeren Entwicklungslinie. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass sich das Alpha-Fetoprotein im Blut der Schwangeren bestimmen lässt und dass auffällige Werte auf einen offenen Rücken hinweisen können; die Verbindung mit weiteren Blutwerten sollte die Aussagekraft verbessern. Aus derselben Überlegung entstand später eine um einen vierten Blutwert, das Hormon Inhibin A, erweiterte Fassung, die als Quadruple-Test bezeichnet wird.
Die gemessenen Konzentrationen werden nicht als absolute Werte beurteilt. Da sich alle drei Größen im Verlauf der Schwangerschaft verändern, wird jeder Messwert ins Verhältnis zum typischen Wert der jeweiligen Schwangerschaftswoche gesetzt und als Vielfaches dieses Bezugswerts angegeben. Erst aus diesen Verhältniszahlen und den Angaben zur Schwangeren errechnet ein Programm die Wahrscheinlichkeit. Daraus folgt eine praktische Anforderung: Das Schwangerschaftsalter muss genau bekannt sein, üblicherweise aus einer Ultraschallmessung, denn schon eine Abweichung von wenigen Tagen verschiebt den Bezugswert und damit das Ergebnis.
Rechtlich zählt der Triple-Test zu den vorgeburtlichen Untersuchungen, die dem Gendiagnostikgesetz unterliegen. Das Gesetz fasst unter die genetische Untersuchung ausdrücklich auch die vorgeburtliche Risikoabklärung, also eine Untersuchung, mit der die Wahrscheinlichkeit für bestimmte genetische Eigenschaften des Ungeborenen ermittelt werden soll. Daraus folgen mehrere Pflichten: Die Schwangere ist vor der Untersuchung aufzuklären und muss einwilligen, sie ist vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Ergebnisses genetisch zu beraten, und sie ist zusätzlich auf den Beratungsanspruch nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz hinzuweisen; der Inhalt der Beratung wird dokumentiert. Ausgeschlossen sind vorgeburtliche Untersuchungen auf Erkrankungen, die erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres ausbrechen. Wird bei einer solchen Untersuchung das Geschlecht des Kindes festgestellt, darf es der Schwangeren erst nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitgeteilt werden.
Zwischen Blutentnahme und Befund liegt eine Laborarbeit, die für die Beurteilung des Ergebnisses von Bedeutung ist. Die drei Größen werden mit immunologischen Testverfahren bestimmt, deren Messwerte vom eingesetzten Testsystem abhängen. Jedes Labor arbeitet deshalb mit eigenen Bezugswerten, die es aus den Messungen an einer großen Zahl unauffälliger Schwangerschaften gewonnen hat. Ergebnisse verschiedener Labore sind aus diesem Grund nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar, und ein Wert allein sagt ohne den zugehörigen Bezugswert nichts aus.
Funktion, Wirkung & Ziele
Das Protein, welches bestimmt werden soll, ist das sogenannte Alpha-Fetoprotein. Innerhalb des Fötus wird das Protein unter anderem in der Leber produziert und in das Fruchtwasser ausgeschieden. Wenn die Haut des Fötus unverschlossen ist, wie beispielsweise bei einer Spina bifida, werden vermehrte Alpha-Fetoproteine in das Fruchtwasser abgegeben und die Konzentration dementsprechend erhöht. Liegt die Konzentration des Alpha-Fetoproteins jedoch unterhalb der Norm, kann dies ein Hinweis auf eine Chromosomenanomalie sein. Von der Nebenniere und der Leber des Fötus wird ein Hormon produziert, das innerhalb der Plazenta zu dem Hormon Östriol umgewandelt wird.
Auch das Hormon ist im Blut der Schwangeren nachzuweisen. Im Laufe der Schwangerschaft erhöht sich die Konzentration im Blut. Liegt die Konzentration des Östriol unterhalb der Normwerte, so kann auch das ein Anzeichen für eine Chromosomenanomalie sein und das Risiko, dass der Fötus unter Trisomie 21 leidet, ist erhöht. Als drittes wird beim Triple-Test das Hormon Humanes Chorion-Gonadotropin, auch bekannt unter der Abkürzung hCG, beurteilt. Das hCG-Hormon wird bereits wenige Tage nach der Befruchtung ausgeschüttet.
Bei einem Schwangerschaftstest wird deshalb auch der Urin auf das hCG-Hormon getestet und eine mögliche Schwangerschaft frühzeitig nachgewiesen oder ausgeschlossen. Ist die Konzentration beim Triple-Test des Humanen Chorion-Gonadotropin erhöht, kann dies ein Hinweis auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) sein. Liegt der Wert unterhalb der Norm, kann dies ein Anzeichen für Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) sein.
Das Ergebnis, welches sich aus der Konzentration im Blut ergibt, wird bei dem Triple-Test nicht im Einzelnen bewertet. Es werden zu dem Ergebnis individuell das Alter und die Vorerkrankungen der werdenden Mutter, sowie Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Dauer und der bisherige Verlauf der Schwangerschaft in das Gesamtergebnis mit einbezogen. Des Weiteren ist für die Risikoabschätzung wichtig, ob bereits Kinder mit einem Gendefekt oder einer Spina bifida von der Frau geboren wurden oder ob solche Erkrankungen in der Familienanamnese vorkommen.
Studien und die langfristige Durchführung eines Triple-Tests haben gezeigt, dass die Treffsicherheit nur mit „mittel“ eingestuft werden kann. Durch den Test werden etwa 70 von 100 Föten mit einer Chromosomenanomalie oder einem offenen Rücken frühzeitig erkannt. Jedoch wird bei etwa 7 von 100 gesunden Ungeborenen fälschlicherweise ein erhöhtes Risiko für Trisomie 21 oder Trisomie 18 angezeigt. Grundsätzlich erzielt der Triple-Test bei Frauen im mittleren Alter eine höhere Treffsicherheit als bei jungen Frauen.
Viele werdende Eltern werden durch das Ergebnis verunsichert und treffen möglicherweise falsche Entscheidungen. Zu beachten ist immer, dass der Triple-Test keine gesicherte Diagnose stellt, sondern nur der Risikoabschätzung dient. Sein Ergebnis ist eine Wahrscheinlichkeit und wird als Verhältniszahl angegeben, etwa 1 zu 250. Diese Zahl bedeutet, dass von 250 Schwangeren mit demselben Befund eine ein betroffenes Kind bekommt und 249 ein gesundes. Ein auffälliges Ergebnis besagt daher gerade nicht, dass das Kind erkrankt ist; in der weit überwiegenden Zahl der Fälle ist es gesund. Es sind weitere Untersuchungen nötig, um eine Diagnose zu stellen. Klarheit bringt beispielsweise eine Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung).
Für die Schwangere selbst ist der Ablauf unspektakulär. Der Untersuchung geht das Aufklärungsgespräch voraus; die Blutentnahme erfolgt aus einer Armvene und unterscheidet sich nicht von anderen Blutabnahmen. Nüchtern sein muss die Schwangere dafür nicht, und die Probe lässt sich im Rahmen eines ohnehin anstehenden Termins gewinnen. Es folgt die Wartezeit auf das Ergebnis, die viele Frauen als den belastendsten Teil beschreiben, und schließlich das Gespräch, in dem der Befund eingeordnet wird.
Ein Wort zur Einordnung der Kosten: Die Mutterschafts-Richtlinie, die den Umfang der ärztlichen Betreuung während der Schwangerschaft zulasten der gesetzlichen Krankenkassen festlegt, führt den Triple-Test nicht auf. Er gehört damit nicht zur regulären Schwangerenvorsorge und wird, wo er noch angeboten wird, als Selbstzahlerleistung abgerechnet. Auch das Ersttrimesterscreening zählt in der Regel nicht zum Leistungsumfang der Krankenkassen; der nichtinvasive Pränataltest dagegen wird im begründeten Einzelfall übernommen.
Bei dieser Übernahme setzt die Richtlinie eine Schwelle, die häufig missverstanden wird: Eine allein statistisch erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie reicht für die Anwendung des Tests nicht aus. Maßgeblich ist, dass die Untersuchung geboten ist, um der Schwangeren im Rahmen der ärztlichen Begleitung die Auseinandersetzung mit ihrer persönlichen Situation zu ermöglichen. Ein auffälliger Wert aus einem vorangegangenen Test ist dafür also weder Voraussetzung noch für sich genommen ausreichend.
Wer sich für eine vorgeburtliche Untersuchung entscheidet, sollte vorher wissen, was er mit dem Ergebnis anfangen will. Das gilt für den Triple-Test wie für die Verfahren, die ihn abgelöst haben. Ein Befund lässt sich nicht zurücknehmen, und die Frage, was aus einem auffälligen Ergebnis folgen soll, stellt sich unter Zeitdruck ungleich schwerer als vorher in Ruhe. Zum Recht auf Wissen gehört deshalb ebenso das Recht, nicht zu wissen: Niemand ist verpflichtet, eine solche Untersuchung durchführen zu lassen, und eine Entscheidung dagegen bedarf keiner Begründung.
Historisch hat der Triple-Test eine Wirkung entfaltet, die über seine eigene Treffsicherheit hinausreicht. Er war eines der ersten Verfahren, das eine Risikoabschätzung aus einer einfachen Blutabnahme erlaubte und damit vielen Frauen den Weg zu einem eingreifenden Verfahren ersparte oder ihn ihnen erst eröffnete. Zugleich hat er die Fragen sichtbar gemacht, die seither jede vorgeburtliche Untersuchung begleiten: Was folgt aus einer Wahrscheinlichkeit, wer trägt die Entscheidung, und welche Beratung schuldet man einer Schwangeren, bevor eine Zahl im Raum steht. Die Verfahren haben sich seither geändert, diese Fragen nicht.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Außerdem gibt es viele Störfaktoren, die das Ergebnis beeinflussen und verfälschen können. Bei Mehrlingsschwangerschaften ist die Konzentration der Hormone und des Proteins grundsätzlich erhöht. Auch bei Schwangeren, die rauchen, weichen die Messwerte ab, obwohl der Fötus gesund ist. Des Weiteren kann eine falsche Berechnung der Schwangerschaftsdauer, vorliegendes Übergewicht und Diabetes der werdenden Mutter das Ergebnis beeinflussen. Auch ein gestörtes Wachstum des Fötus, eine Funktionsstörung der Plazenta und eine Nierenfunktionsstörung der Schwangeren können erhöhte Konzentrationswerte hervorrufen.
Der Triple-Test kann somit abweichende Werte zeigen, obwohl das Ungeborene gesund ist. Wenn ein erhöhtes Risiko, aus Sicht des behandelnden Facharztes, besteht und die werdenden Eltern eine gesicherte Diagnose möchten, sollte eine Amniozentese durchgeführt werden. Der Triple-Test kann als Entscheidungshilfe, ob eine Amniozentese mit den erhöhten Risiken durchgeführt werden sollte, vorweg gemacht werden. Heute wird vor einem solchen Eingriff meist zunächst ein nichtinvasiver Pränataltest angeboten, der ohne Risiko für das Ungeborene ist. Eine gesicherte Diagnose liefert allerdings weiterhin nur die Untersuchung kindlicher Zellen aus dem Fruchtwasser oder aus dem Mutterkuchen (Chorionzottenbiopsie).
Die eigentliche Belastung des Triple-Tests liegt damit nicht in der Blutabnahme, sondern in der Kette, die er auslösen kann. Ein rechnerisch erhöhtes Risiko führt zu weiteren Untersuchungen, und am Ende dieser Kette steht ein Eingriff, der selbst nicht risikofrei ist. Bei der Fruchtwasseruntersuchung wie bei der Entnahme von Gewebe aus dem Mutterkuchen führt der Arzt unter Ultraschallkontrolle eine dünne Nadel durch die Bauchdecke in die Gebärmutter ein; eine Betäubung ist dabei meist nicht nötig, und der Eingriff selbst ist körperlich wenig belastend. Über Stunden bis Tage kann ein leichtes Ziehen im Unterleib zurückbleiben. Schwerer wiegt, dass der Eingriff eine Fehlgeburt auslösen kann: Etwa ein bis vier von tausend Frauen sind davon betroffen. Genau deshalb wird versucht, solche Eingriffe zu vermeiden, wo es geht.
Zeitlich sind die Verfahren gestaffelt. Der nichtinvasive Pränataltest ist ab der zehnten Schwangerschaftswoche möglich, die Entnahme von Gewebe aus dem Mutterkuchen ab der zwölften, die Fruchtwasseruntersuchung ab etwa der sechzehnten Woche; das Ergebnis der Fruchtwasseruntersuchung liegt nach etwa zwei Wochen vor. Der Triple-Test fiel mit seinem Zeitfenster in einen Bereich, in dem eine anschließende Abklärung erst spät zu einem Ergebnis führte – ein Nachteil, der bei den früher einsetzbaren Verfahren geringer ausfällt.
Für die Beratung nach einem auffälligen Ergebnis gelten besondere Anforderungen. Sie soll nicht nur die medizinischen Fragen abdecken, sondern auch die psychischen und sozialen Belange, die mit der Untersuchung und ihrem Ergebnis zusammenhängen. Dazu gehört der Hinweis auf die Beratungsstellen nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz und auf Selbsthilfeorganisationen von Familien mit betroffenen Kindern, die aus eigener Erfahrung schildern können, was ein Leben mit der jeweiligen Diagnose bedeutet. Wer davon eine Vorstellung hat, entscheidet auf einer anderen Grundlage als jemand, der nur eine Wahrscheinlichkeitszahl vor sich hat.
Die Zahl selbst will dabei richtig gelesen werden, und daran scheitern Gespräche über vorgeburtliche Tests am häufigsten. Ein Testergebnis beantwortet nicht die Frage, ob das Kind eine Chromosomenstörung hat, sondern die Frage, wie viele Kinder mit demselben Messergebnis betroffen sind. Weil Trisomien selten sind, bleibt selbst hinter einem auffälligen Befund in der Mehrzahl der Fälle ein gesundes Kind. Umgekehrt schließt ein unauffälliges Ergebnis eine Erkrankung nicht aus: Der Test sucht nur nach den wenigen Auffälligkeiten, auf die er ausgelegt ist, und sagt über alle anderen nichts. Auch dieser zweite Punkt gehört in das Gespräch vor der Untersuchung, weil ein unauffälliger Befund sonst als Zusicherung eines gesunden Kindes missverstanden wird.
Quellen
- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662635056
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
- Kiechle, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783437597794
- Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik.
ISBN: 9783132416888
- Renz, H. (Hrsg.): Praktische Labordiagnostik.
ISBN: 9783111328195
