Trochlearisparese
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Im Rahmen einer Trochlearisparese kommt es zu einer Läsion des IV. Hirnnervs, wodurch eine Lähmung des oberen Augenmuskels auftritt. Eine Trochlearisparese kann entweder einseitig oder beidseitig beziehungsweise vollständig oder teilweise auftreten.
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Was ist eine Trochlearisparese?
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Ursachen
Diese werden im Normalfall aber noch von anderen Symptomen begleitet. Trochlearisparesen können außerdem bei Hypertonus oder Diabetes mellitus auftreten, in diesem Fall haben sie eine sehr günstige Prognose. Weitere mögliche Ursachen für eine Trochlearisparese können sein:
- Tolosa-Hunt-Syndrom
- Komplikationen bei neurochirurgischen Operationen
- Multiple Sklerose
- Meningitis
Darüber hinaus gibt es auch angeborene Trochlearisparesen oder solche, die frühkindlich erworben werden. Diese weisen dann aber eine andere Symptomatik auf. Die Ursache von kongenitalen beziehungsweise früh erworbenen Trochlearisparesen ist bis dato nicht bekannt. Eine wesentliche Rolle könnten hier aber Geburtstraumen spielen. Eine angeborene Trochlearisparese sollte immer von einem so genannten Strabismus sursoadductarius (angeborene Schielstellung der schrägen Augenmuskeln) abgegrenzt werden.
Außerdem ist es notwendig, bei posttraumatischen Störungen des oberen Augenmuskels auch eine mögliche Verletzung des Rollknorpels (Trochlea) in Betracht zu ziehen. Ausgeschlossen werden sollten darüber hinaus ein Torticollis spasticum (Schiefhals) beziehungsweise ein dissoziiertes Höhenschielen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Tritt eine Trochlearisparese auf, so verliert der betroffene Muskel seine Funktion. Der schräge obere Augenmuskel erfüllt normalerweise drei verschiedene Aufgaben: eine außenwendende, eine innenrollende sowie eine senkende. Bei einer Trochlearisparese weicht der Blick jedoch ab, das heißt, es tritt eine Schielstellung beziehungsweise eine Verrollung in Richtung Schläfe auf.
Darüber hinaus sehen die Betroffenen Doppelbilder, die entweder verkippt, vertikal oder horizontal wahrgenommen werden. Die Patienten nehmen dadurch eine Kopfzwangshaltung ein, um die Doppelbilder beseitigen zu können. Meistens wird der Kopf auf die gesunde Seite geneigt, bei einer Neigung zur erkrankten Seite ist hingegen ein Höherstand des Auges erkennbar. Dieses Phänomen wird als so genanntes „Bielschowsky-Phänomen“ bezeichnet.
Vor allem bei alltäglichen Dingen wie Essen, Lesen oder Schreibtischarbeiten, bei denen der Blick nach unten gerichtet ist, ist eine Trochlearisparese äußerst störend. Beim Treppensteigen oder beim Laufen kann es darüber hinaus zu Unfällen kommen, da die Schielwinkel mit Hilfe einer Kopfzwangshaltung in diesem Fall nicht kompensiert werden können. Ein weiteres Symptom ist der Unterschied zwischen Primär- beziehungsweise Sekundärschielwinkel.
Als Primärwinkel wird die Schielabweichung, die bei Fixation mit dem nicht erkrankten Auge gemessen werden kann, bezeichnet. Der Sekundärwinkel bezeichnet die Abweichung bei Fixation mit dem jeweils betroffenen Auge. Tritt ein Lähmungsschielen auf, so ist der Primärwinkel immer kleiner als der Sekundärwinkel. Bei einer Trochlearisparese, die auf beiden Seiten auftritt, kann es jedoch durchaus sein, dass eine Schielabweichung bei Blickhebung fehlt.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Trochlearisparesen werden durch einen Neurologen diagnostiziert. Dieser misst die Schielwinkel in unterschiedlichen Blickrichtungen und bei verschiedener Fixation. Außerdem werden die monokularen Exkursionsfähigkeiten sowie das Feld des binokularen Einfachsehens beurteilt. Zur Untersuchung werden das Synoptometer beziehungsweise die Tangententafel nach Harms eingesetzt.
Weiteren Aufschluss über das Vorliegen einer Trochlearisparese bringt auch der Bielschowsky-Kopfneigetest. Wird der Kopf zur erkrankten Seite hin geneigt, so ist ein Höherstand des betroffenen Auges erkennbar, auf der gesunden Seite ist jedoch keine Schielabweichung vorhanden oder sie ist erheblich reduziert. Bei spontan aufgetretenen Trochlearisparesen wird außerdem ein orbitales MRT durchgeführt. Ein Glukosetoleranztest dient dabei nicht dem Ausschluss einer Myasthenie, sondern dem Nachweis eines bislang unerkannten Diabetes mellitus als Ursache der Lähmung. Um eine Myasthenie auszuschließen, wurde früher der Tensilon-Test eingesetzt. Da der dafür nötige Wirkstoff Edrophonium in Deutschland nicht mehr im Handel ist, stützt sich diese Abklärung heute auf den Eisbeutel-Test, die Bestimmung von Antikörpern gegen den Acetylcholinrezeptor im Blut und die elektrische Prüfung der Nervenreizübertragung. Häufig wird eine Trochlearisparese relativ spät erkannt, da sie oftmals ziemlich unauffällig ist oder die Symptome falsch interpretiert werden.
Komplikationen
Eine Trochlearisparese führt beim Betroffenen zu verschiedenen Beschwerden an den Augen. Die Betroffenen leiden dabei an Doppelbildern, wodurch es zu deutlichen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen kommt. In vielen Fällen müssen die Patienten dabei eine Zwangshaltung des Kopfes einnehmen, sodass dieser zur Seite geneigt ist.
Diese Haltung kann dabei im Alltag zu starken Beschwerden und Einschränkungen führen. Vor allem beim Laufen kann es dabei zu Unfällen kommen. Des Weiteren kann die Erkrankung Schielen begünstigen. Der Betroffene kann seinen Blick häufig nicht mehr beschwerdefrei senken, weil der gelähmte Muskel das Auge nach unten bewegt. Vor allem bei Kindern kann die Trochlearisparese durch die Fehlhaltung zu Mobbing oder zu Hänseleien führen.
Dadurch leiden viele Kinder auch an psychischen Beschwerden oder an Depressionen. Allerdings führt die Erkrankung damit zu Einschränkungen in der kindlichen Entwicklung, sodass es auch im Erwachsenenalter zu Komplikationen und zu Beschwerden kommen kann. Angeborene Trochlearisparesen werden häufig bereits im Kindesalter behandelt; bei den erst im Erwachsenenalter erworbenen Formen richtet sich die Behandlung nach der zugrunde liegenden Ursache. Ob die Lähmung vollständig zurückgeht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Nach einer Augenmuskeloperation kann außerdem eine Über- oder Unterkorrektur zurückbleiben, sodass ein zweiter Eingriff notwendig wird.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Der umgehende Besuch bei einem Neurologen ist bei plötzlich auftretenden Sehstörungen mit Schielen und Doppelbildern angeraten. Es kann sich um eine Trochlearisparese handeln, die behandelt werden muss. Vor allem aber muss deren Ursache ermittelt werden. Für die Diagnostik dieser Störung wird oft ein Augenarzt hinzugezogen.
Viele Patienten versuchen zunächst, die typischen Symptome der Trochlearisparese durch andere Kopfhaltungen auszugleichen. Stattdessen sollten sie wegen der Dramatik möglicher Auslöser lieber gleich zum Neurologen oder Augenarzt gehen. Die Trochlearisparese kann als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas, einer Mikro-Angiopathie, eines Aneurysmas, eines Schlaganfalls oder entzündlicher Prozesse auftreten. In allen Fällen ist ein zeitnaher Behandlungsbeginn dringlich angeraten.
Eine sorgfältige Differentialdiagnostik und Anamnese stellt sicher, dass die Ursache des Phänomens ermittelt und nach Möglichkeit erfolgreich behandelt wird. Zugleich wird versucht, die Symptome der Trochlearisparese zu verbessern. Dies kann durch Prismengläser oder einen operativen Eingriff geschehen. Ob die Lähmung des oberen Augenmuskels nach dieser Behandlung vollständig zurückgeht oder nicht, ist unterschiedlich.
Treten die Doppelbilder ganz plötzlich auf und kommen heftigste Kopfschmerzen, eine Lähmung, eine Sprachstörung, ein herabhängendes Augenlid oder eine Bewusstseinstrübung hinzu, kann ein Schlaganfall oder ein einreißendes Aneurysma dahinterstecken. In diesem Fall ist sofort der Notruf 112 zu wählen und nicht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Oftmals handelt es sich bei der Trochlearisparese um eine idiopathische, in den Ursachen nicht feststellbare Symptomatik. Zwar ist eine ganze Reihe möglicher Auslöser bekannt – von Schädel-Hirn-Verletzungen über Durchblutungsstörungen bis hin zu Tumoren –, doch lässt sich im Einzelfall häufig keiner davon nachweisen. Zwar gibt es angeborene oder bei kleinen Kindern auftretende Trochlearisparesen. Diese haben jedoch eine andere Symptomatik.
Behandlung & Therapie
Die Schielabweichung kann mit Hilfe von Prismengläsern verbessert werden. Bildet sich die Lähmung im Verlauf nicht von selbst zurück, so kann eine Operation notwendig werden, um die Kopfzwangshaltung beziehungsweise die Zyklotropie reduzieren zu können. Wirksam sind auch muskelstärkende Eingriffe, bei denen der betroffene Augenmuskel gefaltet oder vorgelagert wird.
Eine Wiederherstellung der Funktion kann allerdings meist erst nach sechs bis zwölf Monaten beurteilt werden. Daher wird eine Operation auch meist erst nach Ablauf eines Jahres in Erwägung gezogen. Während dieser Zeit wird oft auch der untere Anteil des Brillenglases vor dem betroffenen Auge abgedeckt, um störende Doppelbilder beim Blick nach unten vermeiden zu können. Möglich ist darüber hinaus auch eine Behandlung mit Botulinumtoxin, um den antagonistischen Muskel zu schwächen.
Vorbeugung
Der Lähmung selbst lässt sich nicht unmittelbar vorbeugen. Da eine Trochlearisparese aber häufig in Folge eines Schädeltraumas oder eines Schlaganfalls auftritt, senkt alles, was diese Ereignisse verhindert, auch das Risiko einer Schädigung des IV. Hirnnervs: ein Kopfschutz beim Radfahren und bei Sportarten mit Sturzgefahr sowie eine gute ärztliche Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten. Gegen die angeborenen Formen und gegen Tumoren als Ursache gibt es dagegen keine Vorbeugung.
Nachsorge
Nach der Behandlung der Trochlearisparese sollten Betroffene sich einem speziellen Sehtraining unterziehen. Außerdem sollten regelmäßig Untersuchungen bei dem betreuenden Arzt wahrgenommen werden. Um ein erneutes Auftreten der Beschwerden frühzeitig zu erkennen, muss der Augenarzt die Sehfähigkeit der Betroffenen überwachen und die Korrektur mit Prismengläsern gegebenenfalls anpassen.
Betroffene sollten in einem Tagebuch alle auftretenden Beschwerden auflisten und dies dem behandelnden Arzt vorlegen, damit der Arzt frühzeitig handeln kann. Es sollte außerdem wegen der Zwangshaltung eine Physiotherapie begonnen werden. Betroffene sollten ihr soziales Umfeld pflegen, damit die Hilfe von beispielsweise Angehörigen jederzeit in Anspruch genommen werden kann. Gegen Verspannungen infolge der Kopfzwangshaltung können Erkrankte nach abschließender Behandlung in Absprache mit dem behandelnden Arzt auch Wärmeanwendungen und andere Mittel aus der Naturheilkunde nutzen.
Da die Erkrankung für viele Betroffene und Angehörige eine schwere Belastung darstellen kann, kann eine psychologische Beratung hilfreich sein; wie lange sie sinnvoll ist, hängt vom Verlauf ab. So können Betroffene und Angehörige lernen, wie man mit der Krankheit umgeht. Betroffene sollten, um die Lebensqualität wieder zu steigern, Aktivitäten nachgehen, die ihnen vor der Erkrankung eine Freude bereitet haben. Dabei spielt das soziale Umfeld ebenfalls eine große Rolle. Auch eine Selbsthilfegruppe kann von Vorteil sein. So können Betroffene sich mit anderen Erkrankten austauschen und die Lebensweisen vergleichen.
Das können Sie selbst tun
Die Trochlearisparese kann unter Umständen mit speziellen Prismengläsern korrigiert werden. Gegebenenfalls muss zusätzlich eine Operation durchgeführt werden. Die Betroffenen können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Behandlung zu unterstützen.
Zunächst empfehlen sich gezieltes Sehtraining und regelmäßige Arztbesuche. Der Augenarzt muss die Sehfähigkeit überwachen und die Korrektur mit Prismengläsern gegebenenfalls anpassen, um eine Verschlimmerung des Zustandes zu vermeiden. Bei einer angeborenen Trochlearisparese ist zudem eine Abgrenzung von anderen Erkrankungen mit ähnlichem Symptombild notwendig. Die Betroffenen sollten deshalb ein Beschwerdetagebuch anlegen und die verschiedenen Symptome detailliert aufschreiben. Die Informationen können anschließend zur Diagnose verwendet werden. Die Kopfzwangshaltung kann durch gezielte Physiotherapie korrigiert werden. Die Lähmung selbst verursacht keine Schmerzen; durch die dauerhafte Schonhaltung des Kopfes können jedoch Nackenverspannungen entstehen, gegen die bei Bedarf ein Schmerzmittel eingesetzt wird.
In Rücksprache mit dem Arzt können vor allem nach Abschluss der Therapie gegen solche Verspannungen auch Mittel aus der Naturheilkunde verwendet werden, etwa Wärmeanwendungen oder Einreibungen. Präparate mit Baldrian oder Johanniskraut sind dafür allerdings nicht geeignet, denn beide wirken nicht schmerzstillend. Johanniskraut greift zudem in den Abbau zahlreicher Arzneimittel ein und kann deren Wirkung erheblich abschwächen, unter anderem bei Gerinnungshemmern, der Antibabypille und Medikamenten zur Unterdrückung des Immunsystems. Pflanzliche Präparate sollten deshalb nie ohne Rücksprache mit dem Arzt oder der Apotheke zusätzlich eingenommen werden. Diese Maßnahmen können die ärztliche Behandlung unterstützen und den Alltag erleichtern; über den Verlauf der Lähmung selbst entscheiden sie nicht. In jedem Fall ist auch eine engmaschige ärztliche Überwachung der betroffenen Person vonnöten.
Quellen
- Steffen, H., Kelbsch, C., Tonagel, F. (Hrsg.): Neuroophthalmologie.
ISBN: 9783662642603
- Steffen, H., Kaufmann, H. (Hrsg.): Strabismus.
ISBN: 9783132413306
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
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- Grehn, F.: Augenheilkunde.
ISBN: 9783662591536
- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
ISBN: 9783662606742
