Verbrauchskoagulopathie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Verbrauchskoagulopathie ist in einem Erkrankungsbereich angesiedelt, bei dem es um Störungen der Gerinnung geht. Die Gerinnungsfähigkeit des Blutes ist eine lebenswichtige Eigenschaft, welche bei der Verbrauchskoagulopathie in einem mehr oder weniger großen Umfang gestört ist.
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Was ist Verbrauchskoagulopathie?
Die Verbrauchskoagulopathie hat diese treffende Bezeichnung, weil diese Erkrankung mit einer Verringerung der sogenannten Gerinnungsfaktoren und der für die Blutgerinnung verantwortlichen Blutplättchen oder Thrombozyten einhergeht.
Die Zusammenklumpung von Blutplättchen (Aggregation) und die anschließende Gerinnung des Blutes (Koagulation) tragen bei einer Verletzung dazu bei, dass sich eine Wunde schnell verschließt und das austretende Blut sich verfestigen kann. Bei einer Verbrauchskoagulopathie kommt es zu einer Erhöhung der Gerinnungsbereitschaft, welche sich innerhalb der Blutgefäße deutlich macht.
Zu den bei einer Verbrauchskoagulopathie zusätzlich aufgebrauchten Gerinnungsfaktoren gehören die im Blutplasma gelösten oder auf den Thrombozyten vorliegenden Eiweiße wie Fibrinogen, Proakzelerin, Prothrombin und weitere.
Ursachen
Die Verbrauchskoagulopathie entsteht meist im Zusammenhang mit verschiedenen Vorerkrankungen, welche zu Unregelmäßigkeiten im Gerinnungssystem führen. Da sich bei der Verbrauchskoagulopathie immer eine Verbindung zu anderen gesundheitlichen Störungen finden lässt, ist dieses Krankheitsbild nicht eigenständig.
Sowohl die akute als auch die chronisch verlaufende Verbrauchskoagulopathie können durch einen Schwund des Lebergewebes (Leberzirrhose), Vergiftungen oder sogenannte Hämoblastosen ausgelöst werden. Gerade die Leber ist maßgeblich an der Produktion der Gerinnungsfaktoren beteiligt, sodass bei einer eingeschränkten Funktionsfähigkeit eine Verbrauchskoagulopathie entstehen kann.
Weitere Ursachen für eine Verbrauchskoagulopathie sind ein Schock sowie eine schwere Ausprägung der Blutvergiftung, eine akute Leukämie, ein extremer Blutverlust durch umfangreiche Verletzungen, eine akut auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und die Fruchtwasserembolie.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Symptome der Verbrauchskoagulopathie zeigen sich als Begleiterscheinung zu anderen Erkrankungen. Kommen sie auf, verweisen sie regelmäßig auf lebensgefährliche Komplikationen. Die hohe Blutungsneigung bringt es mit sich, dass Erkrankte innerlich verbluten können. Typisch sind Haut- und Schleimhautblutungen. Äußerlich sind Hämatome beziehungsweise blaue Flecken sichtbar, die überall am Körper auftreten können.
Die Endglieder der Zehen und Finger verfärben sich bläulich. Nicht selten treten zusätzlich Blutungen an inneren Organen auf. Betroffen sind die Nieren, der Magen und der Darm. In schweren Fällen kommt es zum akuten Leberversagen. Darüber hinaus entstehen unspezifische Begleiterscheinungen. Neben Fieber können infolge der Mangelversorgung mit Sauerstoff auch Ohnmacht und Atemnot aufkommen. Der Kreislauf bricht dann regelmäßig zusammen.
Die Liste der Erkrankungen, die die Verbrauchskoagulopathie entstehen lassen, ist lang. Patienten mit einer schweren Infektion sind ebenso gefährdet wie Personen, die einen Schock erlitten haben. Nachgewiesen ist die Folgeerkrankung auch nach schweren Verbrennungen oder einem Hitzschlag.
Wessen Körper in der Folge einer Operation große Mengen an Prothrombinaktivatoren freisetzt, riskiert ebenso eine Störung der Gerinnung. Frauen leiden bei Geburtskomplikationen wie einer Fruchtwasserembolie manchmal an der Verbrauchskoagulopathie. Das gilt auch für eine Umstülpung der Gebärmutter (Inversio uteri), weil dabei innerhalb kürzester Zeit sehr große Blutmengen verloren gehen können. Auch eine Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium kann ein Entstehen verursachen.
Diagnose & Verlauf
Beim Verlauf der Verbrauchskoagulopathie geht es um drei Stadien, welche als krankhafte Aktivierung der Blutgerinnung, ein Fehlen an Gerinnungsfaktoren und einen Verlust der Gerinnungsfähigkeit kategorisiert werden.
Bei der letzten Phase der Verbrauchskoagulopathie stehen die im Gerinnungsprozess an oberster Stelle befindlichen Faktoren sowie die Thrombozyten und das Antithrombin nicht mehr in ausreichender Quantität zur Verfügung. Infolgedessen tritt bei den von einer Verbrauchskoagulopathie Betroffenen ein Schock ein, welcher ein Multiorganversagen herbeiführt. Im Gegensatz dazu kann eine Verbrauchskoagulopathie dazu führen, dass Menschen verbluten, weil die sogenannte Blutungsneigung extrem hoch ist.
Für die Diagnose der Verbrauchskoagulopathie sind die speziellen Krankheitssymptome ausschlaggebend. Diese werden bei der Verbrauchskoagulopathie durch labortechnische Tests (mengenmäßige Bestimmung der Thrombozyten, Gerinnungstests mit Blutplasma) untermauert.
Komplikationen
Bei der Verbrauchskoagulopathie leiden die Betroffenen in der Regel an einer starken Blutgerinnungsstörung. Dabei benötigt das Blut einen relativ langen Zeitraum, um zu gerinnen, sodass Blutungen nicht ohne Weiteres gestoppt werden können. Dabei kann es schon bei sehr leichten Verletzungen oder Schnitten zu starken Blutungen kommen, die im schlimmsten Fall zum Verbluten und damit zum Tode des Betroffenen führen können.
Weiterhin treten häufig Hautblutungen auf. Sie sind nicht nur ein sichtbares Zeichen der Erkrankung, sondern ein Hinweis darauf, wie stark die Gerinnung bereits gestört ist. Die Haut kann sich durch die Verbrauchskoagulopathie blau färben, da kleinste Gerinnsel die feinen Gefäße verschließen und das Gewebe nicht mehr genügend Sauerstoff erhält.
Auch Blutungen an den inneren Organen selbst treten nicht selten auf und können die jeweiligen Organe schwerwiegend beschädigen. Vor allem bei operativen Eingriffen müssen die Patienten ihren Arzt über die Verbrauchskoagulopathie rechtzeitig informieren. Die Verbrauchskoagulopathie muss immer behandelt werden, und zwar auch dann, wenn noch keine Blutung sichtbar ist. Sie entwickelt sich meist innerhalb weniger Stunden und wird auf einer Intensivstation überwacht. Zu den weiteren Komplikationen zählen kleinste Gerinnsel, die Organe von der Blutversorgung abschneiden; daraus können ein Nierenversagen, ein Leberversagen und ein Versagen mehrerer Organe zugleich entstehen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da es bei einer Verbrauchskoagulopathie nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen kann, sollte der Betroffene bei dieser Krankheit immer einen Arzt aufsuchen. Nur so können weitere Komplikationen oder Beschwerden verhindert werden, sodass schon bei den ersten Symptomen oder Anzeichen der Erkrankung ein Arzt kontaktiert werden sollte. Eine frühzeitige Diagnose wirkt sich immer positiv auf den weiteren Verlauf dieser Erkrankung aus.
Ein Arzt ist bei der Verbrauchskoagulopathie sofort aufzusuchen, wenn der Betroffene ohne besonderen Grund blaue Flecken am gesamten Körper bekommt. Darauf zu warten, ob sie von alleine wieder verschwinden, ist bei dieser Erkrankung nicht vertretbar. Ebenso kommt es durch die Krankheit zu hohem Fieber und weiterhin auch zu Leberversagen, sodass auch diese Beschwerden auf die Verbrauchskoagulopathie hinweisen können. Vor allem nach einem Hitzschlag oder nach einer starken Verbrennung können diese Symptome eintreten und müssen unverzüglich ärztlich abgeklärt werden.
Da die Verbrauchskoagulopathie fast immer im Rahmen einer schweren Grunderkrankung auftritt, befinden sich die Betroffenen meist ohnehin schon in klinischer Behandlung. Wer die Anzeichen außerhalb einer Behandlung bemerkt, wendet sich unverzüglich an einen Allgemeinarzt oder an eine Klinik; die weitere Versorgung übernimmt ein Facharzt auf einer Intensivstation. Wie die Erkrankung ausgeht, hängt vor allem davon ab, wie schwer die zugrunde liegende Erkrankung ist und wie rasch behandelt wird; unbehandelt endet sie häufig tödlich.
Die Verbrauchskoagulopathie entwickelt sich meist innerhalb weniger Stunden und ist lebensbedrohlich. Treten plötzlich großflächige blaue Flecken, eine Blutung, die sich nicht stillen lässt, Blut in Urin oder Stuhl, Atemnot oder eine Kreislaufschwäche auf, wählen Betroffene oder Anwesende sofort den Notruf 112. Für Fragen ohne Lebensgefahr ist außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116 117 erreichbar.
Behandlung & Therapie
Üblicherweise geht eine Verbrauchskoagulopathie immer als Folgeerscheinung einer anderen Erkrankung oder eines operativen Eingriffs sowie eines Unfalls mit einer starken Dezimierung der Blutmenge einher.
Aus diesem Grund ist eine greifbare Therapie der Verbrauchskoagulopathie nicht immer einfach umzusetzen. Bei der Therapie einer Verbrauchskoagulopathie steht zu allererst die Behandlung der ursächlichen Erkrankung im Vordergrund. Die Behandlungen der Verbrauchskoagulopathie basieren insbesondere auf der Erzielung von Effekten, welche die Risiken einer Verbrauchskoagulopathie reduzieren.
In diesem Bezug ist es naheliegend, zunächst die verlustig gegangenen Gerinnungsfaktoren einschließlich der Thrombozyten wieder "aufzufüllen". Zur Verfügung stehen für diesen Zweck spezielle Thrombozytenkonzentrate, welche per Infusion verabreicht werden können. Die Blutspendeeinrichtungen und Kliniken halten für diese lebensbedrohlichen Notfälle ein sogenanntes Fresh-Frozen (frisch eingefrorenes) Plasma bereit, welches schnell aufgetaut und infundiert werden kann.
Dieses Plasma enthält zwar keine Blutplättchen, dafür aber alle Gerinnungsfaktoren; Blutplättchen werden bei Bedarf getrennt als Thrombozytenkonzentrat verabreicht. Die Behandlung einer Verbrauchskoagulopathie erfordert eine permanente medizinische Überwachung und wird daher auf den Intensivstationen durchgeführt.
Wurde bei einer Verbrauchskoagulopathie festgestellt, dass eine Thrombopenie (Anzahl der Blutplättchen unter dem Normalwert) und eine Störung der Funktion der Thrombozyten vorliegen, erfolgt eine Therapie mit Desmopressin. Von der Verbrauchskoagulopathie abzugrenzen ist die Vergiftung mit Kumarin, etwa durch Rattengift oder eine Überdosierung gerinnungshemmender Medikamente: Dabei werden die Gerinnungsfaktoren nicht verbraucht, sondern von der Leber nicht mehr in wirksamer Form gebildet. Gegenmittel ist hier Vitamin K.
Vorbeugung
Einer Störung der Blutgerinnung, welche eine Verbrauchskoagulopathie bedingen kann, ist nur schwer vorzubeugen. Menschen mit einer Grunderkrankung, die eine Verbrauchskoagulopathie auslösen kann, sollten eine möglichst gesunde Lebensweise pflegen und die Gerinnungswerte in den vom Arzt vorgegebenen Abständen kontrollieren lassen. Außerdem leben Patientinnen und Patienten mit klassischen Krankheiten, welche eine Verbrauchskoagulopathie begründen, mit einem erhöhten Risiko, welches unbedingt ernst genommen werden muss. Ist die Verbrauchskoagulopathie erst einmal aufgetreten, ist sie dagegen ein Notfall und muss in der Klinik behandelt werden.
Nachsorge
Die folgenden Hinweise betreffen die Zeit nach der überstandenen akuten Phase. Je nachdem wie schwerwiegend die Krankheit ist, besteht für die Betroffenen stets die Gefahr, dass plötzlich unstillbare Blutungen auftreten. Es kann durch innere Verletzungen zu schweren Beeinträchtigungen der Betroffenen kommen. Liegt der Erkrankung eine alkoholbedingte Leberschädigung zugrunde, sollten Erkrankte sich dringend einem Entzug von Alkohol unterziehen, da es sonst zu schwerwiegenden Komplikationen und einer raschen Verschlimmerung der Erkrankung kommen kann.
Betroffene sollten den Umgang mit Familie und Freunden stets pflegen und diese ausreichend über die Erkrankung aufklären. In Notfällen können die Angehörigen dann sofort handeln. Auch in sonstigen Situationen, in denen Betroffene Hilfe benötigen, können sie diese dann bei Angehörigen erfragen. Daher sollten sie stets einen Ausweis bei sich führen, in dem aufgeführt ist, welche Medikamente sie einnehmen. Im Notfall können Ärzte dann sofort richtig handeln.
Die Ernährung sollte ausgewogen und vitaminreich sein. Ob und in welchem Umfang körperliche Betätigung möglich ist, legt der behandelnde Arzt fest, denn solange die Blutungsneigung erhöht ist, sind Sportarten mit Sturz- und Verletzungsgefahr zu meiden. Bleiben Beschwerden über die akute Erkrankung hinaus bestehen, ist es wichtig, dass Betroffene lernen mit ihnen zu leben. Dafür kann eine psychologische Beratung sinnvoll sein. Auch eine Selbsthilfegruppe wäre zu empfehlen. Dort können Betroffene sich mit anderen Erkrankten austauschen und andere Wege finden, wie sie mit der Krankheit leben können.
Das können Sie selbst tun
Anpassungen im Alltag an die Verbrauchskoagulopathie hängen davon ab, in welchem Ausmaß die Krankheit vorliegt. Es besteht hierbei grundsätzlich immer die Gefahr von nur schwer stillbaren Blutungen. Dies kann bei den Patienten im Fall von inneren Verletzungen zu schwerwiegenden Komplikationen führen.
Die Verbrauchskoagulopathie ist nicht erblich, sondern entsteht immer als Folge einer anderen Erkrankung oder Schädigung; ihre Behandlung richtet sich deshalb nach dieser Ursache. In dem Fall, in dem eine verminderte Gerinnungsfähigkeit des Blutes dagegen auf der Einnahme bestimmter Arzneimittel beruht oder sogar auf Alkoholmissbrauch, sollte über alternative Behandlungsmethoden oder im gegebenen Fall ein Alkoholentzug in Betracht gezogen werden. Bei einer künstlich herbeigeführten Blutverdünnung aufgrund der Einnahme sogenannter Gerinnungshemmer besteht notwendige erhöhte Aufmerksamkeit, um jegliche Verletzungen aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos möglichst zu vermeiden. Auch ist es empfehlenswert, dass Betroffene einen speziellen Ausweis mit sich führen, in dem vermerkt ist, dass sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.
Sollte der Verbrauchskoagulopathie eine Krankheit zugrunde liegen, wie beispielsweise eine Blutvergiftung (Sepsis), muss das behandelnde Team in der Klinik die auslösenden Erreger dringend bekämpfen. Geschieht das nicht, können schwerwiegende Komplikationen auftreten, besonders ein akutes Nierenversagen ist möglich.
Bewegung im Alltag ist nach Rücksprache mit dem Arzt sinnvoll; ausgewählt werden dabei Betätigungen, bei denen keine Verletzungen drohen. Außerdem ist eine gesunde Ernährung für Betroffene wichtig, denn diese hilft bei der Vermeidung von Mineralstoff- und Vitaminmangel.
Quellen
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- Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J. (Hrsg.): Das Rote Buch.
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