Vitamin-B12-Mangel
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Der menschliche Organismus benötigt neben Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen auch verschiedene Vitamine. Dazu gehört unter anderem das Vitamin B12. Ein Vitamin-B12-Mangel kann zahlreiche Beschwerden auslösen und sollte behandelt werden.
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Was ist ein Vitamin-B12-Mangel?
Vitamin B12 spielt eine wichtige Rolle in der Gesundheit. Der Bedarf kann als sehr niedrig beschrieben werden, das Vitamin darf jedoch trotzdem nicht fehlen. Das Vitamin trägt nämlich zur Blutbildung bei, zum Zellwachstum, zur Zellteilung, Bildung der Hülle von Neuronen, Herstellung von DNA und RNA sowie der Verwertung von Folsäure.
Die wichtigen Funktionen des Vitamins erklären gleichzeitig die schweren Ausmaße eines Mangels. Dieser kann aufgrund verschiedener Faktoren zustande kommen. Entgegen vielen Gerüchten leiden nicht nur Veganer/Veganerinnen und Vegetarier/Vegetarierinnen unter einem Vitamin-B12-Mangel. Insgesamt sollte bei einem Verdacht ein Arzt aufgesucht werden. Ansonsten drohen langfristig schwerwiegende Konsequenzen.
Ursachen
Die Zubereitung von Speisen kann das Vitamin vernichten. Deswegen ist ein Mangel auch bei Personen, die nicht auf tierische Produkte verzichten, durchaus möglich und verbreitet. In einigen Situationen kann der Bedarf des Vitamins steigen. Wird er nicht gedeckt, entsteht unter Umständen ein Mangel. Bei Stress, körperlicher Arbeit, Trauer oder Angst wird ein erhöhter Bedarf an Vitamin B12 vermutet; wissenschaftlich gesichert ist ein solcher Zusammenhang jedoch nicht.
Weiterhin ist Vitamin B12 am Stoffwechsel verschiedener Botenstoffe beteiligt. Dass eine vermehrte Ausschüttung von Adrenalin oder Dopamin den B12-Speicher schneller aufbraucht, wird zwar häufig angeführt, ist aber nicht belegt. In der Schwangerschaft und in der Stillzeit ist der Bedarf erhöht. Weiterhin kann eine Funktionsstörung die Ursache für die Symptome sein.
Aufgenommen wird das Vitamin nämlich im Wesentlichen über den Darm. Darmreizungen, Alkoholmissbrauch oder chronische Darmerkrankungen schränken die Aufnahmefähigkeit teilweise stark ein. Darüber hinaus können einige Medikamente die Aufnahme hemmen, etwa Protonenpumpenhemmer (Säureblocker) oder das Diabetesmittel Metformin. Die häufigste Ursache eines Vitamin-B12-Mangels in Industrieländern ist jedoch nicht die Ernährung, sondern eine gestörte Aufnahme im Darm: Fehlt der in der Magenschleimhaut gebildete Intrinsic-Faktor, wird das Vitamin aus der Nahrung kaum noch aufgenommen. Diese Form heißt perniziöse Anämie und entsteht vor allem durch eine chronische Magenschleimhautentzündung oder nach Operationen am Magen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Vitamin-B12-Mangel äußert sich auf verschiedene Weise. Ist er bereits ausgeprägt, kommt es zu Depressionen, Müdigkeit und Blässe, Verwirrungen, Gedächtnisstörungen, Kribbeln in den Händen und Füßen, Verletzungen der Schleimhäute, Lähmungen und Zungenbrennen. Die typische Blässe resultiert aus einer Blutarmut aufgrund der Beteiligung des B12 an der Herstellung roter Blutkörperchen.
Ein Mangel kann somit schwerwiegende Ausmaße annehmen. Dabei wird er oftmals erst spät diagnostiziert. Dementsprechend kann es hilfreich sein, den eigenen Verdacht offen anzusprechen. Immerhin lässt sich der Versorgungszustand mit Vitamin B12 durch eine Blutuntersuchung bestimmen. Ein Mangel entsteht nicht über Nacht. Der menschliche Organismus ist dazu in der Lage, Vitamin B12 in ausreichendem Maß zu speichern.
Deswegen machen sich die Erscheinungen erst nach einigen Monaten bis Jahren bemerkbar. Bis dahin reichen die körpereigenen Ressourcen aus, um den Bedarf zu decken. Deswegen ist es unwahrscheinlich, bei einer Ernährungsumstellung auf einen rein pflanzlichen Speiseplan unverzüglich an einem Vitamin-B12-Mangel zu erkranken.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Die Diagnose kann auf verschiedenen Wegen gestellt werden. Üblich ist eine Blutuntersuchung. Dabei wird das B12 in der Regel nicht direkt gemessen. Bestimmt werden meist Kennwerte wie das Holo-Transcobalamin oder die Methylmalonsäure, weil der Gesamtspiegel im Blut einen beginnenden Mangel nur unzuverlässig anzeigt. Für Kinder eignet sich ein Urintest zur Bestimmung eines eventuellen Mangels.
Ohne Behandlung kann die Anämie durch Vitamin-B12-Mangel zu Herz-Kreislauf-Komplikationen führen: Langfristig ist eine erhöhte Belastung für das Herz möglich. Der verringerte Sauerstofftransport erhöht außerdem das Risiko für Kreislaufzusammenbrüche. Letztere können weitere Komplikationen nach sich ziehen – zum Beispiel durch Stürze, die eventuell Verletzungen zur Folge haben.
Komplikationen
Zusätzlich zu den allgemeinen Symptomen der Anämie können bei der Vitamin-B12-Anämie weitere Anzeichen auftreten. Dazu gehören Müdigkeit, Blässe, Verdauungsstörungen, Schwächegefühl, Zahnfleischblutungen und Benommenheit. Darüber hinaus kann die Geschwindigkeit von Herzschlag und Atmung zunehmen.
Zu den psychischen Komplikationen gehören Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Konzentrationsprobleme und depressive Verstimmung. In einigen Fällen sind auch psychotische Wahrnehmungen in Form von Halluzinationen, Gedankenflucht oder ähnlichen Symptomen möglich. Darüber hinaus äußert sich ein schwerer Mangel an Vitamin B12 unter Umständen mit Persönlichkeitsveränderungen.
Insbesondere die Konzentrations- und Gedächtnisprobleme können eine Verschlechterung der beruflichen oder schulischen Leistungsfähigkeit bewirken. Insgesamt tragen die verschiedenen Symptome zudem möglicherweise dazu bei, dass sich der Betroffene sozial zurückzieht.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei einem Vitamin-B12-Mangel sollte der Betroffene immer einen Arzt kontaktieren, da es nicht zu einer selbstständigen Heilung kommt. Um weitere Komplikationen und eine weitere Verschlechterung der Beschwerden zu verhindern, sollte schon bei den ersten Symptomen und Beschwerden der Erkrankung ein Arzt kontaktiert werden.
Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene dauerhaft an Müdigkeit, Blässe und Depressionen leidet. Dabei können auch Verwirrungen oder ein starkes Kribbeln in den Händen auf die Krankheit hindeuten. Taubheitsgefühle, eine unsichere Gangart oder Lähmungserscheinungen sind Warnzeichen einer beginnenden Nervenschädigung und sollten rasch ärztlich abgeklärt werden, weil solche Schäden nach längerem Bestehen oft nicht mehr vollständig ausheilen. Sollten diese Symptome über einen längeren Zeitraum anhalten und ohne einen besonderen Grund auftreten, so ist auf jeden Fall ein Arzt aufzusuchen. Dabei können die Beschwerden auch dann auftreten, wenn der Betroffene seine Ernährung umgestellt hat, da es dadurch auch zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen kann.
In den meisten Fällen kann ein Vitamin-B12-Mangel relativ einfach durch eine Blutuntersuchung erkannt und weiterhin auch behandelt werden. Je früher das geschieht, desto vollständiger bilden sich die Beschwerden zurück. Dabei kann ein Allgemeinarzt kontaktiert werden, welcher die Untersuchung durchführt.
Behandlung & Therapie
Ein Mangel muss unbedingt behandelt werden. Ist er stark ausgeprägt, wird häufig zu Spritzen gegriffen, welche den Speicher schnell wieder auffüllen. Eine solche Methode ist oftmals ebenfalls dann notwendig, wenn eine Funktionsstörung des Darms vorliegt. Hier reichen normal dosierte Tabletten nicht aus. Weiterhin lassen sich Lutschtabletten verzehren.
Ob das Vitamin dabei tatsächlich über die Mundschleimhaut aufgenommen wird, ist nicht belegt; wirksam sind Lutschtabletten vor allem deshalb, weil ein kleiner Teil des geschluckten Vitamins auch ohne Intrinsic-Faktor in den Darm übertritt. Für Kinder sind sie gut geeignet. Viele der Präparate werden durch bakterielle Fermentation hergestellt und enthalten keine tierischen Bestandteile; sie sind damit auch für Vegetarier und Veganer geeignet. Um den Mangel zu behandeln, wird in der Regel zu Präparaten mit einer sehr hohen Dosierung gegriffen. Diese müssen meistens täglich eingenommen werden.
Zu Beginn der Behandlung handelt es sich um eine hohe Dosierung, welche den eigentlichen Tagesbedarf überschreitet. Sobald der Mangel verschwunden ist, setzt eine Erhaltungstherapie ein, deren Ziel es ist, den täglichen Bedarf zu decken. Wer sich für eine Spritze entscheidet, muss unter Umständen nur einmal im Monat die Flüssigkeit aufnehmen. Mit etwas Übung und nach ärztlicher Anleitung können die Spritzen zuhause verabreicht werden. Besonders wichtig ist ein guter Umgang mit Spritzen für Menschen mit einer schlechten B12-Verwertung.
In einem solchen Fall ist es nämlich wahrscheinlich, dass auch nach der Beseitigung des Mangels die Notwendigkeit einer zusätzlichen B12-Versorgung bestehen bleibt. Ansonsten würde sich ein neuer Mangel entwickeln. Neben der Therapie der Beschwerden wird gleichzeitig nach den Ursachen geforscht. Gelingt die Handhabung mit Spritzen nicht, bleiben Lutschtabletten als Ausweichmöglichkeit.
Gerade bei einer Störung der Verwertung müssen hochdosierte Präparate eingenommen werden. Diese werden in der Regel vom behandelnden Arzt verschrieben. Weil sich Vitamin B12 kaum überdosieren lässt, sind unerwünschte Nebenwirkungen selten. Ganz auszuschließen sind sie jedoch nicht; gelegentlich werden Hautreaktionen beobachtet.
Vorbeugung
Einem Vitamin-B12-Mangel lässt sich vorbeugen. Das Vitamin kommt insgesamt nur in geringen Anteilen in Lebensmitteln vor. Deswegen kann es sinnvoll sein, auf Lutschtabletten zurückzugreifen. Das gilt insbesondere für Risikogruppen wie Schwangere, Alkoholiker, Veganer/Veganerinnen, Vegetarier/Vegetarierinnen, Raucher und Stillende. Viele der Präparate enthalten keine tierischen Bestandteile und werden in der Regel gut vertragen.
Nachsorge
Wie auch für den allgemeinen Vitaminmangel gibt es bei erfolgreich behandelter Hypocobalaminämie keine strikten Vorgaben für die Nachsorge. Die durch den Mangel verursachten Beschwerden bilden sich nach ausreichender Zufuhr von Vitamin B12 in der Regel zurück. In westlichen Ländern und Industrienationen sind irreversible, behandlungsbedürftige Schäden durch Vitaminmängel extrem selten. Bestand der Mangel allerdings über Jahre, können Nervenschäden zurückbleiben: Eine bereits eingetretene Schädigung des Rückenmarks (funikuläre Myelose) heilt oft nicht mehr vollständig aus.
Für die erfolgreiche Nachsorge ist entscheidend, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Eine ernährungswissenschaftliche Beratung kann die Behandlung dahingehend ergänzen. Eine gründliche Auseinandersetzung mit den zugrunde liegenden Prozessen durch den Patienten oder die Patientin ermöglicht eine selbstbestimmte, sichere Vorbeugung.
Sofern die zugrunde liegende Ursache der Hypocobalaminämie eine nicht heilbare Erkrankung ist, muss die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln dauerhaft fortgesetzt werden. Ungeachtet der Ursache des Vitamin-B12-Mangels sollte in der Nachsorge eine regelmäßige Kontrolluntersuchung des B12-Spiegels im Körper erfolgen. Hierfür eignen sich sowohl Urintests als auch Bluttests, die der Patient oder die Patientin eigenständig zu Hause ausführen kann. Auffällige Ergebnisse solcher Selbsttests sollten in jedem Fall vom Arzt überprüft werden.
Ein erneutes Absinken der Werte kann so frühzeitig bemerkt und verhindert werden. Sofern der B12-Speicher im Zuge der Behandlung vollständig und korrekt aufgefüllt wurde, sind bis auf die regelmäßige Kontrolle der Blutwerte keine weiteren Nachsorgebehandlungen notwendig. Bei unvermitteltem Wiederauftreten der Symptome muss erneut ein Arzt hinzugezogen werden.
Das können Sie selbst tun
Besteht der Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Leichte Mangelerscheinungen lassen sich in der Regel schon durch eine Umstellung der Ernährung beheben. Das B12-Vitamin ist in tierischen Produkten wie Milch, Käse, Eiern, Fisch und Fleisch enthalten. Vor allem Leber, Austern und Forelle haben einen hohen Vitamin-B12-Gehalt. Veganer gleichen einen Vitamin-B12-Mangel mit angereicherten Lebensmitteln wie entsprechend versetzter Sojamilch oder mit Ergänzungsmitteln aus der Apotheke aus. Sanddornbeeren und andere nicht angereicherte pflanzliche Lebensmittel liefern kein verwertbares Vitamin B12.
Schwere Mangelerscheinungen gehören in ärztliche Behandlung. Tabletten oder Pillen führen dem Organismus ausreichend Vitamin B12 zu und wirken den Symptomen entgegen. Ist die Aufnahme im Darm gestört, reichen normal dosierte Tabletten nicht aus; dann verordnet der Arzt hochdosierte Präparate oder verabreicht das Vitamin als Spritze. Begleitend zur Ernährungsumstellung gilt es, die einzelnen Beschwerden zu ermitteln und zu beheben. Betroffene legen am besten ein Beschwerdetagebuch an und halten zudem in einem Ernährungstagebuch die täglich verzehrten Speisen und Getränke fest.
Sollten die Symptome trotz einer Ernährungsumstellung bestehen bleiben, muss der Arzt konsultiert werden. Ein schwerer und lang anhaltender Vitamin-B12-Mangel kann dauerhafte Schäden hervorrufen, die lediglich kompensiert werden können. Typisch sind bleibende Nervenschäden mit Missempfindungen und Gangunsicherheit, die sich mit Krankengymnastik und Hilfsmitteln auffangen lassen. Welche Maßnahmen im Detail sinnvoll sind, kann ein Facharzt oder ein Ernährungsmediziner erklären.
Quellen
- Biesalski, H. K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
ISBN: 9783132445956
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- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
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- Thomas, L. (Hrsg.): Labor und Diagnose.
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