Wernicke-Aphasie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Wernicke-Aphasie handelt es sich um eine schwerwiegende Sprach- und Wortfindungsstörung. Erkrankte Menschen leiden unter extremen Sprachstörungen und sind nur mit größter Mühe in der Lage, einfachste Wörter zu verstehen oder wiederzugeben. Wernicke-Aphasikern ist es nur mit intensivem Training und Therapie möglich überhaupt Sprachinhalte zu verstehen, indem sich auf Mimik und Sprachmelodie konzentriert wird.
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Was ist eine Wernicke-Aphasie?
Die Wernicke-Aphasie gehört zu den tiefgreifendsten Sprachstörungen, an denen Menschen erkranken können. Definitionsgemäß tritt eine Aphasie erst nach vollendeter Sprachentwicklung auf. Betroffene Personen können durchaus über einen gewissen Wortschatz verfügen, sind jedoch nicht im Stande sich konkret und fokussiert auszudrücken.
Daher ist es möglich, dass eine Wernicke-Aphasie die Sprachbildung ganz oder nur teilweise stört. Aphasiker sind trotz allem in der Lage Mimik zu erkennen sowie Lautstärke und Intention des Tonfalls zu deuten, wenn eine wütende Person zum Beispiel schreit oder jemand weint. Strikt abgegrenzt werden muss die Erkrankung von einer psychischen oder geistigen Behinderung. Trotz des ähnlichen Namens hat die Wernicke-Aphasie außerdem nichts mit der Wernicke-Enzephalopathie zu tun: Diese entsteht durch einen Mangel an Vitamin B1, betrifft das Gehirn als Ganzes und tritt vor allem bei einer Alkoholkrankheit auf, während die Wernicke-Aphasie auf eine umschriebene Schädigung des Sprachzentrums zurückgeht. Beide sind nach demselben Arzt, Carl Wernicke, benannt.
Ursachen
Bei Unfällen wird durch ein Schädel-Hirn-Trauma, das bei Unfällen im Sport oder Straßenverkehr vorkommen kann, nicht selten direkt das betroffene Hirnareal verletzt und erleidet dadurch bleibende Schäden. Die selteneren Ursachen für eine Wernicke-Aphasie können unter anderem ein lokaler Hirntumor, Mangelversorgung des Gehirns oder altersbedingte Demenzerkrankungen sein.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Aphasien können sich auf alle Bereiche menschlicher Kommunikation auswirken. Das schließt Sprachinterpretation, Sprache sowie Lesen und Schreiben ein. Wurde die Aphasie infolge einer direkten Schädigung des Hirnareals verursacht, tritt die betreffende Störung direkt und nahezu unverzögert auf. Aphasien, die ihren Ursprung in Demenzerkrankungen haben, treten schleichend in Schüben auf und progressieren im Verlauf sich degenerierender Hirnsubstanz fortwährend.
Demenzbedingter Abbau von Hirnsubstanz, der mit Aphasie einhergeht, wird häufig durch Nebensymptome wie Veränderungen der Persönlichkeit und personenbezogenen Gewohnheiten, aber auch durch Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen begleitet. Die Wernicke-Aphasie mündet in zwei grundlegende Symptome.
Wernicke-Aphasiker leiden auf der einen Seite unter Wortfindungsstörungen, bei denen die Wörter in ihrer Struktur und damit Bedeutung stark abgewandelt werden. So werden Silben und Buchstaben je nach Person ausgelassen oder hinzugefügt. Ein einfaches Wort wie Ball wird zum Beispiel zu All. Infolge dieser als Paraphasie bezeichneten Symptomatik kann es auch dazu kommen, dass der Aphasiker Wortbedeutungen vollkommen verwechselt.
Dies kann selbst bei Wörtern passieren, die keinen ähnlichen Laut aufweisen. Auf der anderen Seite ist aber nicht nur die einzelne Wortbildung betroffen, sondern die gesamte grammatische Kompetenz. Von Wernicke-Aphasikern gebildete Sätze erscheinen oft lang und kryptisch, Nebensätze werden falsch miteinander verbunden oder es treten Dopplungen auf, wodurch die komplette Satzbildung unverständlich wird.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Da Sprache in unserem Leben eine zentrale Rolle spielt, ist das Feststellen und die Diagnose von Aphasien relativ unkompliziert. Treten erste Symptome wie die bereits genannten auf, wird der Betroffene von einem Neurologen auf Basis entsprechender Tests auf Wernicke-Aphasie geprüft. Als besonders effektiv haben sich sogenannte Token-Tests erwiesen.
Der Neurologe legt dem Patienten dabei Plättchen in verschiedenen Farben, Größen und Formen vor und bittet ihn, sie nach gesprochenen Anweisungen zu berühren oder zu bewegen; auf diese Weise lässt sich prüfen, wie gut der Betroffene Sprache noch versteht. Dieser erste Test stellt in den meisten Fällen fest, ob eine aphasische Sprachstörung vorliegt. Noch genauer lässt sich eine Spracherkrankung nur noch mit dem AAT (Aachener Aphasie-Test) bestimmen.
Dieser vermag zusätzlich noch den Grad der Erkrankung festzustellen und dient darüber hinaus langfristig als Instrument in der Therapie, um zu erkennen, ob therapeutische Gegenmaßnahmen Wirkung zeigen. Werden diese Tests infolge einer direkten Schädigung des Gehirns veranlasst, sollten auch neurologische Tests durchgeführt werden, die sich mit der Intelligenz und Persönlichkeit des Patienten befassen.
Komplikationen
In der Regel leiden die Betroffenen bei der Wernicke-Aphasie an einer sehr stark ausgeprägten Sprachstörung. Dabei fällt es jenen schwer, einfachste Worte zu finden, sodass dem Betroffenen die Kommunikation mit anderen Menschen sehr schwer fällt. Die Erkrankung wirkt sich dabei sehr negativ auf den Alltag des Patienten aus und kann zu starken sozialen Beschwerden und Komplikationen führen.
Die Erkrankung trifft ganz überwiegend Erwachsene. Neben der Sprachstörung bestehen häufig auch Störungen der Konzentration oder des Gedächtnisses. Weil die Betroffenen Wörter verwechseln und sich für die Störung schämen, ziehen sich viele zurück und meiden Gespräche; mitunter kommt es zu Panikattacken. Aus diesem Rückzug können Depressionen oder andere psychische Beschwerden entstehen.
Eine direkte und kausale Therapie der Wernicke-Aphasie ist in der Regel nicht möglich. Die Betroffenen sind auf verschiedene Therapien angewiesen, die die Beschwerden lindern können. Allerdings kann dabei ein positiver Verlauf der Erkrankung nicht immer vorausgesagt werden. Die Lebenserwartung des Patienten bleibt von der Wernicke-Aphasie allerdings unbeeinflusst. Sie richtet sich vielmehr nach der Grunderkrankung, die die Sprachstörung ausgelöst hat – etwa nach dem Schlaganfall, dem Tumor oder der Demenz.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Störungen der zwischenmenschlichen Kommunikation sollten grundsätzlich mit einem Arzt besprochen werden. Kann Sprache von Kindern nur erschwert oder gar nicht erlernt werden, sollte bereits der Kontakt zu einem Arzt aufgebaut werden. Dahinter steckt allerdings keine Aphasie: Von einer Aphasie spricht man nur, wenn eine bereits erlernte Sprache wieder verloren geht; wird Sprache von Anfang an nicht erworben, handelt es sich um eine Sprachentwicklungsstörung. Erwachsene Menschen, Jugendliche oder Kinder, die bereits ausreichend sprechen gelernt haben, benötigen bei einer Rückbildung ihrer Sprachgebung ebenfalls ärztliche Hilfe und Unterstützung. Eine Klärung der Ursache ist notwendig, damit eine Diagnosestellung erfolgen kann und ein Behandlungsplan aufgestellt wird.
Kommt es zu Störungen der Wortfindung oder ist die Artikulation von Unregelmäßigkeiten geprägt, sollte der Betroffene bei einem Arzt vorstellig werden. Unstimmigkeiten der Gedächtnistätigkeit, wirres Gerede und eine verminderte Konzentrationsfähigkeit sind ebenfalls zu untersuchen und abzuklären. Zeigen sich bei erwachsenen Menschen ungewohnte Veränderungen der Persönlichkeit, Verhaltensstörungen oder ein Abbau des Erinnerungsvermögens, ist ein Arzt zu konsultieren.
Verwechselt der Betroffene regelmäßig Worte miteinander, ist dies als Warnsignal des Organismus zu verstehen. Können Nebensätze nicht mehr korrekt verknüpft werden, ist dies als weiteres Anzeichen einer vorliegenden Erkrankung zu deuten. Sind Satzbildungen für Menschen des nahen Umfelds komplett unverständlich, sollte dieser Umstand mit dem Betroffenen besprochen werden. Er benötigt ärztliche Hilfe, da es sich hierbei um eine Erkrankung handelt, bei der eine Therapie notwendig ist. Setzen die Sprachstörungen dagegen schlagartig ein – von einem Moment auf den anderen –, handelt es sich bis zum Beweis des Gegenteils um einen Schlaganfall. Dann ist nicht der Arztbesuch, sondern der Notruf 112 der richtige Schritt: Für die Behandlung eines Schlaganfalls zählt jede Minute, und Anwesende sollten nicht abwarten, ob sich die Sprache von selbst wieder einstellt.
Behandlung & Therapie
Nach entsprechender Diagnose und Feststellung des Schweregrades der Aphasie kann eine durch Neurologen und Sprachtherapeuten gestützte linguistische Therapie erfolgen. Je früher die Wernicke-Aphasie entdeckt wird, desto größere Chancen hat der Patient seine Kommunikation wieder zu verbessern. Oberstes Ziel der Therapie ist die Sprachfähigkeit zu erneuern.
Der Therapeut muss darüber hinaus das Gefühl vermitteln können, dass der Patient nicht allein mit seiner einschneidenden Erkrankung ist, sondern durchaus positive Heilungschancen in Aussicht hat. Um grundlegende Sprachkompetenzen zurückzuerlangen, wird der Therapeut auf bekannte, einfache Wortreihen zurückgreifen. Das Aufsagen der Monate, Lieblingsgegenstände, Wochentage oder Familiennamen ist dabei nur ein erster Schritt und zeigen schnell Erfolg, was den Patienten zusätzlich motivieren soll.
Da die Wernicke-Aphasie häufig die Bildung von Sätzen beeinflusst, übt der Therapeut an einfachsten Sätzen die korrekte Grammatik und sinnvolle Aufstellung der Wörter. Gegen Ende der Therapie wird mit dem Aphasiker schließlich geübt die wiedergewonnenen Sprachkompetenzen auf die Alltagskommunikation anzuwenden. Dieser Abschnitt wird meistens in kontrollierter Umgebung einer Gruppentherapie mit anderen Aphasikern durchgeführt und nimmt dem Patienten die Angst, vor Fremden in einer unbekannten Situation sprechen zu müssen.
Vorbeugung
Eine Wernicke-Aphasie komplett vorzubeugen, ist schlicht unmöglich. Abgesehen von Unfällen, die auf höhere Gewalt zurückzuführen sind, ist es jedoch möglich, den Ursachen wie einem Schlaganfall oder einer Arteriosklerose vorzubeugen. Gesunde, ausgewogene Ernährung, sportlich und geistig aktiv bleiben, bedeuten eine enorme Risikominderung. Achten Sie auf zentrale Ernährungswerte wie Blutzuckerwerte, Ihren Cholesterinspiegel, Blutfettwerte und Ihren Blutdruck. Vermeiden Sie regelmäßiges Rauchen und arbeiten Sie an möglichem Übergewicht.
Nachsorge
Eine Nachsorge, die die Hirnschädigung selbst rückgängig machen könnte, gibt es bei der Wernicke-Aphasie nicht. Daher sollte der Betroffene idealerweise schon bei den ersten Anzeichen dieser Krankheit einen Arzt aufsuchen und auch eine Behandlung durchführen lassen, um das Auftreten von weiteren Beschwerden und Komplikationen zu verhindern.
Ein Teil der Sprachstörung bildet sich in den ersten Wochen nach dem Schlaganfall von selbst zurück; auf eine vollständige Erholung ohne Behandlung sollte man sich jedoch nicht verlassen, sodass eine Behandlung durch einen Arzt notwendig ist. In der Regel ist der Betroffene bei dieser Krankheit vor allem auf eine logopädische Sprachtherapie angewiesen; bestehen zusätzlich Lähmungen, kommen Physiotherapie und Ergotherapie hinzu. Hierbei können auch viele der Übungen im eigenen Zuhause wiederholt werden, wodurch die Heilung deutlich beschleunigt wird. In der Regel ist auch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten sehr wichtig. Diese wirken nicht gegen die Sprachstörung selbst, sondern behandeln die Grunderkrankung und beugen einem erneuten Schlaganfall vor.
Dabei ist auf eine regelmäßige Einnahme und ebenso auf eine richtige Dosierung zu achten, um den Beschwerden dauerhaft entgegenzuwirken. Bei Fragen oder Nebenwirkungen sollte immer zuerst ein Arzt konsultiert werden. Der weitere Verlauf der Wernicke-Aphasie ist stark von der Ausprägung der Krankheit abhängig, sodass eine allgemeine Voraussage nicht erfolgen kann.
Das können Sie selbst tun
Die Wernicke-Aphasie bedarf in erster Linie einer ärztlichen Behandlung. Der zumeist ursächliche Schlaganfall muss abgeklärt werden, bevor eine Therapie begonnen werden kann. Welche unterstützenden Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von dem individuellen Symptombild ab.
Fast immer ist eine umfassende Sprachtherapie notwendig; eine Schlucktherapie kommt hinzu, wenn der Schlaganfall zusätzlich das Schlucken beeinträchtigt hat. Die Therapie kann zu Hause durch regelmäßiges Sprechen und die Durchführung geeigneter Übungen unterstützt werden. Der Patient benötigt in dieser Krankheitsphase viel Unterstützung und Zuwendung. Der Schlaganfall kann zusätzlich zu einer Immobilität führen, die zum Beispiel durch die Organisierung eines ambulanten Pflegedienstes kompensiert werden kann. Zudem sollte sichergestellt werden, dass der Patient die verordneten Medikamente genau nach den Vorgaben des Arztes einnimmt.
Zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls gehört auch die Ermittlung von Risikofaktoren. Generell muss ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Sport, wenig Stress und einer gesunden Ernährung gepflegt werden. Im Umgang mit dem Betroffenen sollte im Gespräch die Verständigung im Vordergrund stehen; das gezielte Verbessern falsch gebildeter Wörter und Sätze bleibt der Übungssituation vorbehalten, die die Sprachtherapeutin anleitet. Das regelmäßige Training ist die wichtigste Maßnahme, um die verloren gegangenen Fähigkeiten wiederherzustellen. Welche Selbsthilfe-Maßnahmen im Detail sinnvoll sind, muss gemeinsam mit dem zuständigen Arzt abgesprochen werden.
Quellen
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ISBN: 9783662606742
- Bähr, M., Bechmann, I.: Neurologisch-topische Diagnostik.
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- Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
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