Yersiniose
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Yersiniose ist eine Infektionskrankheit mit starkem Durchfall, Schmerzen und Krämpfen im Bauchbereich sowie Fieberschüben. Ausgelöst wird sie durch Bakterien namens Yersinia. Der Nachweis dieser Erreger ist meldepflichtig.
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Was ist eine Yersiniose?
Die Yersiniose tritt auf der ganzen Welt in Erscheinung, in Deutschland laut Statistik am häufigsten in den neuen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen.
Die Gründe dafür sind bislang unbekannt. Betroffen können sowohl Tiere als auch Menschen sein. Die Gattung Yersinia ist nach dem Schweizer Bakteriologen Alexandre Yersin benannt, der 1894 in Hongkong den Erreger der Pest entdeckte. Die Yersiniose wird jedoch von anderen Arten dieser Gattung ausgelöst, vor allem von Yersinia enterocolitica. In der ärztlichen Praxis wird eine Yersiniose nicht selten mit einer Blinddarmentzündung oder einer harmlosen Erkrankung im Magen-Darm-Trakt verwechselt, was zu einer falschen Behandlung und weiteren Ansteckungen führen kann.
In Deutschland ist der Nachweis darmkrankmachender Yersinien meldepflichtig: Das untersuchende Labor meldet ihn namentlich an das zuständige Gesundheitsamt. Grund dafür ist nicht eine hohe Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch – diese ist gering –, sondern die Möglichkeit, Ausbrüche über verunreinigte Lebensmittel früh zu erkennen. In der Schweiz wurde die Erkrankung in die Liste der Tierseuchen aufgenommen.
Ursachen
Mangelnde Hygiene beim Umgang mit rohen Lebensmitteln tierischen Ursprungs ist der häufigste Auslöser für die Krankheit. Die Bakterien können durch rohe nicht pasteurisierte Milch direkt aus dem Kuheuter ebenso übertragen werden wie durch mit Hühnerkot verunreinigte Eier oder mit Bakterien verseuchtes rohes Fleisch, etwa Tartar. Als wichtigstes Erregerreservoir für die in Europa häufigste Art Yersinia enterocolitica gilt das Hausschwein. Im Vordergrund steht deshalb rohes oder nicht durchgegartes Schweinefleisch, etwa Mett oder Hackepeter.
Sehr häufig entsteht die Krankheit durch mangelnde Hygiene bei der Zubereitung von Speisen. So kann das Schneiden von rohem Fleisch auf einem Holzbrett, auf dem anschließend Salat zubereitet und roh verzehrt wird, zur Infektion führen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Etwa drei bis sieben Tage nach der Infektion treten erste Symptome der Erkrankung auf. Die Art und Intensität der Beschwerden einer Yersiniose hängt stark vom Alter und allgemeinen Gesundheitszustand der Erkrankten ab. In den meisten Fällen haben die Betroffenen wässrigen oder breiigen Durchfall. Dazu kommen starke krampfartige Bauchschmerzen, die bei Jugendlichen und Erwachsenen den Symptomen einer akuten Blinddarmentzündung ähneln können.
Bei jungen Kindern sind die Bauchschmerzen zunächst unspezifisch. Häufig treten Erbrechen und Übelkeit auf. In der Regel haben die Betroffenen auch Fieber. Manchmal kommt es zu Schüttelfrost und Kreislaufbeschwerden. Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich in vielen Fällen eine Schwellung der Lymphknoten.
Selten kommt es zur Darmträgheit und einer harten Bauchdecke. Bei einer schwerwiegenden Yersiniose können weitere Organe wie etwa die Leber von Abszessen besiedelt werden. Betroffenen mit einem schwachen Immunsystem droht eine Sepsis sowie eine Reihe verschiedener Folgeerkrankungen.
Obwohl die Symptome typischerweise nach etwa zwei Wochen verschwinden, bleibt der Erreger noch nachweisbar. Einige Wochen nach der Infektion kommt es in wenigen Fällen aus diesem Grund noch zu schweren Hautausschlägen und Gelenkentzündungen. Selten kann eine Yersiniose ohne Symptome gänzlich unbemerkt verlaufen.
Diagnose & Verlauf
Die Diagnose lässt sich eindeutig erst nach der Untersuchung von Blut und Stuhl im Labor treffen. Nach der Ansteckung vergehen mehrere Tage, bis es zu ersten Symptomen der Krankheit kommt.
Die eine Yersiniose auslösenden Bakterien setzen sich im Darm fest und lösen eine Entzündung aus. Diese äußert sich durch schwere Durchfälle, krampfartige Leibschmerzen und starke Übelkeit. Die Krankheit kann von mehreren Tagen bis zu zwei Monaten dauern. In der Regel klingt sie von selber wieder ab.
In einigen Fällen kann die Yersiniose zu chronischen Entzündungen im Dünndarm, zu schmerzhaft entzündlicher Knötchenbildung unter der Haut und zu entzündlich geschwollenen Gelenken führen. Diese Spätfolgen treten meist einige Tage bis Wochen nach Abklingen der eigentlichen Erkrankung auf.
Komplikationen
Im schlimmsten Fall kann die Yersiniose zum Tod des Betroffenen führen. Solche Verläufe betreffen jedoch fast ausschließlich Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. In der Regel leiden die Betroffenen bei dieser Erkrankung an einem sehr starken Durchfall und an Übelkeit. Aufgrund dessen verliert der Patient viel Flüssigkeit und wichtige Nährstoffe und Vitamine, sodass es zu einer Dehydration und zu Mangelerscheinungen kommen kann.
Auch starke Krämpfe im Bereich des Magens und Bauchschmerzen treten bei der Yersiniose auf und wirken sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus. Es kommt weiterhin zu Fieber und zu einer Müdigkeit und Abgeschlagenheit beim Patienten. Ebenso kann die Erkrankung zu einer Entzündung am Darm führen. In der Regel heilt die Yersiniose jedoch von selbst aus. Bei schweren oder hartnäckigen Verläufen erfolgt die Behandlung mit Hilfe von Medikamenten.
Eine weitere Behandlung ist in der Regel nicht notwendig. In einigen Fällen sind die Betroffenen auf Ergänzungsmittel angewiesen, um den Nährstoffverlust auszugleichen. Meist nimmt die Erkrankung einen günstigen Verlauf. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird davon nicht negativ beeinflusst.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Anhaltender oder zunehmend starker Durchfall sollte schnellstmöglich von einem Arzt untersucht werden. Kommt es zu Krämpfen im Unterleib oder Schmerzen, benötigt der Betroffene medizinische Versorgung. Übelkeit, Erbrechen, Fieber sowie ein allgemeines Unwohlsein deuten auf eine vorliegende Erkrankung hin. Zur Linderung der Beschwerden wird eine Diagnosestellung sowie eine anschließende Behandlung benötigt. Eine Schwellung der Lymphknoten, Veränderungen des Hautbildes und Bauchschmerzen sollten einem Arzt vorgestellt werden.
Es handelt sich hierbei um Warnsignale des Organismus, die aufgrund einer Krankheit entstehen. Zur Klärung der Ursache werden weitere medizinische Tests benötigt. Bei Beeinträchtigungen der Mobilität, einem Krankheitsgefühl sowie einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit ist ein Arztbesuch notwendig. Schüttelfrost, Abgeschlagenheit oder Mattigkeit sind ebenfalls Hinweise, denen nachgegangen werden sollte.
Ein Verlust des Körpergewichts, Appetitlosigkeit sowie eine innere Trockenheit sind von einem Arzt näher untersuchen zu lassen. Da es unbehandelt zu zahlreichen Komplikationen oder Folgeschäden im Organismus kommen kann, sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn die Unregelmäßigkeiten über mehrere Tage anhalten. Darüber hinaus ist bei einer Zunahme der Beschwerden unverzüglich ein Arzt zu konsultieren. Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben, sind gut beraten, wenn sie bereits bei den ersten gesundheitlichen Beeinträchtigungen einen Arzt konsultieren und sich untersuchen lassen. Zeichen einer Sepsis – hohes Fieber mit Schüttelfrost, Verwirrtheit, sehr schnelle Atmung oder eine kalte, fleckige Haut – sind dagegen ein Notfall. In diesem Fall ist sofort der Rettungsdienst über den Notruf 112 zu alarmieren.
Behandlung & Therapie
Bei einer ansonsten guten körperlichen Verfassung empfehlen Mediziner, auf eine Behandlung mit Medikamenten zu verzichten und die Yersiniose durch Selbstheilung des Körpers von selber abklingen zu lassen.
Sie gehen davon aus, dass der Organismus von gesunden Patienten mit einem nicht vorgeschädigten Immunsystem von sich aus mit den Bakterien fertig wird und sie abtötet. Stärker gefährdet sind wegen des schwächeren Immunsystems Kleinkinder, Senioren und durch Vorerkrankungen immungeschwächte Betroffene.
Sie sollten unbedingt unter ärztlicher Aufsicht stehen, gegebenenfalls mit einem Krankenhausaufenthalt. Wegen der starken Durchfälle und der damit verbundenen drohenden Austrocknung ist reichlich Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser oder ungesüßtem Kräutertee zu empfehlen. Um die Ausschwemmung von lebenswichtigen Mineralsalzen wie Kalium und Natrium auszugleichen, kann eine Elektrolytlösung mit diesen Salzen aus der Apotheke gereicht werden.
Wichtiger als das Stoppen des Durchfalls ist der Ersatz von Flüssigkeit und Salzen. Durchfallhemmende Mittel wie Loperamid sind bei der Yersiniose nur zurückhaltend zu verwenden und bei Fieber oder blutigem Durchfall ungeeignet, weil die Erreger dann länger im Darm verbleiben. Nimmt der Durchfall zu oder kommen Fieber, Blut im Stuhl oder Zeichen der Austrocknung hinzu, gehört die Behandlung in ärztliche Hand. Beim Abklingen der Symptome kann eine Schonkost wie Gemüsesuppe, gekochte Karotten mit geriebenem Apfel oder zerdrückte Bananen gereicht werden. In äußerst hartnäckigen Fällen verschreiben Ärzte Antibiotika, um die Yersiniose in den Griff zu bekommen.
Vorbeugung
Peinliche Sauberkeit und Hygiene beim Umgang mit rohen tierischen Lebensmitteln hilft am zuverlässigsten als Vorbeugung gegen die Infektionskrankheit Yersiniose. Wer auf Nummer sicher gehen will, meidet vor allem rohes Fleisch wie Tartar oder Hackepeter und verzehrt keine rohen Eier oder nicht pasteurisierte Milch. Regelmäßiges Händewaschen und Verzicht auf zu engen Körperkontakt mit Haustieren hilft ebenfalls vorbeugend.
Nachsorge
Betroffene sollten bei Erkrankung an der Yersiniose auf keinen Fall rohes Fleisch zu sich nehmen. Auf die Herkunft der Lebensmittel sollte vor dem Verzehr besonders geachtet werden. Die Inhaltsstoffe von den in Mahlzeiten enthaltenen Lebensmitteln sollte genau überprüft werden. Sogar kleine Mengen von rohen tierischen Lebensmitteln können zu einer starken Verschlimmerung der Beschwerden führen.
Deswegen sind die Vorsichtsmaßnahmen besonders zu beachten. Bei Kontakt mit Tieren muss ebenfalls besondere Vorsicht herrschen. Über jeglichen Kontakt mit beispielsweise Kot oder Eiern von einem Tier können Bakterien von dem Tier auf den Menschen übertragen werden. Auch der Kontakt zu freilaufenden Tieren sollte möglichst gemieden werden.
Diese können ebenfalls Bakterien auf den Betroffenen übertragen. Sollte jedoch eine Berührung stattgefunden haben, ist eine sofortige Desinfektion der Hände zwingend notwendig. Nach dem Toilettengang und vor der Zubereitung von Speisen sollten die Hände besonders sorgfältig gewaschen werden, damit die Erreger nicht über Lebensmittel weitergegeben werden.
Es ist hilfreich, wenn sich im Haushalt desinfizierende Seifen und Sprays zur Verwendung befinden. So kann nach jedem Kontakt mit Bakterien sofort gehandelt werden. So können Keime schwerer auf die Betroffenen übertragen werden. Frisches Obst und Gemüse muss vor dem Verzehren gründlich gereinigt werden.
Das können Sie selbst tun
Die Nahrungsmittelzufuhr sowie der Umgang mit Tieren sind im Alltag zu überprüfen. Rohes Fleisch sollte bei einer vorliegenden Erkrankung unter keinen Umständen aufgenommen werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Herkunft der Lebensmittel vor einem Verzehr zu hinterfragen. Die Mahlzeiten sollten auf ihre Inhaltsstoffe überprüft werden. Selbst kleinste Mengen von rohen tierischen Lebensmitteln können zu Problemen und einer Zunahme der gesundheitlichen Beschwerden führen.
Im Umgang mit Tieren muss zudem eine größere Sorgfalt herrschen. Über den Hautkontakt, Kot oder verunreinigte Eier können Bakterien vom Haustier auf den Menschen übertragen werden. Auch der direkte Hautkontakt zu Tieren, die sich in der freien Natur bewegen oder als Nutztiere gehalten werden, sollte vermieden werden. Sobald Berührungen stattgefunden haben, ist im Anschluss eine Desinfektion der Hände notwendig. Insgesamt sollten die bisher durchgeführten Hygienemaßnahmen überprüft und auf die Übertragbarkeit von Krankheitserregern kontrolliert werden.
Im Alltag ist es hilfreich, an verschiedenen Stellen im Haushalt desinfizierende Seifen oder Sprays aufzubewahren. So kann unmittelbar nach dem Kontakt mit einer tierischen Substanz jederzeit eine ausreichende Reinigung vorgenommen werden. Dies führt insgesamt zu einer verringerten Übertragbarkeit von Keimen. Frisches Obst oder Gemüse sollte grundsätzlich vor dem Verzehr gereinigt werden. Vor der Verarbeitung der Produkte ist ebenfalls eine gründliche Säuberung notwendig.
Quellen
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ISBN: 9783662613849
- Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
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- Bauerfeind, R., Kimmig, P., Schiefer, H.G., Schwarz, T., Slenczka, W., Zahner, H.: Zoonosen.
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