Zahnungsbeschwerden

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ab einem Alter von sechs bis neun Monaten beginnt ein Baby zu zahnen, wenn die ersten Milchzähne durch das Zahnfleisch stoßen. Alle Beschwerden, die in Zusammenhang mit dieser Entwicklung auftreten, bezeichnet man unabhängig von ihrem Schweregrad als Zahnungsprobleme bzw. Zahnungsbeschwerden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Zahnungsbeschwerden bei Babys und Kleinkindern?

Zahnungsbeschwerden
Zahnungsbeschwerden können sich sowohl durch ein verändertes Verhalten der betroffenen Kinder als auch durch körperliche Anzeichen zeigen. Viele Kinder, deren Zähne einschießen, sind sehr weinerlich.
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Alle Beschwerden im Zusammenhang mit dem Durchbrechen der Zähne werden unter dem Begriff Zahnungsbeschwerden zusammengefasst und können als normal gewertet werden.

Erfolgt das Zahnen nicht im normalen Zeitrahmen mit Beginn im sechsten bis neunten Lebensmonat, weicht das Durchbrechen der Zähne vom üblichen Schema ab. Bricht der erste Zahn deutlich früher oder später durch als üblich oder ist das Milchgebiss im Alter von drei Jahren noch nicht vollständig ausgebildet, spricht man von verfrühtem oder verspätetem Zahnen. Auch die Reihenfolge des Durchbruchs – zuerst die Schneidezähne, dann die Backenzähne und später die Eckzähne – kann vom gewohnten Ablauf abweichen. Beides ist nicht selten und zunächst wenig besorgniserregend.

Komplizierter und schmerzhafter sind Durchbruchszysten über den kommenden Zähnen, Zahnungsgeschwüre und die sogenannte Dentitio difficilis, bei der das Zahnfleisch um die Spitze des durchbrechenden Zahnes entzündet ist und eitern kann.

Ursachen

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Ursache von Zahnungsbeschwerden im Mundraum zu finden ist: Zähne treten aus dem Kiefer und durchbrechen die Mundschleimhaut, was zu Schmerzen und zahnungstypischen, zumeist unkomplizierten, Symptomen führen kann.

Verfrühtes oder verspätetes Zahnen kann auf erbliche Ursachen oder die Schwangerschaftsdauer zurückgeführt werden. Da sich die Zahnhartsubstanz noch im Mutterleib bildet und ihre Entwicklung einen bestimmten Zeitraum benötigt, führen Frühgeburten häufig zu spätem Zahnen. Durchbruchszysten sind Flüssigkeitsansammlungen im Zahnsäckchen, das jeden Milchzahn umgibt; ihre Ursache ist unbekannt.

Eine allergische Ursache vermuten Zahnärzte als Auslöser der Zahndurchbruchsgeschwüre. Diese treten nach dem Durchbrechen der mittleren Unterkiefer-Schneidezähne an Zungenbändchen und Mundboden der Mundschleimhaut auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zahnungsbeschwerden können sich sowohl durch ein verändertes Verhalten der betroffenen Kinder als auch durch körperliche Anzeichen zeigen. Viele Kinder, deren Zähne einschießen, sind sehr weinerlich. Auch, wenn sie dies noch nicht klar verbal äußern können, scheinen sie diffuse Schmerzen zu haben.

Bei älteren Kleinkindern ist es dabei auch nicht ungewöhnlich, dass sie, nach dem Ort der Schmerzen befragt, auf den Bauch zeigen. Oftmals sind die Kinder in dieser Zeit sehr anhänglich und vor allem nachts sehr unruhig, wollen getragen und gewiegt werden. Die Schmerzen, die das Durchbrechen der Zähne im Kiefer verursacht, scheinen sich bei vielen im Liegen zu verschlimmern.

Bei einigen ist der Appetit verringert und weiche Kost wird intuitiv bevorzugt. Auffallend ist, dass Zahnungsbeschwerden oftmals mit roten, heißen Wangen einhergehen. Manche Kinder entwickeln in der Zahnungszeit auch Fieber. Ausgelöst wird es jedoch nicht durch das Zahnen: Es gibt keinen medizinisch plausiblen Grund für Fieber im Zusammenhang mit dem Einschießen der Zähne. Fieber hat immer eine andere Ursache als das Zahnen, meist einen Infekt, mitunter auch eine Impfreaktion. Bei Säuglingen unter drei Monaten ist Fieber immer ein Grund, umgehend einen Arzt aufzusuchen. Auch bei älteren Säuglingen gehört Fieber ärztlich abgeklärt, insbesondere wenn es hoch ist, länger anhält oder das Kind auffällig schlapp wirkt oder nicht mehr trinkt. Genau darin liegt die Gefahr: Wer Krankheitszeichen vorschnell dem Zahnen zuschreibt, übersieht möglicherweise einen behandlungsbedürftigen Infekt.

Tritt Fieber auf, ist daher immer der Kinderarzt zu Rate zu ziehen. Anzeichen in der Mundhöhle selbst sind oft gerötetes, weiches Zahnfleisch an den betroffenen Stellen. Auch der Speichelfluss kann während des Zahnens erhöht sein, was wiederum die Haut angreift.

Diagnose & Verlauf

Da Zahnungsbeschwerden bei Kindern im Alter von sechs bis neun Monaten auftreten, die ihre Beschwerden nur durch Schreien und Weinen zeigen können, fällt den Eltern das Erkennen behandlungsbedürftiger Zahnungsbeschwerden schwer.

Schreit ein Kind im Zahnungsalter ungewöhnlich viel, so sollten die Eltern ihren Kinderarzt oder einen Zahnmediziner ansprechen. Dieser wird Mund und Kiefer untersuchen und gegebenenfalls eine Röntgenaufnahme anfertigen, um die Ursache der Zahnungsprobleme herauszufinden.

Zum Verlauf von Zahnungsproblemen lässt sich leider wenig sagen, da diese individuell verschieden auftreten. Manche Kinder haben nur geringe Zahnungsprobleme, andere leiden unter starken Beschwerden. In jedem Fall sollten die Zahnungsprobleme im Alter von drei Jahren ausgestanden sein. Zahnärztliche Kontrollen sind allerdings schon deutlich früher sinnvoll, nämlich ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne.

Komplikationen

Zahnungsbeschwerden können in unterschiedlichen Schweregraden auftreten, sodass die dazugehörigen Komplikationen ebenfalls sehr vielseitig sind. Über einem durchbrechenden Zahn kann sich eine Durchbruchszyste bilden – eine bläulich schimmernde Flüssigkeitsansammlung im Zahnfleisch. Sie entleert sich in aller Regel von selbst und heilt folgenlos ab.

Nach dem Durchbruch der mittleren Schneidezähne im Unterkiefer können am Zungenbändchen und am Mundboden Zahndurchbruchsgeschwüre entstehen. Sie sind schmerzhaft und können dazu führen, dass das Kind das Trinken verweigert.

Die schmerzhafteste Komplikation ist die Dentitio difficilis, der erschwerte Zahndurchbruch. Dabei entzündet sich das Zahnfleisch über der Spitze des durchbrechenden Zahnes, schwillt an und kann eitern. Hier ist eine zahnärztliche Behandlung nötig, damit sich die Entzündung nicht ausbreitet.

Verweigert ein Kind über längere Zeit die Nahrungs- und vor allem die Flüssigkeitsaufnahme, sollte umgehend ein Kinderarzt aufgesucht werden, denn Säuglinge trocknen rasch aus.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Zahnungsbeschwerden sind in ihrer Mehrheit kein Grund, einen Arzt aufzusuchen. Wenngleich die verschiedenen Beschwerden dem Kind Unannehmlichkeiten bereiten, sind sie eher als Prozess der kindlichen Entwicklung zu sehen. Weint das Kind gelegentlich oder versucht, den Schmerzen und dem Juckreiz mit dem Beißen auf harte Objekte beizukommen, besteht keine Veranlassung, einen Arzt aufzusuchen. Gleiches gilt für den erhöhten Speichelfluss oder die erhöhte Reizbarkeit zu dieser Zeit.

Darüber hinaus sollte ein Arzt konsultiert werden, wenn die Beschwerden lang anhaltend sind und es etwa zu schweren Ausschlägen, langer Appetitlosigkeit oder dauerhaften Schmerzen kommt. Es liegt dann der Verdacht nahe, dass die Zahnungsbeschwerden nicht der Grund sind, sondern etwa eine Infektionskrankheit vorliegt. Dies ist im Zweifel ärztlich abzuklären, da die Symptome bei Zahnungsbeschwerden denen diverser Krankheiten ähneln.

Treten zudem Beschwerden wie Fieber oder Durchfall auf, sind diese in der Regel nicht mehr durch die Zahnung zu erklären. Auch hier hilft nur eine ärztliche Begutachtung, wobei der Kinderarzt des Kindes konsultiert werden sollte.

Fallen die Schmerzen beispielsweise aufgrund von Zahnfleischinfektionen und anderweitigen Irritationen im Mundraum heftig aus, kann ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden. So können etwa schmerzlindernde Maßnahmen in Erfahrung gebracht werden.

Behandlung & Therapie

Eltern können ihrem Kind die auftretenden Schmerzen nicht nehmen, sie können aber die Symptome lindern. Abgekühlter Kamillentee und andere alkoholfreie Kamillenzubereitungen können die Beschwerden lindern; gekühlte Beißringe schwächen den sich aufbauenden Kaudruck ab und mildern durch die Kühlung einen Teil der Schmerzen.

Durchbruchszysten bedürfen in der Regel keiner Behandlung, da sie sich meist spontan von selbst entleeren und schnell abheilen. Bei anhaltenden Zahnungsbeschwerden und vermuteten starken Schmerzen sollte medizinischer Rat eingeholt werden, um dem Kind eine adäquate Therapie zu ermöglichen.

Auf verspätetes oder verfrühtes Zahnen kann der Arzt wenig Einfluss nehmen. Besteht bei einem Zahndurchbruch kurz nach der Geburt Gefahr für Kind oder Mutter, so muss die Entfernung des Zahnes überlegt werden und verläuft meist komplikationslos. Sollten im Kindergartenalter noch nicht alle Milchzähne durchgebrochen sein, so muss der Zahnarzt mittels einer Röntgenaufnahme untersuchen, ob die bleibenden Zähne angelegt sind und entscheiden, wie dieses Problem gegebenenfalls zu behandeln ist.

Zahnfleischentzündungen oder Geschwüre werden vom Zahnarzt in ihrem Schweregrad beurteilt und entsprechend behandelt. Die operative Öffnung des Geschwürs kann sinnvoll sein, um den Abfluss des Eiters zu ermöglichen, zumeist wird diese Therapie mit einer Antibiotika-Gabe unterstützt.


Vorbeugung

Zahnungsbeschwerden können leider nicht verhindert werden, denn es gibt zur Zeit keine präventiven Maßnahmen. Eltern können lediglich versuchen, bei starken Beschwerden mit lindernden Maßnahmen einzugreifen. Empfehlenswert ist es, ab einem entsprechenden Kindesalter Beißringe und alkoholfreie Kamillenzubereitungen bereit zu halten, um nicht von scheinbar plötzlichen Beschwerden hilflos überrascht zu werden.

Nachsorge

Zahnungsbeschwerden sind keine Krankheit, sondern ein normaler Entwicklungsschritt. Eine Nachsorge im eigentlichen Sinne gibt es daher nicht. Entscheidend ist vielmehr, was mit dem Durchbruch der ersten Zähne beginnt: die Zahnpflege.

Sobald der erste Milchzahn sichtbar ist, wird er täglich mit einer weichen Kinderzahnbürste geputzt; mit dem Durchbruch weiterer Zähne wird häufiger geputzt. In diese Zeit fällt auch der erste zahnärztliche Kontrolltermin. Wann genau er stattfinden sollte, wie oft ab welchem Alter geputzt wird und ob und in welcher Menge eine fluoridhaltige Kinderzahnpasta verwendet wird, besprechen Eltern mit dem Kinder- oder Zahnarzt.

Gesüßte Getränke gehören nicht in die Nuckelflasche, und die Flasche gehört nicht dauerhaft in den Mund des Kindes: Daraus entsteht die frühkindliche Karies, die schon die ersten Milchzähne zerstören kann.

Wurde ein entzündeter Zahndurchbruch behandelt, sollte die betroffene Stelle bis zur vollständigen Abheilung beobachtet werden. Nehmen Schwellung, Rötung oder Schmerzen wieder zu oder verweigert das Kind Nahrung und Flüssigkeit, ist erneut ärztlicher Rat einzuholen.

Das können Sie selbst tun

Zahnungsbeschwerden lassen sich durch einige Selbsthilfe-Maßnahmen und wirksame Hausmittel lindern.

Zahnungsgele aus der Apotheke sollten nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt und nur dann angewendet werden, wenn sie ausdrücklich für das Alter des Kindes zugelassen sind. Gele mit betäubenden Wirkstoffen betäuben auch den Rachen und erhöhen dadurch die Gefahr, dass sich das Kind verschluckt; Zubereitungen mit dem Betäubungsmittel Benzocain können bei Säuglingen und Kleinkindern zudem eine Methämoglobinämie auslösen, eine gefährliche Störung des Sauerstofftransports im Blut. Alkoholhaltige Zubereitungen sind für Säuglinge nicht geeignet, salicylathaltige für Kinder und Jugendliche generell nicht. In Rücksprache mit dem Kinderarzt können Mittel aus der Naturheilkunde probiert werden, etwa Kamillen- und Salbeitees. Die Kühlung von Kiefer und Gaumen gelingt mit einem kalten Löffel oder einem Beißring, der zuvor einige Minuten in den Kühlschrank gelegt wurde. Beißringe gehören in den Kühlschrank und nicht ins Gefrierfach: Tiefgefroren können sie die empfindliche Mundschleimhaut schädigen. Zur Linderung der Schmerzen bietet sich außerdem ein kühler Waschlappen an. Gekühltes Obst sollte nur unter Aufsicht und am besten in einem Fruchtsauger gegeben werden, denn abgebissene Stücke können verschluckt werden. Auch eine sanfte Massage des Zahnfleischs mit einem sauberen Finger tut vielen Kindern gut. Reichen Kühlung und Zuwendung nicht aus, kann der Kinderarzt ein altersgerechtes Schmerz- und Fiebermittel empfehlen; Dosierung und Darreichungsform richten sich nach Alter und Gewicht des Kindes.

Der Nachwuchs sollte sorgfältig beobachtet werden, damit er sich an den Beißspielzeugen nicht verschluckt. Bernstein- und andere Zahnungsketten gehören dagegen nicht um den Hals eines Säuglings: Sie können sich zuziehen oder reißen, einzelne Perlen können verschluckt oder eingeatmet werden, und ein Nutzen ist nicht belegt. Durchfall lässt sich nicht mit dem Zahnen erklären. Bei einem Säugling ist er wegen der Gefahr der Austrocknung immer ärztlich abzuklären. Bis dahin gilt: weiter stillen beziehungsweise füttern und den Flüssigkeitsverlust mit einer Elektrolytlösung aus der Apotheke ausgleichen; Hausmittel wie Zwieback ersetzen das nicht. Wunde Punkte rund um den Mund werden mit einer schmerzlindernden Creme behandelt.

Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Kinderarzt. Die Eltern sollten sich ausreichend Ruhephasen genehmigen, da die Zahnungsbeschwerden des Kindes mit viel Stress verbunden sein können.

Quellen

  • Splieth, C., Santamaría, R. M., Schmoeckel, J.: Kinderzahnheilkunde in der Praxis.
    ISBN: 9783868676938
  • Einwag, J., Pieper, K., Bekes, K. (Hrsg.): Kinderzahnheilkunde.
    ISBN: 9783437238017
  • Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
    ISBN: 9783662572948
  • Hellwig, E., Schäfer, E., Klimek, J., Attin, T.: Einführung in die Zahnerhaltung.
    ISBN: 9783769137842
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin.
    ISBN: 9783132417779

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