Ösophagusvarizen
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Ösophagusvarizen sind Krampfadern in der Speiseröhre, die in aller Regel mit einer fortgeschrittenen Leberinsuffizienz einhergehen. So werden etwa 50 Prozent der Leberzirrhose-Fälle mit Ösophagusvarizen assoziiert, von denen wiederum etwa 30 Prozent im weiteren Verlauf eine lebensbedrohliche Blutung erleiden.
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Was sind Ösophagusvarizen?
Als Ösophagusvarizen werden Krampfadern bzw. Erweiterungen (Varizen) der submukösen Venen der Speiseröhre (Ösophagus) bezeichnet, die in aller Regel auf eine portale Hypertension infolge eines progredienten Leberschadens (u.a. Leberzirrhose) zurückzuführen sind.
Durch die Beeinträchtigung der Leber kann das Blut nicht mehr ungehindert durch die Leber zum Herzen fließen, so dass es nach Ausweichmöglichkeiten über die Venen des Ösophagus sucht. Es entwickeln sich sackartige Erweiterungen, sogenannte Krampfadern bzw. Varizen.
Ösophagusvarizen verlaufen in vielen Fällen diskret bzw. symptomarm und manifestieren sich neben den charakteristischen Symptomen für Leberzirrhose (u.a. Aszites, Leberhautzeichen wie Lacklippen und -zunge, Erweiterung der arteriellen Gefäße der Haut) anhand eines Völle- und/oder Druckgefühls im Oberbauch sowie einer Splenomegalie (Milzerweiterung) als Indikator für eine portale Hypertonie.
Zudem werden Ösophagusvarizen bei einigen Betroffenen mit Magenvarizen sowie einer Gastropathia hypertensiva (Erweiterung der Magenschleimhautvenen) assoziiert.
Ursachen
So entwickeln sich bei etwa der Hälfte aller von Leberzirrhose Betroffenen Ösophagusvarizen. Infolge der Schädigungen bildet sich in der Leber eine portale Stauung, da das Blut nicht mehr in der Lage ist, ungehindert zu fließen. Dadurch manifestieren sich Umgehungskreisläufe, sogenannte portocavale Anastomosen, im Bereich zwischen der Vena portae und der unteren Hohlvene, zu welchen die Ösophagusvarizen gehören und zu welchen früher auch die Hämorrhoiden gezählt wurden. Lange Zeit wurden Hämorrhoiden dabei als typischer Umgehungskreislauf bei Pfortaderhochdruck aufgeführt. Nach heutigem Kenntnisstand entstehen Hämorrhoiden unabhängig davon; bei einem Pfortaderhochdruck bilden sich im Enddarm vielmehr eigene Krampfadern, die man als anorektale Varizen bezeichnet.
Darüber hinaus können eine Rechtsherzinsuffizienz sowie Thrombosen oder Tumoren im Bereich der Milzvene, der unteren Hohlvene (Vena cava inferior) und/oder der Pfortader zu Ösophagusvarizen führen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Krampfadern im Bereich der Speiseröhre machen im Frühstadium durch keinerlei Beschwerden auf sich aufmerksam. Gelegentlich ist ein leichter Blutgeschmack bei leichten Verletzungen durch hochgewürgten Speichel wahrnehmbar. Reißen Speiseröhrenkrampfadern stark ein, klagen Betroffene über plötzlich eintretende Übelkeit. Gleichzeitig erbrechen sie plötzlich größere Mengen Blut.
Der schwallartige Auswurf ist häufig mit schwarzem Mageninhalt versetzt (Kaffeesatzerbrechen). Ein derartiger Ausbruch von Beschwerden gilt als ärztlicher Notfall. Ein schneller Herzschlag versucht den unerwarteten Blutverlust zu kompensieren. Ohne Unterstützung von Begleitern droht Betroffenen die Bewusstlosigkeit.
Es besteht hohe Lebensgefahr durch einen potenziellen Kreislaufzusammenbruch für den Patienten, wenn Notfallmaßnahmen ausbleiben. Gemäßigte Blutungen führen zunächst zu einem Abfall der Leistungsfähigkeit. Blässe und Probleme mit der Atmung treten als Folge ein. Gelangt das Blut in den Verdauungstrakt, löst es bei vielen Menschen Unbehagen in der Magengegend aus.
Druck- und Völlegefühle gesellen sich hinzu. Durch den Kontakt mit Magensäure entsteht eine markante Schwarzfärbung des nächsten Stuhlgangs. Der Teerstuhl gilt als ein sicheres Warnzeichen für eine Blutungsursache im Verdauungstrakt. Da Ösophagusvarizen oft als Komplikation von portaler Hypertension entstehen, leiden Menschen unter sehr spezifischen Vorzeichen dieser Grunderkrankung.
Darunter fallen der Aszites (Bauchwassersucht), klar hervortretende Venen im Bereich des Bauchnabels und Veränderungen der Haut (Geldscheinhaut). Sichtbar erweiterte Blutgefäße manifestieren sich in feinen oder flächigen Rotfärbungen an Gesicht, Oberkörper, Händen und Füßen. Markante Merkmale sind unter anderem die Lacklippe oder die Lackzunge.
Diagnose & Verlauf
In aller Regel werden Ösophagusvarizen anhand einer endoskopischen Untersuchung des Ösophagus (Ösophagogastroduodenoskopie) diagnostiziert, die Aussagen zu den Charakteristika der Speiseröhrenstrukturen sowie dem spezifisch vorliegenden Stadium der Erkrankung ermöglicht. Da Ösophagusvarizen für sich genommen keine Beschwerden verursachen, wird bei ihnen nicht abgewartet, bis Symptome auftreten: Wird eine Leberzirrhose neu festgestellt, gehört eine Spiegelung der Speiseröhre zur Erstuntersuchung dazu, und sie wird anschließend in regelmäßigen Abständen wiederholt, um Varizen rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können.
Im ersten Stadium liegen Ektasien (sackartige Erweiterungen) der betroffenen Venen vor, die bei endoskopischer Luftinsufflation verschwinden. Im zweiten Stadium manifestieren sich vereinzelt Varizen, die zu etwa 1/3 in das Lumen (Innenraum) der Speiseröhre hineinragen und auch bei Luftinsufflation nicht verstreichen. Das dritte Stadium zeichnet sich durch eine zunehmende Verengung des Ösophaguslumens (bis 50 Prozent) aus.
Darüber hinaus können sich Schädigungen des Epithels anhand rötlicher Flecken bemerkbar machen. Im vierten Stadium wird das Lumen des Ösophagus durch die Varizenstränge vollständig ausgefüllt und es ist eine große Anzahl von Schleimhauterosionen feststellbar. Untherapiert können Ösophagusvarizen einreißen und zu einer lebensbedrohlichen Blutung führen, die selbst bei Behandlung eine Letalität von etwa 30 Prozent aufweist.
Komplikationen
Die meisten Ösophagusvarizen tragen dünne Gefäßwände. Blutungen in Folge von Gefäßeinrissen stellen daher unabhängig von der Therapie eine mögliche Komplikation dar. Betroffen sind hiervon vor allem Patienten mit Umgehungskreisläufen größeren Umfangs.
Kleinere Blutungen manifestieren sich in Form von Symptomen wie schwarzverfärbtem Stuhl (Teerstuhl), während sich größere Gefäßrisse in Folge hoher Blutverluste durch lebensgefährliche Schockzustände äußern und umgehend zur notfallmedizinischen Behandlung auffordern. Um lebensgefährlichen Blutungen vorzubeugen, schätzen behandelnde Ärzte die Blutungsbereitschaft von Krampfadern in der Speiseröhre über endoskopische Befundung und den Druckgradienten im Bereich der Pfortader ein.
Auffälligkeiten wie sogenannte „cherry red spots“ sprechen aus endoskopischer Sicht für erhöhte Blutungsgefahr und fordern zu Vorbeugemaßnahmen wie der Gabe von Beta-Blockern auf. Hinsichtlich des Druckgradienten gilt dasselbe für Werte ab 12 mmHg, wobei stark erhöhte Druckwerte für kombinierte Behandlungsansätze mit Beta-Blockern und Nitrat sprechen. Diese Kombination wurde lange empfohlen. Nach heutigem Kenntnisstand wird von der zusätzlichen Gabe von Nitraten abgeraten, weil sie mehr Nebenwirkungen verursacht, ohne die Blutungsgefahr stärker zu senken; eingesetzt werden stattdessen nicht-selektive Beta-Blocker allein oder in Verbindung mit einer Gummibandligatur der Varizen. Diese präventiven Behandlungsschritte eignen sich nicht zur Therapie akuter Blutungen. Das Akutereignis behandeln Spezialisten zu Erfolgsraten von bis zu 90 Prozent, indem sie betroffene Adern mit Mitteln wie Polydocanol oder Histoacryl stilllegen. An erster Stelle steht dabei heute allerdings die Gummibandligatur; die genannten Verödungsmittel kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Ligatur technisch nicht möglich ist, Histoacryl in erster Linie bei Krampfadern des Magens.
Obwohl die endoskopische Behandlung das Eintreten von Krampfaderblutungen im Bereich der Speiseröhre nicht immer verhindert, steigt das Risiko für Zweitblutungen nach unbehandelter Erstblutung auf bis zu 80 Prozent an. Bei Patienten mit begleitender Leberzirrhose sind Krampfaderblutungen in der Speiseröhre häufig mit weiteren Komplikationen wie Leberkoma vergesellschaftet, falls zusätzlich zur Krampfaderbehandlung keine Therapie der Lebererkrankung stattfindet. Das höchste Risiko für lebensgefährliche Komplikationen ergibt sich bei Ösophagusvarizen für Patienten mit unbehandelten Gerinnungsstörungen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da sich die Ösophagusvarizen als krankhafte Venenerweiterungen im unteren Drittel der Speiseröhre befinden, wird die Erkrankung durch Schmerzen und Stechen im Oberbauch erst im fortgeschrittenen Stadium erkennbar. Der Patient leidet an einer anhaltenden Übelkeit. Außerdem zeigt sich ein ständiges Druck- und Völlegefühl im Bereich des Magens. Leichte Blutungen der Varizen führen zum Leistungsabfall und zu permanenten Erschöpfungszuständen. Ein blutiger Geschmack im Mund oder blutig gefärbter Speichel kann auftreten und gehört umgehend ärztlich abgeklärt. In der Regel machen Ösophagusvarizen jedoch überhaupt keine Beschwerden, bevor sie bluten; das Ausbleiben solcher Zeichen spricht deshalb nicht gegen ihr Vorliegen.
Das Gesicht des Patienten zeigt eine unspezifische Blässe auf. Nicht selten leiden Patienten begleitend an der Bauchwassersucht und an auffälligen Leberhautzeichen. Haut und Augen zeigen eine Gelbfärbung. Der Patient neigt sehr schnell zu Blutungen oder Blutergüssen. Klar ersichtlich werden Ösophagusvarizen durch schwallartiges Erbrechen von Blut. Der Stuhl ist teerig und schwarz. Der Patient neigt zur Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Der Puls ist stark erhöht. Das sind lebensbedrohliche Warnsignale. Der Zusammenbruch des Kreislaufes droht. Hier sollte schnellstmöglich ärztliche Hilfe erfolgen und Notfallmaßnahmen eingeleitet werden.
Bei Bluterbrechen, schwarzem Teerstuhl, Benommenheit, Bewusstlosigkeit oder Kreislaufschwäche ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Eine Blutung aus Ösophagusvarizen ist ein Notfall, bei dem jede Minute zählt; bis der Rettungsdienst eintrifft, darf der Betroffene nichts mehr essen und trinken.
Behandlung & Therapie
Im Rahmen einer kausalen Therapie sollte bei Ösophagusvarizen stets die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden. Darüber hinaus stehen zur Behandlung von Ösophagusvarizen verschiedene endoskopische Operationsverfahren zur Verfügung.
Im Rahmen einer Sklerosierungstherapie wird ein sogenanntes Sklerosans (Verhärtungsmittel) mit Hilfe eines Endoskops in die Varize injiziert. Infolge dessen verschließt die Varize, so dass kein Blut mehr in diese einfließen kann und das Gewebe abstirbt. Lange Zeit galt diese Verödung als Verfahren der Wahl. Heute wird stattdessen die weiter unten beschriebene Gummibandligatur bevorzugt, weil sie seltener zu Geschwüren und narbigen Verengungen der Speiseröhre führt; die Sklerosierung kommt vor allem noch dann zum Einsatz, wenn eine Ligatur technisch nicht möglich ist. Mit Hilfe einer Obliterationstherapie, die in aller Regel bei blutenden Varizen angewandt wird, wird der betroffene Venenabschnitt durch einen flüssigen Gewebekleber, der unmittelbar nach der Injektion in die betroffene Vene verhärtet, obliteriert (verstopft).
Eine weitere endoskopische Maßnahme ist das sogenannte Ligaturverfahren (Gummibandligatur), bei welchem die zu ligierende Varize vermittels einer auf dem Endoskop aufgebrachten Kappe angesaugt und anschließend mit einem Gummiring oder Faden umschlungen wird. Infolge dieser Abschnürung entwickeln sich Thrombosen, die zu einem Absterben des Gewebes führen. Daneben kann zur Blutstillung im Vorfeld eine ballonartige Sonde (u.a. Sengstaken-Blakemore-Sonde, Linton-Sonde) zum Einsatz kommen. Eine solche Ballontamponade ist allerdings nur eine Überbrückung für wenige Stunden, bis eine endoskopische Behandlung möglich ist; als dauerhafte Lösung eignet sie sich nicht, weil sie selbst die Speiseröhre schädigen kann.
Der Blutfluss im betroffenen Bereich kann zudem durch Somatostatin oder Vasopressin reduziert werden. Vasopressin wurde dabei über lange Zeit verwendet. Heute wird an seiner Stelle Terlipressin bevorzugt, weil es besser verträglich ist und den Kreislauf weniger belastet. Zu den Allgemeinmaßnahmen nach einem Einriss von Ösophagusvarizen gehören die kontinuierliche Kontrolle der Vitalfunktionen, gegebenenfalls eine Intubation, vorbeugende Antibiotika-Therapie aufgrund einer drohenden Sepsis sowie intravenöse Volumengabe.
Prophylaktisch kann zur Vermeidung von Rezidiven und/oder Blutungen der Ösophagusvarizen eine medikamentöse (Betablocker, Spironolacton) oder operative (Shunt-Operation) Therapie angezeigt werden. Reicht das nicht aus oder tritt trotz Vorbeugung erneut eine Blutung auf, kann über einen Katheter von der Halsvene aus eine Kurzschlussverbindung innerhalb der Leber angelegt werden, die das Blut an dem gestauten Bereich vorbeileitet und den Pfortaderdruck senkt (transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt, kurz TIPS). Dieses Verfahren hat die offene Shunt-Operation weitgehend abgelöst.
Vorbeugung
Der Manifestation von Ösophagusvarizen kann durch eine konsequente und frühzeitige Therapie der Grunderkrankung vorgebeugt werden. Liegt eine Leberzirrhose vor, sollte eine strikte Alkoholabstinenz zur Vermeidung von Ösophagusvarizen eingehalten werden.
Das können Sie selbst tun
Menschen, bei denen Ösophagusvarizen festgestellt wurden, sollten im Alltag ganz besonders auf den Konsum ihrer Lebensmittel achten. Nahrungsmittel, die in irgendeiner Form feste oder spitze Elemente in sich haben, sollten nicht gegessen werden.
Bei Fisch, Zwieback oder Knäckebrot kann es dazu kommen, dass die Bestandteile der Lebensmittel beim Schluckakt zu Komplikationen führen. Ebenfalls sollte bei dem Verzehr von Steinobst penibel darauf geachtet werden, dass die Fruchtkerne im Vorfeld entfernt wurden. Nicht nur die rohen Lebensmittel, sondern auch verarbeitete Produkte, wie Kuchen sind vor der Aufnahme in den Mund zu prüfen.
Während des Essens sollten alle Bestandteile der Nahrung im Mund ausreichend durch den Kauvorgang zermahlen werden. Das Verschlucken von größeren Mengen an Lebensmitteln ist zu unterlassen. Es könnten jederzeit Beschädigungen an den Gefäßwänden der Speiseröhre entstehen. Da diese innerhalb kurzer Zeit zu starken Blutungen führen können, kann sich innerhalb einiger Minuten ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln.
Fremdkörper, wie Spielzeug, Gegenstände oder Münzen, sollten nicht in den Mund genommen werden. Es besteht die Gefahr, dass diese ungewollt in den Rachen gelangen können und verschluckt werden. Trägt der Betroffene eine Zahnspange oder einen Zahnersatz, ist täglich zu überprüfen, ob dieser fest sitzt. Zeigen sich Lockerungen, muss unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Wichtiger als alle Vorsichtsmaßnahmen beim Essen ist allerdings die Behandlung der Lebererkrankung: Wer eine Leberzirrhose hat, sollte konsequent auf Alkohol verzichten, verordnete Betablocker regelmäßig und ohne eigenmächtiges Absetzen einnehmen und die empfohlenen Kontrollspiegelungen wahrnehmen. Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure und Ibuprofen sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, weil sie die Blutungsgefahr zusätzlich erhöhen.
Quellen
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- Siewert, J.R., Stein, H.J. (Hrsg.): Chirurgie.
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