Aszites
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Aszites oder Bauchwassersucht ist eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle und stellt in aller Regel ein Symptom einer fortgeschrittenen Grunderkrankung mit zumeist infauster (ungünstiger) Prognose dar. In der überwiegenden Zahl der Fälle korreliert ein Aszites mit einer Leberzirrhose.
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Was ist Aszites?
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Als Aszites (auch Bauchwassersucht) wird eine pathologische Flüssigkeitsansammlung in der freien Peritonealhöhle (Bauchhöhle) bezeichnet, die sich in der Regel als Symptom einer progredienten Grunderkrankung mit zumeist schlechter Prognose manifestiert.
In den meisten Fällen äußert sich ein Aszites anhand eines vergrößerten Bauchumfangs bzw. vorgewölbten Bauches mit verstrichenem Nabelbereich, dem oftmals eine Flatulenz (Blähungen) vorausgeht. Teilweise kann sich infolge des Aszites eine Nabelhernie (Hernia umbilicalis) entwickeln.
Ein Aszites kann anhand des Aussehens in serösen (klaren bis gelblichen), chylösen (milchigen), hämorrhagischen (blutigen) sowie eitrigen (bakteriell bedingten) Aszites differenziert werden.
Ursachen
Die häufigste Ursache für einen Aszites ist eine fortgeschrittene Leberinsuffizienz wie Leberzirrhose (80 Prozent). Eine Leberzirrhose kann durch Medikamenten- und/oder Alkoholabusus, chronische Hepatitis, Autoimmunhepatitis, nicht-alkoholische Steatohepatitis (Fettleber-Hepatitis) sowie in selteneren Fällen durch Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) oder Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) bedingt sein.
Bedeutend ist, dass die Leber mit dem Fortschreiten der Leberzirrhose zunehmend vernarbt. Dadurch wird der Blutfluss behindert, was zu einer Blutstauung im Bauchraum führt. Flüssigkeit wird durch den Druck aus den Gefäßen gepresst und tritt in die freie Bauchhöhle aus. Katalysiert wird dieser Prozess zusätzlich durch die verminderte Synthese von Bluteiweißen, insbesondere von Albumin, durch die zunehmend insuffiziente Leber.
Darüber hinaus können maligne (bösartige) Tumoren sowie entzündliche Veränderungen der Peritonealhöhle (Peritonitis) bzw. Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) ein Aszites hervorrufen. Eine Rechtsherz- und Niereninsuffizienz gelten zudem als begünstigende Faktoren.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Aszites kann sich durch eine Reihe von Symptomen, Beschwerden und Anzeichen äußern. Zunächst kommt es zu einer Schwellung des Bauches, die meist schmerzlos ist und im Verlauf der Erkrankung zunimmt. Eventuell besteht auch eine Nabelhernie, die sich durch Schmerzen im Bereich des Bauchnabels und den auffällig nach vorn gewölbten Nabel äußert.
Viele Betroffene nehmen an Gewicht zu und leiden in einigen Fällen (zum Beispiel, wenn begleitend periphere Ödeme vorliegen) zudem an Wasseransammlungen im Bereich der Arme und Beine. Weiterhin kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Typisch sind zum Beispiel Blähungen und Durchfall, aber auch Übelkeit und Erbrechen.
Ein Aszites ist daran zu erkennen, dass die genannten Symptome über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben und im Verlauf dessen an Intensität zunehmen. Zudem tritt die Bauchwassersucht oft im Zusammenhang mit Entzündungen des Bauchfells, Krebs und anderen Erkrankungen auf. Die Betroffenen leiden meist an einem allgemeinen Krankheitsgefühl.
Im Verlauf kann es trotz der Gewichtszunahme durch den Verlust an Muskelmasse zu einer Mangelversorgung des Körpers kommen. Typische Mangelerscheinungen sind Schwindel, Konzentrationsstörungen und eine generelle Abnahme des körperlichen und geistigen Leistungsvermögens. Anhand dieser Symptome ergibt sich der Verdacht auf einen Aszites, der anschließend durch eine Ultraschalluntersuchung gesichert werden muss.
Diagnose & Verlauf
Ein Aszites kann im Rahmen einer Palpation (Abtasten) und Perkussion (Abklopfen) des Abdomens ab einer akkumulierten Flüssigkeit von etwa 1 Liter nachgewiesen werden. Darüber hinaus wird die Diagnose durch eine abdominelle Sonographie, durch welche bereits Flüssigkeitsmengen ab 50 bis 200 ml festgestellt werden können, abgesichert.
Bei ungeklärter Ursache kommt in aller Regel eine Aszitespunktion mit anschließender Analyse der punktierten Flüssigkeit und/oder eine Computertomographie zum Einsatz. Ist die punktierte Flüssigkeit milchig oder blutig, sollte durch eine Bauchspiegelung abgeklärt werden, ob Traumata oder Tumoren zugrunde liegen. Ein eitriger Aszites weist dagegen auf eine entzündliche Erkrankung des Bauchraums (Peritonitis) hin. Zudem werden bei Verdacht auf eine Leberinsuffizienz die Leberwerte (v.a. Albumin) kontrolliert. Der wichtigste Wert der Punktatanalyse ist der Serum-Aszites-Albumin-Gradient (SAAG), also die Differenz zwischen dem Albumingehalt im Blut und in der Bauchflüssigkeit: Werte ab 1,1 g/dl sprechen für einen erhöhten Druck im Pfortadersystem, wie er bei der Leberzirrhose vorliegt, niedrigere Werte für andere Ursachen wie Tumoren oder Entzündungen des Bauchfells.
Ein ausgeprägter Aszites kann untherapiert zu Leistenbruch oder Nabelbruch, einem gestörten Natrium-Kalium-Haushalt, Niereninsuffizienz sowie Tachykardie führen. Generell hängt die Prognose von der spezifisch vorliegenden Grunderkrankung ab. Tritt der Aszites im Zusammenhang mit einer Leberzirrhose auf, ist dies ein prognostisch ungünstiges Zeichen, da ungefähr die Hälfte der Betroffenen innerhalb von zwei Jahren nach Diagnosestellung stirbt.
Dagegen bildet sich ein Aszites infolge einer akuten Pankreatitis in der Regel mit Ausheilung der Grunderkrankung zurück.
Komplikationen
Der Aszites geht mit verschiedenen Komplikationen einher. Häufig verursacht die Bauchwassersucht Hernien in der Bauchwand. Die Bruchpforten können sich entzünden und zu schweren Infektionen im Bauch- und Darmraum führen. Der erhöhte intraabdominelle Druck erhöht außerdem das Risiko eines Hydrothorax und weiterer Schädigungen des Magen-Darm-Traktes.
Des Weiteren kann ein Aszites Folgeerscheinungen wie die Dyspnoe, einen Zwerchfellhochstand oder einen Upside-down-Magen verursachen. Eine bakterielle Infektion kann neben oftmals starken Schmerzen, Fiebersymptomen und Druckgefühlen weitere Komplikationen wie akutes Nierenversagen bedingen. Bei einer Leberzirrhose erhöht der Aszites das Risiko von Varizenblutungen. Eine besonders gefährliche Komplikation ist die spontane bakterielle Peritonitis, eine Auswanderung von Darmbakterien in die Bauchhöhle.
Die Störung tritt oft ohne nennenswerte Symptome wie Fieber oder Schmerzen im Abdominalbereich auf, führt jedoch bei bis zu 50 Prozent aller Patienten zum Tod. Treten bei bekanntem Aszites Fieber, Bauchschmerzen oder eine unklare Verschlechterung auf, muss deshalb umgehend eine diagnostische Punktion erfolgen; finden sich darin mehr als 250 neutrophile Granulozyten pro Mikroliter, wird sofort mit Antibiotika behandelt. Bei der Therapie eines Aszites können Komplikationen auftreten, wenn bei einer Operation die Darmwand verletzt wird. Wird Lokalanästhetikum verabreicht, kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Die diagnostische Aszites-Punktion kann Infektionen und stärkere Blutungen auslösen. Selten kommt es zur Verletzung von Organen im Bauchraum.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bei dem Verdacht auf einen Aszites sollte möglichst rasch ein Arzt konsultiert werden. Sollte es zu einer ungewöhnlichen Gewichtszunahme oder Schwellungen im Bauchraum kommen, muss ein Arzt die Ursache abklären. Dasselbe gilt, wenn ganz plötzlich ein allgemeines Unwohlsein, ein Druckempfinden in der Bauchregion oder ein stechender Schmerz unter dem Brustbein auftritt. Bleiben diese Beschwerden länger als einige Tage bestehen, empfiehlt es sich, medizinischen Rat einzuholen. Bei anhaltenden Blähungen oder Symptomen einer Verstopfung sollte ebenfalls ein Arzt eingeschaltet werden.
Blut im Urin oder Stuhl sowie Erbrechen oder Durchfall sind weitere Warnzeichen, die einer medizinischen Abklärung bedürfen. Patienten, die unter einer Herzerkrankung, Tumoren des Bauchfells oder einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung leiden, sollten mit einem Arzt sprechen.
Womöglich liegt der Bauchwassersucht auch eine Chlamydien- oder Gonokokkeninfektion, Tuberkulose oder eine entzündliche Gefäßerkrankung zugrunde. Patienten mit einer entsprechenden Krankengeschichte sollten ungewöhnliche Symptome umgehend abklären lassen, da möglicherweise bereits ein Aszites entstanden ist. Eine rasche Behandlung ist dann unter Umständen lebenswichtig.
Behandlung & Therapie
Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einem Aszites vom Ausmaß und der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Bei einem gering ausgeprägten Aszites zielt die medikamentöse Therapie mit Diuretika (an erster Stelle Spironolacton, bei unzureichender Wirkung zusätzlich Furosemid) in Kombination mit einer verminderten Kochsalzaufnahme (etwa 5 Gramm Salz täglich) auf die Reduzierung bzw. Ausschwemmung der in der freien Peritonealhöhle befindlichen Flüssigkeit. Eine Beschränkung der Trinkmenge auf 1,2 bis 1,5 Liter täglich wurde lange allgemein empfohlen; heute gilt sie nur noch bei einer ausgeprägten Verdünnung des Blutnatriums (Hyponatriämie) als sinnvoll.
Hierbei sollten die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert werden, da ein zu schnelles Ausschwemmen eine Niereninsuffizienz (hepatorenales Syndrom) bedingen kann. Bleibt die medikamentöse Therapie erfolglos bzw. liegt ein ausgeprägter Aszites vor, kann eine Paracentese (Aszitespunktion) infrage kommen. Da mit der Flüssigkeit hohe Konzentrationen an Bluteiweißen abgeleitet werden, sollte die Leberfunktion überprüft werden. Bei insuffizienter Funktion der Leber ist eine Albuminsubstitution durch Infusionen zur Kompensation angezeigt. Werden mehr als fünf Liter auf einmal abgelassen, wird die Gabe von Albumin heute unabhängig von der Leberfunktion empfohlen, um einen Kreislaufeinbruch zu verhindern.
Im Rahmen eines operativen Eingriffs kann zudem ein TIPS (transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Stentshunt) zur Druckminimierung im Pfortadersystem oder ein peritoneovenöser Shunt implantiert werden, durch welche die Flüssigkeit über einen Katheter abgeleitet werden kann.
Grundsätzlich sollte immer die Grunderkrankung des Aszites therapiert werden. So kann gegebenenfalls bei Vorliegen einer Leberzirrhose eine Lebertransplantation indiziert sein. Tumoren bzw. deren Metastasen im Bauchraum werden in aller Regel chemotherapeutisch angegangen, während ein blutiger bzw. milchiger Aszites infolge eines Traumas unter Umständen chirurgisch behandelt werden muss.
Aussicht & Prognose
Die Prognose bei einem Aszites ist abhängig von der vorliegenden Grunderkrankung. Da es sich hierbei um keine alleinstehende Krankheit, sondern um eine Folgeerscheinung aufgrund von Vorerkrankungen handelt, muss zuerst die Ursache der Grunderkrankung gefunden und behandelt werden. Gelingt dies, bildet sich auch der Aszites zurück, bis er vollständig verschwunden ist.
Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs hängt die Prognoseaussicht von dem Zeitpunkt der Diagnose und der Art des Tumors ab. Ist er gut behandelbar und wird er frühzeitig entdeckt, bestehen oftmals gute Heilungschancen. Dies ändert sich, sobald der Tumor gestreut hat oder bereits große Schädigungen des Gewebes vorhanden sind.
Bei einer chronischen Grunderkrankung ist die Prognose ebenfalls weniger optimistisch. Chronische Krankheiten haben einen progressiven Krankheitsverlauf. Es kommt daher stetig zu einer Zunahme der vorhandenen Beschwerden. Bei einer Behandlung wird versucht, Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu nehmen und möglichst lange eine Verzögerung des Fortschreitens zu bewirken. Zudem werden einzelne Symptome im Rahmen der Möglichkeiten bekämpft. Dennoch bestehen selten Heilungsaussichten.
Um die Beschwerden eines Aszites zu minimieren, wird innerhalb einer Behandlung die überschüssige Flüssigkeit abgeleitet. Da sie sich aufgrund der Erkrankung neu bildet, handelt es sich hierbei jedoch nicht um einen Eingriff, der eine Heilung bewirken kann.
Vorbeugung
Einem Aszites kann durch die konsequente Therapie der potenziellen Grunderkrankungen vorgebeugt werden. Zudem geht ein Aszites in den meisten Fällen mit einer Leberzirrhose einher, die insbesondere durch Alkohol- und Medikamentenabusus verursacht wird. Schutzimpfungen gegen entzündliche Lebererkrankungen (Hepatitis) stellen ebenfalls eine prophylaktische Maßnahme gegen Aszites dar.
Nachsorge
Die Nachsorge nach einem Aszites hängt maßgeblich von der ursächlichen Erkrankung und dem Krankheitsverlauf ab. Bei einem positiv verlaufenden Grundleiden muss die Nachsorge zunächst zweiwöchentlich oder monatlich stattfinden. Der Arzt wird während der Verlaufskontrollen unter anderem die Blutwerte messen und gegebenenfalls auch eine körperliche Untersuchung durchführen und erneut Proben aus der Bauchhöhle entnehmen.
Zudem wird eine Anamnese durchgeführt. Je nach Grundleiden wird der Arzt hierbei unter anderem etwaige Begleitsymptome der Bauchwassersucht sowie die generelle Verfassung des Patienten erfragen und in die weitere Planung miteinbeziehen. Wenn während der Behandlung keine Komplikationen auftreten und die Bauchwassersucht wie geplant abklingt, können die Abstände zwischen den Verlaufskontrollen verlängert werden.
Tritt der Aszites ohne weitere Symptome auf, muss geprüft werden, ob eine andere, bisher nicht entdeckte Krebserkrankung ursächlich ist. Anschließend sind weitere Untersuchungen zur Abklärung notwendig. Bei einigen wenigen Patienten werden während der Nachsorge erneut Wasseransammlungen festgestellt. Dann muss ein Verweilkatheter oder eine Dauerdrainage gelegt werden. Falls im Rahmen der Therapie eine Dauerdrainage gelegt wurde, muss diese geprüft und bei Bedarf entfernt werden. Zudem müssen etwaige Begleitsymptome abgeklärt werden, die im Anschluss an die eigentliche Therapie auskuriert werden müssen.
Das können Sie selbst tun
Die ärztliche Behandlung orientiert sich bei einem Aszites an dem Ausmaß der Beschwerden und der ursächlichen Erkrankung. Ein schwach ausgeprägter Aszites bedarf nicht unbedingt einer umfassenden Therapie. Meist genügt die Einnahme sanfter Diuretika, die in Verbindung mit Schonung und Bettruhe eine schnelle Linderung versprechen. Begleitend dazu muss die Kochsalzaufnahme reduziert werden, um die Ausschwemmung der angesammelten Flüssigkeit zu unterstützen.
Nach der akuten Phase sollte die Trinkmenge nur nach ärztlicher Vorgabe wieder erhöht werden, damit der Wasserhaushalt des Körpers nicht erneut aus dem Gleichgewicht gerät. Begleitend dazu muss die Diät umgestellt werden. Durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung, die im besten Fall in Zusammenarbeit mit einem Ernährungsmediziner erstellt wird, sollten die Beschwerden rasch zurückgehen. Falls sich dennoch Komplikationen einstellen sollten, muss der zuständige Arzt informiert werden. Womöglich hat sich ein Rezidiv gebildet oder es liegt ein anderes Problem vor, das abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden muss.
Sollte ein operativer Eingriff durchgeführt werden, muss sich der Patient schonen. Nach der Operation sollte auf körperliche Aktivitäten verzichtet werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine ernste Grunderkrankung wie ein Tumorleiden vorliegt. Bei blutigem Aszites sind nach der OP weitere ärztliche Untersuchungen nötig.
Quellen
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