Akne inversa

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Den meisten Menschen ist die Akne als eine Erkrankung der Haut bekannt, welche zu mehr oder weniger starken optischen Beeinträchtigungen der Hautbeschaffenheit führt. Aus diesem Grund fürchten gerade viele junge Leute im pubertierenden Alter, eine sogenannte Akne inversa zu entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Akne inversa?

Akne inversa
Hinter der Bezeichnung Akne inversa verbirgt sich eine Hautkrankheit. Die Akne inversa ist ein entzündlicher Prozess, der sich auf bestimmte Funktionsteile der Haut bezieht.

Hinter der Bezeichnung Akne inversa verbirgt sich eine Hautkrankheit. Die Akne inversa ist ein entzündlicher Prozess, der sich auf bestimmte Funktionsteile der Haut bezieht und auf verschiedene körperliche Regionen begrenzt ist.

Laut Definition geht es bei der Akne inversa um Entzündungsherde, welche sich auf die unter der Haut befindlichen Talgdrüsen und die sogenannten Haarfollikel beziehen. Trotz ihres Namens gilt die Akne inversa nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr als Sonderform der Akne, sondern als eigenständige chronisch-entzündliche Erkrankung der Terminalhaarfollikel; in der Fachsprache wird sie deshalb heute meist als Hidradenitis suppurativa bezeichnet. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen kann sich Akne inversa ausprägen. In Europa leiden jedoch mehrheitlich Frauen unter dieser Hautkrankheit.

Ursachen

Bei der Erforschung der Ursachen, welche zu einer Entstehung der Akne inversa führen, sind die Mediziner auf verschiedene Faktoren gestoßen. Dennoch bestehen in Bezug auf die eindeutigen Ursachen für Akne inversa immer noch Unklarheiten.

Es wird angenommen, dass die Akne inversa durch den Konsum von Nikotin begünstigt wird. Außerdem kann die Akne inversa eine Folge von Adipositas sein. Früher wurde die Akne inversa auch als Schweißdrüsenabszess bezeichnet, weil man eine Erkrankung der Schweißdrüsen annahm. Nach heutigem Kenntnisstand geht die Entzündung jedoch nicht von den Schweißdrüsen aus, sondern von den Terminalhaarfollikeln. Bei der Pathogenese der Akne inversa spielen zudem erbliche Kriterien eine Rolle. Nachweislich kommt Akne inversa innerhalb einer Familie gehäufter vor.

Ein Einflussfaktor, welcher Mikroorganismen berücksichtigt, ist bei Akne inversa ebenfalls als Ursache einzubeziehen. In diesem Bezug sind vorwiegend Infektionen mit Bakterien für den Verlauf und die Ausprägung von Akne inversa mit verantwortlich. Nach heutigem Kenntnisstand sind die Bakterien allerdings nicht der Auslöser der Erkrankung, sondern besiedeln die bereits entzündeten Herde zusätzlich.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Akne inversa ist eine schwerwiegende Erkrankung, welche zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität führen kann. Bei komplizierten Verläufen ist sogar die Entwicklung einer lebensgefährlichen Sepsis möglich. Beide Geschlechter sind betroffen, wobei sich die multiplen Abszesse bei Männern meist in der Analgegend und bei Frauen oft unter den Achseln befinden.

Die Erkrankung kann in drei Stadien eingeteilt werden. Im Stadium I treten multiple Hautabszesse auf, die nicht vernarben oder Fisteln bilden. Es handelt sich um Riesenkomedonen (Mitesser), die als derbe und tastbare Knoten in der Haut erscheinen. Im Stadium II werden immer wiederkehrende Abszesse beobachtet, die zur Fistelbildung neigen. Eiter, Talg oder übel riechendes Sekret kann durch Drücken entfernt werden.

Das Stadium III ist durch einen großflächigen Befall einer Körperregion mit multiplen Abszessen gekennzeichnet. Die entstandenen Fistelgänge verbinden sich miteinander. Daneben bestehen narbige Areale aus vorangegangenen ausgebrannten Abszessherden. Die Akne inversa ist durch chronische Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und psychische Auffälligkeiten gekennzeichnet.

Des Weiteren kann es durch die ständig auftretenden Symptome häufig auch zu langen Arbeitsausfällen kommen, sodass die Erkrankung als sozialrechtliche Behinderung anerkannt ist. Die Erkrankten leiden häufig durch die langen Ausfallzeiten an sozialer Stigmatisierung und neigen zu Depressionen. Durch die ständigen Abszesse kann es außerdem auch zu lebensgefährlichen Komplikationen wie einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen.

Diagnose & Verlauf

Die Verläufe der Akne inversa sind individuell verschieden. Zu Beginn der Akne inversa bilden sich eiternde Mitesser, die zu entzündeten Knötchen und später zu Abszessen werden können.

Die Akne inversa ist durch mehrere Schübe gekennzeichnet, sodass die Zeiten zwischen den einzelnen Schüben sehr lange dauern können oder recht kurz sind. In den meisten Fällen zeigen sich je nach Tiefe und Umfang der Hautirritationen bei Akne inversa schwere oder leichtere Entzündungen. In der Regel heilt das von Akne inversa betroffene Hautgewebe jedoch narbig ab. Darüber hinaus können sich bei Akne inversa sogenannte Fistelgänge bilden.

Die einzelnen Patienten klagen nicht immer über schmerzhafte Beschwerden, fühlen sich jedoch körperlich und psychisch stark beeinträchtigt. Der Facharzt (z.B. Hautarzt) erkennt das Vorliegen der Akne inversa bereits durch die optische Begutachtung der Haut und die Krankheitsgeschichte, welche die Betroffenen vortragen.

Komplikationen

Besonders groß ist die psychische Belastung, die mit Akne inversa einhergeht. Die Betroffenen schämen sich oftmals für die unschönen Hautstellen, sie ziehen sich zurück und werden möglicherweise auch sozial ausgegrenzt. Es können Depressionen und/oder Probleme in der Partnerschaft folgen.

Mit Akne inversa können starke Schmerzen, Gewebeverkürzungen und Narbenbildungen einhergehen, die zu Bewegungseinschränkungen führen können. Folglich wird der Alltag erschwert, es kann zu Fehlzeiten in der Schule oder am Arbeitsplatz kommen. Auch Angehörige können mit der Situation überfordert sein.

Aus Entzündungsherden der Akne inversa können Bakterien in die Blutbahn eingeschwemmt werden. Das Risiko einer generalisierten Infektionserkrankung, einer sogenannten Blutvergiftung (Sepsis) ist erhöht. Eine Sepsis geht mit den Symptomen ansteigendes Fieber, Schüttelfrost, Rötung, Schwellung, starke Schmerzen, Überwärmung am Ort der Infektion und starkes Krankheitsgefühl einher. Eine Sepsis muss sofort behandelt werden.

Weitere Komplikationen im Zusammenhang mit Akne inversa können wiederkehrende lokale Entzündungen und chronische Schwellungen sein. Auch bestimmte Krebsarten (Plattenepithelkarzinom) können in Verbindung mit Akne inversa stehen.

Akne inversa kann zudem mit Schlafstörungen, Adipositas, Ekelgefühl, Nässegefühl, einer Entstellungsproblematik verbunden mit einem Schamgefühl und einer Beeinträchtigung des Sexuallebens verbunden sein. Zudem kann es zu Weichteilschwellungen unter der Haut bedingt durch eine Störung im Bereich des Lymphgefäßsystems kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Für Menschen, die von einer Akne inversa betroffen sind, empfiehlt sich bereits im ersten von drei möglichen Stadien ein Besuch des Hautarztes. Je eher diese schwere Form der Akne diagnostiziert und fachgerecht behandelt wird, desto besser kann der Dermatologe die schmerzhafte Hauterkrankung in den Griff bekommen. Doch oft genug dauert es lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Bereits die Schmerzen des ersten Stadiums der Akne inversa rechtfertigen es, einen Facharzt für Hauterkrankungen aufzusuchen. Es passiert allerdings oft, dass dieses Stadium nicht als Akne inversa erkannt wird. Das liegt unter anderem daran, dass die Akne inversa im Vergleich mit anderen Formen der Akne seltener auftritt. Heutzutage ist diese Hauterkrankung jedoch den meisten Dermatologen bekannt. Es empfiehlt sich trotzdem, einen erfahrenen Hautarzt aufzusuchen, um keiner Fehldiagnose ausgesetzt zu sein.

Auf keinen Fall sollte der Betroffene an den entzündeten und geschwollenen Eiterherden herumdrücken. Je eher die Akne inversa korrekt erkannt und fachgerecht versorgt wird, desto weniger muss der Betroffene leiden. Beim ersten Stadium der Akne inversa kann der Arzt noch konservativ mit Antibiotika behandeln. Frauen können eine Antiandrogentherapie erhalten. Bei den beiden späteren Stadien sind oft Operationen oder Laserbehandlungen notwendig. Bei einem Verdacht auf Fistelbildung kann der behandelnde Mediziner eine Röntgenkontrastuntersuchung veranlassen. Heute werden Fistelgänge allerdings meist mit Ultraschall oder einer Magnetresonanztomographie dargestellt.

Behandlung & Therapie

Nachdem eine Akne inversa auch durch mikrobiologisch untersuchte Abstriche oder Röntgenuntersuchungen abgeklärt ist, kann eine Behandlung beginnen. Bei der Therapie der Akne inversa können die unterschiedlichsten Methoden eingesetzt werden. Kommt es zu keiner Besserung, kommen gegen die Erkrankung auch operative Eingriffe zum Einsatz. Die stark eiternden Akneherde können chirurgisch eröffnet werden.

Zu den leichteren und nicht so radikalen Behandlungsvarianten gegen Akne inversa gehören eine Umstellung der Ernährung, feucht-warme Umschläge, Bade- und Hydrotherapien. Eine Anreicherung der Nahrung mit Vitamin A und Zinkgluconat kann die Akne inversa ebenfalls lindern. Bewährt haben sich bei der Therapie außerdem gezielt verwendete Medikamente, welche beispielsweise mit Corticosteroiden angereichert sind und direkt in die Haut injiziert werden.

Liegt eine umfangreiche bakterielle Entzündung vor, können antibiotisch wirkende Medikamente verordnet werden. Um hormonelle Ursachen der Akne inversa zu steuern, werden zudem antiandrogene Verfahren genutzt. Bei mittelschwerer bis schwerer Akne inversa stehen heute außerdem Biologika zur Verfügung, also gentechnisch hergestellte Antikörper, die gezielt in die Entzündung eingreifen: Adalimumab ist seit 2015 für diese Erkrankung zugelassen, inzwischen sind weitere Wirkstoffe wie Secukinumab hinzugekommen.

Aussicht & Prognose

Bei vorschriftsgemäßer Behandlung mit verordneten Medikamenten verbessert sich das Hautbild zunehmend. Die Aussicht auf Heilung nimmt zu, wenn die betroffenen Hautpartien genug Luft bekommen und nicht zu stark schwitzen. Wie bei vielen Hautkrankheiten ist auch bei Akne inversa die Ursache nicht restlos geklärt. So gibt es immer die Hoffnung, dass die Krankheit eines Tages ganz von selbst verschwindet. Ob die Heilung von Dauer ist, bleibt abzuwarten und hängt von vielen Kriterien ab, unter anderem dem Hormonstatus und der Lebensweise des Erkrankten.

Ohne Behandlung schreitet die Krankheit weiter voran. Aus Pusteln werden entzündliche Knoten und Abszesse, die eine ärztliche Behandlung unbedingt notwendig machen. Wer auf den Arztbesuch verzichtet, riskiert es, dass sich die Bakterien der Entzündungsherde über die Blutbahnen weiter im Körper verteilen. Unabhängig davon können sich neue Entzündungsherde an weiteren Körperstellen bilden. Hier sieht die Prognose viel schlechter aus. Eine gänzliche Heilung ist ausgeschlossen, da die Krankheit zu viele Ausbruchsherde bekommt.

Speziell bei Akne inversa wird ein Zusammenhang mit dem Rauchen vermutet. Über 80% der Betroffenen sind Raucher. Wer das Rauchen aufgibt und die Akne sorgfältig behandelt, bemerkt meist schnell eine wesentliche Verbesserung des Krankheitsbildes. Die Aussichten sind dann am besten.


Vorbeugung

Hilfreiche Tipps für eine Vorbeugung gegen Akne inversa sind nicht einfach zu geben, zumal die präventiven Möglichkeiten extrem begrenzt sind. Um einer Ausweitung der entzündlichen Prozesse und damit eine Verschlechterung des Zustandes zu vermeiden, ist in jedem Fall eine fachliche, professionelle Behandlung vorzuziehen. Dies betrifft insbesondere das häufig durchgeführte Eröffnen der Eiterherde.

Das Risiko, an Akne inversa zu erkranken, kann eingeschränkt werden, wenn auf ein gesundes Körpergewicht geachtet wird und kein Konsum von Nikotin erfolgt. Bei Frauen kann eine vorzeitige medikamentöse Behandlung gegen das Überwiegen männlicher Hormone in Einzelfällen Akne inversa vorbeugen.

Nachsorge

Akne inversa ist eine langwierige Krankheit, die oft chronisch verläuft. Nach einer erfolgreichen Therapie sollten alle Faktoren vermieden werden, die einen Rückfall und ein Wiederaufflammen der Krankheit begünstigen. Hilfreich ist eine Pflegeroutine, die die Haut sauber hält, aber nicht übermäßig strapaziert.

Empfohlen wird die regelmäßige Reinigung der Haut mit einer milden Waschlotion und einem Einwegwaschlappen. Gute Erfolge werden auch mit Reinigungsmitteln auf Mizellenbasis erzielt, die mit einem Wattebausch auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. Die Ursachen für die Akne inversa sind bis heute nicht abschließend geklärt.

Da aber zumindest statistisch eine hohe Korrelation mit Nikotinkonsum und Übergewicht besteht, sollten diese Faktoren auch bei der Nachsorge berücksichtigt werden. Wer im Rahmen der Therapie aufgehört hat zu rauchen, fängt später besser nicht wieder damit an. Übergewichtige Patienten müssen ihr Gewicht reduzieren. Den größten Erfolg verspricht eine Umstellung der Ernährung auf eine weitestgehend pflanzenbasierte Diät in Verbindung mit regelmäßiger körperlicher Betätigung.

Eine gesunde Ernährung, die neben Vollkornprodukten viel frisches Obst und Gemüse beinhaltet, wirkt sich allgemein günstig auf den Zustand der Haut aus. Beim Einsatz von Körperpflegemitteln und Make-up sollte darauf geachtet werden, nur fettfreie, nicht-komedogene Produkte zu verwenden. Haben sich während der Krankheit Narben gebildet, können diese im Rahmen der Nachsorge behandelt werden.

Das können Sie selbst tun

Eine Akne inversa kann in fortgeschrittenen Stadien vor allem durch operative Eingriffe effektiv behandelt werden. Die Beschwerden und alltäglichen Probleme, die mit der Erkrankung einhergehen, lassen sich allerdings durch einige Vorkehrungen und Hausmittel behandeln.

So empfiehlt sich zunächst eine gesteigerte Körperhygiene. Betroffene Stellen sollten regelmäßig mit einem Einwegwaschlappen und milden Waschlotionen gesäubert werden. Der Hautarzt kann begleitend dazu leichte Salben verschreiben, welche Juckreiz und Co. reduzieren. Worauf verzichtet werden sollte, ist die Haarentfernung durch Wachsen oder Epilieren.

Auch aggressive Peelings werden besser vermieden, denn diese können die Haut zusätzlich reizen. Daneben sollten Betroffene das Rauchen einstellen. Durch den Zigarettenkonsum können sich mehr Bakterien des Typs Staphylococcus aureus auf der Haut ansiedeln – die Folge ist eine Verstärkung der Akne und eine verschlechterte Wundheilung.

Zuletzt empfehlen sich diätische Maßnahmen. Dadurch kann zum einen Übergewicht als Risikofaktor ausgeschlossen werden. Zum anderen trägt eine gesunde und ausgewogene Ernährung ohne Fastfood und Genussmittel zu einem besseren Hautbild und einer gesteigerten Immunabwehr bei. Sollten sich dennoch einmal schwere Entzündungen bilden, gilt es, einen Arzt aufzusuchen und die Entzündungsherde professionell behandeln zu lassen.

Quellen

  • Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
    ISBN: 9783662495445
  • Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
    ISBN: 9783132446045
  • Sterry, W. (Hrsg.): Kurzlehrbuch Dermatologie.
    ISBN: 9783132452534
  • Plewig, G., Melnik, B., Chen, W.: Acne and Rosacea.
    ISBN: 9783319492735
  • Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M.: Checkliste Dermatologie.
    ISBN: 9783131755476

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